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Elektro- und SolarfluggerÄte

2024 (A)


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Thematisch sind die Informationen auch dieses Jahres wie folgt geordnet:

Anschläge und Abwehrmaßnahmen

Zwischenfälle

Neue Einsatzbereiche

Technologische Entwicklungen

Transport- und Lieferdrohnen

Personentragende Fluggeräte



Anschläge und Abwehrmaßnahmen


Die Anschläge mit Drohnen nehmen weltweit stetig zu, ebenso die Verluste durch FPV-Drohnen. Eine Anzahl von Beispielen soll die aktuelle Lage darstellen, beginnend im Nahen Osten.

So werden im Januar 2024 bei einem Drohnenangriff auf den Turm 22 des jordanischen Verteidigungsnetzes, einer logistischen Unterstützungsbasis im Nordosten des Landes nahe der syrischen Grenze, drei US-Soldaten bei getötet und mehr als 40 verletzt. Den offiziellen Stellen zufolge trägt der Angriff die Handschrift der Hisbollah, die von den Islamischen Revolutionsgarden unterstützt wird. Der Anschlag ist der erste, bei dem Angehörige der US-Streitkräfte getötet werden, und es ist auch der erste Anschlag überhaupt in Jordanien.


In Syrien werden im Januar von der Armee in Aleppo, Hama und im Umland von Idlib hingegen diverse, von Terroristen gestartete Drohnen abgeschossen - was nur der erste einer nicht enden wollenden Reihe entsprechender Berichte im Laufe des Jahres ist. Dem Verteidigungsministerium zufolge handelt es sich neben den üblichen FPV-Drohnen in einigen Fällen auch um Drohnen, die mit einem 4 m langen Flüssigtreibstoff-Raketentriebwerk und 6 m breiten Flügeln ausgestattet und mit 100 kg Sprengstoff beladen sind.

Die entsprechenden Meldungen erreichen aber nur in den seltensten Fällen die Mainstream-Medien und verschwinden später auch aus den Nachrichtenarchiven und den Angeboten alternativer Homepages. Dies hat möglicherweise mit dem Ende des Jahres erfolgenden Machtwechsel in Syrien zu tun, bei dem - mit fast einmütiger internationaler Unterstützung - die Terroristen der HTS das Land übernehmen, nachdem Präsident Baschar Al-Assad von Russland in sein dortiges Exil ausgeflogen worden ist.

Bemerkenswert ist, daß dessen letzter Befehl an die Syrische Armee lautete, keinen Widerstand zu leisten, was anderenfalls zu große Verlusten geführt hätte. Kurze Zeit später tragen die ehemaligen HTS-Terroristen Anzüge und Krawatten und werden von allen westlichen Regierungen hofiert. Was äußerst befremdlich ist, war doch auf den HTS-Anführer Abu Mohammed al-Golani von Seiten der USA ein Kopfgeld in Höhe von 10 Mio. $ ausgesetzt gewesen. Doch ein Jahr später schüttelt er als Übergangspräsident Ahmad al-Scharaa freudig u.a. die Hand von Regierungschef Donald Trump und die von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die beide ebenso freudig zurückschütteln.


Im Gazastreifen schießen palästinensische Kämpfer regelmäßig israelische Drohnen ab, während das Gebiet gleichzeitig zum Testgelände für militärische Roboter der israelischen Armee (IDF) wird. Wie im März 2024 berichtet wird, setzt diese mittlerweile neben ferngesteuerten Bulldozern auch Drohnen ein, die auf Roboterhunden landen. Diese Kombination zweier Roboter soll zusammen Tunnel und Straßen im Feindgebiet ausspähen und aufklären. Die IDF hatten bereits im Dezember des Vorjahres drei Roboterhunde des Typs Vision-60 der US-Firma Ghost Robotics angeschafft.

Die vierbeinige Plattform wird mit dem Rooster des israelischen Unternehmens Robotican kombiniert, einer klassischen vierrotorigen Flugdrohne, die in einem runden Käfig steckt - wie es schon mehrere andere Modelle tun, z.B. die GimBall-Drohne der Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) von 2013, das All-Terrain Land und Air Sphere (Atlas) genannte Fluggerät der US-Firma Unmanned Cowboys LLC aus dem Jahr 2015, oder - als jüngeres Beispiel - der Hybrid Mobility Robot (HMR) der US-Firma Revolute Robotics, der in der Übersicht 2023 beschrieben ist.

Vision-60 mit Rooster

Vision-60
mit Rooster

Wie seine Vorgänger kann der Rooster so auf dem Boden entlangrollen oder über kurze Distanzen abheben und sich dann auf Dächern absetzen oder durch Fenster hindurch fliegen. Er ist mit einer Kamera ausgestattet, um z.B. Gebäude auszukundschaften und in die Tunnelnetzwerken der Hamas einzudringen, bevor Soldaten hineingeschickt werden.

Dabei wird der 130.000 $ teure Vision-60 nicht nur als Plattform für Kameras und Sensoren, die eine 360°-Sicht ermöglichen, sondern auch als Start- und Landeplatz für den Rooster eingesetzt, um als teilautonomer Drohnen-Carrier zu dienen. Der Rooster selbst, der bereits von zwei NATO-Spezialeinheiten genutzt wird, um gefährliche Bereiche zu erkunden, wiegt 1.620 g, kann eine Nutzlast von 300 g tragen, bis zu 12 Minuten lang schweben und rund 35 Minuten lang am Boden rollen.

Im April 2024 erscheint übrigens ein Video, auf dem ein Roboterhund namens Thermonator zu sehen ist, der mit Flammenwerfer ausgestattet ist, auch Napalm verschießen kann und in den USA für unter 10.000 $ erhältlich ist.

Ebenfalls im April berichtet die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die Israel eine vorsätzliche Zerstörung des Gesundheitssystems im Gazastreifen vorwirft, daß ihre Mitarbeiter jetzt auch Kinder mit Schußwunden von bewaffneten Drohnen sehen. Zumindest diese Meldung geht einmal kurz durch die allgemeinen Medien.

Die palästinensischen Widerstandsbewegung Hamas zeigt im September 2024 in einem Video mehrere kleine kommerzielle Quadcopter-Drohnen, die sie in der Nähe von Rafah, einer Stadt im südlichen Gazastreifen, abgeschossen hat. Ähnliches geschieht im Dezember, als die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, drei israelische Quadcopter-Drohnen erbeuten, die in Rafah Aufklärungsoperationen durchführten. Dabei wird berichtet, daß das israelische Militär solche Drohnen zunehmend für Operationen einsetzt, wie gezielte Tötungen, den Abwurf von Granaten und die Aussendung von Evakuierungswarnungen.

