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Thematisch sind die Informationen auch dieses Jahres wie folgt geordnet:
Die Anschläge mit Drohnen nehmen weltweit stetig zu, ebenso die Verluste
durch FPV-Drohnen. Eine Anzahl von Beispielen soll die aktuelle Lage
darstellen, beginnend im Nahen Osten.
So werden im Januar 2024 bei einem Drohnenangriff auf den Turm 22 des jordanischen Verteidigungsnetzes, einer logistischen Unterstützungsbasis im Nordosten des Landes nahe der syrischen Grenze, drei US-Soldaten getötet und mehr als 40 verletzt. Den offiziellen Stellen zufolge trägt der Angriff die Handschrift der Hisbollah, die von den Islamischen Revolutionsgarden unterstützt wird. Der Anschlag ist der erste, bei dem Angehörige der US-Streitkräfte getötet werden, und es ist auch der erste Anschlag überhaupt in Jordanien.
In Syrien werden im Januar von der Armee in Aleppo, Hama und im Umland
von Idlib hingegen diverse, von Terroristen gestartete Drohnen abgeschossen
- was nur der erste einer nicht enden wollenden Reihe entsprechender
Berichte im Laufe des Jahres ist. Dem Verteidigungsministerium zufolge
handelt es sich neben den üblichen FPV-Drohnen in einigen Fällen auch
um Drohnen, die mit einem 4 m langen Flüssigtreibstoff-Raketentriebwerk
und 6 m breiten Flügeln ausgestattet und mit 100 kg Sprengstoff beladen
sind.
Die entsprechenden Meldungen erreichen aber nur in den seltensten Fällen die Mainstream-Medien und verschwinden später auch aus den Nachrichtenarchiven und den Angeboten alternativer Homepages. Dies hat möglicherweise mit dem Ende des Jahres erfolgenden Machtwechsel in Syrien zu tun, bei dem - mit fast einmütiger internationaler Unterstützung - die Terroristen der HTS das Land übernehmen, nachdem Präsident Baschar Al-Assad von Russland in sein dortiges Exil ausgeflogen worden ist.
Bemerkenswert ist, daß dessen letzter Befehl an die Syrische Armee lautete, keinen Widerstand zu leisten, was anderenfalls zu großen Verlusten geführt hätte. Kurze Zeit später tragen die ehemaligen HTS-Terroristen Anzüge und Krawatten und werden von allen westlichen Regierungen hofiert. Was äußerst befremdlich ist, war doch auf den HTS-Anführer Abu Mohammed al-Golani von Seiten der USA ein Kopfgeld in Höhe von 10 Mio. $ ausgesetzt gewesen. Doch ein Jahr später schüttelt er als Übergangspräsident Ahmad al-Scharaa freudig u.a. die Hand von Regierungschef Donald Trump und die von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die beide ebenso freudig zurückschütteln.
Im Gazastreifen schießen palästinensische Kämpfer regelmäßig israelische
Drohnen ab, während das Gebiet gleichzeitig zum Testgelände für militärische
Roboter der israelischen Armee (IDF) wird. Wie im März 2024 berichtet
wird, setzt diese mittlerweile neben ferngesteuerten Bulldozern auch
Drohnen ein, die auf Roboterhunden landen. Diese Kombination zweier Roboter
soll zusammen Tunnel und Straßen im Feindgebiet ausspähen und aufklären.
Die IDF hatten bereits im Dezember des Vorjahres drei Roboterhunde des
Typs Vision-60 der US-Firma Ghost Robotics angeschafft.
Die vierbeinige Plattform wird mit dem Rooster des israelischen Unternehmens Robotican kombiniert, einer klassischen vierrotorigen Flugdrohne, die in einem runden Käfig steckt - wie es schon mehrere andere Modelle tun, z.B. die GimBall-Drohne der Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) von 2013, das All-Terrain Land and Air Sphere (Atlas) genannte Fluggerät der US-Firma Unmanned Cowboys LLC aus dem Jahr 2015 oder - als jüngeres Beispiel - der Hybrid Mobility Robot (HMR) der US-Firma Revolute Robotics, der in der Übersicht 2023 beschrieben ist.

Wie seine Vorgänger kann der Rooster so auf dem Boden entlangrollen oder über kurze Distanzen abheben und sich dann auf Dächern absetzen oder durch Fenster hindurchfliegen. Er ist mit einer Kamera ausgestattet, um z.B. Gebäude auszukundschaften und in die Tunnelnetzwerke der Hamas einzudringen, bevor Soldaten hineingeschickt werden.
Dabei wird der 130.000 $ teure Vision-60 nicht nur als Plattform für Kameras und Sensoren, die eine 360°-Sicht ermöglichen, sondern auch als Start- und Landeplatz für den Rooster eingesetzt, um als teilautonomer Drohnen-Carrier zu dienen. Der Rooster selbst, der bereits von zwei NATO-Spezialeinheiten genutzt wird, um gefährliche Bereiche zu erkunden, wiegt 1.620 g, kann eine Nutzlast von 300 g tragen, bis zu 12 Minuten lang schweben und rund 35 Minuten lang am Boden rollen.
Im April 2024 erscheint übrigens ein Video, auf dem ein Roboterhund namens Thermonator zu sehen ist, der mit einem Flammenwerfer ausgestattet ist, auch Napalm verschießen kann und in den USA für unter 10.000 $ erhältlich ist.
Ebenfalls im April berichtet die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die Israel eine vorsätzliche Zerstörung des Gesundheitssystems im Gazastreifen vorwirft, daß ihre Mitarbeiter jetzt auch Kinder mit Schusswunden von bewaffneten Drohnen sehen. Zumindest diese Meldung geht einmal kurz durch die allgemeinen Medien.
Die palästinensische Widerstandsbewegung Hamas zeigt im September 2024 in einem Video mehrere kleine kommerzielle Quadcopter-Drohnen, die sie in der Nähe von Rafah, einer Stadt im südlichen Gazastreifen, abgeschossen hat. Ähnliches geschieht im Dezember, als die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, drei israelische Quadcopter-Drohnen erbeuten, die in Rafah Aufklärungsoperationen durchführten. Dabei wird berichtet, daß das israelische Militär solche Drohnen zunehmend für Operationen einsetzt, wie gezielte Tötungen, den Abwurf von Granaten und die Aussendung von Evakuierungswarnungen.
Auch bei dem Angriff auf das Al-Aqsa-Krankenhaus in Gaza Mitte Oktober beschreiben die Überlebenden, daß zuerst Drohnen über dem Gelände zu hören waren und dann die Raketen einschlugen. Dabei werden mindestens vier Menschen getötet und 17 verletzt, außerdem werden Zelte auf dem Krankenhausgelände getroffen, in denen Geflüchtete leben.
Zur Erinnerung: Israel sieht sich wegen seines Krieges gegen den Gazastreifen mit einem Völkermordverfahren vor dem Internationalen Gerichtshof konfrontiert. Außerdem erlässt der Internationale Strafgerichtshof im November Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und seinen ehemaligen Verteidigungsminister Joaw Galant wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gazastreifen.
Auch die Hisbollah greift weiterhin israelische Armeestellungen mit Drohnen
an. Außerdem veröffentlicht sie Drohnenaufnahmen wichtiger Militär-
und Energieinfrastruktur und die Koordinaten strategischer Positionen
in Israel, die sich in der Reichweite der Raketen befinden, über die
die Hisbollah verfügt. Die IDF erklärte ihrerseits, daß sie vom Libanon aus
gestartete, mit Sprengstoff beladene Drohnen, die in den Norden Israels
eingedrungen seien, abgefangen habe, z.B. bei einem Angriff auf eine
israelische Armeestellung in dem Ort Beit Hillel.
Im August 2024 wird gemeldet, daß der libanesische Widerstand den israelischen Stützpunkt Mahvah Alon südwestlich der Stadt Safed im Norden des besetzten Palästina mit Schwärmen von Selbstmorddrohnen angegriffen habe, und im November wird über massiven Dronenbeschuß aus dem Libanon berichtet, der auf Positionen wie den Marinestützpunkt Stella Maris nordwestlich von Haifa sowie die Fallschirmjägerbasis Bilu südlich von Tel Aviv zielte.
Im Südosten des Landes wird im November nahe der Felsenfestung Masada am Toten Meer eine Drohne abgeschossen, die aus östlicher Richtung in den israelischen Luftraum eingedrungen und vermutlich im Irak gestartet worden war. Demnach führten mit dem Iran verbündete Milizen im Irak in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Drohnenangriffe auf Israel aus. Auch eine Drohne, die aus Syrien kam, sei abgefangen worden.
Als Reaktion attackiert Israel Ziele im Süden von Beirut, die als Hisbollah-Hochburgen gelten, ebenso wie die südlibanesische Stadt Nabatäa. Und bei mehr als 30 massiven Luftschlägen auf Orte in der Provinz Baalbek-Hermel werden mindestens 40 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.
Auch aus anderen arabischen Ländern werden Drohnenangriffe gemeldet,
wie im Juli 2024 bei einem Anschlag während einer Abschlußfeier auf
einen Armeestützpunkt nahe dem Ort Jebeit im Osten des Sudan, der offenbar
dem Armeechef General Abdel Fattah al-Burhan galt. Es sollen dabei
zwei Drohnen eingesetzt worden und mehrere Soldaten getötet worden
sein, weitere Details werden nicht bekannt.
Wie jetzt zu erfahren ist, fügt sich der Angriff in eine Reihe ähnlicher Attacken auf Militärstützpunkte in den vergangenen Monaten. Al-Burhans Truppen stehen seit 15 Monaten in einem blutigen Konflikt mit den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) von Generalleutnant Mohamed Hamdan Daglo. Zudem sind verschiedene Rebellengruppen und Milizen an den Kämpfen beteiligt.
Der gegenwärtig umfassendste Einsatz von Kampfdrohnen aller Art findet
allerdings weiterhin im Russisch-Ukrainischen Krieg statt.
Während dieser in sein drittes Jahr geht, gibt
es jetzt etwa 200 Drohnenhersteller in der Ukraine. Im Netz verbreiten
sich immer mehr Videoclips, wie Mitte Januar die Aufnahmen einer russischen
Aufklärungsdrohne, die ein Gefecht zwischen mit einem Maschinengewehr
bewaffneten russischen Soldaten und einer kleinen ukrainischen FPV-Drohne
filmt.
Man sieht, wie der russische Kämpfer auf die ukrainische Drohne schießt und sie zwingt, ihn anzugreifen. Im allerletzten Moment weicht er dem Angriff aus, indem er sich zu Boden wirft. Er wird durch die Explosion in der Nähe nicht verletzt und verläßt das Schlachtfeld unversehrt. In vielen anderen Fällen gehen die Konfrontationen jedoch nicht so glimpflich aus, und die Verluste auf beiden Seiten nehmen immer mehr zu. Über die Maßnahmen zur Drohnenabwehr, ebenfalls auf beiden Seiten, von denen auch immer mehr Varianten bekannt werden, berichte ich weiter unten.
Die Nachrichtenblogs berichten im Januar darüber, daß Russland eine Stealth-Version der Geran-2-Selbstmorddrohne entwickelt habe, basierend auf dem Entwurf der iranischen Shahed-136. Diese Modelle wurden bereits in früheren Übersichten erwähnt, sind aber brennstoffbetrieben und sollen daher hier nicht weiter verfolgt werden.
Anders liegt der Fall bei den Drohnen vom Typ Lancet-3, die von einem Elektromotor mit Druckpropeller am Heck angetrieben werden. Die vom Kalaschnikow-Konzern entwickelte Kampfdrohne war erstmals auf dem internationalen militärtechnischen Forum Army 2019 bei Moskau ausgestellt worden. Sie wurde bereits in der Jahresübersicht 2022 ausführlich beschrieben.
Im März 2024 wird berichtet, daß innerhalb einer Woche 26 ukrainische Fahrzeuge von russischen Lancets getroffen werden, und im Juni folgt die Meldung, daß die Zahl der dokumentierten Lancet-Angriffe auf die Kiewer Streitkräfte die Marke von 2.000 überschritten hätte.
Außerdem wird bekannt, daß Russland spezielle FPV-Einheiten im Luftkampf gegen ukrainische FPV-Drohnen ausbildet. So hat die Gruppe Nachtjäger eine spezielle Vorrichtung entwickelt, um feindliche Drohnen durch Ramm-Manöver aus dem Verkehr zu ziehen. Dazu gehören auch spezielle Abwurfmanöver. Man sieht also jetzt schon Luft-Luft-Kämpfe zwischen Drohnen, allerdings noch ferngelenkt.
Es gibt aber auf beiden Seiten im Bereich der FPV-Drohnen Versuche, diese zu autonomisieren. Und auch wenn es in diesem Bereich anscheinend bisher noch keinen großen Durchbruch gegeben hat, so erwarten Experten noch in diesem Jahr den Wendepunkt, ab dem vollautonome Drohnen gegen andere Drohnen kämpfen und so die Art und Weise der Kriegsführung für immer verändern. Die Auswirkungen sind nur schwer vorherzusehen, klar ist aber jetzt schon, daß diese gewaltig sein werden – und mit Folgen wie einer Autonomisierung und Automatisierung des Tötens.

Gemäß Meldungen im März hat das Designbüro Wostok die Entwicklung einer günstigeren Kopie der erfolgreichen Lancet-Drohne abgeschlossen. Die neue Scalpel, an der seit vergangenem Jahr gearbeitet wurde, soll wie das Original 5 kg wiegen, eine Reichweite von 40 km haben und 120 km/h schnell fliegen. Die Nutzlast beträgt ebenfalls 5 kg, der Start erfolgt per Katapult. Der Beginn der Serienproduktion von 1.000 Einheiten ist noch für dieses Jahr geplant.
Mitte Juli feuert Russland dann in einer Nacht 13 Raketen sowie 728 Angriffs- und Täuschdrohnen auf die Ukraine ab. Es ist die größte Anzahl an abgefeuerten Drohnen in einer einzigen Nacht seit Kriegsbeginn. Die erwähnten Täuschkörper kommen immer häufiger zum Einsatz, um bei großen Angriffen die ukrainische Luftabwehr zu überlasten. Dabei handelt es sich um Drohnen, die aus Schaumstoff oder Holz bestehen und nicht mit Sprengstoff beladen sind, sich aber nur schwer von scharfen Drohnen unterscheiden lassen und Russland nur einen Bruchteil der Originale kosten.
Es gibt gegenwärtig zwei Haupttypen von Täuschdrohnen: die Parodya, die auf dem Radar wie eine Shahed aussieht, eine ähnliche Geschwindigkeit hat und von der Luftabwehr als echtes Luftziel wahrgenommen wird, sowie die größere Gerbera, deren Form stark der Geran-2 ähnelt. Sogenannte Lüneburger Linsen, kugelförmige Gradientenindexlinsen, die in beiden eingebaut sind, dienen als Radarreflektoren, wodurch beide Arten auf Radaren größer und wie echte Kamikaze-Drohnen erscheinen. Dies zwingt die ukrainische Luftabwehr, Munition für ihr Abschießen zu verschwenden.
Die Russen nutzen die Täuschdrohnen auch, um die Luftabwehrsysteme zu lokalisieren und die Radarabdeckung in verschiedenen Höhen zu untersuchen, womit sich zukünftige Flugwege mit geringem Risiko modellieren lassen.
Laut einer Erklärung der ukrainischen Luftwaffe sind während des o.g. Angriffs sieben Raketen und 296 Drohnen abgeschossen worden, während weitere 415 Drohnen vom Radar verschwanden oder durch elektronische Störsender aus der Luft geholt wurden. In der deutschen Presse wird jedoch ein Angriff im November mit 145 (andere Quellen: 188) Drohnen als bisheriger ,Rekord’ bezeichnet, was eindeutig nicht den Tatsachen entspricht. 62 der Drohnen konnten abgeschossen werden, 67 weitere seien von den Radarschirmen verschwunden, und zehn sind in Richtung Russland, Moldau und Belarus weitergeflogen.

