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Andere elektrische Fahrzeuge

Der Hyperloop (III)

2018


Das neue Jahr beginnt mit der Meldung, daß sich Virgin Hyperloop One auf der diesjährigen Unterhaltungselektronik-Messe CES in Las Vegas im Januar mit der Demo-Version einer App, die für das gesamte ,Passagier-Erlebnis’ entwickelt wurde, sowie mit dem One XP-1 Passagier-Pod, der letzten Monat eine Rekordgeschwindigkeit erreicht hatte, in den Vordergrund gedrängt hat.

Durch die gemeinsam mit der Kartenfirma Here Technologies entwickelte Navigations-App können Nutzer nicht nur die Hyperloop-Strecke buchen und bezahlen, sondern auch Fahrten mit Mitfahrdiensten wie Lyft an beiden Enden arrangieren oder Wegbeschreibungen erhalten. Die App soll zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr veröffentlicht werden.

Im Februar gibt die Firma bekannt, daß sie mit der Regierung des Bundesstaates Maharashtra die Vereinbarung getroffen habe, eine 25-minütige Hyperloop-Verbindung zwischen den indischen Städten Pune und Mumbai aufzubauen, die derzeit eine zweistündige Fahrt mit dem Auto erfordert und angesichts des Wachstums der Region als besonders wichtig gilt. Die Strecke, die auch über den Navi Mumbai International Airport führt, verbindet 26 Millionen Menschen und soll pro Jahr 150 Millionen Passagierreisen ermöglichen. Die Zahlen stammen aus der vorläufigen Machbarkeitsstudie des Unternehmens.

Pod-Prototyp

Pod-Prototyp

Hyperloop One wird nun eine vertiefende Machbarkeitsstudie durchführen und will bereits Mitte des Jahres in die Beschaffungsphase übergehen, um das öffentlich-private Projekt zu konkretisieren. Anschließend soll über zwei oder drei Jahre zwischen zwei Punkten entlang der Strecke eine Demonstrationsstrecke gebaut werden, um schließlich in den darauf folgenden fünf bis sieben Jahren die komplette Strecke zu errichten.

Im gleichen Monat stellt das Unternehmen im Einkaufszentrum City Walk in Dubai zusammen mit Dubais Straßen- und Transportbehörde (RTA) den ersten Prototyp eines Pendler-Pods vor, der für die 139 km weite Strecke von Dubai nach Abu Dhabi gedacht ist. Nach deren Fertigstellung im Jahr 2020 könnten die Hyperloop-Pods pro Stunde 10.000 Menschen in beide Richtungen befördern und die gegenwärtig 90-minütige Autofahrt auf 12 Minuten verkürzen.

Der knapp 9 m lange Pod verfügt über eine luxuriöse Innenausstattung, die sich durch Ledersitze, in der Armlehne eingebettete Touchscreens und viele, viele bunte LEDs auszeichnet. Nichts desto trotz – wir befinden uns ja in einem sogenannten Emirat – wird es in jeder Kapsel zwei Klassen geben: eine Goldklasse für fünf, und eine Silberklasse für 14 Personen.


Doch auch die Hyperloop Transportation Technologies (HTT) hat in diesem Februar gute Neuigkeiten zu vermelden. Demnach soll als erste Hyperloop-Strecke eine 28-minütige direkte Route von Chicago nach Cleveland realisiert werden. Die HTT wird dabei von einem ,Konsortium lokaler Gruppen’ unterstützt und eine Vereinbarung mit den lokalen Behörden, der Northern Ohio Areawide Coordinating Agency (NOACA) und dem Illinois Department of Transportation (IDOT), sei bereits unterzeichnet.

Die Pressemitteilung enthält allerdings einen unlauteren politischen Hinweis: „Regulierungen sind das ultimative Mittel für die Implementierung der Hyperloop, und wir freuen uns darauf, die erste echte öffentlich-private Partnerschaft aufzubauen, um de Hyperloop in die USA zu bringen.“

Die vorgeschlagene HTT-Linie zwischen Cleveland und Chicago wird eine Länge von etwa 500 km haben und soll mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 1.170 km/h befahren werden, was die 5-stündige Autofahrt auf eine 30-minütige Hypeloop-Fahrt verkürzt.