Auch bei dem Angriff auf das Al-Aqsa-Krankenhaus in Gaza Mitte Oktober beschreiben die Überlebenden, daß zuerst Drohnen über dem Gelände zu hören waren und dann die Raketen einschlugen. Dabei werden mindestens vier Menschen getötet und 17 verletzt, außerdem werden Zelte auf dem Krankenhausgelände getroffen, in denen Geflüchtete leben.

Zu Erinnerung: Israel sieht sich wegen seines Krieges gegen den Gazastreifen mit einem Völkermordverfahren vor dem Internationalen Gerichtshof konfrontiert. Außerdem erläßt der Internationale Strafgerichtshof im November Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und seinen ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gazastreifen.


Auch die Hisbollah greift weiterhin israelische Armeestellungen mit Drohnen an. Außerdem veröffentlicht sie Drohnenaufnahmen wichtiger Militär- und Energieinfrastruktur und die Koordinaten strategischer Positionen in Israel, die sich in der Reichweite der Raketen befinden, über die die Hisbollah verfügt. Die IDF erklärte ihrerseits, daß sie vom Libanon aus gestartete, mit Sprengstoff beladenen Drohnen, die in den Norden Israels eingedrungen seien, abgefangen habe, z.B. bei einem Angriff auf eine israelische Armeestellung in dem Ort Beit Hillel.

Im August 2024 wird gemeldet, daß der libanesische Widerstand den israelischen Stützpunkt Mahvah Alon südwestlich der Stadt Safed im Norden des besetzten Palästina mit Schwärmen von Selbstmorddrohnen angegriffen habe, und im November wird über massiven Dronenbeschuß aus dem Libanon berichtet, der auf Positionen wie den Marinestützpunkt Stella Maris nordwestlich von Haifa sowie die Fallschirmjägerbasis Bilu südlich von Tel Aviv zielte.

Im Südosten des Landes wird im November nahe der Felsenfestung Masada am Toten Meer eine Drohne abgeschossen, die aus östlicher Richtung in den israelischen Luftraum eingedrungen und vermutlich im Irak gestartet worden war. Demnach führten mit dem Iran verbündete Milizen im Irak in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Drohnenangriffe auf Israel aus. Auch eine Drohne, die aus Syrien kam, sei abgefangen worden.

Als Reaktion attackiert Israel Ziele im Süden von Beirut, die als Hisbollah-Hochburgen gelten, ebenso wie die südlibanesische Stadt Nabatäa. Und bei mehr als 30 massive Luftschlägen auf Orte in der Provinz Baalbek-Hermel werden mindestens 40 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.


Auch aus anderen arabischen Ländern werden Drohnenangriffe gemeldet, wie im Juli 2024 bei einem Anschlag während einer Abschlußfeier auf einen Armeestützpunkt nahe dem Ort Jebeit im Osten des Sudan, der offenbar dem Armeechef General Abdel Fattah al-Burhan galt. Es sollen dabei zwei Drohnen eingesetzt worden und mehrere Soldaten getötet worden sein, weitere Details werden nicht bekannt.

Wie jetzt zu erfahren ist, fügt sich der Angriff in eine Reihe ähnlicher Attacken auf Militärstützpunkte in den vergangenen Monaten. Al-Burhans Truppen stehen seit 15 Monaten in einem blutigen Konflikt mit den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) von Generalleutnant Mohamed Hamdan Daglo. Zudem sind verschiedene Rebellengruppen und Milizen an den Kämpfen beteiligt.


Der gegenwärtig umfassendste Einsatz von Kampfdrohnen aller Art findet allerdings weiterhin im Russisch-Ukrainischen Krieg statt. Im Netz verbreiten sich immer mehr Videoclips, wie Mitte Januar die Aufnahmen einer russischen Aufklärungsdrohne, die ein Gefecht zwischen mit einem Maschinengewehr bewaffneten russischen Soldaten und einer kleinen ukrainischen FPV-Drohne filmte.

Man sieht, wie der russische Kämpfer auf die ukrainische Drohne schießt und sie zwingt, ihn anzugreifen. Im allerletzten Moment weicht er dem Angriff aus, indem er sich zu Boden wirft. Er wird durch die Explosion in der Nähe nicht verletzt und verläßt das Schlachtfeld unversehrt. Im vielen anderen Fällen gehen die Konfrontationen jedoch nicht so glimpflich aus, und die Verluste auf beiden Seiten nehmen immer mehr zu. Über die Maßnahmen zur Drohnenabwehr, ebenfalls auf beiden Seiten, von denen auch immer mehr Varianten bekannt werden, berichte ich weiter unten.

Die Nachrichtenblogs berichten im Januar darüber, daß Russland eine Stealth-Version der Geran-2 Selbstmorddrohne entwickelt habe, basierend auf dem Entwurf der iranischen Shahed-136. Diese Modelle wurden bereits in früheren Übersichten erwähnt, sind aber brennstoffbetrieben und sollen daher hier nicht weiter verfolgt werden.

Anders liegt der Fall bei den Drohnen vom Typ Lancet-3, die von einem Elektromotor mit Druckpropeller am Heck angetrieben werden. Die vom Kalaschnikow-Konzern entwickelte Kampfdrohne war erstmals auf dem internationalen militärtechnischen Forum Army 2019 bei Moskau ausgestellt worden. Sie wurde bereits in der Jahresübersicht 2022 ausführlich beschrieben.

Im März 2024 wird berichtet, daß innerhalb einer Woche 26 ukrainische Fahrzeuge von russischen Lancets getroffen werden, und in Juni folgt die Meldung, daß die Zahl der dokumentierten Lancet-Angriffe auf die Kiewer Streitkräfte die Marke von 2.000 überschritten hätte.

Außerdem wird bekannt, daß Russland spezielle FPV-Einheiten im Luftkampf gegen ukrainische FPV-Drohnen ausbildet. So hat die Gruppe Nachtjäger eine spezielle Vorrichtung entwickelt, um feindliche Drohnen durch Ramm-Manöver aus dem Verkehr zu ziehen. Dazu gehören auch spezielle Abwurfmanöver. Man sieht also jetzt schon Luft-Luft-Kämpfe zwischen Drohnen, allerdings noch ferngelenkt.

