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Elektro- und SolarfluggerÄte

2024 (e)


Personentragende Fluggeräte


Im Jahr 2024 listet das World eVTOL Aircraft Directory bereits über 1.000 eVTOL-Konzepte auf - und so gut wie jede Woche wird über ein oder mehrere neue Start-Ups berichtet, die vollelektrische Mobilitätstechnologien entwickeln.

Auch in diesem Jahr beginnt die Übersicht mit dem Volocopter, als einem der interessantesten Flugtaxis überhaupt, gefolgt von meinem zweiten Favoriten, Lilium.

Weitere wichtige Akteure, die in früheren Übersichten präsentiert werden und deren anschließende Entwicklungen dort mit aufgenommen wurden, sind - alphabetisch geordnet - die Firmen Ampaire (2019), Airbus (2016), Archer (2020), Aura Aero (2021), Autoflight (2019), Beta Technologies (2019), EHang (2021), Electra.Aero (2021), Eve (2019), Heart Aerospace (2018), Hyundai (2019), Joby (2023), Pivotal (2018), Seaglider (2021), Vertical Aerospace (2018), VoltAero (2018) und Xpeng AeroHT (2020).


Im März 2024 erteilt das Luftfahrtbundesamt (LBA) der Volocopter GmbH eine erweiterte Genehmigung als Herstellungsbetrieb (POA), welche die Voraussetzung dafür ist, daß der VoloCity in Serie hergestellt werden darf. Damit beginnt nun die offizielle Vorserienproduktion des Fluggeräts. Das Amt hat außerdem genehmigt, daß die Tochtergesellschaft Volocopter Air Services Piloten für die Fluggeräte des Unternehmens ausbilden kann.

An künftige Kunden ausgeliefert werden kann das Flugtaxi aber erst, wenn auch die Musterzulassung vergeben wurde. Volocopter hat sich vorgenommen, diese bis Juli zu erhalten, um bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris einen kommerziellen Service anbieten zu können. Darauf haben sich die Luftfahrt-Manager mit den Verantwortlichen in Frankreichs Hauptstadt sowie den Gastgebern der Olympiade bereits im Vorjahr geeinigt. Für den Einsatz der vollelektrischen Flugobjekte befinden sich bereits fünf Veriports im Pariser Stadtgebiet im Bau.

Der Plan wird voraussichtlich aber nicht klappen, da die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) den VoloCity noch nicht zertifiziert hat. Außerdem ist der Stadtrat von Paris gegen den Einsatz von Flugtaxis bei Olympia, weil diese nichts zum Umweltschutz beitragen würden. Sollte der Schritt also nicht gelingen, steht mit den etwas später stattfindenden Paralympics eine andere Möglichkeit zur Verfügung. Dessen ungeachtet soll noch dieses Jahr in Rom mit kommerziellen Flügem begonnen werden, zudem soll der VoloCity im kommenden Jahr bei der Weltausstellung in Osaka fliegen.

Mitte Mai wird bekannt, daß Volocopter weiterhin eine Finanzierungslücke von 100 Mio. € hat, um den kommerziellen Betrieb aufnehmen zu können. Bislang sind etwa 600 Mio. € in die Entwicklung geflossen. Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing hofft auf den Start des kommerziellen Flugbetriebes zum Jahreswechsel und will das von Wirtschaftsprüfern der PricewaterhouseCoopers (PwC) als Hochrisiko-Investment abgelehnte Vorhaben trotzdem gemeinsam mit der Bayerischen Staatsregierung mit Mitteln in Höhe von 150 Mio. € fördern.

Die Landesregierung von Baden-Württemberg ist allerdings weniger optimistisch. Schon im Vorjahr entschied Ministerpräsident Winfried Kretschmann, das Bundesland werde sich nicht an einer Finanzierung in Höhe von 300 Mio. € beteiligen. Doch auch innerhalb der Bayerischen Staatsregierung gibt es Streit zwischen den Koalitionspartnern CSU und Freie Wähler bezüglich der Ansiedlung von Volocopter. So wird dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger vorgeworfen, eine Bürgschaft für den Elektrohelikopter-Hersteller zu blockieren und damit den Umzug der Firma nach Bayern womöglich zu verhindern.