Ebenso darf sich die The Boring Company im Februar über der Erhalt einer ersten behördlichen Genehmigung für das geplantes Tunnelprojekt an der US-Ostküste freuen, wo ein weites Untergrundnetz New York City, Philadelphia, Baltimore und Washington DC verknüpfen soll. Musk hatte Mitte letzten Jahres eine entsprechende mündliche Zusage der US-Regierung erhalten – und im Oktober die Erlaubnis für einen 16 km langen Teilabschnitt (s.o.). Nun wird genehmigt, auf dem Gelände eines Parkplatzes unweit des Kapitol in Washington eine Grube ausheben.

Die Firma veröffentlicht daraufhin eine Karte des ersten, 56 km langen Tunnelabschnitts zwischen zwischen der Pasca Street in Baltimore und der New York Avenue in Washington DC, beginnt mit den Vorarbeiten – und gibt dem Projekt den prägnanten Namen Loop. Die Beschreibung verdeutlicht das System, das als Vorstufe des Hyperloops betrachtet wird: „Loop ist ein öffentliches Hochgeschwindigkeits-U-Bahn-System, in dem Passagiere auf autonomen Elektroschlitten mit einer Geschwindigkeit von 200 - 240 km/h befördert werden. Dabei werden die Schlitten 8 – 16 Passagiere oder ein einzelnes Passagierfahrzeug transportieren.“

Diese zu 100 % privat finanzierte Initialstrecke wird zwei direkt parallel verlaufende Röhren mit einem Durchmesser von je 8 m umfassen, die rund 9 m unter der Erdoberfläche verlaufen. Das gesamte Loop-System würde 1.000 kleine Stationen von der Größe eines einzigen Parkplatzes haben. Eine Fahrt zwischen den beiden o.g. Punkten soll nur 15 Minuten dauern – und die Abfertigung von Fußgängern und Radfahrern Priorität besitzen.

Im Detail soll das folgendermaßen aussehen: Die Menschen steigen in einen autonomen elektrischen Kleinbus, der auf einen normalen Parkplatz paßt und zwischen Tunneln und Aufzügen hin- und her wechselt. Sobald die Türen geschlossen sind, geht es abwärts. Im Untergrund gibt es zwei Richtungsfahrbahnen, auf denen die Kleinbusse unterwegs sind. Der Neuankömmling beschleunigt auf einer Parallelspur auf das normale Tempo und gleitet dann in eine Lücke zwischen zwei anderen Kleinbussen. In der Nähe des Ziels fädelt er sich aus und wird auf einer zweiten Parallelspur langsamer, bis er den Lift erreicht, der ihn wieder ans Tageslicht befördert.


Im März wird von einer weiteren Methode berichtet, mit dem die The Boring Company ihre Tunnelbohrungen finanzieren will, nachdem sie im Januar begonnen hatte, funktionierende Flammenwerfer zu verkaufen, deren Auslieferung wahrscheinlich im Mai erfolgen soll. Das neu angekündigte Merchandise-Produkt ist dagegen enger mit den Grabungen verbunden, da es sich um LEGO-ähnliche Bauziegel handelt, die aus dem Abraumgestein geformt werden. Sie sollen weltweit verschickt werden und den Kunden ermöglichen, Skulpturen und Gebäude bauen.

Musk zufolge soll das erste Kit-Set dem alten Ägypten gewidmet sein wird – samt Pyramiden, Sphinx, Tempel des Horus und ähnlichen Bauwerken. In einem Tweet ist aber auch das nabatäische Schatzhaus im jordanischen Petra zu sehen.


Interessent in diesem Zusammenhang ist eine ebenfalls im März erschienene Meldung über eine neuartige Bohrtechnik. Das US-Startup Hypersciences hat einen Tunnelbohrer entwickelt, der Geschosse aus Beton mit Hyperschall-Geschwindigkeit auf die vor ihm liegenden Wände schießen kann. Durch den Aufprall wird das Gestein bereits verkleinert und angegriffen, wodurch der eigentliche Tunnelbohrer seine Arbeit schneller verrichten kann.