Es gibt aber auf beiden Seiten im Bereich der FPV-Drohnen Versuche, diese zu autonomisieren. Und auch wenn es in diesem Bereich anscheinend bisher noch keinen großen Durchbruch gegeben hat, so erwarten Experten noch in diesem Jahr den Wendepunkt, ab dem vollautonome Drohnen gegen andere Drohnen kämpfen und so die Art und Weise der Kriegsführung für immer verändern. Die Auswirkungen sind nur schwer vorherzusehen, klar ist aber jetzt schon, daß diese gewaltig sein werden – und mit Folgen wie einer Autonomisierung und Automatisierung des Tötens.

Scalpel

Scalpel

Gemäß Meldungen im März hat das Designbüro Wostok die Entwicklung einer einer günstigeren Kopie der erfolgreichen Lancet-Drohne abgeschlossen. Die neue Scalpel, an der seit vergangenem Jahr gearbeitet wurde, soll wie das Original 5 kg wiegen, eine Reichweite von 40 km haben und 120 km/h schnell fliegen. Die Nutzlast beträgt ebenfalls 5 kg, der Start erfolgt per Katapult. Der Beginn der Serienproduktion von 1.000 Einheiten ist noch für dieses Jahr geplant.

Mitte Juli feuert Russland dann in einer Nacht 13 Raketen sowie 728 Angriffs- und Täuschdrohnen auf die Ukraine ab. Es ist die größte Anzahl an abgefeuerten Drohnen in einer einzigen Nacht seit Kriegsbeginn. Die erwähnten Täuschkörper kommen immer häufiger zum Einsatz, um bei großen Angriffen die ukrainische Luftabwehr zu überlasten. Dabei handelt es sich um Drohnen, die aus Schaumstoff oder Holz bestehen und nicht mit Sprengstoff beladen sind, sich aber nur schwer von scharfen Drohnen unterscheiden lassen und Russland nur einen Bruchteil der Originale kosten.

Es gibt gegenwärtig zwei Haupttypen von Täuschdrohnen: die Parodya, die auf dem Radar wie eine Shahed aussieht, eine ähnliche Geschwindigkeit hat und von der Luftabwehr als echtes Luftziel wahrgenommen wird, sowie die größere Gerbera, deren Form stark der Geran-2 ähnelt. Sogenannte Lüneburger Linsen, kugelförmige Gradientenindexlinsen, die in beiden eingebaut sind, dienen als Radarreflektoren, wodurch beide Arten auf Radaren größer und wie echte Kamikaze-Drohnen erscheinen. Dies zwingt die ukrainische Luftabwehr, Munition für ihr Abschießen zu verschwenden.

Die Russen nutzen die Täuschdrohnen auch, um die Luftabwehrsysteme zu lokalisieren und die Radarabdeckung in verschiedenen Höhen zu untersuchen, womit sich zukünftige Flugwege mit geringem Risiko modellieren lassen.

Laut einer Erklärung der ukrainischen Luftwaffe sind während des o.g. Angriffs sieben Raketen und 296 Drohnen abgeschossen worden, während weitere 415 Drohnen vom Radar verschwanden oder durch elektronische Störsender aus der Luft geholt wurden. In der deutschen Presse wird jedoch ein Angriff im November mit 145 (andere Quellen: 188) Drohnen als bisheriger ,Rekord’ bezeichnet, was eindeutig nicht den Tatsachen entspricht. 62 der Drohnen konnten abgeschossen werden, 67 weitere seien von den Radarschirmen verschwunden, und zehn sind in Richtung Russland, Moldau und Belarus weitergeflogen.

Darüber hinaus sollen die russischen Truppen FPV-Drohnen auch gegen Zivilisten einsetzen, beispielsweise in Cherson. Dort kommen die Drohnen dem Stadtzentrum immer näher, weshalb vermutet wird, daß die Störsender sie nicht mehr stoppen können. Helfen sollen nun mobile Geräte, die vor Drohnen warnen und piepsen, wenn sie durch Abhören ihrer Funksignale eine Gefahr orten. Das Gerät trägt den Namen Zukorok (o. Tsukorok, Zuckerwürfel), kostet rund 50 $ und besteht aus zwei Komponenten. Die eine wird in der Ukraine hergestellt, die andere als Fertigprodukt aus China eingeführt.

Da die ukrainische Armee effektive Störtechnik verwendet, um russische Drohnen handlungsunfähig oder blind zu machen, setzt die russische Seite Meldungen im August 2024 zufolge neue Aufklärungsdrohnen ein, die mit einer kabelgebundenen Glasfaserverbindung direkt zu den Drohnenpiloten ausgestattet sind. Die nun erstmals im Kampf eingesetzten Drohnen sind mit einer Seilwinde ausgestattet, die mehrere Hundert Meter Glasfaser beinhalten kann und den Drohnen eine gewisse Reichweite gibt, wobei die Glasfaser nur für die Übertragung von Steuersignalen dient.

Die hier abgebildete Seilwinde stammt übrigens von einer ähnlichen kabelgebundenen Drohne der deutschen Firma Highcat aus Konstanz, die eigenen Angaben zufolge auch das ukrainische  Verteidigungsministerium beliefert.

Eine solche Kabelverbindung ist gegenüber Störsendern und elektronischen Gegenmaßnahmen nahezu unempfindlich, und außerdem können die Pilotenstellungen durch die fehlenden Funksignale nicht geortet und eventuell mittels Gegenschlägen bekämpft werden. Dafür wird die Flexibilität und Manövrierfähigkeit geopfert. Kabelgebundene Drohnen umgehen auch die Empfangsprobleme drahtlos gesteuerter Drohnen, denn vor allem, wenn diese nah am Boden fliegen, können die Signale schwächer werden. Ein Glasfaserkabel kann hingegen zum Problem werden, wenn sich die Drohne durch Hindernisse oder Wälder hindurch bewegt.

Im Oktober wird bekanntgegeben, daß der russische Präsident Wladimir Putin noch in diesem Jahr für seine Truppen 1,4 Millionen Drohnen bereitstellen will. Der Nachrichtenagentur TASS zufolge seien im vergangenen Jahr lediglich 140.000 Drohnen an die russischen Streitkräfte ausgegeben worden.

Im Dezember berichtet die ukrainische Flugabwehr über Einflüge ganzer Drohnenschwärme aus verschiedenen Himmelsrichtungen, deren Ziele wegen der sich ständig ändernden Flugrichtungen zunächst nicht ersichtlich werden. Eine weitere Taktik, um die Flugabwehr zu überlasten.