Darüber hinaus sollen die russischen Truppen FPV-Drohnen auch gegen Zivilisten einsetzen, beispielsweise in Cherson. Dort kommen die Drohnen dem Stadtzentrum immer näher, weshalb vermutet wird, daß die Störsender sie nicht mehr stoppen können. Helfen sollen nun mobile Geräte, die vor Drohnen warnen und piepsen, wenn sie durch Abhören ihrer Funksignale eine Gefahr orten. Das Gerät trägt den Namen Zukorok (o. Tsukorok, Zuckerwürfel), kostet rund 50 $ und besteht aus zwei Komponenten. Die eine wird in der Ukraine hergestellt, die andere als Fertigprodukt aus China eingeführt.
Da die ukrainische Armee effektive Störtechnik verwendet, um russische Drohnen handlungsunfähig oder blind zu machen, setzt die russische Seite Meldungen vom August 2024 zufolge neue Aufklärungsdrohnen ein, die mit einer kabelgebundenen Glasfaserverbindung direkt zu den Drohnenpiloten ausgestattet sind. Die nun erstmals im Kampf eingesetzten Drohnen sind mit einer Seilwinde ausgestattet, die mehrere Hundert Meter Glasfaser beinhalten kann und den Drohnen eine gewisse Reichweite gibt, wobei die Glasfaser nur für die Übertragung von Steuersignalen dient.
Die hier abgebildete Seilwinde stammt übrigens von einer ähnlichen kabelgebundenen Drohne der deutschen Firma Highcat aus Konstanz, die eigenen Angaben zufolge auch das ukrainische Verteidigungsministerium beliefert.
Eine solche Kabelverbindung ist gegenüber Störsendern und elektronischen Gegenmaßnahmen nahezu unempfindlich, und außerdem können die Pilotenstellungen durch die fehlenden Funksignale nicht geortet und eventuell mittels Gegenschlägen bekämpft werden. Dafür werden die Flexibilität und die Manövrierfähigkeit geopfert. Kabelgebundene Drohnen umgehen auch die Empfangsprobleme drahtlos gesteuerter Drohnen, denn vor allem, wenn diese nah am Boden fliegen, können die Signale schwächer werden. Ein Glasfaserkabel kann hingegen zum Problem werden, wenn sich die Drohne durch Hindernisse oder Wälder hindurch bewegt.
Im Oktober wird bekanntgegeben, daß der russische Präsident Wladimir Putin noch in diesem Jahr für seine Truppen 1,4 Millionen Drohnen bereitstellen will. Der Nachrichtenagentur TASS zufolge seien im vergangenen Jahr lediglich 140.000 Drohnen an die russischen Streitkräfte ausgegeben worden.

Im Dezember berichtet die ukrainische Flugabwehr über Einflüge ganzer Drohnenschwärme aus verschiedenen Himmelsrichtungen, deren Ziele wegen der sich ständig ändernden Flugrichtungen zunächst nicht ersichtlich werden. Eine weitere Taktik, um die Flugabwehr zu überlasten.
Gleichzeitig meldet die russische Luftabwehr, und zunehmend gegen Ende des Jahres, fast tägliche Abschüsse ukrainischer Drohnen über Moskau und anderen Regionen des Landes. Dabei variieren die Zahlenangaben zwischen acht und weit über 80 Drohnen pro Tag. Die Berichterstattung macht inzwischen aber kaum mehr einen Unterschied zwischen den verschiedenen Modellen, so daß eine genaue Zuordnung aus der Ferne unmöglich wird.
Außerdem steigt die Bandbreite der eingesetzten Fluggeräte: Laut Angaben des russischen Militärs werden z.B. in der letzten Dezemberwoche 2024 vier in Großbritannien hergestellte Luft-Boden-Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow abgeschossen, ein ukrainischer Neptune-Langstrecken-Lenkflugkörper, zwei in Frankreich produzierte Hammer-Lenkbomben, 31 in den USA hergestellte HIMARS-MLRS-Geschosse sowie 496 unbemannte Flugzeuge mit starren Tragflächen, deren Hersteller nicht genannt werden.
Hinzu kommt, daß beide Kriegsparteien ihre Drohnenproduktion stark ausbauen, was vermutlich dazu führt, daß wir bald Angriffe mit mehr als 1.000 Drohnen pro Nacht erleben werden. Der russische Konzern Kalaschnikow plant beispielsweise, seine Drohnenproduktion bis 2025 zu verzehnfachen, um die Nachfrage des russischen Militärs zu decken.
Die lokale Berichterstattung in Deutschland übermittelt in erster Linie
Meldungen aus der Ukraine, die deshalb hier etwas ausführlicher ausfallen.
Der Zugriff auf russische Quellen wird dagegen stark behindert und
ist nur noch über das weltweite Tor-Netzwerk möglich, das u.a. von
Journalisten, Whistleblowern oder politisch Verfolgten genutzt wird,
um Zensur zu umgehen und sicher zu kommunizieren.
Im Februar 2024 melden die Blogs, daß der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Erlaß unterzeichnet hat, um eine separate Truppe für Drohnensysteme innerhalb der ukrainischen Truppen aufzubauen. Dem Minister für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, zufolge werde die Drohnentruppe den technologischen Fähigkeiten der Streitkräfte einen kräftigen Schub verleihen. Im vergangenen Jahr hätten Drohnen „die Situation auf dem Schlachtfeld grundlegend verändert.“
Die Ukraine will nun jeden Monat Zehntausende Drohnen produzieren, und der Präsident kündigt an, daß im Jahr 2024 eine Million Drohnen hergestellt werden sollen. Im vergangenen Jahr seien rund 300.000 Drohnen produziert worden, darunter Modelle, die mit Granaten und Minen für Bodenangriffe ausgerüstet sind.
Erreicht hat das die Ukraine durch eine Art Guerilla-Produktion, getarnt in Hinterhöfen, Kellern und Küchen in Wohngebieten, Stadtzentren oder Geschäftshäusern. Ein häufig genanntes Beispiel ist das Projekt Victory Drones, bei dem Zivilisten in Online-Kursen lernen können, eine ,Volksdrohne’ zusammenzubauen, wobei auch gleich die Links zu AliExpress mit den notwendigen Einzelteilen für den Eigenbau genannt werden. Zum Einsatz bringen sie die über 60 Drohnenangriffsbrigaden des ukrainischen Militärs.
Allerdings bezweifelt das ukrainischen Nachrichtenportal Censor.net die Zahlen und behauptet, daß Selenskyj über die Versorgung der Armee mit Drohnen lügt. Das Ministerium für Strategie und Industrie hätte zwar bekannt gegeben, daß es in den ersten beiden Monaten dieses Jahres 200.000 Drohnen freigegeben habe, doch es ist unklar, wo diese abgeblieben sind. Die Brigaden hätten tatsächlich nur etwa 5 % der von ihnen verwendeten FPV-Drohnen vom Staat erhalten.
Ebenfalls im Februar plant eine Koalition unter der Leitung von Lettland und dem Vereinigten Königreich, massiv in die Beschaffung und Lieferung unbemannter Luftfahrzeuge an die Ukraine zu investieren. Dabei geht es um eine Million Drohnen, die meisten davon einfache, handelsübliche Modelle, die mit Kameras für Aufklärungszwecke ausgestattet sind. Einige könnten jedoch auch in der Lage sein, kleine Sprengkörper abzuwerfen. Die lettische Investition beläuft sich dabei auf 10,8 Mio. €. Deutschland, Dänemark, Estland, Litauen, die Niederlande und Schweden erklären sich ebenfalls bereit, die Initiative zu unterstützen. Ein Zeitplan für die Lieferung der Drohnen wird nicht genannt.
Im März 2024 wird bekannt, daß die Ukraine mit ihrer als Baba Jaga bekannten schweren Transportdrohne einen Quadrokopter in der Luft absetzen kann. Dieser trägt einen Repeater mit sich, der die Signalreichweite erhöht. Das Ergebnis ist eine erhebliche Steigerung der Reichweite der ukrainischen Kamikaze-Drohnen, die so Ziele in einer Entfernung von bis zu 20 km treffen könnten. Baba Yaga ist ein großer Hexacopter mit einer Infrarotkamera und der Kapazität für einen 15 kg schweren Raketensprengkopf, der zumeist nachts abgeworfen wird. Der Name ist eine Anspielung auf eine mythische Hexe.
Ebenfalls im März teilt der britische Verteidigungsminister Grant Shapps mit, daß die britische Regierung Kiew mit insgesamt 10.000 Drohnen unterstützen wird, wobei es sich hauptsächlich um FPV-Versionen handelt. Hinzu kommen 1.000 Kamikazedrohnen sowie Aufklärungs- und Seedrohnen. London wird dafür seine bereits bestehende Zusage von Drohnen im Wert von 200 Mio. £ auf 325 Mio. £ erhöhen und plant einen Wettbewerb, um die Fluggeräte in großem Maßstab und zu einem erschwinglichen Preis herstellen zu lassen. Denn auch Shapps ist überzeugt, daß „Drohnen den Kriegsverlauf ändern.“
Im April 2024 kündigt Litauens Regierungschefin Ingrida Šimonytė den baldigen Kauf und die Lieferung von rund 3.000 Drohnen für die Ukraine an. Die Fluggeräte im Wert von insgesamt rund 20 Mio. € sollen bis Ende dieses Jahres die Front erreichen. Spätere Informationen vom Oktober sprechen davon, daß Vilnius nun 1.000 Kampfdrohnen liefern wird. Die Regierung des Baltenstaats hat bei lokalen Herstellern für 8 Mio. € mehr als 7.000 Drohnen bestellt, von denen gut 2.300 für die eigene Armee, der Rest für die Streitkräfte der Ukraine bestimmt sind. Nach der ersten Charge sollen die restlichen Flugroboter bis Ende dieses Jahres ausgeliefert werden.

Außerdem wird im April die Einführung der Starrflügeldrohne Ram X bekannt, die speziell die russischen mobilen Luftabwehrsysteme zerstören soll. Deren Ausschaltung soll der ukrainischen Luftwaffe Präzisionsangriffe mit Gleitbomben ermöglichen. Die lokal hergestellten, elektrisch betriebenen Kamikaze-Drohnen des ukrainischen Unternehmens CDE sind verbesserte Versionen der 2018 vorgestellten Ram II, die bei einer Flugzeit von bis zu 55 Minuten und über eine maximale Flugdistanz von bis zu 30 km einen 5 kg schweren Sprengkopf mit einer Genauigkeit von 1 m ins Ziel befördern kann.
Die Ram X soll hingegen eine Reichweite von etwa 50 km haben, in späteren Quellen werden sogar noch höhere Zahlen angegeben. Außerdem ist das Design stärker auf geringere Sichtbarkeit und bessere Manövrierbarkeit ausgelegt. Die Weiterentwicklung soll auf der russischen Lancet-Drohne basieren. Das ukrainische Militär hatte es geschafft, die Flugroute einiger gegnerischer Drohnen zu manipulieren, woraufhin diese in eigenem Gebiet weich landeten. Anschließend konnten sie analysiert und nachgebaut werden.
Übrigens wird zur gleichen Zeit bekannt, daß eine neue, noch unbenannte Kamikaze-Drohne der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) in ihrem Design ebenfalls der Lancet sehr ähnlich sieht und auch ganz ähnliche Spezifikationen aufweisen soll.

Im Mai erscheinen Berichte, denen zufolge eine geheimnisvolle ukrainische Drohneneinheit namens Code 9.2 Einsätze innerhalb Russlands durchführt, um dort auf wichtigen Straßen und Wegen Minen abzuwerfen. Die Einheit setzt große Vampire-Quadrokopter ein, die bis zu 15 kg Nutzlast tragen können, beladen eine Geschwindigkeit von 40 km/h erreichen und einen Kampfradius von 8 - 12 km für einen Einsatz zum vorgesehenen Punkt und zurück haben. Die Verbindung erfolgt über eine Nachtsichtkamera und Starlink.
Um sich so weit wie möglich vor der Bedrohung durch russische Drohnen zu schützen, operiert die Einheit nur im schwindenden Licht der Dämmerung. Die Operatoren müssen aber auch dann damit rechnen, von russischen Orlan-Drohnen entdeckt zu werden, die mit Wärmekameras ausgestattet sind, um auch im Dunkeln Ziele auszumachen. Auf Aufnahmen der Einheit ist zu sehen, wie die ukrainischen Vampire-Drohnen mit der tschechischen Panzerabwehrmine PTMIBA III sowie der russischen TM-62 bestückt werden - was irgendwie absurd klingt.
Inzwischen arbeiten mehrere unabhängige ukrainische Teams an Systemen, die russische Aufklärungs- als auch Kamikaze-Drohnen mit Hilfe der FPV-Technologie abfangen und zerstören, was auch in zahlreichen Videos gezeigt wird. Ein Beispiel liefert die Signum-Einheit der 93. mechanisierten Brigade der Ukraine, die Videoaufnahmen einer FPV-Drohne veröffentlicht, die eine russische ZALA-Lancet-Drohne entdeckt und durch eine Druckwelle beschädigt, worauf sie abstürzt und auf einem Feld zerschellt.
Das ukrainische Militär schickt derweil ganze Drohnenschwärme nach Russland, um in mehreren Regionen massive Attacken durchzuführen. Dabei werden bevorzugt Raffinerien, Treibstoff- und Munitionsdepots sowie Militärflugplätze angegriffen.
In einem Video vom August 2024 ist zu sehen, wie Angehörige der ukrainischen Armee eine AK-74 auf einer Drohne montieren, die anschließend losfliegt und kurze Salven auf Zielmarken am Boden abfeuert. Interessant sind die eingeschnittenen FPV-Aufnahmen, bei denen man erkennt, daß es nur einen geringen Rückstoßeffekt gibt, der auch nur seitlich wirkt, weil das Maschinengewehr liegend an der Drohne befestigt ist.
Ebenfalls im August erklärt Staatschef Selenskyj, daß für dieses Jahr bereits eine Million Drohnen bei den Herstellern in Auftrag gegeben worden sind, im kommenden Jahr sollen es deutlich mehr werden, wobei auch auf eigene Produktionskapazitäten gesetzt wird. Die breite Palette von Aufklärungs- bis hin zu Langstreckendrohnen hat bereits strategische Auswirkungen auf den Krieg und soll die Ukraine zudem zu einem Sicherheitsanbieter für andere Staaten machen.

Ebenfalls in diesem Monat wird in einem Video gezeigt, daß der ukrainische UAV-Hersteller Wild Hornets seine Kamikaze-Drohnen so umgebaut hat, daß diese in mehreren Kilometern Höhe russische Aufklärungsdrohnen rammen und durch die Wucht des Aufpralls, teilweise ergänzt durch Splitterladungen, zum Absturz bringen. Das Video zeigt rund 100 Treffer der kleinen Quadrokopter, die die unterschiedlichsten gegnerischen Drohnen direkt anfliegen und zerstören.
Der Sting (o. Stacheldrohne; interceptor drone) genannte Quadrokopter wird im 3D-Druck hergestellt und kann bis zu 315 km/h schnell fliegen. Seine Reichweite beträgt bis zu 37 km und er kann bis zu 3.000 m aufsteigen, um beim Kontakt mit der Gegnerdrohne zu explodieren. Sein Preis wird auf 2.100 $ geschätzt.

Anfang September 2024 erscheinen Videos, die erstmals den Einsatz ukrainischer Brandmittel gegen Russland zeigen: Eine Dragon-Drohne überfliegt nahe nordwestlich der Stadt Polohy eine schmale Baumreihe und läßt dabei eine brennende Flüssigkeit auf eine von den Russen gehaltene Stellung ab.
Die Flüssigkeit, vermutlich geschmolzenes Thermit, eine Mischung aus Eisenoxid und Aluminium, die mit 2.500°C brennt, setzt schließlich das gesamte Waldstück in Brand. Die Drohne agiert wie ein Flammenwerfer aus der Luft, mit dem man gezielt feindliche Stellungen niederbrennen kann. Ob sich in der rund 100 m langen Stellung Menschen befunden haben, ist nicht bekannt.
Rüstungsminister Olexander Kamyschin berichtet im Oktober über den aktuellen Stand der Drohnenproduktion. Demnach habe die ukrainische Rüstungsindustrie bereits eine Million Drohnen in verschiedenen Ausführungen für die Streitkräfte gebaut und ausgeliefert.
Im November liefert auch die Bundesregierung erstmals Kamikaze-Drohnen an die Ukraine. Bislang hatte Deutschland lediglich unbewaffnete Aufklärungsdrohnen geliefert.

Bei der neuen Hilfe im Rahmen der sogenannten ,Ertüchtigungsinitiative’ handelt es sich um rund 4.000 Stück einer KI-gesteuerten Drohne, die mit Software der im Jahr 2021 gegründeten deutschen Firma Helsing ausgestattet ist und offiziell im Dezember vorgestellt wird. Zum Start soll die Produktion bis zu 1.000 Stück im Monat betragen, mittelfristig ist eine Kapazität von Zehntausenden Drohnen im Monat angestrebt.
Die neue HX-2, das gegenwärtige Spitzenmodell der Firma, ist als X-Wing-Drohne konzipiert, wiegt 12 kg, nutzt vier Elektromotoren und erreicht bis zu 220 km/h. Für den Start wird die Drohne, die vom Design her fast bis aufs Haar der Izdeliye 55 von Zala gleicht, einer neuen, AI-gesteuerten Lancet-Variante, über eine Startrampe bzw. ein Katapult beschleunigt, um dann Ziele in einer Entfernung von bis zu 100 km zu bekämpfen.
Die stoßsichere Drohne, deren Kernkomponenten bereits kampferprobt sind, kann Ziele auch bei Störsendern und unter schwierigen Bedingungen anfliegen, da die KI an Bord sie immun gegen elektronische Abwehr macht, so daß der Bediener die Drohne ohne ständige Datenverbindung steuern kann. In Verbindung mit der von Helsing entwickelten Aufklärungs- und Angriffssoftware Altra kann die HX-2 von einem einzigen Bediener auch in Schwärmen zu Hunderten gesteuert werden.