VoloCity über Paris

VoloCity
über Paris

Volocopter ist bereit, von Baden-Württemberg nach Bayern umzuziehen, wenn der Freistaat für 50 Mio. € bürgen würde. Die anderen 50 Mio. € soll der Bund beisteuern. Dem aktuellen Stand zufolge ist  Wissing damit einverstanden, über die bundeseigene KfW-Bank 100 Mio. € als Wandeldarlehen  beizusteuern, aber nur, wenn der Freistaat für die Hälfte davon bürgt. Ein Wandeldarlehen kann der Kreditnehmer mit Unternehmensanteilen zurückzahlen. Auch ob es zum Börsengang kommt, und man Volocopter-Aktien kaufen kann, ist derzeit nicht absehbar.

Anfang Mai kommt die endgültige Absage einer Bürgschaft durch Aiwanger, wodurch auch die Ansiedlung in Oberpfaffenhofen vom Tisch ist. Außerdem bringt Volocopter-Chef Dirk Hoke das Thema einer drohenden Insolvenz wieder ins Spiel. Im Juni gelingt es aber, die Finanzierungslücke durch Kapital der Bestandsinvestoren zu decken und so eine Insolvenz zu verhindern. Details zu dieser Finanzierungsspritze aus dem Kreis der bisherigen über 50 Gesellschafter werden nicht bekannt, es wird jedoch befürchtet, daß der Mercedes-Anteilseigner Geely seine Beteiligung an dem Flugtaxi-Pionier dazu nutzen könnte, die Zukunftstechnologie aus Bruchsal an sich zu ziehen.

Anfang Juli erlaubt die französische Regierung, daß die elektrischen Flugtaxis während der Ende des Monats beginnenden Olympischen Sommerspiele auf einer schwimmenden Plattform auf der Seine starten und landen. Der Heliport in der Nähe des Bahnhofs Austerlitz im Südosten der Hauptstadt ist einer von  fünf Start- und Landeplätzen, die Volocopter entwickelt hat. Die Flugtaxis dürfen allerdings nur gratis zu Demonstrationszwecken fliegen, da die für den kommerziellen Einsatz nötige Genehmigung der EASA noch immer aussteht.

Außerdem darf der Heliport vorerst nur bis Ende des Jahres genutzt werden. Bis dahin dürfen insgesamt 900 Flüge stattfinden. Zudem gelten für die Plattform auf der Seine strenge Vorgaben: Pro Stunde dürfen nur zwei Flugtaxis starten oder landen und das auch nur tagsüber zwischen acht und 17 Uhr. Die anderen Start- und Landeplätze für die Flugtaxis befinden sich in Vororten von Paris, darunter einer am Flughafen Charles de Gaulle.

2X in Saint-Cyr-l’École

2X in
Saint-Cyr-l’École

Der Stadtrat von Paris um die Bürgermeisterin Anne Hidalgo will die Erlaubnis für den Landeplatz auf der Seine jedoch anfechten und eine einstweilige Verfügung gegen den testweisen Einsatz der Flugtaxis beantragen. Der Stadtrat hatte zuvor bereits einen Antrag der Kommunisten angenommen, der den Abbau der Plattform auf der Seine und das Ende des Flugtaxi-Projekts fordert. Als Argumente gelten die Lärmbelästigung und die Behauptung, daß ein Flug 30 Mal mehr Energie als eine Fahrt mit der U-Bahn verbrauchen würde.

Da letztlich nur Schauflüge erlaubt sind, nutzt das Unternehmen die olympische Bühne für einen einzelnen Testflug auf dem Flugplatz Saint-Cyr-l’École in der Nähe der Austragungsstätte für Reiten und Fünfkampf, rund 25 km vom Pariser Stadtzentrum entfernt. Bei dem gut zweiminütigen Flug kommt anstelle des neuen Volocity aber nur das gut zehn Jahre alte Vorgängermodell 2X zum Einsatz, das schon 2021 und 2023 Runden über einen Flugplatz im Norden von Paris gedreht hatte.