Gleichzeitig meldet die russische Luftabwehr, und zunehmend gegen Ende des Jahres, von fast täglichen Abschüssen ukrainischer Drohnen über Moskau und anderen Regionen des Landes. Dabei variieren die Zahlenangaben zwischen acht und weit über 80 Drohnen pro Tag. Die Berichterstattung macht inzwischen aber kaum mehr einen Unterschied zwischen den verschiedenen Modellen, so daß eine genaue Zuordnung aus der Ferne unmöglich wird.

Außerdem steigt die Bandbreite der eingesetzten Fluggeräte: Laut Angaben des russischen Militärs werden z.B. in der letzten Dezemberwoche 2024 vier in Großbritannien hergestellte Luft-Boden-Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow abgeschossen, ein ukrainischer Neptune-Langstrecken-Lenkflugkörper, zwei in Frankreich produzierte Hammer-Lenkbomben, 31 in den USA hergestellte HIMARS-MLRS-Geschosse sowie 496 unbemannte Flugzeuge mit starren Tragflächen, deren Hersteller nicht genannt werden.

Hinzu kommt, daß beide Kriegsparteien ihre Drohnenproduktion stark ausbauen, was vermutlich dazu führt, daß wir bald Angriffe mit mehr als 1.000 Drohnen pro Nacht erleben werden. Der russische Konzern Kalaschnikow plant beispielsweise, seine Drohnenproduktion bis 2025 zu verzehnfachen, um die Nachfrage des russischen Militärs zu decken.


Die lokale Berichterstattung in Deutschland übermittelt in erster Linie Meldungen aus der Ukraine, die deshalb hier etwas ausführlicher ausfallen. Der Zugriff auf russische Quellen wird dagegen stark behindert und ist nur noch über das weltweite Tor-Netzwerk möglich, das u.a. von Journalisten, Whistleblowern oder politisch Verfolgten genutzt wird, um Zensur zu umgehen und sicher zu kommunizieren.

Im Februar 2024 melden die Blogs, daß der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Erlaß unterzeichnet hat, um eine separate Truppe für Drohnensysteme innerhalb der ukrainischen Truppen aufzubauen. Dem Minister für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, zufolge werde die Drohnentruppe den technologischen Fähigkeiten der Streitkräfte einen kräftigen Schub verleihen. Im vergangenen Jahr hätten Drohnen „die Situation auf dem Schlachtfeld grundlegend verändert.“

Die Ukraine will nun jeden Monat Zehntausende Drohnen produzieren, und der Präsident kündigt an, daß im Jahr 2024 eine Million Drohnen hergestellt werden sollen. Im vergangenen Jahr seien rund 300.000 Drohnen produziert worden, darunter Modelle, die mit Granaten und Minen für Bodenangriffe ausgerüstet sind.

Erreicht hat das die Ukraine durch eine Art Guerilla-Produktion, getarnt in Hinterhöfen, Kellern und Küchen in Wohngebieten, Stadtzentren oder Geschäftshäusern. Ein häufig genanntes Beispiel ist das Projekt Victory Drones, bei dem Zivilisten in Online-Kursen lernen können, eine ,Volksdrohne’ zusammenzubauen, wobei auch gleich die Links zu AliExpress mit den notwendigen Einzelteilen für den Eigenbau genannt werden. Zum Einsatz bringen sie die über 60 Drohnenangriffsbrigaden des ukrainischen Militärs.

Allerdings bezweifelt das ukrainischen Nachrichtenportal Censor.net die Zahlen und behauptet, daß Selenskyj über die Versorgung der Armee mit Drohnen lügt. Das Ministerium für Strategie und Industrie hätte zwar bekannt gegeben, daß es in den ersten beiden Monaten dieses Jahres 200.000 Drohnen freigegeben habe, doch es ist unklar, wo diese abgeblieben sind. Die Brigaden hätten tatsächlich nur etwa 5 % der von ihnen verwendeten FPV-Drohnen vom Staat erhalten.

Ebenfalls im Februar plant eine Koalition unter der Leitung von Lettland und dem Vereinigten Königreich, massiv in die Beschaffung und Lieferung unbemannter Luftfahrzeuge an die Ukraine zu investieren. Dabei geht es um eine Million Drohnen, die meisten davon einfache, handelsübliche Modelle, die mit Kameras für Aufklärungszwecke ausgestattet sind. Einige könnten jedoch auch in der Lage sein, kleine Sprengkörper abzuwerfen. Die lettische Investition beläuft sich dabei auf 10,8 Mio. €. Deutschland, Dänemark, Estland, Litauen, die Niederlande und Schweden erklären sich ebenfalls bereit, die Initiative zu unterstützen. Ein Zeitplan für die Lieferung der Drohnen wird nicht genannt.

Im März 2024 wird bekannt, daß die Ukraine mit ihrer als Baba Jaga bekannten schweren Transportdrohne einen Quadrokopter in der Luft absetzen kann. Dieser trägt einen Repeater mit sich, der die Signalreichweite erhöht. Das Ergebnis ist eine erhebliche Steigerung der Reichweite der ukrainischen Kamikaze-Drohnen, die so Ziele in einer Entfernung von bis zu 20 km treffen könnten. Baba Yaga ist ein großer Hexacopter mit einer Infrarotkamera und der Kapazität für einen 15 kg schweren Raketensprengkopf, der zumeist nachts abgeworfen wird. Der Name ist eine Anspielung auf eine mythische Hexe.

Ebenfalls im März teilt der britische Verteidigungsminister Grant Shapps mit, daß die britische Regierung Kiew mit insgesamt 10.000 Drohnen unterstützen wird, wobei es sich hauptsächlich um FPV-Versionen handelt. Hinzu kommen 1.000 Kamikazedrohnen sowie Aufklärungs- und Seedrohnen. London wird dafür seine bereits bestehende Zusage von Drohnen im Wert von 200 Mio. £ auf 325 Mio. £ erhöhen und plant einen Wettbewerb, um die Fluggeräte in großem Maßstab und zu einem erschwinglichen Preis herstellen zu lassen. Denn auch Shapps ist überzeugt, daß „Drohnen den Kriegsverlauf ändern.“

Im April 2024 kündigt Litauens Regierungschefin Ingrida Simonyte den baldigen Kauf und die Lieferung von rund 3.000 Drohnen für die Ukraine an. Die Fluggeräte im Wert von insgesamt rund 20 Mio. € sollen bis Ende dieses Jahres die Front erreichen. Spätere Informationen vom Oktober sprechen davon, daß Vilnius nun 1.000 Kampfdrohnen liefern wird. Die Regierung des Baltenstaats hat bei lokalen Herstellern für 8 Mio. €  mehr als 7.000 Drohnen bestellt, von denen gut 2.300 für die eigene Armee, der Rest für die Streitkräfte der Ukraine bestimmt sind. Nach der ersten Charge sollen die restlichen Flugroboter bis Ende dieses Jahres ausgeliefert werden.