Andere Quellen berichten allerdings, daß es sich bei den 4.000 Drohnen nicht um die HX-2 handelt, sondern um eine in der Ukraine zugekaufte Billig-Drohne aus Sperrholz. Die AQ100 Bayonet des Herstellers Terminal Autonomy hat eine Tiefdecker-Konfiguration mit einer Spannweite von 1 m und großen Canard-Flügeln am Bug. Sie weist ähnliche technische Charakteristika auf wie die russische Lancet, d.h. eine Reichweite von bis zu 150 km und einen Sprengkopf von 4,5 kg, wobei der Preis mit 4.000 $ deutlich niedriger geschätzt wird als der Preis der HX-2 von 35.000 $.
Helsing läßt den 144 km/h schnellen Billig-Drohnen-Entwurf in der Ukraine fertigen, anschließend wird die in HF-1 umbenannte Drohne mit der Helsing-eigenen Steuerungssoftware versehen, die auf einer eigens entwickelten KI basiert. Später wird berichtet, daß Helsing eine noch größere Lieferung von 6.000 Drohnen im Jahr 2025 plant.
Ebenfalls im November demonstriert das ukrainische Militär die neue Fähigkeit der Dovbush-T10 Starrflügeldrohne als Startplattform für mehrere FPV-Kamikaze-Drohnen, die sie unter ihren Flügeln trägt. Die T10-Plattform, die Ende 2022 zunächst als Aufklärungsdrohne eingeführt wurde, verfügt über eine Einsatzreichweite von nahezu 35 km. Ihr Stückpreis beträgt etwa 12.000 $.

Das neue, weiterentwickelte System ermöglicht den Einsatz von bis zu sechs Kamikaze-Drohnen und vergrößert damit die Reichweite dieser kleineren Angriffseinheiten, die kopfüber montiert sind und ihre Motoren vor dem Abwurf starten. Im Flug drehen sie sich automatisch und können dann von FPV-Piloten gesteuert werden.
Dabei hat das T10-System eine Doppelfunktion, denn die Mutterdrohne ist nicht nur Träger, sondern auch Signalrelaisstation. Damit wird eine der Hauptbeschränkungen von FPV-Drohnen beseitigt: ihre begrenzte Kommunikationsreichweite. Außerdem kann die T10 bei GPS-Störversuchen auf Trägheitsnavigation umschalten und so die Mission fortsetzen. In welcher Anzahl die Ukraine die Drohnenträgerschiffe produziert, ist bislang nicht bekannt.
Auch in Bezug auf Abwehrmaßnahmen gegen Drohnen und
ihre Angriffe rüsten beide Kriegsparteien auf. Über die entsprechenden
Systeme findet sich weiter unten mehr. Zuerst soll ein Blick auf die
weiteren Entwicklungen auf internationaler Ebene geworfen
werden.
Im April 2024 erfolgt bei einer Vorführung auf
der Eglin Air Force Base in Florida der Erstflug einer kleinen, 3D-gedruckten
Starrflügel-Kampfdrohne. Ein als Black Phoenix bekanntes Team der U.S.
Air Force hatte das autonome, etwa 3,6 kg schwere Flugzeug,
das speziell für seine Einsatzparameter entwickelt wurde, innerhalb von
nur 24 Stunden entworfen, gebaut und geflogen.

Die Teilnehmer begannen das Projekt mehr als sechs Monate zuvor im Rahmen eines Blue-Horizons-Stipendiums. Blue Horizons ist ein Zentrum für Strategie und Technologie der Luftwaffe, das teils als Denkfabrik, teils als Inkubator fungiert und unkonventionelle Denkweisen und Prozesse zur Lösung von Problemen der Luftwaffe mit strategischer Bedeutung fördert.
Um in weniger als zehn Minuten einen aerodynamischen UAS-Körper zu entwerfen, nutzte das Team die automatisierte Konstruktionssoftware des Luft- und Raumfahrtunternehmens Titan Dynamics. Der Designcode wurde in 3D-Drucker eingespeist, um die leichten Einzelteile herzustellen, die anschließend zusammengebaut wurden. Um die 22,5-Stunden-Marke herum befestigte das Team die Heckteile und schließlich die Propeller. Damit zieht die USA nach, denn sowohl in der Ukraine als auch in Russland wird der 3D-Druck schon länger zur Herstellung von Drohnen genutzt.
Unter anderem durch das Video einer militärischen Schießveranstaltung stellt die Armee in Indien im Mai 2024 eine Hexakopter-Drohne vor, die mit einem Maschinengewehr für Kampfeinsätze ausgestattet ist.

Das Sirin Hexadrone genannte System, das von dem indischen, erst 2021 gegründeten Unternehmen Ikran Aerospace and Technologies gebaut wird, kann aufgrund seines modularen Multi-Payload-Designs ebenso mit anderen Kleinwaffen ausgerüstet werden. Allerdings soll die Nutzlast nur etwa 1 kg betragen, was die Frage aufwirft, welches Maschinengewehr da wohl installiert wurde.
Die Drohne besitzt ein System zur Zielerfassung sowie -klassifizierung und ist dank KI-Algorithmen in der Lage, Ziele selbständig zu erkennen und auszuwählen. Ansonsten wird der Hexakopter über eine verschlüsselte Kommunikation angesteuert, um damit feindliche Stör- und Spoofingversuche sicher zu verhindern. Zusätzlich kann die Sirin Hexadrone zu militärischen Aufklärungszwecken eingesetzt werden. Dazu verfügt sie über eine Flugdauer von etwa 45 Minuten.
Ebenfalls im Mai 2024 erscheinen Berichte darüber, daß das chinesische Militär im Manöver Golden Dragon, das die Volksbefreiungsarmee alle zwei Jahre zusammen mit der kambodschanischen Armee abhält, bewaffnete Roboter vorgestellt hat.

Neben einem kleineren Roboterhund, der für Aufklärungsaufgaben eingesetzt wird und dem Roboterhund Spot des US-Unternehmens Boston Dynamics ähnelt, mit einem Gewicht von 15 kg aber rund 10 kg leichter ist, wird auch eine deutlich größere Version gezeigt, die rund 50 kg wiegt und mit einem Schnellfeuergewehr ausgestattet ist.
Von einer direkten Kopplung zwischen und Drohne, wie bei dem o.e. israelischen System, wird nichts berichtet, doch in dem veröffentlichten Video des staatlichen chinesischen Fernsehens (CCTV) sind neben Drohnen für verschiedene Einsatzzwecke, etwa der Aufklärung oder dem Transport kleiner Objekte, auch ein größerer Hexacopter in Aktion zu sehen, der ebenfalls mit einem Gewehr ausgestattet ist, um Gegner aus der Luft zu bekämpfen.
Außerdem hat die chinesische Volksbefreiungsarmee damit begonnen, die Drohnenkriegsführung in ihre Ausbildungsprogramme mit einzubeziehen.
Es sollte erwähnt werden, daß zur gleichen Zeit auch das Marine
Forces Special Operations Command (MARSOC) der USA Roboterhunde
testet, die mit ferngesteuerten Waffen ausgerüstet sind. Hier sind es
mindestens zwei Roboterhunde, die auf dem eingangs erwähnten Modell Vision
60 von Ghost Robotics basieren, die mit ferngesteuerten Waffen unterschiedlichen
Kalibers ausgestattet sind.
Die kampffähigen Roboter sind mit dem von Onyx Industries entwickelten Sentry Remote Weapon System (RWS) ausgestattet, das ein KI-gestütztes digitales Bildgebungssystem umfaßt, welches es dem Roboterhund ermöglicht, potentielle Ziele wie Drohnen, Menschen und Fahrzeuge selbständig zu scannen und zu erkennen. Sobald ein Ziel identifiziert ist, alarmiert das System einen menschlichen Bediener, der dann entscheidet, ob er es angreift oder nicht.
Die US-Army stellt wiederum ein Minenräumungskonzept vor, bei dem Schwärme von mit Sprengstoff beladenen Quadrokoptern von unbemannten Bodenfahrzeugen aus eingesetzt werden, um die Minen zur Detonation zu bringen.

Diese Technologie, die in einem Video des Sandhills-Projekts gezeigt wird, auch bekannt als das Future Breaching Experiment, das von der 20. Pionierbrigade in Fort Liberty und verschiedenen Partnern aus der Industrie gesteuert wird, soll effizienter sein als bisherige Fernräumungsmethoden.
Die Armee hatte schon Anfang des Jahres bei einer ersten Übung mit explosivstoffbeladenen Drohnen experimentiert, um Minen physisch auszulösen - entweder durch Auslösen ihrer Zünder oder durch eine direkte Detonation. Dabei wurde sowohl bei Tages- als auch bei Nachtübungen auf scharfe Panzerabwehrminen des russischen Typs TM-62 gezielt. Darüber hinaus wurde die Drohnentechnologie zur Ortung von Minen mittels Lidar und elektrooptischer Sensoren eingesetzt.
In dem neuen Video wird nun ein autonomes, unbemanntes Bodenfahrzeug des Typs S-MET von General Dynamics Land Systems (GDLS) gezeigt, das mit Türmen von Quadrokoptern ausgestattet ist, die in Fünfergruppen übereinander aufgereiht sind. Einige der Drohnen starten, und man kann sehen, wie sie sich in Richtung der Panzerabwehrminen in der näheren Umgebung bewegen. Die gesamten 20 Drohnen starten in nur 13 Sekunden.
Durch den Einsatz solcher explosivstoffbeladener Drohnenschwärme lassen sich dichte Minenfelder schnell räumen und auch andere Hindernisse beseitigen, wie etwa Panzersperren aus Beton. Und natürlich lassen sich damit auch feindliche Kräfte angreifen.
Berichten vom Oktober 2024 zufolge startet das U.S. Marine Corps (USMC) im Rahmen des Programms Organic Precision Fires-Light (OPF-L), das darauf abzielt, tragbare, schwebende Munition auf verschiedenen Plattformen einzusetzen, Tests mit den neuen Quadrokopter-Drohnen Bolt und Bolt-M des Rüstungsunternehmens Anduril Industries, die durch KI einfacher zu steuern sein soll als FPV-Drohnen. Das M steht für Munition.

Die Softwareplattform von Anduril automatisiert viele der komplexen Flugmanöver, die für die Zielerfassung und -bekämpfung erforderlich sind. Die Firma war uns bereits 2019 mit ihrer Drohne Interceptor begegnet (s.d.).
Die Bolt-M verfügt über eine Flugzeit von 40 Minuten und eine Reichweite von etwa 19 km. Sie kann Nutzlasten mit einem Gewicht von bis zu 1,4 kg transportieren und eignet sich für die Bekämpfung von Zielen wie leichten Fahrzeugen, Personen und befestigten Stellungen. Eine konkrete Bewaffnung wird nicht angegeben.
Die Drohne paßt in einen Rucksack, wiegt 5,4 kg und kann in weniger als fünf Minuten von jedem Ort aus eingesetzt werden, verfügt über werkzeuglos austauschbare Batterien für längere Flüge und steht in ständiger Verbindung mit der Lattice AI, die kontinuierlich Daten aus allen verfügbaren Quellen überwacht, nicht nur von anderer Anduril-Hardware.
Eine der herausragenden Eigenschaften der neuen Drohne ist die Fähigkeit, Ziele autonom zu verfolgen. Sobald ein Bediener ein Ziel bestimmt hat, soll die Drohne diesem unabhängig folgen können, selbst wenn die Kommunikationsverbindungen unterbrochen werden.

Neben der Anduril waren bereits Mitte April aus einem Pool von acht Anbietern auch die US-amerikanischen Hersteller AeroVironment und Teledyne FLIR ausgewählt worden, um dem USMC eine leichte Variante der Loitering-Munition zu liefern, die die drei Wettbewerber in den nächsten zwei Jahren für die Streitkräfte herstellen, liefern, testen und warten werden.
Auf dem kombinierten Foto ist zu sehen, wie sich die Bolt-M-Drohne im Angriffsflug auf das Ziel stürzt, bevor sie explodiert und das unbesetzte Zielfahrzeug mit Munition gegen materielle Ziele überschüttet.
Eher bescheiden wirken die Ambitionen des deutschen Bundesverteidigungsministeriums
(BMVg), über die im Oktober berichtet wird: Demnach soll die Bundeswehr bis 2032 sage
und schreibe 21 Drohnen erhalten, die im Ernstfall als Kampfdrohnen
eingesetzt werden können. Der Bundestag hatte erst im April 2022 grünes
Licht für bewaffnete Drohnen gegeben, und zwei Jahre später, Mitte
Mai dieses Jahres, startete dann die erste, mit Raketen bestückbare
Drohne German Heron TP (Turboprop) vom Fliegerhorst
Jagel in Schleswig-Holstein zu einer sechsmonatigen Testphase.
Bei diesen Drohnen handelt es sich allerdings um große, brennstoffbetriebene Exemplare, die der Hersteller Israel Aerospace Industries (IAI) entwickelt hat und die von der Bundeswehr geleast werden. Über Deutschland dürfen sie dem hiesigen Luftverkehrsrecht zufolge aber nur unbewaffnet fliegen.
Die obige Meldung kursiert im Zusammenhang mit dem Entwurf der CSU eines ,Leitantrages zur Stärkung der Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit’ für den Parteitag in Augsburg, mit dem die Partei eine Drohnenarmee aufbauen will. Dabei wird betont, wie wichtig es sei, zeitnah in die heimische Drohnenforschung und -produktion zu investieren. Das hätte auch der frühere bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß nicht besser ausdrücken können.
In Nordkorea geht so etwas viel schneller, denn der
Oberste Führer Kim Jong-un ordnet die Massenproduktion
von Kamikazedrohnen einfach an, wie die staatliche Nachrichtenagentur
KCNA im November 2024 meldet. Kim hat zuvor einem Test
von Drohnen beigewohnt, die Ziele sowohl an Land als auch im Meer treffen
können.
Das Land hatte Kamikazedrohnen aus eigener Produktion, die vom nordkoreanischen Unmanned Aerial Technology Complex (UATC) hergestellt werden, erstmals im vorangegangenen August vorgestellt, wobei Experten vermuten, daß Pjöngjang diese Fähigkeit infolge des vertieften Bündnisses mit Russland erlangt haben könnte.
Eher wie ,die Maus, die brüllte’, wirkt die deutsche Kurzzeit-Außenministerin Annalena
Baerbock, die am Rande eines EU-Treffens in Brüssel im November China mit
Konsequenzen bzw. Sanktionen wegen mutmaßlicher Drohnenlieferungen an
Russland droht. Der Auswärtige Dienst der EU hatte im September Berichte
von Geheimdienstquellen über die Existenz einer Fabrik in China erhalten,
die Drohnen herstellt, welche nach Russland geliefert und im Krieg gegen
die Ukraine eingesetzt werden.
Andere Seiten berichten über ein ungenanntes russisches Rüstungsunternehmen, das in China eine neue Drohne mit der Typenkennung G3 (o. Garpiya-3) entwickelt und auch getestet habe, wobei auch chinesische Experten in Xinjiang eine wichtige Rolle gespielt hätten. Nun soll die Militärdrohne in großer Stückzahl in Russland produziert werden. China weist die Vorwürfe jedoch zurück, und auch später kann weder eine offene chinesische Waffenlieferung noch die volle operative Rolle der angeblichen Fabrik öffentlich bestätigt werden.
Im Dezember 2024 folgt eine Meldung über Forscher der North
University of China, die ein modifiziertes AK-47-Sturmgewehr
entwickelt haben, das fast keinen Rückstoß hat und sich daher auch von
kleinen, leichten Drohnen abfeuern läßt. Die Waffe wiegt etwa 3 kg und
erzielt ihre besondere Funktion mittels eines strategisch plazierten
Lochs im Lauf, durch welches die Gasdruckwelle der Pulverexplosion nach
hinten abgeleitet wird.
Der resultierende Rückstoß soll so gering sein wie das Tippen auf einer Tastatur, wodurch die Waffe stabil und das Ziel genau im Visier bleibt. Um den Verlust durch das Loch auszugleichen, wurden zudem spezielle 7,62-mm-Patronen mit einem Elektromagneten und einer Membran entwickelt, über die bislang aber keine näheren Details zu finden sind.
Darüber hinaus gibt der chinesische Drohnenhersteller Poly Technologies einen Großauftrag der Regierung über fast eine Million leichter Kamikaze-Drohnen bekannt, die bis 2026 geliefert werden sollen. Der Auftrag monopolisiert die Produktionskapazitäten des Unternehmens, das bereits einen Auftrag über fast eine Million Drohnen für die Regierung hat und nun gezwungen ist, andere Kunden abzulehnen. Einzelheiten über den konkreten Typ oder die technischen Spezifikationen der Drohnen werden nicht bekannt gegeben.
Als Nächstes folgt ein Blick auf den aktuellen Stand bei der Drohnenabwehr. Experten schätzen, daß derzeit 60 - 90 % aller Drohnen aufgrund von Maßnahmen der elektronischen Kriegsführung (Eloka) verloren gehen.
Bereits im Januar 2024 wird darüber berichtet, daß
das russische Militär damit begonnen hat, seine Panzer mit dem elektronischen
Kampfsystem Sania (o. Saniya) auszustatten, das von
Ingenieuren aus St. Petersburg speziell zur Bekämpfung ukrainischer FPV-Drohnen
entwickelt wurde. Das autonom arbeitende System sucht das elektromagnetische
Feld in seiner Umgebung nach Drohnensignalen ab und sendet Störsignale
aus, sobald es eine anfliegende FPV-Drohne erkennt.