Der Flug auf dem zu diesem Anlaß eingeweihten, ersten kommerziellen Vertiport für elektrisches vertikales Starten und Landen ist das Ergebnis der mehr als dreijährigen Zusammenarbeit zwischen Volocopter und der Groupe ADP (o. Aéroports de Paris SA), dem Betreiber des Pariser Flughafens, sowie dem Hauptstadt-Verkehrsbetrieb RATP. Zudem erfolgt am letzten Olympia-Tag Mitte August der historische Erstflug eines eVTOL über dem Schloß Versailles im Großraum Paris - einem symbolträchtigen Ort, denn dort startete 1783 der erste Heißluftballon. Die Flugerlaubnis für die Testflüge kam von der französischen Aufsichtsbehörde für die zivile Luftfahrt (DGAC).

Ebenfalls im August werden am DLR-Institut für Aeroelastik in Göttingen Schwingungsversuche an dem Flugtaxi VoloCity durchgeführt, bei denen charakteristische Verhaltensweisen der Anordnung aus 18 Elektromotoren in einem kreisförmigen elastischen Ring festgestellt werden, die nun in der Flugsteuerung bei bestimmten Flugmanövern berücksichtigt werden können. Der Test ist ein wesentlicher Baustein für die Flugzulassung des VoloCity.

Im September warnt der scheidende Volocopter-Chef Hoke davor, daß Deutschland in Bezug auf Flugtaxis einer neuen Fehleinschätzung unterliegt, ähnlich wie die deutschen Autohersteller einst die Bedeutung von E-Autos unterschätzt hätten: „Während wir in Deutschland noch diskutieren und Studien vorlegen, daß das alles Quatsch ist, wird in China Vollgas gegeben. Wir haben genügend Geld in Deutschland und Europa – was uns fehlt, ist der Mut, es in neue Technologien zu investieren“. Hoke wird nach gut zwei Jahren an der Spitze im Februar 2025 freiwillig ausscheiden, um Chef des Heidenheimer Technologiekonzerns Voith Group zu werden.

Die Spitze des Beirates übernimmt nun der Ex-Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche, der mit einem Mini-Anteil bereits Privatinvestor ist. Zudem tritt der Geely-Chef Zhihao Xu neu in das Gesellschaftergremium ein, was als Signal für das große Interesse des chinesischen Konzerns an Volocopter gewertet wird - auch wenn das 2021 angekündigte Projekt eines E-Passagierflugzeugs mit Flügeln (VoloConnect/VoloRegion), von dem im Mai 2022 kurz ein Prototyp abhob, inzwischen auf Eis gelegt wurde.

Im November 2024 ist zu erfahren, daß Volocopter noch immer in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Als Lösung könnte die Zhejiang Geely Holding zum Mehrheitseigner werden. Geely ist bereits seit 2019 Anteilseigner und Partner. Die nun ins Auge gefaßte Finanzierungsrunde werde sich auf umgerechnet etwa 90 Mio. € belaufen, im Austausch für eine Beteiligung von etwa 85 %. Das hieße, daß das Flugtaxi-Unternehmen, das vor zwei Jahren noch 1,5 Mrd. € wert war, nur noch mit rund 104 Mio. € bewertet werden würde. Sollte es zu der Übernahme durch Geely kommen, erwägt Volocopter, die Produktion seiner zukünftigen Fluggeräte nach China zu verlagern.

Trotz der Gespräche, die auch mit anderen potentiellen Investoren erfolgen, meldet Volocopter Ende Dezember beim Amtsgericht Karlsruhe Insolvenz an, da es trotz intensiver Bemühungen um frisches Kapital nicht gelungen sei, eine tragfähige Lösung für die Fortführung des Geschäfts zu finden. Der Insolvenzverwalter will den Betrieb fortführen und bis Ende Februar einen Investor finden, um die letzten Schritte in Richtung Markteintritt zu gehen.