Außerdem wird im April die Einführung der Starrflügeldrohne Ram X bekannt, die speziell die russischen mobilen Luftabwehrsysteme zerstören soll. Deren Ausschaltung soll der ukrainischen Luftwaffe Präzisionsangriffe mit Gleitbomben ermöglichen. Die lokal hergestellten, elektrisch betriebenen Kamikaze-Drohnen des ukrainischen Unternehmens CDE sind verbesserte Versionen der 2018 vorgestellten Ram II, die bei einer Flugzeit von bis zu 55 Minuten und über eine maximale Flugdistanz von bis zu 30 km einen 5 kg schweren Sprengkopf mit einer Genauigkeit von 1 m ins Ziel befördern kann.

Die Ram X soll hingegen eine Reichweite von etwa 50 km haben, in späteren Quellen werden sogar noch höhere Zahlen angegeben. Außerdem ist das Design stärker auf geringere Sichtbarkeit und bessere Manövrierbarkeit ausgelegt. Die Weiterentwicklung soll auf der russischen Lancet-Drohne basieren. Das ukrainische Militär hatte es geschafft, die Flugroute einiger gegnerischer Drohnen zu manipulieren, woraufhin diese in eigenem Gebiet weich landeten. Anschließend konnten sie analysiert und nachgebaut werden.

Übrigens wird zur gleichen Zeit bekannt, da eine neue, noch unbenannte Kamikaze-Drohne der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) in ihrem Design ebenfalls der Lancet sehr ähnlich sieht und auch ganz ähnliche Spezifikationen aufweisen soll.

Drohne mit Mine

Drohne mit Mine

Im Mai erscheinen Berichte, denen zufolge eine geheimnisvolle ukrainische Drohneneinheit namens Code 9.2 Einsätze innerhalb Russlands durchführt, um dort auf wichtigen Straßen und Wegen Minen abzuwerfen. Die Einheit setzt große Vampire-Quadrokopter ein, die bis zu 15 kg Nutzlast tragen können, beladen eine Geschwindigkeit von 40 km/h erreichen und einen Kampfradius von 8 - 12 km für einen Einsatz zum vorgesehenen Punkt und zurück. Die Verbindung erfolgt über eine Nachtsichtkamera und Starlink.

Um sich so weit wie möglich vor der Bedrohung durch russische Drohnen zu schützen, operiert die Einheit nur im schwindenden Licht der Dämmerung. Die Operatoren müssen aber auch dann damit rechnen, von russischen Orlan-Drohnen entdeckt zu werden, die mit Wärmekameras ausgestattet sind, um auch im Dunkeln Ziele auszumachen. Auf Aufnahmen der Einheit ist zu sehen, wie die ukrainischen Vampire-Drohnen mit der tschechischen Panzerabwehrmine PTMIBA III sowie der russischen TM-62 bestückt werden - was irgendwie absurd klingt.

Inzwischen arbeiten mehrere unabhängige ukrainische Teams an Systemen, die russische Aufklärungs- als auch Kamikaze-Drohnen mit Hilfe der FPV-Technologie abfangen und zerstören, was auch in zahlreichen Videos gezeigt wird. Ein Beispiel liefert die Signum-Einheit der 93. Mechanisierten Brigade der Ukraine, die Videoaufnahmen einer FPV-Drohne veröffentlicht, die eine russische ZALA-Lancet-Drohne entdeckt und durch eine Druckwelle beschädigt, worauf sie abstürzt und auf einem Feld zerschellt.

Das ukrainische Militär schickt derweil ganze Drohnenschwärme nach Russland, um in mehreren Regionen massive Attacken durchzuführen. Dabei werden bevorzugt Raffinerien, Treibstoff- und Munitionsdepots sowie Militärflugplätze angegriffen.

In einem Video vom August 2024 ist zu sehen, wie Angehörige der ukrainischen Armee eine AK-74 auf einer Drohne montieren, die anschließend losfliegt und kurze Salven auf Zielmarken am Boden abfeuert. Interessant sind die eingeschnittenen FPV-Aufnahmen, bei denen man erkennt, daß es nur einen geringen Rückstoßeffekt gibt, der auch nur seitlich wirkt, weil das Maschinengewehr liegend an der Drohne befestigt ist.

Ebenfalls im August erklärt Staatschef Selenskyj, daß für dieses Jahr bereits eine Million Drohnen bei den Herstellern in Auftrag gegeben worden sind, im kommenden Jahr sollen es deutlich mehr werden, wobei auch auf eigene Produktionskapazitäten gesetzt wird. Die breite Palette von Aufklärungs- bis hin zu Langstreckendrohnen hat bereits strategische Auswirkungen auf den Krieg und soll die Ukraine zudem zu einem Sicherheitsanbieter für andere Staaten machen.

Sting

Sting

Ebenfalls in diesem Monat wird in einem Video gezeigt, daß der ukrainische UAV-Hersteller Wild Hornets seine Kamikaze-Drohnen so umgebaut hat, daß diese in mehreren Kilometern Höhe russische Aufklärungsdrohnen rammen und durch die Wucht des Aufpralls, teilweise ergänzt durch Splitterladungen, zum Absturz bringen. Das Video zeigt rund 100 Treffer der kleinen Quadrokopter, die die unterschiedlichsten gegnerischen Drohen direkt anfliegen und zerstören.

Der Sting (o. Stacheldrohne; interceptor drone) genannte Quadrokopter wird im 3D-Druck hergestellt und kann bis zu 315 km/h schnell fliegen. Seine Reichweite beträgt bis zu 37 km und er kann bis zu 3.000 m aufsteigen, um beim Kontakt mit der Gegnerdrohne zu explodieren. Sein Preis wird auf 2.100 $ geschätzt.

Anfang September 2024 erscheinen Videos, die erstmals den Einsatz ukrainischer Brandmittel gegen Russland zeigen: Eine Dragon-Drohne überfliegt nahe nordwestlich der Stadt Polohy eine schmale Baumreihe und läßt dabei eine brennende Flüssigkeit auf eine von den Russen gehaltene Stellung ab.