Das Gerät besteht aus einem Detektor und dem eigentlichen Signalunterdrücker, die zusammen weniger als 30 kg wiegen. Der Komplex bildet eine unsichtbare Kuppel um einen Panzer oder ein anderes Fahrzeug. Er erkennt die Drohnen automatisch und aktiviert den Unterdrückungsmodus, der in einer Entfernung von bis zu 1,5 km die Frequenz jeder FPV-Drohne wählen und abschalten kann: „Ihre Motoren schalten sich ab, sie fallen wie Steine, zerbrechen und explodieren in einem sicheren Abstand zum geschützten Objekt.“
Außerdem wird der Unterdrücker nur in den Momenten eingeschaltet, in denen die Drohne bereits entdeckt wurde. Die restliche Zeit ruht er, damit der Feind das Signal nicht entdecken kann. Weitere Details über das Schutzmittel, das ganze Schwärme von Drohnen ausschalten kann, werden nicht verraten. Die Hersteller haben auch nicht bekannt gegeben, wie viele Sania-Komplexe bereits ausgeliefert wurden. Die Nachfrage nach den Produkten wächst jedoch und eine Ausweitung der Produktion ist bereits geplant.
Ursprünglich war das Sania Counter-Uncrewed Aerial System (C-UAS) nicht für gepanzerte Fahrzeuge konzipiert. Sein primärer Zweck war es, das unbefugte Eindringen von Drohnen in vertrauliche Gebiete zu verhindern.
Zeitgleich ist zu erfahren, daß der Prototyp des unbemannten Flugabwehrsystems Armored Multi-Purpose Vehicle (AMPV) von BAE Systems bei einem kürzlich durchgeführten Live-Feldversuch eine kleine Flotte von Quadrokopter-Drohnen mit einem modularen Waffensystem von Moog ausgeschaltet hat. Moog bietet mit dem RIwP (Reconfigurable Integrated Weapons Platform) ein hochgradig modulares und plattformunabhängiges Waffen- und Turmsystem an, das speziell für die Flugabwehr und Drohnenabwehr entwickelt wurde.

Für die Übung auf dem Schießplatz Big Sandy in Kingman, Arizona, war der Prototyp des AMPV mit einer Oberplatte ausgestattet worden, die 30 verschiedene austauschbare Geschütztürme aufnehmen kann. Darauf wurde eine RIwP geschraubt, die Teil des Maneuver-Short Range Air Defense (M-SHORAD) Turms ist, der eine Kombination aus Geschützen, Raketen und an Bord installierten Sensoren nutzt. Das M-SHORAD-Fahrzeug ist auch unter dem Namen Sergeant Stout (o. Sgt. Stout) bekannt und bereits mit über 150 Systemen bei der U.S. Army im Einsatz.
Im zusammengebauten Zustand trug das AMPV C-UAS das Multi-Mission Hemispheric Radar (MHR) von Leonardo DRS für eine 360°-Abdeckung, Kamera- und Sensorpakete, dazugehörige Kommando- und Kontrollsysteme, Stinger-Raketen, ein Maschinengewehr und eine Kanone von Northrop Grumman für 30-mm-Näherungsgeschosse. Dies ist jedoch nur eine von mehreren möglichen Konfigurationen für Mehrfacheinsätze, Panzerabwehr und Luftverteidigung.
Bei den Tests hatte das Fahrzeug die Aufgabe, stationäre und bewegliche Ziele in der Luft und am Boden genau zu erkennen, zu verfolgen, zu identifizieren und dann zu zerstören oder außer Gefecht zu setzen.
Um das Jamming der Störsender ins Leere laufen zu lassen, mit denen das russische Militär versucht, die Drohnen der Ukraine vom Himmel zu holen, entwickelt die britische Firma Evolve Dynamics nicht störbare Drohnen für die Ukraine, wie Berichte im März 2024 besagen.

Durch die Entwicklung alternativer Funkverbindungsalgorithmen soll es den russischen Streitkräften erschwert werden, die Signale der Überwachungsdrohnen zu stören und sie damit unbrauchbar zu machen.
Die Evolve Dynamics hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren etwa 85 Upgrades an ihren Drohnen vom Typ Sky Mantis vorgenommen, die Anfang 2019 auf den Markt kamen. Bis 2021 gab es großflächige Beschaffungen durch britische Polizeibehörden und Rettungskräfte, und im Jahr 2022 folgte ein intensiver operativer Einsatz im Ukraine-Krieg, wo die Drohnen einem permanenten Härtetest unter realen Bedingungen unterzogen wurden. Die Militäreinheiten, die mit diesen Aufklärungsdrohnen Bewegungen ausspähen, erhalten Teile und Softwareupdates direkt vom Unternehmen, so daß sie Änderungen weitgehend selbst vornehmen können.
Die nun vorgestellte, stark verbesserte Nachfolgegeneration Sky Mantis 2 bietet optimierte Anti-Jamming-Funktionen, verbesserte Funkverschlüsselung und modernere Kamerasysteme. Das Unternehmen hat inzwischen etwa 100 Sky-Mantis-Überwachungsdrohnen in der Ukraine im Einsatz.
Interessant ist an dieser Stelle, daß bereits im Februar 2024 drei
US-Studenten bei einem 24-Stunden-Hackathon in El Segundo, Kalifornien,
eine Billigdrohne entwickelt haben, die ebenso gegen GPS-Jamming robust
sein soll.

Die Drohne kostete weniger als 500 $ und wurde mit einem 3D-Drucker erstellt. Sie bestimmt ihre Position nicht nur per GPS, sondern gleicht mittels Algorithmen Satellitenbilder von Google Maps mit ihren Kamerabildern ab. Das System ist völlig eigenständig, kann nicht gestört werden und hat keine RF-Signatur.
Die drei Studenten gründen später im Jahr in San Francisco das Start-Up Theseus Technology Corp., um die Idee weiterzuentwickeln. Die junge Firma von Ian Laffey, Sacha Lévy und Carl Schoeller kann bereits im September 0,5 Mio. $ an Risikokapital einsammeln und wird u.a. von Y Combinator, Lux Capital, First Round Capital und Yahya Mokhtarzada unterstützt. Inzwischen ist auch das U.S. Special Operations Command (USSOCOM) auf Theseus aufmerksam geworden und hat eine Vereinbarung über frühe Tests abgeschlossen.
Im April 2025 gibt es dann weitere 4,0 Mio. $ von den Investoren, um das Cyclops genannte visuelle Mikro-Positionierungssystem (VPS), das auf jeder Drohne nachgerüstet werden kann, auf den Markt zu bringen. Eigene Drohnen wird Theseus nicht bauen, sondern sich weiter auf die Hardware-Komponenten und die Software konzentrieren, die es so ziemlich jeder Militärdrohne ermöglichen, unbemannt und ohne GPS zu fliegen.
Im April 2024 wird berichtet, daß die Houthis aus dem Jemen seit
Monaten Tag für Tag Drohnen auf amerikanische Kriegsschiffe abfeuern
- manchmal bis zu 14 Stück in einer Welle. Die Navy-Besatzungen wehren
solche Angriffe ab, indem sie die Angreifer einen nach dem anderen mit
Abfangraketen in sicherer Entfernung abschießen. Die Drohnen zwingen
die Kriegsschiffe jedoch dazu, ihre begrenzt vorhandenen und teuren Raketen
zu verbrauchen, was sie für Angriffe durch größere Anti-Schiffs-Raketen
anfällig machen könnte.
Die am häufigsten genannte Klasse Drohnen, die die Houthis seit Beginn des Rotmeer-Konflikts einsetzen, sind Shahed-ähnliche Kamikaze-Drohnen iranischer Bauart oder entsprechende Nachbauten. Mit der großen Anzahl dieser billigen Drohnen gelingt es, die kinetischen Arsenale der Navy stark zu dezimieren.
Die derzeitige Langstrecken-Luftabwehrrakete der Marine ist die SM-6, die über 3 Mio. $ kostet, und für mittlere Reichweiten wird die Evolved Sea Sparrow Missile eingesetzt, die immer noch mit 1,5 Mio. $ zu Buche steht. Aufgrund der hohen Kosten sind im aktuellen Navy-Budget nur 125 Exemplare der SM-6 und 147 Sea Sparrow-Raketen vorgesehen. Einige Marineschiffe verfügen darüber hinaus über Phalanx-Schnellfeuer-Gatling-Kanonen, die jedoch mit einer Reichweite von rund 1,5 km nur ein letztes Mittel zur Verteidigung darstellen.

Aus diesem Grund lieferte der in Los Angeles ansässige High-Tech-Waffenhersteller Epirus vier seiner Counter-Uncrewed Aerial Systeme (c-UAS) zur Evaluierung an die US-Armee, die einen starken Mikrowellenstrahl aussenden, der in elektronischen Geräten Ströme erzeugt, die zu einer Überlastung führen. Über diese fast unaufhaltsame Mikrowellenwaffe namens Leonidas, die erstmals 2020 vorgestellt wurde, ist bereits ausführlich in der Jahresübersicht 2021 gesprochen worden. Das aktuelle Leonidas-System der dritten Generation wurde dann 2022 eingeführt.
Anstelle einer herkömmlichen Parabolantenne ist der Sender von Leonidas eine flache Platte mit einem Durchmesser von etwa 3 m. Das liegt daran, daß er auf einer Anordnung von Festkörper-Galliumnitrid-Einheiten basiert, die LEDs ähneln, aber Radiowellen statt Licht erzeugen. Eine Computersteuerung paßt die Leistung jedes Chips in der Anordnung an, um den Strahl mit hoher Präzision zu formen und zu lenken.
Anders als Funkstörsender, die die Drohnenführung verwirren oder die Kommunikation stören, zerstört die Mikrowellenwaffe die Drohnen. Im besten Fall kommt es zu vorübergehenden Fehlern in der Elektronik, im schlimmsten Fall brennen die Komponenten komplett durch. Die Technologie kehrt die bisherige Kostengleichung um. Nicht mehr die Verteidigung ist unerschwinglich, sondern die Angreifer werden zuerst keine Waffen mehr haben, denn selbst wenn sie tausende Drohnen losschicken, können diese alle für etwa 25 Cent pro Schuß vom Himmel geholt werden. Zudem soll die Mikrowellentechnologie von Epirus gegen Drohnenboote genauso wirksam sein wie gegen Drohnen aus der Luft.
Es gibt natürlich noch andere Mikrowellenwaffen (High Power Microwave,
HPM), wie z.B. das System THOR (Tactical High Power
Operational Responder) der US-Luftwaffe, das 2019 eingeführt
wurde. Darüber findet sich mehr in der Übersicht des Jahres 2020.
Aber während Leonidas ein kompaktes Festkörpersystem ist, basiert THOR
auf Magnetrons, einer älteren Technologie, und nimmt einen ganzen Schiffscontainer
ein.
Die US-Armee erwägt nun, eine oder mehrere ihrer Leonidas-Einheiten in diesem Sommer in den aktiven Dienst zu stellen - während Epirus in Gesprächen mit dem Verteidigungsministerium der Ukraine steht. Über weitere Abwehrwaffen mit gerichteter Energie, was auch Laser umfaßt, findet sich weiter unten mehr.
Ebenfalls im April 2024 erscheint ein Bericht, der die
neue Rolle von Marinehubschraubern der U.S. Navy, der
französischen und der deutschen Marine behandelt, die inzwischen als
Drohnenkiller am Himmel patrouillieren und im Roten und Schwarzen Meer
Luft- und See-Kamikaze-Drohnen vernichten. Dies geschieht z.B. mit den
seitlich an den Türen montierten Maschinengewehren, was aber nicht einfach
ist.
Um die Schiffahrt im Roten Meer vor den ständigen Raketen- und Kamikaze-Drohnenangriffen der Houthis im Jemen zu schützen, die als Reaktion auf den seit Oktober letzten Jahres andauernden Konflikt im Gazastreifen erfolgen, waren im Februar von der EU acht Fregatten für die Operation Aspides ausgerüstet worden. Die Kriegsschiffe haben Drohnen zudem mit SeaRAM- und Aster-15-Raketen mit geringerer Reichweite sowie mit computergesteuerten 3-Zoll-Geschütztürmen und kleineren Autokanonen zur Punktverteidigung abgeschossen. Darüber hinaus haben zwei französische Kampfflugzeuge mit ihren 30-Millimeter-Kanonen und MICA-Raketen mehrere Shahed-Kamikaze-Drohnen vom Himmel geholt.
Die Angriffe der Houthis haben ein ,Gefechtslabor’ geschaffen, in welchem die Luftabwehr der NATO-Marine getestet werden kann, die noch nie zuvor in einem Gefecht eingesetzt wurde. Es erweist sich, daß jede Drohne, die von den Waffen eines Hubschraubers abgeschossen wird, eine oder mehrere Millionen teure Luftabwehrraketen eines Schiffes einsparen kann. Außerdem können umherfliegende Hubschrauber mit ihren optischen und Infrarotsensoren See- und Luftdrohnen früh aufspüren und abfangen und so die Zahl derer verringern, die sich einem Schiff gefährlich nähern.
Auch Russlands Marinehubschrauber werden häufig zur Jagd auf ukrainische USVs eingesetzt, und nutzen dazu Vierfach-Maschinengewehre, Miniguns, Autokanonen und Raketen. Ein Video aus dem Cockpit eines Mi-8-Sturmtransporters zeigt, wie die Besatzung ein ukrainisches USV mit Raketen und einem seltenen, auf der Nase montierten Maschinengewehr beschießt, das vom Cockpit aus manuell ausgerichtet wird. Die Schwarzmeerflotte hatte bereits im Herbst 2023 begonnen, spezielle Hubschrauberabteilungen für die Drohnenjagd zu bilden.
Mitte April 2024 wird zudem bekannt, daß Russland eine
zusätzliche Panzerung gegen Drohnenangriffe erprobt,
die sogenannte Schildkröte (Turtle-Tank). Dabei wird der Panzer noch
einmal fast vollständig in eine angeschweißte, hüttenähnliche Panzerung
gehüllt, was ihn aber zu einem ,Sturmgeschütz’ degradiert, da er durch
das zusätzliche Gewicht einen Teil seiner Beweglichkeit einbüßt, und
die Turmrotation betreffend auch seiner Feuerkraft.
Daher verwundert es nicht, daß die erste dokumentierte Zerstörung schon wenige Tage nach der ersten Sichtung vermeldet wird. Später wird berichtet, daß Russland die Idee nicht aufgab, sondern nun verbesserte Varianten und Gruppenformationen testet.
Im Mai 2024 stellt das U.S. Marine Corps (USMC) auf
der Modern Day Marine Expo in Washington, D.C., einen dreiteiligen
Plan gegen die Bedrohung durch unbemannte Flugsysteme vor, der darauf
abzielt, die Drohnenabwehr auf verschiedenen Ebenen anzugehen.

Die am weitesten entwickelte Komponente des Plans konzentriert sich auf den Schutz der Einheiten, wobei das seit 2016 entwickelte Marine Air Defense Integrated System (MADIS) und sein leichteres Gegenstück L-MADIS (o. LMADIS) bereits erprobt werden und kurz vor der Einführung stehen. Die mobilen Systeme kombinieren moderne Sensorik, Zielerfassung und elektronische Gegenmaßnahmen, um feindliche Drohnen zu erkennen und zu neutralisieren.
Das MADIS-System stützt sich auf zwei Fahrzeuge pro Sektion, die als komplementäres Paar arbeiten, dem MADIS Mk1 und Mk2. Während das Mk1 in erster Linie für die Neutralisierung von Starr- und Drehflüglern zuständig ist, erfüllt der Mk2 die Aufgabe der Bekämpfung unbemannter Luftfahrzeuge (C-UAS), wobei er auch Radar und C2 (Command and Control) für das Paar bereitstellt. Die volle Einsatzfähigkeit von MADIS ist für 2025 geplant, als erste Einheit soll das 3. Littoral Anti-Air Battalion der Marines das neue Drohnenabwehrsystem in Dienst stellen.
Zusätzlich arbeitet das USMC an einer umfassenderen Initiative, die darauf abzielt, jeden Marinesoldaten mit Fähigkeiten zur Drohnenabwehr und -erkennung auszustatten. Dies könnte die Integration zusätzlicher Optiken oder Zielgeräte in Dienstwaffen beinhalten. Die dritte Säule der Strategie konzentriert sich auf die Verteidigung von Einrichtungen und Stützpunkten, weshalb an Technologien zu ihrem Schutz vor feindlichen Drohnen geforscht wird. Bis zum dritten Quartal 2025 sollen 34 Einrichtungen des USMC mit einer Drohnenabwehrlösung ausgestattet werden.
Nur 13 Cent pro Schuß - und damit noch günstiger als das o.e. System Leonidas - soll der Betrieb der Radio Frequency Directed Energy Weapon (RFDEW) kosten, die im Mai 2024 in den Blogs erscheint und zur Verstärkung der britischen Verteidigungskapazitäten eingeführt werden soll.