 

Nun zu dem zweiten Favoriten: Mitte Februar 2024 unterzeichnet die Lilium N.V. während der Singapore Airshow eine Absichtserklärung mit dem globalen Luftfahrtdienstleister PhilJets, um On-Demand-Reisedienste in Asien anzubieten, zunächst auf den Philippinen, dem Hauptsitz der PhilJets. Zudem erhielt Lilium im November des Vorjahres die Entwicklungszertifizierung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA), die es dem Unternehmen ermöglicht, die Entwicklung, Erprobung und Vorbereitung seiner eVTOL-Jets auf dem Weg zur Zertifizierung und Produktion vor dem kommerziellen Betrieb mit weniger EASA-Aufsicht fortzusetzen.

PhilJets beabsichtigt den Kauf von zehn eVTOL-Jets von Lilium als Teil einer strategischen Zusammenarbeit, die auch die Einrichtung von Lufttaxi- und Privatflugbetrieben auf den Philippinen mit ihren über 7.500 Inseln und in anderen ASEAN-Ländern wie Kambodscha umfaßt.

Gegenüber der US-Börsenaufsicht wird zu diesem Zeitpunkt der Verlust des Unternehmens für das Jahr 2023 mit rund 389 Mio. € deklariert. Im März 2024 berichtet die Fachpresse, daß bisher 1,36 Mrd. € Verluste aufgelaufen seien.

Anfang Mai startete Lilium mit der ,Massenproduktion’ seiner Jets - und teilt mit, daß man in fortgeschrittenen Gesprächen mit der französischen Regierung über Pläne zur Ausweitung der Produktionskapazitäten in Frankreich sei, nebst möglichen staatlichen Subventionen und Kreditbürgschaften, deren Summe aber nicht genannt wird.

Ein Grund dafür ist die fehlende politische Rückendeckung, speziell seitens der bayerischen Staatsregierung. Lilium hatte schon im Herbst 2023 Bürgschaften von 100 Mio. € beantragt, seither hat sich an der Situation aber nichts geändert. Der Bund hat Zusagen für Bürgschaften erteilt, doch bislang ziehen die Länder nicht mit. Allerdings will Bayern jetzt ein Gutachten in Auftrag geben, das die Chancen einschätzt, und dieses eventuell als Grundlage für eine Landesbürgschaft nehmen.

Ebenfalls im Mai erhält der Elektroflugzeugbauer eine Festbestellung der von Ed Wegel neu gegründeten Fluggesellschaft UrbanLink Air Mobility über 20 Exemplare des senkrecht startenden Jets mit der Option auf 20 weitere, um diese ab Ende 2026 in Südflorida auf Flugrouten zwischen Miami, West Palm Beach, Boca Raton, Fort Lauderdale und Marco Island zu betreiben. UrbanLink will die erste US-amerikanische Fluggesellschaft werden, die sich voll und ganz auf die im Entstehen begriffene Technologie stützt. Das Volumen des Auftrags in US-Dollar wird auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Der Auftragsbestand von Lilium wächst damit auf 62 Festbestellungen, zudem gibt es Absichtserklärungen zu mehr als 700 Jets.

Flügel des Lilium-Jet

Flügel des
Lilium-Jet

In Bezug auf die Pläne, nach Frankreich zu gehen, ist inzwischen von möglichen Investitionen in Höhe von 400 Mio. € über mehrere Jahre und perspektivisch 850 Arbeitsplätzen in der Region Nouvelle-Aquitaine die Rede, die sich durch vorhandene Strukturen im Bereich Luftfahrt und Batterieproduktion auszeichnet.

Im Juni 2024 unterzeichnet Lilium eine Kooperationsvereinbarung mit dem Distrikt Bao’an in Shenzhen. Im Rahmen der Vereinbarung richtet die Firma hier ihren regionalen Hauptsitz für den asiatisch-pazifischen Raum ein, und zwar über eine kürzlich gegründete chinesische Einheit mit dem Namen Powerful Wing. Damit wird Lilium zum ersten europäischen eVTOL-Hersteller, der in diesem Distrikt tätig ist.