Die Flüssigkeit, vermutlich geschmolzenes Thermit, eine Mischung aus Eisenoxid und Aluminium, die mit 2.500°C brennt, setzt schließlich das gesamte Waldstück in Brand. Die Drohne agiert wie ein Flammenwerfer aus der Luft, mit dem man gezielt feindliche Stellungen niederbrennen kann. Ob sich in der rund 100 m langen Stellung Menschen befunden haben, ist nicht bekannt.

Rüstungsminister Olexander Kamyschin berichtet im Oktober über den aktuellen Stand der Drohnenproduktion. Demnach habe die ukrainische Rüstungsindustrie bereits eine Million Drohnen in verschiedenen Ausführungen für die Streitkräfte gebaut und ausgeliefert.             

Im November liefert auch die Bundesregierung erstmals Kamikaze-Drohnen an die Ukraine. Bislang hatte Deutschland lediglich unbewaffnete Aufklärungsdrohnen geliefert.

HX-2-Schwarm Grafik

HX-2-Schwarm
(Grafik)

Bei der neuen Hilfe im Rahmen der sogenannten ,Ertüchtigungsinitiative’ handelt es sich um rund 4.000 Stück einer KI-gesteuerten Drohne, die mit Software der im Jahr 2021 gegründeten deutschen Firma Helsing ausgestattet ist und offiziell im Dezember vorgestellt wird. Zum Start solle die Produktion bis zu 1.000 Stück im Monat betragen, mittelfristig ist eine Kapazität von Zehntausenden Drohnen im Monat angestrebt.

Die neue HX-2, das gegenwärtige Spitzenmodell der Firma, ist als X-Wing-Drohne konzipiert, wiegt 12 kg, nutzt vier Elektromotoren und erreicht bis zu 220 km/h. Für den Start wird die Drohne, die vom Design her fast bis aufs Haar der Izdeliye 55 von Zala gleicht, einer neuen, AI-gesteuerten Lancet-Variante, über eine Startrampe bzw. ein Katapult beschleunigt, um dann Ziele in einer Entfernung von bis zu 100 km zu bekämpfen.

Die stoßsichere Drohne, deren Kernkomponenten bereits kampferprobt sind, kann Ziele auch bei Störsendern und unter schwierigen Bedingungen anfliegen, da die KI an Bord sie immun gegen elektronische Abwehr macht, so daß der Bediener die Drohne ohne ständige Datenverbindung steuern kann. In Verbindung mit der von Helsing entwickelten Aufklärungs- und Angriffssoftware Altra kann die HX-2 von einem einzigen Bediener auch in Schwärmen zu Hunderten gesteuert werden.

Andere Quellen berichten allerdings, daß es sich bei den 4.000 Drohnen nicht um die HX-2 handelt, sondern um eine in der Ukraine zugekaufte Billig-Drohne aus Sperrholz. Die AQ100 Bayonet des Herstellers Terminal Autonomy hat eine Tiefdecker-Konfiguration mit einer Spannweite von 1 m und großen Canard-Flügeln am Bug. Sie weist ähnliche technische Charakteristika auf wie die russische Lancet, d.h. eine Reichweite von bis zu 150 km an und einen Sprengkopf von 4,5 kg, wobei der Preis mit 4.000 $ deutlich niedriger geschätzt wird als der Preis der HX-2 von 35.000 $.

Helsing läßt den 144 km/h schnellen Billig-Drohnen-Entwurf in der Ukraine fertigen, anschließend wird die in HF-1 umbenannte Drohne mit der Helsing-eigenen Steuerungssoftware versehen, die auf einer eigens entwickelten KI basiert. Später wird berichtet, daß Helsing eine noch größere Lieferung von 6.000 Drohnen im Jahr 2025 plant.

Ebenfalls im November demonstriert das ukrainische Militär die neue Fähigkeit der Dovbush-T10 Starrflügeldrohne als Startplattform für mehrere FPV-Kamikaze-Drohnen, die sie unter ihren Flügeln trägt. Die T10-Plattform, die Ende 2022 zunächst als Aufklärungsdrohne eingeführt wurde, verfügt über eine Einsatzreichweite von nahezu 35 km. Ihr Stückpreis beträgt etwa 12.000 $.

Dovbush-T10 als Drohnenträger

Dovbush-T10
als Drohnenträger

Das neue, weiterentwickelte System ermöglicht den Einsatz von bis zu sechs Kamikaze-Drohnen und vergrößert damit die Reichweite dieser kleineren Angriffseinheiten, die kopfüber montiert sind und ihre Motoren vor dem Abwurf starten. Im Flug drehen sie sich automatisch und können dann von FPV-Piloten gesteuert werden.

Dabei hat das T10-System eine Doppelfunktion, denn die Mutterdrohne ist nicht nur Träger, sondern auch Signalrelaisstation. Damit wird eine der Hauptbeschränkungen von FPV-Drohnen beseitigt: ihre begrenzte Kommunikationsreichweite. Außerdem kann die T10 bei GPS-Störversuchen auf Trägheitsnavigation umschalten und so die Mission fortsetzen. In welcher Anzahl die Ukraine die Drohnenträgerschiffe produziert, ist nicht bislang bekannt.


Auch in Bezug auf Abwehrmaßnahmen gegen Drohnen und ihre Angriffe rüsten beide Kriegsparteien auf. Über die entsprechenden Systeme findet sich weiter unten mehr. Zuerst soll ein Blick auf die weiteren Entwicklungen auf internationaler Ebene geworfen werden.


Im April 2024 erfolgt bei einer Vorführung auf der Eglin Air Force Base in Florida der Erstflug einer kleinen, 3D-gedruckten Starrflügel-Kampfdrohne. Ein als Black Phoenix bekanntes Team der U.S. Air Force hatte das autonome, etwa 3,6 kg schwere Flugzeug, das speziell für seine Einsatzparameter entwickelt wurde, innerhalb von nur 24 Stunden entworfen, gebaut und geflogen.

Die Teilnehmer begannen das Projekt mehr als sechs Monate zuvor im Rahmen eines Blue Horizons-Stipendiums. Blue Horizons ist ein Zentrum für Strategie und Technologie der Luftwaffe, das teils als Denkfabrik, teils als Inkubator fungiert und unkonventionelle Denkweisen und Prozesse zur Lösung von Problemen der Luftwaffe mit strategischer Bedeutung fördert.