Um langfristig voranzukommen, kann die Maschine ihre Betongeschosse mehrfach in der Minute abfeuern. Vorangetrieben werden die Projektile von einem Gemisch aus Dieselgas und Luft.

Die an der Universität von Washington in Seattle entwickelte Technologie, die sich noch in einem frühen Stadium befindet, soll rund zehn mal so effizient sein wie ein klassisches Gerät – was exakt den Zielsetzungen von Musk entsprechen würde. Hypersciences, die speziell für die Vermarktung der Idee ins Leben gerufene Ausgründung, soll bereits mit Alphabet, der Mutterfirma von Google, über eine Beteiligung verhandeln.

Werbe-Pod

Werbe-Pod

Der April beginnt mit den Nachricht, daß der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman bin Abdulaziz während seiner jüngsten USA-Reise auch das Testgelände von Virgin Hyperloop One besucht hat, wo ihm Branson persönlich den Prototyp einer Transportkapsel zeigte, die anläßlich des Besuchs mit dem Slogan ,Vision 2030‘ beschriftet und mit der Säbel-Flagge des sogenannten Saudi-Arabien bemalt war. Was recht mutig ist, denn es ist äußerst fraglich, ob den Wüstenstaat bis dahin überhaupt noch geben wird.

Der Hyperloop besitzt jedenfalls das Potential, die Reisezeiten auf der arabischen Halbinsel massiv zu reduzieren. Während man für die Autofahrt zwischen den beiden größten Städten des Landes, Riad und Jedda, mindestens zehn Stunden benötigt, könnte die Strecke in einer Hyperloop-Transportkapsel hingegen in lediglich 76 Minuten zurückgelegt werden. Zudem wäre auch eine Vernetzung mit den Nachbarstaaten sinnvoll, beispielsweise dem Oman, Kuwait oder den VAE. Eine Reise von Riad nach Abu Dhabi, die derzeit über 8,5 Stunden benötigt, würde dann nur 48 Minuten dauern.

Gleichzeitig hat die Firma schwere interne Probleme. So meldet die Fachpresse, daß das Vorstandsmitglied Ziyavudin Magomedov wegen angeblichem Betrug und Unterschlagung am Wochenende in Moskau festgenommen wurde. Kurz darauf wird bekannt, daß zudem in der letzten Zeit drei Mitglieder des 10-köpfigen Vorstands zurückgetreten sind: der ehemalige Obama-Berater Jim Messina; Jim Rosenthal, ein ehemaliger Manager von Morgan Stanley; sowie Peter Diamandis, Gründer von X Prize. Sie werden umgehend durch neue Vorstandsmitglieder ersetzt: Bill Shor von Caspian Venture Capital; Yuvraj Narayan, Finanzchef von DP World; und Anatoly Braverman von Russlands Staatsfonds.


Mitte April bestätigt die Firma Hyperloop Transportation Technologies, daß sie im französischen Toulouse mit dem Bau einer Teststrecke begonnen habe (der dritten weltweit, neben Las Vegas und in Kalifornien, s.o.). Hier sollen gleich zwei Anlagen errichtet werden. Zum einen ein rund 320 m langer Kreislauf mit einem Röhrendurchmesser von 4 m, der noch in diesem Jahr fertig gestellt werden und es dann ermöglichen soll, die grundsätzliche Funktionsfähigkeit des Systems unter Beweis zu stellen.

Daneben wird eine gerade Teststrecke mit einer Länge von etwa einem Kilometer und auf 5,80 m hohen Stelzen errichtet, in der dann erstmals ein Hyperloop in Originalgröße getestet werden kann. Die Fertigstellung ist für nächstes Jahr geplant. Die für die  Testfahren benötigte Transportkapsel befindet sich in Spanien im Bau, soll aber bereits im Sommer fertig sein. Die Konstruktion soll zudem nicht nur von der HTT selbst genutzt werden, sondern auch verschiedenen Partnern zur Verfügung stehen.