Mitte Juli folgt die Meldung, daß die nationale saudi-arabische Fluggesellschaft SAUDIA die Flugtaxis des Münchner Herstellers unter anderem einsetzen will, um Pilger von Dschidda nach Mekka zu befördern, aber auch für den Transport von Gästen zu sportlichen Großereignissen in der Hauptstadt Riad sowie zu touristischen Zielen. Hierfür werden 50 Exemplare der Fluggeräte bestellt, die zwischen 2026 und 2029 geliefert werden sollen. Die Vereinbarung, mit der eine Absichtserklärung erfüllt wird, die die beiden Vertragspartner im Oktober 2022 geschlossen hatten, enthält zudem eine Option auf weitere 50 Lilium-Flugzeuge, was ein Gesamtauftragsvolumen von rund 700 Mio. $ bedeutet.

Der Großauftrag erleichtert dem Unternehmen nun die Finanzierung, denn bei Festbestellungen werden Anzahlungen fällig, mit denen Lilium das Flugtaxi weiterentwickeln kann. Bisher hat die Firma 1,5 Mrd. $ Kapital eingesammelt. Da sie sich in Deutschland aber vernachlässigt fühlt, und die Investoren nur weiteres Geld zuschießen, wenn es auch staatliche Förderung gibt, prüft Lilium, ihr Geschäft an ausländische Investoren zu verkaufen und abzuwandern. Interesse daran besteht in China und den USA.

Zudem wird mitgeteilt, daß sich der erste bemannte Testflug des Lilium-Jets, der eigentlich Ende des laufenden Jahres geplant war, wegen Lieferproblemen bestimmter Komponenten auf 2025 verschiebt. Die anschließende Testphase soll dann etwa anderthalb Jahre dauern.

Lilium-Jet Grafik

Lilium-Jet
(Grafik)

Im August folgt die Unterzeichnung einer verbindlichen Bestellung von vier Lilium-Jets durch eVolare, einer Tochtergesellschaft von Volare Aviation, bei der sich die Parteien auch auf die Reservierung von bis zu zwölf zusätzlichen Jets geeinigt haben. Die beiden Unternehmen hatten vor 18 Monaten eine Vereinbarung getroffen, bei der es sich um den ersten verbindlichen Auftrag für Lilium handelte, und auch bei der Entwicklung von Vertiports zusammengearbeitet. Volare plant den Einsatz der Lilium-Elektroflugzeuge im Großraum London, um die Hauptstadt mit einigen Außenstädten sowie mit einigen der Küstengebiete Englands zu verbinden.

Zeitgleich schließt Lilium in seinem Labor außerhalb von München die ersten Integrationstests für das elektrische Stromversorgungssystem des Lilium Jet ab, bei denen der Antriebsstrang, die Hochspannungsverteilung und die Einhaltung der EASA-Sicherheitszertifizierungsregeln geprüft wurden.

Im September verkündet die bayerische Staatskanzlei, daß sich das Landeskabinett auf Staatshilfen für Lilium geeinigt habe. Bislang hatte sich vor allem Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gegen eine staatliche Förderung der Unternehmen Lilium wie auch Volocopter gesträubt (s.o.). Die Bürgschaft für einen Kredit in Höhe von 50 Mio. € soll dem Unternehmen jedoch nur gewährt werden, wenn sich die Bundesregierung in gleicher Höhe beteiligt. Das Bundesverkehrsministerium kündigt daraufhin an, die Unterstützung gemeinsam mit dem Bundesfinanzministerium zu prüfen. Über eine staatliche Bürgschaft muß dann der Haushaltsausschuß des Bundestags entscheiden.

Lilium droht nach eigenen Angaben im Oktober die baldige Insolvenz, wenn nicht zeitnah neues Kapital nachgeschossen wird. Der Verlust belaufe sich bisher auf fast 1,5 Mrd. €, allein im ersten Halbjahr 2024 habe das operative Minus 186 Mio. € betragen. Einnahmen werden nicht generiert, da die Entwicklung des E-VTOLs dem Zeitplan hinterherhinkt, während der Kapitalbedarf bis zur im Jahr 2026 geplanten Musterzulassung zwischen 300 und 500 Mio. € betragen soll.