Um in weniger als zehn Minuten einen aerodynamischen UAS-Körper zu entwerfen, nutzte das Team die automatisierte Konstruktionssoftware des Luft- und Raumfahrtunternehmens Titan Dynamics. Der Designcode wurde in 3D-Drucker eingespeist, um die leichten Einzelteile herzustellen, die anschließend zusammengebaut wurden. Um die 22,5-Stunden-Marke herum befestigte das Team die Heckteile und schließlich die Propeller. Damit zieht die USA nach, denn sowohl in der Ukraine als auch in Russland wird der 3D-Druck schon länger zur Herstellung von Drohnen genutzt.


Unter anderem durch eine Video einer militärischen Schießveranstaltung stellt die Armee in Indien im Mai 2024 eine Hexakopter-Drohne vor, die mit einem Maschinengewehr für Kampfeinsätze ausgestattet ist.

Das Sirin Hexadrone genannte System, das von dem indischen, erst 2021 gegründeten Unternehmen Ikran Aerospace and Technologies gebaut wird, kann aufgrund seines modularen Multi-Payload-Designs ebenso mit anderen Kleinwaffen ausgerüstet werden. Allerdings soll die die Nutzlast nur etwa 1 kg betragen, was die Frage aufwirft, welches Maschinengewehr da wohl installiert wurde.

Die Drohne besitzt ein System zur Zielerfassung sowie -klassifizierung und ist dank KI-Algorithmen in der Lage, Ziele selbständig zu erkennen und auszuwählen. Ansonsten wird der Hexakopter über eine verschlüsselte Kommunikation angesteuert, um damit feindliche Stör- und Spoofingversuche sicher zu verhindern. Zusätzlich kann die Sirin Hexadrone zu militärischen Aufklärungszwecken eingesetzt werden. Dazu verfügt sie über eine Flugdauer von etwa 45 Minuten.


Ebenfalls im Mai 2024 erscheinen Berichte darüber, daß das chinesische Militär im Manöver Golden Dragon, das die Volksbefreiungsarmee alle zwei Jahre zusammen mit der kambodschanischen Armee abhält, bewaffnete Roboter vorgestellt hat.

Bewaffnete Drohne in China

Bewaffnete Drohne
in China

Neben einem kleineren Roboterhund, der für Aufklärungsaufgaben eingesetzt wird und dem Roboterhund Spot des US-Unternehmens Boston Dynamics ähnelt, mit einem Gewicht von 15 kg aber rund 10 kg leichter ist, wird auch eine deutlich größere Version gezeigt, die rund 50 kg wiegt und mit einem Schnellfeuergewehr ausgestattet ist.

Von einer direkten Kopplung zwischen und Drohne, wie bei dem o.e. israelischen System, wird nichts berichtet, doch in dem veröffentlichten Video des staatlichen chinesischen Fernsehens (CCTV) ist neben Drohnen für verschiedene Einsatzzwecke, etwa der Aufklärung oder dem Transport kleiner Objekte, auch ein größerer Hexacopter in Aktion zu sehen, der ebenfalls mit einem Gewehr ausgestattet ist, um Gegner aus der Luft zu bekämpfen.

Außerdem hat die chinesische Volksbefreiungsarmee damit begonnen, die Drohnenkriegsführung in ihre Ausbildungsprogramme mit einzubeziehen.


Es sollte erwähnt werden, daß zur gleichen Zeit auch das Marine Forces Special Operations Command (Marsoc) der USA Roboterhunde testet, die mit ferngesteuerten Waffen ausgerüstet sind. Hier sind es mindestens zwei Roboterhunde, die auf dem eingangs erwähnten Modell Vision 60 von Ghost Robotics basieren, die mit ferngesteuerten Waffen unterschiedlichen Kalibers ausgestattet sind.

Die kampffähigen Roboter sind mit dem von Onyx Industries entwickelten Sentry Remote Weapon System (RWS) ausgestattet, das ein KI-gestütztes digitales Bildgebungssystem umfaßt, welches es dem Roboterhund ermöglicht, potentielle Ziele wie Drohnen, Menschen und Fahrzeuge selbständig zu scannen und zu erkennen. Sobald ein Ziel identifiziert ist, alarmiert das System einen menschlichen Bediener, der dann entscheidet, ob er es angreift oder nicht.


Die US-Army stellt wiederum ein Minenräumungskonzept vor, bei dem Schwärme von mit Sprengstoff beladenen Quadrokoptern von unbemannten Bodenfahrzeugen aus eingesetzt werden, um die Minen zur Detonation zu bringen.

Diese Technologie, die in einem Video des Sandhills-Projekts gezeigt wird, auch bekannt als das Future Breaching Experiment, das von der 20. Pionierbrigade in Fort Liberty und verschiedenen Partnern aus der Industrie gesteuert wird, soll effizienter sein als bisherige Fernräumungsmethoden.

Die Armee hatte schon Anfang des Jahres bei einer ersten Übung mit explosivstoffbeladenen Drohnen experimentiert, um Minen physisch auszulösen - entweder durch Auslösen ihrer Zünder oder durch eine direkte Detonation. Dabei wurde sowohl bei Tages- als auch bei Nachtübungen auf scharfe Panzerabwehrminen des russischen Typs TM-62 gezielt. Darüber hinaus wurde die Drohnentechnologie bei zur Ortung von Minen mittels Lidar und elektrooptischer Sensoren eingesetzt.

In dem neuen Video wird nun ein autonomes, unbemanntes Bodenfahrzeug des Typs S-MET von General Dynamics Land Systems gezeigt, das mit Türmen von Quadrokoptern ausgestattet ist, die in Fünfergruppen übereinander aufgereiht sind. Einige der Drohnen starten, und man kann sehen, wie sie sich in Richtung der Panzerabwehrminen in der näheren Umgebung bewegen. Die gesamten 20 Drohnen starten in nur 13 Sekunden.

Durch den Einsatz solcher explosivstoffbeladener Drohnenschwärme lassen sich dichte Minenfelder schnell räumen und auch andere Hindernisse beseitigen, wie etwa Panzersperren aus Beton. Und natürlich lassen sich damit auch feindliche Kräfte angreifen.


Berichten vom Oktober 2024 zufolge startet das U.S. Marine Corps (USMC) im Rahmen des Programms Organic Precision Fires-Light (OPF-L), das darauf abzielt, tragbare, schwebende Munition auf verschiedenen Plattformen einzusetzen, Tests mit der neuen Quadrokopter-Drohne Bolt-M  des Rüstungsunternehmens Anduril Industries die durch KI einfacher zu steuern sein soll als FPV-Drohnen. Die Softwareplattform von Anduril automatisiert viele der komplexen Flugmanöver, die für die Zielerfassung und -bekämpfung erforderlich sind. Die Firma war uns bereits 2019 mit ihrer Drohne Interceptor begegnet (s.d.).