Hyperloop Abu Dhabi Grafik

Hyperloop Abu Dhabi
(Grafik)

Des weiteren kündigt die HTT Pläne für ein kommerzielles Hyperloop-System in Abu Dhabi an, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Hierfür wird eine Vereinbarung mit dem lokalen Entwickler Aldar Properties unterzeichnet. Angedacht ist zuerst einmal ein 10 km langer Rohrabschnitt nahe der Wohnsiedlung Alghadeer direkt an der Grenze zwischen den Emiraten Abu Dhabi und Dubai, in unmittelbarer Nähe des internationalen Flughafens Al Maktoum – und dem zukünftigen Standorts der Expo 2020.

Das Unternehmen hofft, daß der Abschnitt rechtzeitig zur Weltausstellung in Betrieb gehen kann. Später könnte er auf die Strecke zwischen Dubai und Abu Dhabi erweitert werden, eine 139 km lange Reise, die derzeit anderthalb Stunden mit dem Auto dauert, und dann in nur 12 Minuten zurückgelegt werden kann.


Ebenfalls Mitte April melden die Fachblogs, daß Elon Musk rund 100 Mio. $ seines eigenen Geldes in die Boring Company investiert. Insgesamt nimmt die Firma 112,5 Mio $ an Kapital auf, von denen 90 % von Musk stammen, während der Rest von 30 Mitarbeitern des Unternehmens beigesteuert wird.


Ende des Monats drängt sich wieder die Firma Virgin Hyperloop One in die Medien, als sie einen neuen Service mit dem Namen DP World CargoSpeed vorstellt, der, wenn er in Betrieb genommen wird, Fracht mit flugzeugähnlicher Geschwindigkeit zu LKW-ähnlichen Kosten liefern soll. Das Unternehmen hatte bereits 2016 einen Vertrag mit dem Dubai-Hafenbetreiber DP World unterzeichnet, um eine Machbarkeitsstudie über den Güter-Transport von den Häfen der Region ins Landesinnere durchzuführen (s.o.).

Die Partner gehen davon aus, daß sich der weltweite Güterverkehr bis 2050 vervierfachen wird, und daß ein Hyperloop-Netz der beste Weg sei, um Luftraum, Straßen und Schienen zu entlasten. Der neue Service, der das selbe System des Passagierdiensts verwendet, wurde konzipiert, um den in den kommenden Jahrzehnten erwarteten Anstieg der Nachfrage nach Sendungen mit hoher Priorität zu bewältigen. So könnten damit viertägige LKW-Fahrten in 16 Stunden und zu vergleichbaren Kosten durchgeführt werden.

Virgin Hyperloop One verweist auf den indischen Hafen von Mumbai als Standort mit hohem Potential. Demnach könnte ein CargoSpeed-System die erstickte Schnellstraße Mumbai-Pune, auf der täglich 110.000 Fahrzeuge unterwegs sind, etwas entschärfen indem die zwei- bis dreistündige LKW-Reise auf nur 25 Minuten verkürzt wird.

Wie das Ganze aussehen könnte, haben die Designer des Londoner Architekturbüros Foster + Partners ausgearbeitet. Diese kommen wieder auf die Idee zurück, die Röhren der Hyperloop- Trassen mit einer Verschalung aus Solarzellen ummanteln,  die 100 % der elektrischen Energie liefern soll, um die fast 9 m langen und 3 m hohen Frachtgüter-Pods auf über 1.100 km/h zu beschleunigen.

Die Hyperloop-Bahnhöfe von DP World Cargospeed sind deshalb als futuristische Güterumschlagwerke gestaltet, in denen die Pods in wenigen Minuten durch Roboter be- und entladen werden. Und während die Container auf LKWs und Schiffe umgeladen werden, sollen Päckchen und Pakete direkt aus der Anlage von Drohnen in die Stadtzentren geflogen werden.