Die gerichtete Energiewaffe wird im Rahmen des Projekts Ealing entwickelt und soll im September zusammen mit der Laserwaffe DragonFire von der 7th Air Defence Group der britischen Armee getestet werden.
Die Technologie wird von einem gemeinsamen Team des Defence Science and Technology Laboratory (Dstl) und des Defence Equipment & Support (DE&S) entwickelt, das im Rahmen des Projekts Hersa mit der britischen Industrie um Thales UK zusammenarbeitet. Anders als ein klassischer Störsender zielt sie nicht nur auf die Funkverbindung, sondern kann die Elektronik der Drohne direkt beschädigen oder überlasten.
Die auch unter dem Namen RapidDestroyer bekannte Energiewaffe kann von einer Person bedient werden und ist in der Lage, mehrere Bedrohungen in einer Entfernung von bis zu 1 km zu erkennen, zu verfolgen und zu bekämpfen. Sie kann auf einem Kriegsschiff oder einem Lastwagen installiert werden, und da sie Energie und keine festen Geschosse verschießt, kann sie potentiell unendlich oft abgefeuert werden, solange die Energie reicht.
Die Energiewaffe wird als Ergänzung zur Laserwaffe DragonFire beschrieben, weil beide Systeme unterschiedliche Lücken der Luftabwehr abdecken. Über den Laser wurde bereits in der Jahresübersicht 2019 berichtet (s.d.). Der erste erfolgreiche Schußtest auf ein Luftziel wurde im Januar 2024 öffentlich bekanntgegeben, als möglicher Einführungszeitraum wird häufig ab 2027 genannt, vor allem für den Einsatz auf Schiffen der Royal Navy.

Im Juni 2024 stellt das deutsch-französische Rüstungsunternehmen KNDS einen neuen Panzer namens Leopard 2 ARC 3.0 vor, der sich vom Vorgänger durch ein reduziertes Gesamtgewicht und einen unbemannten Turm unterscheidet, der außerdem über eine Waffenstation mit einer 30-mm-Kanone verfügt, die eine direkte Anwendung der im Ukrainekrieg gewonnenen Erkenntnisse darstellt. Die Kanone kann sowohl Bodenziele als auch leicht gepanzerte Fahrzeuge bekämpfen als auch anfliegende Drohnen mit selbstzerstörender Munition abwehren.
Der Leopard 2 ARC 3.0 ist zudem mit dem schon älteren, abstandsaktiven Schutzsystem Trophy von Rafael Advanced Defense Systems ausgestattet, das anfliegende Panzerabwehrraketen abfängt und zerstört. Dies geschieht, indem eine projektilbildende Ladung auf die Bedrohung ausgerichtet und gezündet wird, wenn sich das angreifende Projektil wenige Meter vor dem Panzer befindet. Die Explosion der Ladung erzeugt einen Splitterkegel, der die angreifende Waffe zerstört.
Der Panzer verfügt außerdem über zahlreiche Sensoren, darunter Kameras, die der Besatzung einen 360°-Rundumblick ermöglichen und bei der Erkennung von Drohnen helfen. Es gibt ein Laserwarnsystem, um zu erkennen, wenn er ins Visier genommen wird, und die Panzerung umfaßt reaktive Platten. Darüber hinaus ist der Leopard 2 ARC 3.0 für die Steuerung eigener Drohnen in der Luft und am Boden ausgelegt, die der Panzerbesatzung Aufklärungsdaten liefern. Und da der Leopard 2 A-RC 3.0 vollständig abwärtskompatibel ist, kann jeder Leopard 2, der derzeit im Einsatz ist, auf den A-RC-3.0-Standard aufgerüstet werden.
Auf der Leitmesse für Verteidigung und Sicherheit Eurosatory in
Frankreich, die auch im Juni 2024 stattfindet, kündigt
die französische Firma Safran Electronics & Defense die
Einführung ihrer Drohnenabwehrlösung Skyjacker an.
Das System ist modular und kann mobil eingesetzt oder in vorhandene Überwachungs-
und Feuerleitsysteme auf Fahrzeugen oder Schiffen integriert werden.

Skyjacker ist für die Abwehr von Einzeldrohnen und Drohnenschwärmen gedacht und in Entfernungen von 1 - 10 km wirksam. Es kombiniert Radarerfassung und optronische Identifizierung mit einem Spoofing-Effekt, der der Drohne modifizierte GNSS-Signale vortäuscht, damit sie ihre Position falsch einschätzt und ihre Mission abbricht oder verfehlt. GNSS-Signale sind hochpräzise Mikrowellen-Funksignale, die von Satelliten im L-Band zur Erde gesendet werden.
Um eine erste mobile Version liefern zu können, hat sich Safran mit der Pariser Firma Hologarde zusammengetan, die für die französischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte (AAE) schon 2017 ein Drohnenabwehrsystem namens Bassalt zum Schutz von Großveranstaltungen entwickelt hat. Die Wirksamkeit des Skyjacker wurde dann im März bei der AAE-Übung Coubertin LAD II auf dem Luftwaffenstützpunkt 107 bei Paris demonstriert. Die Partner arbeiten jetzt daran, Skyjacker als Teil der Drohnenabwehr für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in Paris einzusetzen.
Ebenfalls im Juni 2024 endet das EU-geförderte Projekt JEY-CUAS (Joint
European sYstem for Countering Unmanned Aerial Systems), das 2020 gestartet
war und ursprünglich eine Laufzeit von nur 24 Monaten haben sollte. Ziel
des Projekts war es, ganzheitliche Systeme zur Abwehr von kleinen Drohnen
und Drohnenschwärmen zu entwickeln, die auf einer modularen und flexiblen
Plug’n’Play-Architektur basieren. Die Systeme sollen dem Schutz kritischer
Infrastrukturen, Militärbasen, Konvois und aller Arten von strategischen
Luft-, See- und Landplattformen dienen.

Die 15 Mio. € teure Studie wurde mit 13,5 Mio. € aus Mitteln der EU gefördert, den Rest steuerten die teilnehmenden 38 Firmen und Organisationen aus 14 Ländern bei, die von Leonardo aus Italien koordiniert wurden. Aus Deutschland sind die Hensoldt Sensors GmbH und die Rheinmetall Electronics GmbH beteiligt, während der Technologiekonzern Indra die spanischen Aktivitäten koordinierte und die Entwicklung von Störsendern und eines passiven Radars leitete.
Die Firma bewertete auch verschiedene Arten von Soft-Kill- und Hard-Kill-Gegenmaßnahmen, darunter Laserenergie, elektromagnetische Impulse und verschiedene Arten von kinetischen Neutralisatoren. Darunter auch das erstmals im September 2022 auf der Fachmesse UNVEX in Sevilla öffentlich präsentierte System Indra CROW. Darüber hinaus wurden neue KI-Module entwickelt und getestet, um die Genauigkeit und Effizienz der künftigen Systeme zu erhöhen.
Zum Projektabschluß wird eine Demonstration in Italien durchgeführt, bei der einige der Drohnenabwehrsysteme getestet werden. Ihre Umsetzung wird Gegenstand künftiger Projekte sein, die über den Europäischen Verteidigungsfonds gefördert werden.
In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, daß der Düsseldorfer Technologiekonzern Rheinmetall und das US-amerikanische Unternehmen Anduril Industries (s.o.) auf der Eurosatory im Juni 2024 in Paris eine Absichtserklärung unterzeichnet haben, um gemeinsam für den europäischen Markt neue Lösungen zur Abwehr kleinster unbemannter Luftfahrzeuge zu konzipieren, zu entwickeln und zu produzieren.

Die entsprechenden C-sUAS-Systeme sollen das Führungssystem Skymaster sowie Hochleistungsgeschütze von Rheinmetall mit der KI-Softwareplattform Lattice und offenen, modularen und skalierbaren Hardware-Komponenten wie dem Sentry Tower, den Wisp-Sensoren und der seit 2019 existierenden autonomen Abfangdrohne Anvil von Anduril kombinieren.
Bei dieser handelt es sich um eine bodenstartfähige Drohne, die mit der KI-Software Lattice zusammenarbeitet, die Sensoren, Zielverfolgung und Einsatzkoordination verknüpft. Nach der Zielzuweisung fliegt die Anvil autonom auf die feindliche Drohne zu und fängt sie mit kinetischem Aufprall ab - d.h., sie rammt sie. Die ,Software-first’-Philosophie der Anvil ermöglicht schnelle Upgrades und verbessert die Effektivität des Systems, wenn neue Technologien verfügbar werden.
Im November 2024 erhält Anduril vom U.S. Marine Corps (USMC) einen Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Volumen von 200 Mio. $ für die Entwicklung und Lieferung eines Counter Unmanned Aerial System (CUAS) Engagement System (CES) für das o.e. Luftabwehrsystem der Marine MADIS. Das CES umfaßt die autonome Anvil, welche die Letalität von MADIS verbessern und es in die Lage versetzen wird, das gesamte Spektrum von Luftbedrohungen abzuwehren, einschließlich unbemannter Luftfahrtsysteme und Starr-/Drehflügler.
Anduril hat bereits fest installierte Sentry Towers in Einrichtungen des USMC in den gesamten USA eingesetzt, die autonome Lösungen zur Erkennung, Verfolgung, Identifizierung und Abwehr von UAS-Bedrohungen bieten.
Das Joint Counter-small Unmanned Aircraft Systems Office (JCO)
der U.S. Army widmet sich explizit der Frage, wie kleine Drohnen und
besonders Drohnenschwärme abgewehrt werden können. Im Rahmen der Überlegungen
zu Counter-small Unmanned Aircraft Systems (C-sUAS) testet das JCO im
Juni 2024 auf dem Yuma Proving Ground in Arizona nun
bereits zum fünften Mal solche Lösungen.
Diesmal finden Tests für unterschiedliche Abwehrsysteme statt, bei denen jeweils mehr als 40 Ziele gleichzeitig abgewehrt werden müssen. Insgesamt hatten sich 58 Vorschläge beworben, von denen das JCO dann neun Systeme zur praktischen Demonstration auswählte, darunter gelenkte Raketen, kinetische Abfangdrohnen, elektrooptische/Infrarotkameras, Hochfrequenzscanner und Hochfrequenzstörsender. Und auch die angreifenden Systeme sind unterschiedlich und umfassen Drehflügler, Starrflügler, langsam fliegende und schnellere propellergetriebene Drohnenvarianten.
Es zeigt sich, daß kein einziges System bzw. keine einzige Fähigkeit – sei es eine kinetische oder eine nicht-kinetische – das vorgegebene Angriffsprofil alleine besiegen kann, so daß es eines mehrschichtigen Ansatzes bedarf, wenn 40 oder mehr Bedrohungen in verschiedenen Größen, aus verschiedenen Winkeln und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten kommen.
Damit aus den Tests und Demonstrationen tatsächlich einsetzbare Abwehrsysteme gegen Drohnenschwärme werden, wird das JCO im Folgejahr mit der Entwicklung von C-sUAS-Prototypen beginnen. Die nächste C-sUAS-Demonstration ist derweil für das zweite Quartal 2025 geplant.

Wie im Juli 2024 bekannt wird, will die U.S. Army ihre Soldaten zudem noch in diesem Jahr mit tragbaren Systemen zur elektronischen Kriegsführung ausstatten, die Drohnen abwehren. Für den Erwerb, die Schulung und den Einsatz des Terrestrial Layer System-Brigade Combat Team Manpack (TLS-BCT), das von der Tochter Mastodon Design LLC der Rüstungsfirma CACI International entwickelt wurde, legt die Armee fast 100 Mio. $ auf den Tisch.
Das Jammer-System, das in den Rucksack einzelner Soldaten paßt, vereint defensive und offensive Fähigkeiten: Es kann das elektromagnetische Spektrum scannen, um feindliche elektronische Aktivitäten zu erkennen, und gleichzeitig die Funkübertragungen zu den Drohnen stören. Zu seiner Bedienung sind aber zwei Personen erforderlich. Das Manpack soll in allen Brigade-Kampfteams der Armee für die elektronische Kriegsführung eingesetzt werden.
Im August 2024 berichten die Fachblogs, daß Northrop
Grumman ein mehrschichtiges, Cannon-Based Air Defense (CBAD)
genanntes Luftabwehrsystem gegen Raketen- und Drohnenschwärme entwickelt,
das sich aus bestehenden Abfangraketen mit großer Reichweite zur Abwehr
von Überschall- und Hyperschallbedrohungen, Kanonen mit großer Reichweite
und großem Kaliber, Kanonen mit mittlerer Reichweite und mittlerem Kaliber
sowie Kanonen mit geringer Reichweite und kleinem Kaliber zusammensetzt.
Kernstück ist ein neues Schnellfeuersystem mit Kettenkanone, das mit selbstlenkender Smart-Munition bestückt ist und Drohnen zu einem Bruchteil der Kosten von Raketenabwehrsystemen ausschalten kann. Diese Munition erfaßt ihr Ziel, steuert sich selbst und explodiert vor dem Aufprall, um das Ziel mit Granatsplittern zu besprühen. Dies erhöht die Tödlichkeit und verringert das Risiko von Kollateralschäden.
Das CBAD-System verringert die Anzahl der Geschosse, die abgefeuert werden müssen, um das Ziel zu treffen, denn jedes Geschoß ist eine zielsuchende Rakete, die durch Annäherungszünder explodiert und Wolken von Wolfram-Splittern aussendet, welche die Drohne zerfetzen. Zudem kosten die mittelgroßen CBAD-Geschützbatterien nur halb so viel wie eine Raketenbatterie und 99,5 % weniger pro Abfangvorgang, was Einsparungen in Millionenhöhe bedeutet.
Derzeit wird das System in Simulationen getestet, um herauszufinden, wie es am besten konfiguriert und in die bestehenden Kommando- und Kontrollsysteme integriert werden kann. Die ersten Felddemonstrationen werden für Ende des Jahres erwartet, die Produktion soll kurz darauf folgen.
Ebenfalls im August stellt die Firma Rostec auf der Militärmesse Army-2024 in Moskau das Flugabwehrsystem Panzir SMD-E vor, das zur Verteidigung kritischer Infrastruktur vorgesehen ist. Statt auf traditionelle Maschinenkanonen setzt es auf eine Vielzahl kleiner Raketen, die gegen Drohnen wirken.

Wo in früheren Versionen dieses Systems 30-mm-Kanonen montiert waren, befinden sich jetzt Abschußvorrichtungen mit zwölf 57È6E-Raketen. Alternativ können auch die kleineren TKB-1055-Raketen abgeschossen werden, von denen bis zu 48 Stück in die Abschußvorrichtungen passen.
Während die größere 57È6E-Rakete in Höhen von bis zu 15 km und in Entfernungen von 1,2 - 20 km eingesetzt wird, kann die TKB-1055 Bedrohungen aus der Luft in Höhen von von 15 m bis 5 km in Entfernungen von 0,5 - 7 km abfangen. Dies ist eine effektive und kostengünstige Munitionierung, die zuverlässig vor kleinen Drohnen schützt.
Das Panzir SMD-E verfügt wie seine Vorgänger über zwei integrierte Radarsysteme: eines zur Zielerfassung und -verfolgung, das andere zur Feuerleitung der gesteuerten Raketen. Die Systeme sind allerdings verbessert und nutzen nun ein J- oder Ka-Band-Erfassungsradar mit Active Phased Array Radar (Afar) Technologie, welches speziell kleine Drohnen mit extrem geringer Signatur auf Entfernungen von 5 - 7 km und größere Ziele wie 122mm-Raketen auf bis zu 10 km erfassen kann.
Ein weiteres bemerkenswertes Feature ist die Fähigkeit des neuen Flugabwehrsystems, bis zu 40 Ziele gleichzeitig zu verfolgen und zu bekämpfen. Dies wird durch ein Feuerleitsystem ermöglicht, das ein Überwachungsradar, ein multifunktionales Radarsystem und ein elektrooptisches System umfaßt. Inwieweit das mit Modularität im Sinn entworfene System bereits in Produktion ist und welche Stückzahlen erzeugt werden, ist bislang nicht bekannt.
Im Mai 2026 werden Pantsir-SMD-E-Systeme per Hubschrauber auf Moskauer Wolkenkratzer transportiert und dort stationiert, um die Hauptstadt vor den zunehmenden Drohnenangriffen der Ukraine zu schützen.