Die Bolt-M verfügt über eine Flugzeit von 40 Minuten und eine Reichweite von etwa 19 km. Sie kann Nutzlasten mit einem Gewicht von bis zu 1,36 km transportieren und eignet sich für die Bekämpfung von Zielen wie leichte Fahrzeuge, Personen und befestigte Stellungen. Eine konkrete Bewaffnung wird nicht angegeben. Eine der herausragenden Eigenschaften der neuen Drohne ist die Fähigkeit, Ziele autonom zu verfolgen. Sobald ein Bediener ein Ziel bestimmt hat, soll die Drohne diesem unabhängig folgen können, selbst wenn die Kommunikationsverbindungen unterbrochen werden.

Neben der Anduril waren bereits Mitte April aus einem Pool von acht Anbietern auch die US-amerikanischen Hersteller AeroVironment und Teledyne FLIR ausgewählt worden, um dem USMC eine leichte Variante der Loitering-Munition zu liefern, die die drei Wettbewerber in den nächsten zwei Jahren für die Streitkräfte herstellen, liefern, testen und warten werden.


Eher bescheiden wirken die Ambitionen des deutschen Bundesverteidigungsministeriums (BMVg), über die im Oktober berichtet wird: Demnach soll die Bundeswehr bis 2032 sage und schreibe 21 Drohnen erhalten, die im Ernstfall als Kampfdrohnen eingesetzt werden können. Der Bundestag hatte erst im April 2022 grünes Licht für bewaffnete Drohnen gegeben, und zwei Jahre später, Mitte Mai dieses Jahres, startete dann die erste, mit Raketen bestückbare Drohne German Heron TP (Turboprop) vom Fliegerhorst Jagel in Schleswig-Holstein zu einer sechsmonatigen Testphase.

Bei diesen Drohnen handelt es sich allerdings um große, brennstoffbetriebene Exemplare, die der israelischen Hersteller Israel Aerospace Industries (IAI) entwickelt hat und die von der Bundeswehr geleast werden. Über Deutschland dürfen sie dem hiesigen Luftverkehrsrecht zufolge aber nur unbewaffnet fliegen.

Die obige Meldung kursiert im Zusammenhang mit dem Entwurf der CSU eines ,Leitantrages zur Stärkung der Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit’ für den Parteitag in Augsburg, mit dem die Partei eine Drohnenarmee aufbauen will. Dabei wird betont, wie wichtig es sei, zeitnah in die heimische Drohnenforschung und -produktion zu investieren. Das hätte auch der frühere bajuwarische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß nicht besser ausdrücken können.


In Nordkorea geht so etwas viel schneller, denn der Oberste Führer Kim Jong-un ordnet die Massenproduktion von Kamikazedrohnen einfach an, wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA im November 2024 meldet. Kim hat zuvor einem Test von Drohnen beigewohnt, die Ziele sowohl an Land als auch im Meer treffen können.

Das Land hatte Kamikazedrohnen aus eigener Produktion, die vom nordkoreanischen Unmanned Aerial Technology Complex (UATC) hergestellt werden, erstmals im vorangegangenen August vorgestellt, wobei Experten vermuten, daß Pjöngjang diese Fähigkeit infolge des vertieften Bündnisses mit Russland erlangt haben könnte.


Eher wie ,die Maus, die brüllte’, wirkt die deutsche Kurzzeit-Außenministerin Annalena Baerbock, die am Rande eines EU-Treffens in Brüssel im November China mit Konsequenzen bzw. Sanktionen wegen mutmaßlicher Drohnenlieferungen an Russland droht. Der Auswärtige Dienst der EU hatte im September Berichte von Geheimdienstquellen über die Existenz einer Fabrik in China erhalten, die Drohnen herstellt, welche nach Russland geliefert und im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden.

Andere Seiten berichten über ein ungenanntes russisches Rüstungsunternehmen, das in China eine neue Drohne mit der Typenkennung G3 (o. Garpiya-3) entwickelt und auch getestet habe, wobei auch chinesische Experten in Xinjiang eine wichtige Rolle gespielt hätten. Nun soll die Militärdrohne in großer Stückzahl in Russland produziert werden. China weist die Vorwürfe jedoch zurück, und auch später kann weder eine offene chinesische Waffenlieferung noch die volle operative Rolle der angeblichen Fabrik öffentlich bestätigt werden.


Im Dezember 2024 folgt eine Meldung über Forscher der North University of China, die ein modifiziertes AK-47-Sturmgewehr entwickelt haben, das fast keinen Rückstoß hat und sich daher auch von kleinen, leichten Drohnen abfeuern läßt. Die Waffe wiegt etwa 3 kg und erzielt ihre besondere Funktion mittels eines strategisch plazierten Lochs im Lauf, durch welches die Gasdruckwelle der Pulverexplosion nach hinten abgeleitet wird.

Der resultierende Rückstoß soll so gering sein wie das Tippen auf einer Tastatur, wodurch die Waffe stabil und das Ziel genau im Visier bleibt. Um den Verlust durch das Loch auszugleichen, wurden zudem spezielle 7,62-mm-Patronen mit einem Elektromagneten und einer Membran entwickelt, über die bislang aber keine näheren Details zu finden sind.

Darüber hinaus gibt der chinesische Drohnenhersteller Poly Technologies einen Großauftrag der Regierung über fast eine Million leichter Kamikaze-Drohnen bekannt, die bis 2026 geliefert werden sollen. Der Auftrag monopolisiert die Produktionskapazitäten des Unternehmens, das bereits einen Auftrag über fast eine Million Drohnen für die Regierung hat und nun gezwungen ist, andere Kunden abzulehnen. Einzelheiten über den konkreten Typ oder die technischen Spezifikationen der Drohnen werden nicht bekannt gegeben.

 

Als nächstes folgt ein Blick auf den aktuellen Stand bei der Drohnenabwehr.

 

 

Weiter mit den Elektro- und Solarfluggeräten...

 

Neues PIXEL rein

 

Neben den vielen Elektroflugzeugen, Drohnen usw. gibt es auch noch elektrische Paragleiter, die als nächstes präsentiert werden. Anschließend folgen die Solar-Ballone und Solar-Luftschiffe.

 

Weiter mit den elektrischen Paragleitern...