Anfang Mai 2018 verlautet seitens der Boring Company, daß daß erste Tunnelprojekt kurz vor der Vollendung steht, dessen Eingangsbereich auf dem Parkplatz von SpaceX liegt. Die erfolgreiche Abnahme durch die Behörden vorausgesetzt, sollen schon in wenigen Monaten die ersten öffentlichen Testfahrten mit den Shuttle-Schlitten stattfinden, die für interessierte Personen kostenfrei sein werden.

Ein bald darauf auf Elon Musks Instagram-Seite veröffentlichtes Video zeigt eine Kamerafahrt den Tunnel entlang bis zur Bohrmaschine, die sich in Richtung des Flughafens von Los Angeles vorarbeitet. Als im Oktober letzten Jahres die ersten 152 m fertig waren, hatte Musk davon gesprochen, innerhalb eines Jahres etwa 21 km weit kommen zu wollen. Welche Strecke der Bohrer inzwischen tatsächlich durchmessen hat, wird aber nicht gesagt. Dafür wird ein 1.600-seitiges Dokument mit Details über das unterirdische Loop-Transportsystem unter Los Angeles vorgelegt.

Pod-Innenraum

Pod-Innenraum

Zudem bestätigt die Firma die o.e. Pläne für eine Verwendung des Ausbruchs zur Herstellung günstiger Wohnbausteine. Der Sprecher meinte dazu: „Es wird eine wahnsinnige Menge an Ziegeln geben“. Ein potentielles Problem könnte allerdings auftreten, wenn der Aushub unter Los Angeles durch Chemikalien kontaminiert ist, wie in einigen Kommentaren befürchtet wird.

Im gleichen Monat stellt Designworks, eine BMW-eigene Design-Beratungsfirma, in Dubai den Prototyp-Innenraum für den Virgin Hyperloop One vor, dessen ästhetische Inspirationen aus traditionellen arabischen Mustern stammen. Die besondere Herausforderung des Pods ist dabei, daß er im Gegensatz zu einem Flugzeug oder Zug keine Fenster hat, was zu einer klaustrophobischen Umgebung führen könnte, zumal die Passagiere während der gesamten Reise sitzen bleiben müssen.

Um dies zu vermeiden, ist der Pod mit einer einstellbaren Beleuchtung ausgestattet, um den Fahrgastraum für jeden Reisenden individuell zu gestalten. Zusätzlich zur Verwendung von Screens zur Unterhaltung kann der Passagier auch die Temperatur persönlich einstellen, einschließlich der Erwärmung oder Kühlung seines Sitzes.


Die nächsten Meldungen stammen alle von Mitte Juni. Zum einen ist zu erfahren, daß die neue Version des schon mehrfach erwähnten Hyperloop-Pods des Teams der TU München, der inzwischen ein wenig an das Batmobil der Burton-Filme erinnert, Ende Juli in Los Angeles bei der dritten Hyperloop Pod Competition von SpaceX antreten – und vermutlich wieder gewinnen wird. Zur Erinnerung: Beim ersten Wettbewerb im Januar 2017 erreichte die damals fast 600 kg schwere Kapsel eine Geschwindigkeit von 94 km/h, während der zweite Pod mit nur 80 kg Gewicht im August des gleichen Jahres schon 324 km/h schaffte.

Das neueste Modell, für welches das WARR-Team Titan, Karbonfaser und Aluminium verwendet hat, um es nochmal rund 5 – 10 kg leichter zu machen, wird zudem nicht mehr nur von einem zentralen, sondern von acht verteilten Elektromotoren angetrieben, welche die Triebräder des Projektils fest an die Schiene pressen. Um vor dem Wettbewerb noch noch einige Testfahrten durchführen zu können, wird auf dem Parkplatz der Fakultät für Maschinenwesen in Garching eine 300 m lange Aluminiumschiene verlegt.

Bei der diesjährigen Competition findet zudem ein kleiner Nebenwettbewerb statt, bei dem es um das kontaktlose Schweben geht, weshalb das Team noch eine weitere Kapsel dabei hat. Diese soll dann auf Luftpostern oder einem Magnetfeld 25 m weit vor und wieder zurück gleiten. Der Magnet-Levitations-Pod der TU München besitzt rotierenden Platten, die mit starken Permanentmagneten bestückt sind. Drehen sich diese schnell genug, hebt das den Schlitten von der Schiene.