Im August und September 2024 führt das Schweizer Bundesamt für Rüstung (armasuisse) auf dem Gelände des Militärflugplatzes Payerne im Kanton Waadt sowie auf dem früheren Militärflugplatz in St. Stephan mit mehreren unterschiedlichen in- und ausländischen Systemen Versuche zur Abwehr von Mini-Drohnen durch. Dabei absolviert jedes System verschiedene standardisierte Szenarien und Missionen, um die Tauglichkeit sowie die Effektivität in verschiedenen Bedrohungsszenarien zu evaluieren.
Der Fokus liegt zuerst auf Effektoren im elektromagnetischen Spektrum, während in der zweiten Phase verschiedene mobile Kleinsysteme getestet werden, die ebenfalls im elektromagnetischen Spektrum wirken. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für die weiteren Schritte im Beschaffungsprozeß, um die Verteidigungsfähigkeit der Schweizer Armee zu stärken.
Als die russischen Streitkräfte im September 2024 im syrischen
Golan einen weiteren, neuen Posten nahe der israelischen Grenze
einrichten und im Rahmen einer militärischen Zeremonie unter Beteiligung
syrischer Offiziere einweihen, sind auf den Fotos, die in den sozialen
Netzwerken veröffentlicht werden, russische Militärpolizisten zu sehen,
die schwere Maschinengewehre bedienen und portable elektronische Stör-
bzw. Anti-Drohnen-Geräte tragen. Details darüber sind allerdings nicht
zu finden.
Auf der 15. China International Aviation & Aerospace Exhibition im
November 2024 in Zhuhai zeigen die chinesischen Rüstungshersteller China
South Industries Group Corp. (CSGC) und Norinco ein
auf einem Lkw montiertes Hochleistungs-Mikrowellenwaffensystem zur Abwehr
von Drohnenangriffen, das aus einer großen planaren Anordnung besteht.
Die auf einem 8×8-LKW montierte Mikrowellenwaffe mit der Bezeichnung CS/SS2A verfügt über ein Radar zur Zielerfassung und -verfolgung, sowie über Sensoren wie Infrarotkameras, mit denen mehrere Bedrohungen aus der Luft gleichzeitig erkannt werden können.
Eine weitere Variante des Systems ist auf einem 8×8-Fahrgestell eines leichten gepanzerten Fahrzeugs montiert, das auch in Frontnähe eingesetzt werden kann. Dieses System verfügt ebenfalls über ein kleines rotierendes Radar, das der Zielerfassung und -verfolgung dient.
Ebenfalls im November stellt das texanische Unternehmen Allen Control Systems (ACS) ein Drohnenabwehrsystem vor, das ein M240-Maschinengewehr, wie es bereits seit rund 50 Jahren beim US-Militär eingesetzt wird, mit einer KI-gesteuerten Lafette zur autonomen Drohnenabwehr verbindet. Das Bullfrog genannte System soll die kleinen Drohnen mit dem gängigen NATO-Kaliber 7,62 mm zerstören, so daß keine teure, exotische Munition verwendet werden muß.

Darüber hinaus wird kein Radarsystem eingesetzt, sondern per KI ein Videobild ausgewertet. Den Feuerbefehl erteilt dann aber nicht die KI, sondern ein menschlicher Bediener; die Berechnungen und die motorisierte Waffenführung übernimmt allerdings die Maschine.
Das kompakte System wiegt 181 km, läßt sich auf den meisten Militärfahrzeugen montieren und benötigt nur wenig Strom. Die Fehlerquote bei der Zielerkennung liegt nach Herstellerangaben bei lediglich 2 %. Bei einer Veranstaltung des US-Verteidigungsministeriums in Camp Atterbury, Indiana, zeigen Messungen eine maximale Einsatzreichweite von rund 370 m. Beim langsamen Vorbeiflug der Ziele benötigt das System durchschnittlich nicht mehr als zwei Schuß, um die Drohnen zu neutralisieren. Ob Bullfrog künftig von der U.S. Army beschafft wird, ist noch nicht bekannt.
Im Dezember 2024 berichten die Fachblogs über ein Konzept
der Firma SkyDefense Inc. aus Denver, Colorado, bei
dem es sich um ein kleines Anti-Drohnen-Flugzeug handelt,
das wie die Miniaturausgabe eines Kampfflugzeugs der fünften Generation
aussieht - allerdings mit einer Flügelspannweite von 1,16 m und einer
nur 1,22 m langen Zelle, was die Version V4 betrifft. Diese ist tragbar
für eine Person und hat abnehmbare Flügel. Die Flugzeit beträgt 30 Minuten,
Details über die Batterie werden nicht genannt.

Auf der Firmenhomepage werden zudem die Versionen V6, V8, V10 und VT10 aufgeführt, wobei letztere als Hybridversion bezeichnet wird, die 560 km/h schnell ist, eine Flügelspannweite von 2,93 m und eine Länge von 3 m hat und auch als Drohnen-Mutterschiff mit einer Flugzeit von über einer Stunde eingesetzt werden kann. Gebaut werden die Flugzeuge aus einer Kohlefaserstruktur, die im 3D-Druckverfahren hergestellt wird.
Der CobraJet wird von dem Unternehmen als KI-gestützter eVTOL-Abfangjäger vermarktet, der über batteriebetriebene Elektrostrahltriebwerke (o. Elektrojets) verfügt, die Geschwindigkeiten von über 322 km/h erlauben. Bei der ursprünglich von Lockheed Martin und weiteren Partnern entwickelten VTOL-Hubgebläse- und Direktschubtechnologie handelt es sich um eine Reihe von Turbinen innerhalb eines Kanals, die von einem Elektromotor angetrieben werden.
Laut SkyDefense verfügt der CobraJet auch über Stealth-Fähigkeiten, darunter eine geringe Infrarotsignatur, eine störungssichere Funk- und GPS-Navigation, ein KI-System sowie Sensoren, die es ihm ermöglichen, bei Tag und Nacht und als Geschwader von mobilen Plattformen aus zu operieren - darunter auch ein militarisierter Tesla Cybertruck. Sobald der Flieger eine feindliche Drohne erkennt, kann er diese mit einer seiner VIPER 30-mm-Feststoffraketen ausschalten, die er unter dem Bauch oder unter den Flügeln trägt. Ebenso ist er in der Lage, die Drohne mit dem firmeneigenen PYTHON-Elektroschockgerät zu beschießen, bevor er für einen weiteren Einsatz zu seiner Basis zurückkehrt.
Der CobraJet soll bereits im zweiten Quartal des nächsten Jahres erhältlich sein, bislang gibt es jedoch nur Renderings und ein kurzes Video zu sehen, bei dem ein Modell langsam und etwas wacklig senkrecht startet und wieder landet. Tatsächlich wird erst im Juli 2026 gemeldet, daß nun im 4. Quartal Feldversuche mit dem CobraJet geplant sind, damit die Produktion Anfang 2027 beginnen kann.
Ebenfalls im Dezember 2024 erhält BAE Systems vom
Rapid Capabilities and Critical Technologies Office (RCCTO) der U.S.
Army den Alleinauftrag zur Entwicklung eines neuartigen Flugabwehrsystems
auf Basis einer Railgun, die Projektile elektromagnetisch
so stark beschleunigt, daß sie extrem hohe Geschwindigkeiten von bis
zu 9.000 km/h erreichen. Der auf einer selbstfahrenden 155-mm-Rad- oder
Kettenhaubitze installierte vollständige Prototyp soll bis zum vierten
Quartal 2027 fertig werden und noch vor Ende des Jahrzehnts eine operative
Demonstration seiner Fähigkeiten durchführen.

Das Multi-Domain Artillery Cannon (MDAC) genannte Flugabwehrsystem soll zum Abfangen von Drohnen, Marschflugkörpern sowie herkömmlichen Flugzeugen und Hubschraubern dienen und je nach Einsatzprofil das Ziel entweder nach dem Hit-to-Kill-Ansatz direkt treffen oder es mit Hilfe von Splitterwolken zerstören. Zur geplanten Reichweite des Railgun-Systems gibt es keine Angaben.
Obwohl ein Geschoß der Hochgeschwindigkeitsmunition, die ursprünglich für das eingestellte elektromagnetische Railgun-Programm der US-Marine von BAE entwickelt wurde, rund 100.000 $ kosten soll, ist dies kostengünstiger als eine Abwehr mittels Boden-Luft-Raketen, die pro Stück zwischen 400.000 $ für eine tragbare Stinger-Rakete und 3 Mio. $ für Patriot-Raketen kosten. Eine vollständige Batterie besteht aus acht MDACs, vier Radargeräten, einem Feuerleitstand und einem Gefechtsstand, wobei jede MDAC mit 144 Hochgeschwindigkeitsprojektilen (Hyper-Velocity Projectiles, HVP) ausgestattet werden soll.
Die Pläne für das MDAC werden durch das RCCTO in Zusammenarbeit mit der US-Luftwaffe seit mindestens 2022 vorangetrieben und stützen sich auf ähnliche Arbeiten, die das Pentagon Strategic Capabilities Office (SCO) in Zusammenarbeit mit dem Air Force Research Laboratory (AFRL) im Rahmen eines Projekts namens Hypervelocity Ground Weapon System (o. Hypervelocity Gun Weapon System, HGWS) durchgeführt hat. Hierbei sollten bereits 2019 Überschallgeschosse mit einer Geschwindigkeit von ca. 9.000 km/h abgefeuert und ankommende Bedrohungen für nur 86.000 $ pro Schuß eliminiert werden können.
Was das erwähnte Railgun-Programm des Office of Naval Research (ONR) der US-Marine anbelangt, das offiziell im Jahr 2005 begonnen hatte, so wurde dieses nach rund 16 Jahren der Forschung und Entwicklung 2021 beendet und alles, was von dem Projekt noch übrig war, endgültig eingelagert.
Im Zuge der Entwicklung waren mindestens zwei verschiedene, sehr große und schwere Railgun-Entwürfe getestet worden, einer von BAE Systems und einer von General Atomics, So gab das ONR 2017 an, bei landgestützten Tests Geschosse mit einer Geschwindigkeit von mehr als 7.240 km/h abgefeuert zu haben, was etwa der sechsfachen Schallgeschwindigkeit entspricht. Als Grund für das Programmende wird auf die Reihe von Hyperschallraketen verwiesen, die bei der Navy in Arbeit sind.
Hinweis: Eine elektromagnetische Kanone (Railgun), die ähnlich funktioniert wie ein Gaußgewehr (Coilgun), wurde bereits in den 1980er Jahren am Deutsch-Französischen Forschungsinstitut Saint-Louis (ISL) entwickelt, einem 1958 gegründeten binationalen Institut für Sicherheits- und Verteidigungsforschung. Es lassen sich noch viele weitere internationale Entwicklungen finden, die den Umfang dieser Übersicht jedoch sprengen würden, weshalb auf den entsprechenden Eintrag bei de.wikipedia.org verwiesen wird.
Im Kontext der Abwehrmaßnahmen soll auch auf das System Kalinka verwiesen
werden, das im Dezember 2024 vom russischen Center for
Unmanned Systems and Technologies (CBST) erstmals öffentlich vorgestellt
wird. Das Gerät zur elektronischen Kriegsführung, das Signale zu und
von Starlink-Satelliten aufspüren soll, wird auch ,Starlink-Killer’
bezeichnet und soll schon seit Mai zu Ausfällen bei der Kommunikation
der Ukraine zum zielgenauen Einsatz von Artillerie und Drohnen aller
Art geführt haben.

Das sehr kompakte Kalinka, das eine Reichweite von 15 km hat und dessen Serienproduktion in kleinem Maßstab bereits begonnen hat, soll zudem Terminals erkennen können, die mit Starshield verbunden sind – der militärischen Version von Starlink, die mit verbesserten Sicherheitsfunktionen ausgestattet ist. Das System, das selbst nichts aussendet und dadurch schwer zu entdecken ist, soll in mobile Plattformen integriert werden, darunter Boote und Hubschrauber. Fotos des Systems werden bislang geheim gehalten.
Anfang 2026 wird berichtet, daß der Iran Kalinka getestet habe, um den Internetzugang über die Starlink-Satelliten zu stören. Andere Quellen sprechen hingegen von einem anderen System namens Tobol, das ursprünglich entwickelt wurde, um russische Satelliten vor Störungen zu schützen. Dieses soll inzwischen für die Störung von Satellitenkommunikation und Navigationssystemen wie GPS umfunktioniert worden sein.
In weiteren Berichten wird der mögliche Einsatz weiterer Systeme wie das seit 2012 in Betrieb befindliche, mobile Krasukha-4 oder das Murmansk-BN erwähnt, die beide für die Störung der militärischen Satellitenkommunikation ausgelegt sind und möglicherweise ebenfalls für die Unterdrückung des kommerziellen Satelliteninternets angepaßt worden sind.
Zum Abschluß soll noch darauf hingewiesen werden, daß die Drohnenabwehr
nicht ausschließlich für kriegsführende Parteien von Interesse ist.
Wie im Dezember 2024 gemeldet wird, wollen auch Superyachtbesitzer keine
Drohnen in der Nähe ihrer Schiffe dulden und lassen sich daher die
entsprechende Erkennungs- und Abwehrtechnik installieren, wobei die
Kosten dafür bei mehr als 4 Mio. $ pro Schiff liegen.
So hat Marss Maritime, ein in London und Monaco ansässiges Sicherheitsunternehmen, kürzlich die Installation seiner Nidar-Systeme zur Abwehr von Drohnen auf einer 120 m langen Superyacht und ihrem Begleitschiff abgeschlossen. Im Vorjahr sollen ähnliche Installationen bereits auf vier weiteren Superyachten durchgeführt worden sein. Die aktuellen Seerechtsgesetze schränken den Einsatz aktiver Drohnenabwehrmaßnahmen auf Privatschiffen allerdings generell ein. Mithilfe von Radarsystemen, optischen Sensoren und passiver Funkfrequenzüberwachung können jedoch potentielle Bedrohungen bis zu einer Entfernung von 20 km aufgespürt werden.
Die Einführung von Systemen zur Drohnenabwehr ist auf diesem Sektor mit mehreren Herausforderungen verbunden, darunter ästhetische Überlegungen. Die Eigner zögern oft, das Aussehen ihrer Schiffe durch sichtbare Sicherheitsausrüstung zu verändern. Dabei variiert die Umsetzung der Technologie je nach Region erheblich, wobei Betreiber im Nahen Osten eine größere Bereitschaft zeigen, umfassende Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, als europäische und US-Schiffseigner.
Marktanalysen deuten darauf hin, daß die Integration von Drohnenabwehrsystemen in den Bau neuer Superyachten innerhalb von zwei bis drei Jahren zum Standard werden könnte. Jedenfalls würde ein einziger bestätigter Drohnenvorfall, in den ein privates Schiff verwickelt ist, die Marktakzeptanz schnell beschleunigen.
Als Nächstes soll ein Blick auf den aktuellen Stand bei den Laserwaffen geworfen werden, von denen viele explizit für die Abwehr von Drohnen entwickelt werden. In früheren Jahresübersichten wurden die wichtigsten Entwicklungslinien bereits behandelt und teilweise auch bis zum Zeitpunkt des jüngsten Updates Mitte 2026 aktualisiert:
So finden sich ein allgemeiner Rückblick und die Systeme CLWS und Laser Avenger (Boeing), der LaWS der U.S. Navy, der HELLADS (General Atomics), der HEL (Rheinmetall), chinesische u.a. Laser in der Übersicht 2015; ATHENA, HELIOS und HEL TVD (Lockheed Martin) sowie HELWS-MRZR (Raytheon) und HEL MD (Boeing) in der Übersicht 2017; SHiELD (Lockheed Martin), der Rheinmetall-Laser, das britische System DragonFire und der Raytheon UK-Laser sowie das russische System Pereswet in der Übersicht 2019; ODIN der U.S. Navy und der Light Blade aus Israel in der Übersicht 2020; das französische HELMA-P, der Laser von Ebit Systems, nochmals der Raytheon-Laser, der DE M-SHORAD der U.S. Army, der Skyranger 30 HEL (Rheinmetall) sowie der Laser von General Atomics und Boeing in der Übersicht 2021; der Iron Beam aus Israel, der IFPC-HEL (Lockheed Martin) und das russische System Kalina in der Übersicht 2022; und schließlich der Oerlikon Skyranger in der letztjährigen Übersicht 2023.
Es sollte nicht vergessen werden, daß Lasern grundsätzlich Grenzen gesetzt
sind, da sie leicht von Regen, Rauch, Nebel usw. gestört werden, so
daß sie nicht sehr zuverlässig sind. Außerdem muß ein Laserstrahl lange
genug auf das Ziel fokussiert werden, um Schaden anzurichten, eine
Zeitspanne, die als ,Verweilzeit’ bezeichnet wird. Je nach Ziel kann
die Zerstörung daher mehrere Sekunden dauern, während die o.e. Mikrowellenstrahlwaffen
im Bruchteil einer Sekunde wirken.
Außerdem konzentriert sich ein Laser meist immer nur auf ein Ziel, während Mikrowellen einen breiten Fächer abfeuern und mehrere Ziele auf einmal ausschalten können. Es gibt aber auch Laserwaffen, die mehrere Ziele gleichzeitig bekämpfen können. In jedem Fall geht die Entwicklung weiter, einschließlich diverser Versuche und Demonstrationen.
Im Januar 2024 wird berichtet, daß die U.S. Air Force einen luftgestützten 60 kW Faserlaser auf einem Gunship-Flugzeug vom Typ Lockheed AC-130J Ghostrider erproben will, das mit seinen Rohrwaffen sowieso schon zu den feuerkräftigsten Flugzeugen der Welt gehört. Für die sechsmonatigen Tests soll ein Prototyp des Airborne High Energy Laser (AHEL) von Lockheed Martin in eine der Maschinen eingebaut werden.