Mitte des Monats kommt es im Haushaltsausschuß aber zu keinen positiven Beschluß über den 50 Mio. € Kredit für Lilium, da es im Bundestag erhebliche Vorbehalte gegen die Bürgschaft gibt, auch unter Vertretern der Ampel-Parteien. Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Volker Wissing zwar auf eine schnelle Zustimmung der Parlamentarier gedrungen, und sowohl Bundeskanzler Olaf Scholz als auch Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) warben bis zuletzt für die Hilfen - doch das Gremium wird das Thema nicht mehr auf die Tagesordnung nehmen. Mit dem Nein des Haushaltsausschusses steht nun auch das Darlehen des Freistaats Bayern in Frage, dessen Ministerpräsident Markus Söder die innovationsfeindlichen Grünen für den „bitteren Rückschlag für den Technologiestandort Deutschland“ verantwortlich macht.

Als Ergebnis der Entscheidung kündigt Lilium an, einen Insolvenzantrag wegen Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit zu stellen und Selbstverwaltung zu beantragen. Und dies, obwohl erst wenige Tage zuvor eine Partnerschaft mit GE Aerospace bekannt gegeben worden war um skalierbare Flugdatenmanagementlösungen zu entwickeln, die die richtigen Sicherheitsstandards und Richtlinien für eVTOL-Betreiber liefern.

Tatsächlich erklärt Lilium gegen Ende des Monats die Tochterfirmen Lilium GmbH und die Lilium eAircraft GmbH für insolvent und beantragt ein Eigenverwaltungsverfahren, während die Muttergesellschaft Lilium N.V. noch ihre Finanzen prüft. Allein an der US-Börse NASDAQ verliert die Aktie (LILM) daraufhin zeitweise bis zu 69 %. Das Unternehmen hofft nun, daß die beiden Tochtergesellschaften mit Hilfe der Unternehmensberatung KPMG in der Lage sein werden, neue Investoren anzuziehen und ihren Betrieb unter der Aufsicht eines Treuhänders fortführen zu können, damit der Lilium Jet nach Abschluß des Verfahrens eine Chance für einen Neuanfang bekommt.

Im November wird berichtet, daß das Amtsgericht Weilheim dem Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung stattgegeben habe, wodurch Lilium die Arbeit vorerst fortführen kann. Die NASDAQ hat den Handel mit Lilium-Aktien und -Optionsscheinen derweil ausgesetzt - und Ende des Monats wird in New York eine Sammelklage gegen das Unternehmen sowie gegen die amtierenden Vorstands- und Finanzchefs eingereicht. Als Gründe werden genannt, daß Lilium seine Fähigkeit, neues Kapital zu beschaffen, übertrieben habe und die drohende Insolvenz nicht rechtzeitig offengelegt wurde.

Weil die Investorensuche schleppend verläuft, stellen die Lilium-Geschäftsleitung sowie die gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter kurz vor Weihnachten alle rund 750 Mitarbeiter frei. Doch dann geschieht ein ,Weihnachtswunder’, denn am 24.12. wird ein Investor gefunden: Die Mobile Uplift Corporation GmbH (MUC), ein neu gegründetes Konsortium aus europäischen und nordamerikanischen Investoren, unterzeichnet den Kaufvertrag für das Betriebsvermögen der Lilium-Tochtergesellschaften, so daß das Geschäft im Januar wieder aufgenommen werden kann. Details zum Kaufpreis werden nicht veröffentlicht.

Die ersten beiden Lilium-Jets befinden sich zu diesem Zeitpunkt in der Endmontage, wobei das erste Flugzeug in Kürze in die Bodenerprobungsphase übergehen soll. Der Rumpf und die Tragflächen des dritten Flugzeugs werden derzeit bei den Flugzeugbauern Aciturri und Aernnova montiert.

 

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