Mit der Laserwaffe, deren Entwicklung 2019 begonnen hatte, könnte die Besatzung der für Luftnahunterstützungsoperationen konzipierten Gunships auf Bodenziele wie Generatoren, Kommunikationsanlagen sowie Munitionslager oder Treibstofftanks schießen. Ein Problem dabei ist allerdings, daß das Ziel dazu nicht zu weit entfernt sein darf. Dies könnte den Einsatz von Flugzeugen aus erschweren, denn diese müßten relativ nah an ihr Ziel heranfliegen und so leichter ins Visier der feindlichen Flugabwehr geraten.
Ursprünglich sollte das System, das auch Bedrohungen wie kleine Drohnen und Raketen ausschalten sollte, bereits im Jahr 2022 erprobt werden, aber technische Probleme hatten wohl zu Verzögerungen geführt. Ob der AHEL tatsächlich bei der US-Luftwaffe eingeführt wird, ist bislang unklar und dürfte von den Ergebnissen der Tests abhängen. Tatsächlich wird das Projekt jedoch schon im März 2024 offiziell für beendet erklärt, da bei vorgelagerten Tests des Lasers am Boden nicht näher präzisierte technische Herausforderungen aufgetreten sind und die Hochenergiewaffe damit ihr „Integrations- und Flugtest-Zeitfenster verpaßt habe.“
Im April 2024 wird bekannt, daß ein Präzisionslasersystem
der U.S. Army während eines Gefechts an einem nicht
näher bezeichneten Ort im Nahen Osten mehrere angreifende Drohnen abgeschossen
hat. Dies sei das erste Mal gewesen, daß eine solche Technologie erfolgreich
im Kampf eingesetzt wurde. Das Militär verfügt zwar über 31 verschiedene
Laserprogramme, von denen jedoch bislang keines in der Praxis die gewünschten
Ergebnisse erbracht hat.

Es werden zwar keine Details über den Einsatz bekannt, der vermutlich in Syrien stattfand, doch Militärexperten führen den Erfolg auf den Palletized High Energy Laser (P-HEL) zurück, dessen Herzstück der LOCUST-Laser der Firma BlueHalo ist.
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Arlington ist seit mehr als vierzig Jahren auf Laserkommunikation spezialisiert und seine Systeme stellen Hochgeschwindigkeits-Datenverbindungen zur Internationalen Raumstation ISS und zu US-Militärsatelliten her. Dadurch besitzt das Unternehmen ein beachtliches Know-how in der Strahlsteuerung, um einen Laserpunkt präzise auf einem sich schnell bewegenden Ziel zu halten.
Dies macht das über 1,5 Tonnen schwere Festkörperlasersystem mit eigenem Zielverfolgungsradar, das eine 360°-Abdeckung für die Luftverteidigung bietet, so effektiv. Obwohl LOCUST nur 20 kW (andere Quellen: 26 kW) erzeugt, wird der Strahl durch eine intelligente Steuerung so extrem fokussiert und konzentriert, daß er mühelos 6 mm Stahl durchschneiden kann. Es wird aber nicht gesagt, in welcher Zeit.

Das KI-Strahlenkontrollsystem von LOCUST erkennt und klassifiziert Drohnen und zielt auf deren verwundbarsten Punkt, was bei Quadrokoptern einer der Rotoren sein kann. Bei größeren Drohnen könnte es sich um einen Sägeeffekt handeln, der einen Flügel durchtrennt. Da sich nun endlich ein Laser als kampftauglich erwiesen hat, will das Militär rasch zu einem großangelegten Einsatz übergehen. Hierzu ist zuerst ein Vergleichstest zwischen verschiedenen Hochenergielasern geplant, nach dem dann Aufträge für die Großproduktion vergeben werden sollen. Die Armee plant, ein Lasersystem pro Zug einzusetzen.
Mitte Oktober geben BlueHalo und Leonardo DRS Land Systems die erfolgreiche, zweitägige Live-Feuer-Demonstration eines neuen Drohnenabwehrwaffensystems bekannt, die in Socorro, New Mexico, stattfand. Die mobile, auf einem Stryker montierte C-UAS-Prototyp-Plattform - die in acht Monaten entwickelt und im September erstmals vorgeführt wurde - zerstörte erfolgreich zahlreiche Drohnen mit mehreren kinetischen und nicht-kinetischen Abwehrtechniken. Die Plattform basiert auf der Arbeit von Leonardo am Programm M-LIDS (Mobile-Low, Slow, Small Unmanned Aircraft Integrated Defeat System).

Das C-UAS DE Stryker genannte System nutzt hierzu das Laserwaffensystem LOCUST, die 30-mm-Station USA R400 von EOS Defense Systems sowie das 2,75-Zoll-Präzisionswaffensystem von BAE Systems. Für die Entdeckung aus großen Entfernungen, die kontinuierliche Verfolgung und die Steuerung der Waffensysteme ist das Radar RPS-92 nMHR von DRS zuständig. Der nächste Schritt für die Plattform ist der Eintritt in staatliche Tests in White Sands. Außerdem wird die Regierung im Dezember eine Testveranstaltung für die Plattform sponsern.
Im November 2024 wird die Übernahme der BlueHalo als Aktiendeal im Umfang von rund 4,1 Mrd. $ durch die Firma AeroVironment Inc. (AV) bekanntgegeben, wobei die Transaktion im April 2025 offiziell abgeschlossen wird. Später bietet die AV mit dem LOCUST X3 die dritte Generation des gerichteten Energielaserwaffensystems mit einer Leistung von 20 kW bis über 35 kW an.
Im Mai 2024 erhält ein Forschungsteam der Washington
University in St. Louis um Prof. Jung-Tsung Shen einen
zweijährigen Zuschuß der U.S. Defense Advanced Research Projects Agency
(DARPA) in Höhe von einer Million Dollar für den Bau des Prototyps eines Quanten-Photonen-Dimer-Lasers,
der die Quantenverschränkung nutzt, um Lichtteilchen zu ,verkleben’ und
einen hochkonzentrierten Laserstrahl zu erzeugen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Lasern, in denen die Elektronen in den Atomen zu gemeinsamen Schwingungen angeregt werden, funktioniert der zweifarbige photonische Dimer-Laser, indem er Paare von Photonen durch Quantenverschränkung miteinander verbindet, woraufhin diese photonische Dimere bilden. Diese Photonenpaare sind leichter zu manipulieren, da sie als eine Einheit agieren und jede Änderung an einem Photon sich direkt auf das andere auswirkt.
Diese Bindung von Lichtteilchen erhöht die Energie und Stabilität des Lasers, so daß er über große Entfernungen und auch unter widrigen Bedingungen wie extremen Temperaturen und Nebel besser funktioniert.
Shens Team, zu dem auch Kollegen der Texas A&M University gehören, wird nun Quantenphotonen-Dimer-Lasermethoden entwickeln, die es ermöglichen, verschiedene Zustände von zweifarbigen Dimeren mit einer Geschwindigkeit von 1 Million Paaren pro Sekunde zu erzeugen - eine Geschwindigkeit, die bisher noch nie erreicht wurde.
Interessant an dieser Stelle ist eine Meldung vom Juni 2024, der zufolge es einem Team rund um Joshua Yang und seine Kollegen an der Stanford University erstmals gelungen sei, den Titan:Saphir-Laser zu miniaturisieren – und trotzdem seine hohe Leistung und Bandbreite zu erhalten. Das neue Laserbauteil im Chipformat ist wenige Millimeter groß und benötigt zur Anregung nur einen handelsüblichen grünen Laserpointer, während herkömmliche Titan:Saphir-Laser 10.000-mal größer und tausendfach teurer sind.

Basis dieser Festkörperlaser bildet ein Korund-Kristall, der Titan-Ionen enthält. Diese Ionen haben mehrere Anregungszustände, in denen sie Photonen abgeben, wodurch der Titan:Saphir-Laser mit Hilfe eines Ringresonators mit angeschlossenem Heizelement im Mikrometerformat sowie einem zusätzlichen Filter intensives, kohärentes Laserlicht im roten bis infraroten Wellenbereich zwischen 700 und 1.000 nm abgeben kann. Um dann eine hohe Laserleistung zu erreichen, wird ein optischer Verstärker benötigt, der die erzeugten Photonen anreichert und bündelt.
Bei dem neuen Mini-Laser besteht die Basis aus einem Saphir-Kristall, auf dem eine Schicht aus Siliziumdioxid (SiO2) sitzt. Auf dieser sitzt eine weitere, nur wenige hundert Nanometer dicke Saphirschicht, die mit Titan-Ionen dotiert ist und das eigentliche Lasermedium darstellt. In dieses ist mittels Elektronenstrahl-Lithografie eine spiralförmige Struktur eingeätzt, die als Ringresonator dient und die erzeugten Photonen sammelt. Dieser Mini-Verstärker kann die 240 mW des Pumplasers auf 1 kW Ausgabeleistung erhöhen.
Auf der Abbildung ist die Spirale des 500 µm kleinen, in Saphir geätzten Wellenleiters zu sehen, dessen Lichtleiterkanäle lediglich 1 µm breit sind. Als Nächstes arbeitet das Team an der Perfektionierung des Ti:Saphir-Lasers im Chipmaßstab und an Möglichkeiten zu seiner Massenproduktion auf Wafern, was die Kosten pro Laser gegen Null gehen läßt.
Die Studie trägt den Titel ,Titanium:sapphire-on-insulator integrated lasers and amplifiers’. Yang wird diesen Sommer auf der Grundlage seiner Forschung promovieren und arbeitet bereits daran, die Technologie auf den Markt zu bringen. Prinzipiell könnte der Titan-Saphir-Laser auch waffentechnisch genutzt werden, er müßte dafür aber noch erheblich skaliert und speziell angepaßt werden.
Ebenfalls im Juni 2024 berichten die Blogs, daß den australischen Streitkräften (ADF) im Militärgebiet Puckapunyal in Victoria ein Fractl genanntes, tragbares Hochenergielasersystem der in Melbourne ansässigen Firma AIM Defence vorgeführt wurde, das speziell zum Einsatz gegen unbemannte Luftfahrzeuge entwickelt worden war. Das System, das etwa 50 kg wiegt und mit Akkus oder Wechselstrom betrieben werden kann, griff während der Tests aus einer Entfernung von 500 m Drohnenziele an, die sich mit 100 km/h bewegen.

Bei früheren Tests seien bereits Drohnen bis zu einer Entfernung von 1 km erfolgreich bekämpft worden, außerdem soll das System in der Lage sein, die Steuerelektronik aus einer Entfernung von 1,5 km zu deaktivieren. Das System ist die erste gerichtete Energiewaffe der ADF, die bereits im April für interne Test- und Evaluierungszwecke an das Verteidigungsministerium ausgeliefert worden war und 5,4 Mio. $ gekostet hat.
Das koffergroße Fractl hat eine Besonderheit, denn eine eigens entwickelte KI ermöglicht den Bedienern, bestimmte Komponenten einer Drohne anzuvisieren. Man drückt einen Knopf, um die Drohne zu verfolgen, und der Computer übernimmt die Steuerung. Mit dem Zeigefinger kann man dann das Ziel zwischen der Videokamera der Drohne, ihrem Schwerpunkt oder einem der Propeller wechseln, um dann mit einem anderen Knopf abzudrücken. Es dauert nur wenige Sekunden, um die Kamera einer Drohne auszuschalten, und zwei bis drei Sekunden, um einen Rotor zu deaktivieren. Der Laserstrahl hat einen Durchmesser von weniger als einem Zentimeter.

Im August 2024 belegt der Fractl:1 Tactical Directed Energy Laser von AIM Defence bei der dreiwöchigen internationalen Counter Drone Sandbox in Kanada den ersten Platz und gewinnt ein Preisgeld von 1 Mio. CA$. Die Sandbox, die im Rahmen des Programms Innovation for Defence Excellence and Security (IDEaS) der kanadischen Streitkräfte durchgeführt wird, dient der unabhängigen Bewertung moderner Drohnenabwehrtechnologien weltweit. Es wird seit sechs Jahren alle zwei Jahre durchgeführt.
Im Oktober liefert die Firma zwei weitere Hochleistungs-Lasersysteme an das Verteidigungsministerium. Fractl:2 wird als das „mit Abstand sicherste und am besten einsetzbare Hochleistungslasersystem der Welt“ bezeichnet. Der neue Auftrag hat einen Wert von 4,8 Mio. $. Pläne für eine großflächige Einführung oder Weiterentwicklung des Fractl-Systems gab das australische Verteidigungsministerium noch nicht bekannt.
Auch die Marine der Volksrepublik China hat offensichtlich ein Schiff mit einer Laserkanone ausgestattet. In den sozialen Medien tauchen im August 2024 Bilder auf, die ein amphibisches Landungsschiff vom Typ 071 (Nato-Codename: Yuzhao-Klasse) zeigen, das mit einer Laserwaffe ausgestattet ist. Es soll sich um die Siming Shan (o. Wanyang Shan, Kennung 986) handeln, die zur Testplattform für gerichtete Energiewaffen modifiziert wurde.

Ein Bild zeigt eine Kuppel auf dem Bug des Schiffes, die zwischen dem vorderen 76-mm-Geschütz und dem Kommandobau montiert ist. Auf einem anderen Bild ist zu sehen, daß die schützende Kuppel geöffnet werden kann. Es ist das erste bekannte Schiff, das mit einem solchen System ausgestattet ist. Bisher hat nur die chinesische Armee Laserwaffen im Einsatz. Ob die Laserwaffe der Siming Shan bereits einsatzbereit ist oder noch getestet wird, ist nicht bekannt.
China hat bereits landbasierte Drohnenabwehrsysteme mit gerichteter Energie ins Ausland verkauft. So wird beispielsweise im Oktober eine chinesische Laserwaffe in der iranischen Hauptstadt Teheran bei einem Auftritt des iranischen Ayatollahs Ali Khamenei ausgestellt.
Im Februar 2025 teilt das japanische Verteidigungsministerium mit, daß in dieser Woche in der Miyako-Straße eine chinesische Flottille aus sieben Schiffen gesichtet wurde, die in Richtung des westlichen Pazifiks unterwegs ist. Darunter sei mutmaßlich auch das laserbewaffnete Kriegsschiff.
Im Dezember veröffentlicht der Congressional Research Service der
USA einen 39-seitigen Bericht über den Stand der Laser-Entwicklungen
bei der U.S. Navy. Der Report unter dem Titel ,Navy
Shipboard Lasers: Background and Issues for Congress’ ist im Netz abrufbar
und bildet eine gute Ergänzung zur vorliegenden Übersicht.
Ebenfalls im Dezember berichten die Fachblogs über eine weitere Waffe im Laser-Arsenal Chinas. Die Technologie, die von Forschern der Nationalen Universität für Verteidigungstechnologie der chinesischen Volksbefreiungsarmee unter der Leitung von Li Xiao (o. Crazy Li) entwickelt wurde, besteht aus einer kleinen Drohne, die mit einem Laserstrahl feindliche Ziele angreifen kann, ohne selbst einen Laser an Bord zu haben - was aus Gewichtsgründen auch kaum machbar wäre.

Stattdessen ist die Drohne mit einer einfachen, aber effektiven schwingungsdämpfenden Aufhängung mit zwei teleskopartigen Röhren ausgestattet. Eine davon sammelt das von einer mobilen Bodenstation ausgesandte Nahinfrarot-Laserlicht eines 1 kW Lasers mit einer Wellenlänge von 1080 nm und leitet es an die andere Röhre weiter, die den Strahl dann auf das Ziel reflektiert. Dabei ist der Strahl stark genug, um bei Kontakt fast augenblicklich menschliches Gewebe zu verdampfen, Plastik, Holz und Stoffe zu entzünden und Metalle zu durchschneiden.
Einige Berichte sprechen davon, daß die Laserleistung der Drohne mittels der neuen Technologie auf 30 kW oder mehr erhöht werden kann. Außerdem ermöglicht das Design, daß mehrere Drohnen zusammenarbeiten, womit dem Strahl ermöglicht wird, Hindernisse wie Gebäude zu umkurven und Ziele an ihren schwächsten Stellen zu treffen. Es soll bereits ein erfolgreicher Test durchgeführt worden sein, Details darüber gibt es jedoch nicht.
Am Ende der Übersicht sollen noch einige der Zwischenfälle aufgeführt
werden, die es im Laufe des Jahres 2024 in die Medien
geschafft haben,
angefangen mit Deutschland.
Dies beginnt im Januar mit einem Rettungseinsatz in Nordrhein-Westfalen,
bei dem ein Hubschrauber wegen einer direkt über der Einsatzstelle fliegenden
Drohne in großer Entfernung zum Unfallort landen mußte. Ein Rettungshubschrauber
war im Landeanflug für den schnellen Transport eines lebensgefährlich
Schwerstverletzten bei einem schweren Verkehrsunfall mit insgesamt
fünf Verletzten in Menden, als die Einsatzkräfte die Drohne bemerken.
Der Pilot drehte aus Sicherheitsgründen ab und landete statt an der Einsatzstelle an einer sechs Kilometer entfernten Feuerwache, zu welcher der Schwerstverletzte mit einem Rettungswagen hingefahren werden mußte, weshalb sich die Rettungsmaßnahmen stark verzögerten. Die Polizei ermittelt daraufhin wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Die Ermittlungen führen jedoch zu keinem unmittelbaren Fahndungserfolg.
Ende April stürzt auf dem ehemaligen Fliegerhorst der Bundeswehr im
bayerischen Erding eine Drohne ab. Nach Angaben des
Bundeswehrsprechers ging das Flugobjekt etwa 500 m vom Tower des Fliegerhorstes
entfernt zu Boden, Personen kamen nicht zu Schaden. Den Grund für den
Einsatz der Drohne kann der Bundeswehrsprecher nicht nennen. Woher sie
kam und wem sie gehörte, wird noch untersucht. In diesem Fall ermitteln
neben der Polizei auch die Feldjäger.
Im Mai läßt ein Mann ukrainischer Herkunft eine Drohne mit einer daran
befestigten russischen Flagge neben dem Reichstagsgebäude in Berlin aufsteigen,
das zusammen mit dem gesamten Regierungsviertel als Flugbeschränkungsgebiet
ausgewiesen ist. In Onlinenetzwerken werden Aufnahmen des Drohnenflugs
verbreitet. Den Bundestagsangaben zufolge überflog der Flugkörper in
einer Höhe von etwa 20 m mittig den Friedrich-Ebert-Platz auf der östlichen
Seite des Reichstagsgebäudes und drehte minutenlang seine Runden, bevor
er wieder kontrolliert landete.
Die Landespolizei Berlin stellt deswegen eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Luftverkehrsgesetz, kann aber noch vor Ort die Drohne und Flaggen beschlagnahmen und die Personalien des Drohnenpiloten aufnehmen. Laut Medienberichten handelt es sich bei Iwan T. um einen radikalen Unterstützer der russischen Seite im Krieg mit der Ukraine, der bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden sei, weil er in Potsdam das von russischen Truppen in der Ukraine verwendete Z-Symbol auf den Turm des früheren Landtagsgebäudes in Potsdam gemalt, die russische Flagge auf dem Dach befestigt sowie ukrainische Bilder beschädigt habe.
Die Deutsche Flugsicherung (DFS) teilt im Juli mit,
daß es im deutschen Luftraum im ersten Halbjahr dieses
Jahres bereits 75 gemeldete Behinderungen durch Drohnen gegeben habe.
77 % davon ereigneten sich im Großraum eines Flughafens, wobei alleine
am größten deutschen Flughafen in Frankfurt zehn Ereignisse verzeichnet
werden. Es folgen die Flughäfen Berlin mit neun, Köln/Bonn mit sieben,
Hamburg mit sechs und Düsseldorf mit fünf Vorfällen.
Im August wird berichtet, daß in den vergangenen Wochen mehrere Drohnen
über dem ChemCoast Park Brunsbüttel gesichtet wurden,
einem Industriegebiet mit einem stillgelegten Kernkraftwerk, einem
Terminal für Flüssiggas und mehreren Chemiebetrieben. Auch in diesem
Monat sorgt ein Flugobjekt über den Industrieanlagen für einen Polizeieinsatz.
Dabei soll eine Drohne mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h beobachtet
worden sein.
Der Presse zufolge handelt es sich mutmaßlich um militärische Drohnen, die das offenbar interessante Spionageziel ausspähen. Demnach sollen russische Agenten die Fluggeräte von zivilen Schiffen in der Nordsee gestartet haben. Von der Polizei eingesetzte Drohnen konnten die verdächtigen Multicopter aufgrund deren hoher Geschwindigkeit allerdings nicht verfolgen. Inzwischen ist auch die Bundeswehr eingeschaltet, während die Staatsanwaltschaft Flensburg wegen des Verdachts der Agententätigkeit zu Sabotagezwecken Ermittlungen aufnimmt.
Der Chemiekonzern Covestro und der Schweizer Baukonzern Holcim, die in dem Industriegebiet angesiedelt sind, wollen ebenfalls zur Aufklärung beitragen. Covestro habe ebenfalls Drohnenflüge registriert. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat hingegen keine Drohnenflüge über seinem stillgelegten Atomkraftwerk in Brunsbüttel gesichtet.
Im Zuge der Berichterstattung ist zu erfahren, daß dem Verteidigungsausschuß zufolge auch über dem Brandenburger Truppenübungsplatz Klietz regelmäßig Drohnen gesichtet werden, wo Ukrainer an Leopard-1-Panzern trainieren. Da die Bundeswehr für die Abwehr der kleinen und teils sehr schnell fliegenden Flugobjekte schlecht gerüstet ist, hatte das Verteidigungsministerium bereits Ende vergangenen Jahres eine Taskforce Drohnen eingerichtet.
Anfang Oktober kollidiert in Thüringen auf der Strecke
von München nach Hamburg ein ICE bei Tempo 200 mit einer
Drohne. Beim nächsten Halt wird der Schnellzug auf Schäden untersucht,
wobei die Beschädigung einer Scheibe festgestellt wird. Auch verletzt
wurde niemand, die Weiterfahrt ist daher möglich.
Der Zugführer eines nachfolgenden Zuges habe in den Gleisen dann eine Drohne gesehen, auch habe sich in der Nähe ein Kind befunden. Zwar wird der Streckenabschnitt zwischen Thörey und Eischleben daraufhin gesperrt und abgesucht, doch weder das Fluggerät noch das Kind lassen sich finden. In diesem Fall ermittelt die Bundespolizei wegen eines möglichen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und Sachbeschädigung.
Im November sorgt ein Vorfall am Hauptbahnhof München für
zehn gesperrte Gleise. Demnach hat sich eine Drohne in der Aufhängung
einer Oberleitung verfangen, was ein bislang unbekannter Freund des ebenfalls
unbekannten Piloten Mitarbeitern der Deutschen Bahn gemeldet hätte.
Weil die Drohne auch auf die Oberleitung hätte stürzen können, kommt es zu etlichen Gleissperrungen, Umleitungen und erheblichen Verspätungen bei den Reisenden. Die Bundespolizei sucht die beiden Beteiligten, die jedoch geflüchtet sind, als sie den Polizeieinsatz bemerkten.
Im Dezember folgen Berichte darüber, daß die US-Militärbasis im rheinland-pfälzischen Ramstein,
die u.a. das Hauptquartier der U.S. Air Force in Europa und der NATO-Kommandobehörde
zur Führung von Luftstreitkräften ist, in den vergangenen Wochen mehrfach
von Drohnen überflogen worden sei. Trotz Fahndungsmaßnahmen konnte bislang
kein Pilot gefunden werden.
Auch die Anlagen des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall und des Chemiekonzerns BASF sollen überflogen worden sein. Die Innenministerkonferenz in Brandenburg beschäftigt sich zwar mit den Drohnenflügen, kann sich allerdings nicht auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die Spähflüge verständigen.
Auf internationaler Ebene schaffen es nur wenige Länder
in die lokalen Medien, darunter die Schweiz, Dänemark, Norwegen und die
USA. Im Fall der Schweiz wird Mitte Mai 2024 darüber
berichtet, daß ein Junge bei einer Drohnenaktion über einem Park direkt
am Zürichsee verletzt worden sei. Laut Polizeiangaben
sei die Aktion, die auf TikTok angekündigt worden war und bei
der es aus einem an der Drohne befestigten Sack Geldscheine regnete,
nicht genehmigt gewesen. Wer die Drohne gesteuert habe, blieb unbekannt.
Es stellt sich aber heraus, daß das Problem weniger die Drohne war, denn der Zwölfjährige sei in der Menschenmenge, die versuchte, die herabfallenden Scheine zu ergattern, mit einem spitzen Gegenstand schwer verletzt worden. Was entweder ein Unfall war, oder von der rücksichtslosen Gier eines Mobs zeugt.
Im September wird über eine Serie von Zwischenfällen in Dänemark berichtet,
bei denen an den Flughäfen von Kopenhagen und Aalborg Drohnen gesichtet
werden, was zur vorübergehenden Sperrung der Airports führt. Ankommende
Maschinen werden auf umliegende Flughäfen umgeleitet. Die laut Augenzeugen „mindestens
zwei oder drei größeren Drohnen“ sind nach einiger Zeit von selbst
wieder verschwunden, eine direkte Gefahr für die Flughäfen oder angrenzende
Bereiche gab es der Polizei zufolge nicht.
Interessant ist die Aussage, daß die Fluggeräte aus unterschiedlichen Richtungen gekommen seien und immer wieder ihre Lichter an- und ausgeschaltet hätten. Zudem sollen sie feste Muster geflogen sein. Wie viele Drohnen insgesamt beobachtet worden sind und woher sie stammen, geht aus den Angaben nicht hervor. Allerdings erklären die Sicherheitskräfte, daß zwischenzeitlich auch die Flughäfen Esbjerg und Sønderborg sowie der Luftwaffenstützpunkt Skrydstrup betroffen waren, wo die dänischen F-16- und F-35-Kampfjets stationiert sind.
Premierministerin Mette Frederiksen spricht von „dem bislang schwerwiegendsten Angriff auf die kritische Infrastruktur Dänemarks“ und zieht den dänischen Inlandsgeheimdienst PET hinzu. Als Ziele des ,hybriden Angriffs’ nennt sie „Stören und Unruhe stiften. Besorgnis erregen. Zu sehen, wie weit man gehen kann, und die Grenzen austesten“. Der Polizei zufolge habe man sich bewußt dagegen entschieden, die Drohnen abzuschießen, da es an den Flughäfen viele Menschen sowie Treibstofftanks gibt, die von Trümmern getroffen werden könnten.
Etwa zur gleichen Zeit gibt es auch in Norwegen mehrere
Zwischenfälle, bei denen u.a. der Flughafen Oslo aus Sicherheitsgründen
gesperrt wird, nachdem dort Drohnen beobachtet worden sein sollen. Mehrere
Flüge fallen aus oder werden umgeleitet, doch die Sichtung entpuppt sich
bereits nach kurzer Zeit als Fehlalarm. Unabhängig davon kündigen die
Behörden in Dänemark und Norwegen an, eng kooperieren zu wollen, um die
Hintergründe zu klären und Informationen auszutauschen.
Darüber hinaus dringen in der zweiten Septemberwoche mehr als 20 russische
Drohnen tief in den Luftraum Polens ein, mehrere davon
werden abgeschossen. Und auch Rumänien meldet russische
Drohnen im eigenen Luftraum. Um was für Flugkörper es sich dabei handelt,
wird nicht mitgeteilt.
In den USA wiederum wird im Juli ein 72-jähriger Mann
in Florida wegen Schüssen auf eine Lieferdrohne von
Walmart verhaftet. Der Betroffene sagte, Drohnen würden ständig über
sein Haus fliegen, wobei er vermutete, diese würden ihn überwachen. Auch
die Lieferdrohne flog über sein Haus, weshalb er versuchte, sie zu verscheuchen.
Nachdem das nicht gelungen war, wollte er sie mit Waffengewalt vertreiben.
Nachbarn und Zeugen melden den Vorfall dem Büro des Sheriffs von Lake County, der daraufhin die näheren Umstände des Vorfalls untersucht. Wie sich herausstellt, war die Drohne im Rahmen einer Werbeaktion der Firma DroneUp unterwegs, die mit Walmart eine Kooperation gestartet hatte. Über Scheinlieferungen wollten die Partner den neuen Service bewerben.
Im konkreten Fall war ein zweiköpfiges DroneUp-Team unterwegs, um die Drohne in Empfang zu nehmen, und wartete am programmierten Lieferpunkt in einer Sackgasse vor dem Haus des Schützen. Nach Angaben der Mitarbeiter hatte die Drohne den Zielbereich schon erreicht und war im Sinkflug, als der Beschuldigte eine Handfeuerwaffe auf sie richtete. Als die DroneUp-Crew einen Schuß hört, flüchtet sie in den Lieferwagen und fährt zurück zu Walmart. Die beschädigte Drohne schafft es aus eigener Kraft ebenfalls, wieder am Supermarkt zu landen.
Bei einer Befragung durch Beamte des Sheriffs gibt der Mann zu, einen Schuß aus seiner Pistole Kaliber 9 mm auf die Drohne abgefeuert zu haben. Das Büro teilt später mit, daß tatsächlich ein Einschußloch im Nutzlastbereich der Drohne entdeckt worden sei. Der Beschuldigte wird daraufhin zuerst ins Lake-County-Gefängnis gebracht, dann aber gegen eine Kaution von 13.500 $ bis zur Verhandlung wieder entlassen.
In Florida gilt das Schießen auf Luftfahrzeuge als ein Verbrechen. Weitere Anklagepunkte sind krimineller Unfug, die Beschädigung einer Drohne mit einem verursachten Schaden von über 1.000 $ sowie das Abfeuern einer Schußwaffe in der Öffentlichkeit. Walmarts Drohnenlieferdienst wird bereits in mehreren Bundesstaaten der USA getestet, wie schon in der Übersicht 2015 berichtet wurde.
Ernster werden Meldungen im Dezember 2024 genommen,
die von mysteriösen Drohnen an der US-Ostküste berichten, die seit Wochen
in den Bundesstaaten New Jersey und New York über
den Nachthimmel fliegen. Aufnahmen der Flugobjekte mit blinkenden Lichtern
und Rotoren verbreiten sich schnell im Internet. Begonnen hatte das Phänomen
bereits im November über New Jersey, als ein unbemanntes Flugobjekt nahe
einer Militäreinrichtung gesichtet wurde. Später führt eine Drohnensichtung
im Luftraum über New York zu einer einstündigen Sperrung des Stewart-Flughafens.
Vertreter des Heimatschutzministeriums beschwichtigen die Bevölkerung und erklären, daß es keine Beweise dafür gibt, daß eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit bestehe. Zudem sei das Ausmaß der tatsächlichen Drohnenaktivitäten wahrscheinlich geringer als das, was berichtet werde. Dem FBI sind mehr als 3.000 Sichtungen (später: rund 5.000) gemeldet worden, von denen sich etwa 100 als relevant erwiesen hätten. Augenzeugen berichten, die Drohnen seien größer als die Modelle, die üblicherweise von Hobby-Drohnenfliegern genutzt werden, und sobald man sie zu Gesicht bekommt, werden sie dunkel.
Kathy Hochul, die Gouverneurin des Bundesstaats New York, bittet die Regierung von Präsident Joe Biden um Hilfe und fordert ein Gesetz, um unbemannte Luftfahrzeuge effektiver abwehren zu können und der US-Luftfahrtbehörde FAA mehr Befugnisse zu geben. Auch der designierte Präsident Donald Trump fordert einen Abschuß der Drohnen, nachdem nahe seinem Golfplatz in Bedminster ebenfalls Flugobjekte gesichtet wurden.
Obwohl insgesamt Dutzende unbemannter Fluggeräte beobachtet werden, einige davon sogar im Luftraum über Militärbasen, deeskaliert das Weiße Haus und erklärt, daß die gesichteten Drohnen ausnahmslos ,legal’ unterwegs gewesen seien: „Nach unserer derzeitigen Einschätzung handelt es sich bei den Aktivitäten um kommerzielle Drohnen sowie Hobby- oder Polizeidrohnen, die alle legal und rechtmäßig operieren“. Immerhin sind in den USA mehr als eine Million Drohnen legal registriert, von denen täglich Tausende für verschiedene Zwecke unterwegs sind. Das Pentagon und US-Militär sind laut eigener Aussage aber nicht verantwortlich.
Auch das Heimatschutzministerium, das FBI, die Bundesluftfahrtbehörde und das Verteidigungsministerium führen die Sichtungen auf verschiedene Luftfahrzeuge zurück, darunter kommerzielle Drohnen, Hobbydrohnen, Drohnen der Strafverfolgungsbehörden sowie bemannte Starrflügler, Hubschrauber und Sterne, die fälschlicherweise als Drohnen gemeldet wurden. Die Behörden erklären, daß sie eine Kombination aus fortschrittlicher Erkennungstechnologie und Erkenntnissen von geschulten visuellen Beobachtern verwendet haben, um Informationen über die Situation zu sammeln.
In Boston, Massachusetts, werden derweil zwei Männer
festgenommen, denen ein ,gefährlicher Drohneneinsatz’ am internationalen
Flughafen der Stadt zur Last gelegt wird. Die Polizei fahndet nach eigenen
Angaben noch nach einem dritten Verdächtigen, der geflohen ist.
Bemerkenswert ist, daß ich im Laufe des gesamten Jahres nicht eine einzige
Meldung über den Drohneneinsatz zum Schmuggeln gefunden
habe - ebensowenig wie Berichte über die Lieferung von Drogen u.a. in
Gefängnisse. Da kaum anzunehmen ist, daß die entsprechenden Versuche
zurückgegangen sind, werden die diesbezüglichen Berichte augenscheinlich
nicht mehr verbreitet, um keine weiteren Nachahmungstäter anzuregen.
Weiter mit den Elektro- und Solarfluggeräten...