Chicago Express Loop Grafik

Chicago Express Loop
(Grafik)


Wesentlich relevanter ist allerdings die Meldung, daß die Boring Company nun offiziell vom Chicago Infrastructure Trust ausgewählt wurde, um in drei Jahren die im letzten Jahr angekündigte neue Nahverkehrsverbindung zwischen der Innenstadt von Chicago und dem 25 km entfernten O’Hare International Airport zu bauen.

Bei dem Chicago Express Loop sollen die mit einer klimatisierten Kabine ausgestatteten kleinen Elektro-Shuttles, die bis zu 16 Passagiere transportieren und auf der modifizierten Basis eines Tesla Model X gebaut werden, mit bis zu 240 km/h in zwei parallel verlaufenden Tunneln fahren und die Insassen somit wesentlich schneller und sogar günstiger als Taxi und U-Bahn an ihr Ziel bringen. Um die 20.000 Menschen abzufertigen, die täglich zwischen Stadt und Flughafen pendeln, soll fast alle 30 Sekunden ein Loop-Pod auf die nur 12 Minuten kurze Fahrt geschickt werden. Bislang dauert der U-Bahn-Trip über die 24 km lange Strecke mindestens 40 Minuten, mit dem PKW zwischen 25 und 30 Minuten.

Die Kosten für das Projekt sollen weniger als 1 Mrd. $ betragen, finanziert von der Boring Company selbst und im Gegenzug dafür, daß das Unternehmen die Strecke dann auch selbst betreiben darf. Geht das Projekt wie geplant voran, sollen die Bauarbeiten bereits in weniger als einem Jahr beginnen und der Chicago Express Loop zwischen 2021 und 2022 fertiggestellt und dann 20 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, betrieben werden. Musk zufolge würde eine Fahrt mit dem neuen System dann nur 1 $ kosten.

Derweil wird der zu Testzwecken errichtete Tunnel, der auf dem Parkplatz von Space X beginnt, für eine ganze besondere Probefahrt genutzt, bei welcher ein Tesla Model X auf einem elektrischen Schlitten durch die Röhre gefahren wird. Mit dem veröffentlichten Video soll bewiesen werden, daß die Technik auch unter Realbedingungen grundsätzlich funktioniert.


Ebenfalls Mitte Juni melden die Fachblogs, daß Hyperloop One und das Design-Unternehmen Bjarke Ingels Group nun einen interessanten Vorschlag gemacht haben, um den Passagieren einen gewissen Ausblick zu bieten. Hierfür greifen die Partner auf eine optische Illusion aus dem 19. Jahrhundert zurück, das damals unter dem Namen Zoetrop (o. Zootrop, im Volksmund auch als Wundertrommel) bekannt war. Es handelte sich um geschlossene Zylinder mit kleinen Sehschlitzen an der Seite. Wer dort hindurch schaute und die Trommel zu drehen begann, konnte sich bewegende Bilder sehen. Das selbe Prinzip kommt auch bei den sogenannten Daumenkinos zum Einsatz.

Im Bezug auf den Hyperloop wollen die Ingenieure die Röhre, durch welche die Transportkapsel schießt, im Abstand von jeweils 10 m mit kleinen Sehschlitzen versehen, wodurch ein sogenanntes lineares Zoetrop entstehen würde, das den Passagieren bei hohen Geschwindigkeiten die Illusion eines riesigen Fensters vermittelt. Der Trick funktioniert natürlich nur, wenn sich die Hyperloop-Röhre nicht unterhalb der Erde befindet. Außerdem ist eine Mindestgeschwindigkeit Voraussetzung. Der Meldung zufolge arbeitet Hyperloop One bereits seit rund zwei Jahren an dem Konzept.


Mitte Juli berichtet die Hyperloop Transportation Technologies, daß sie in der chinesischen Stadt Tongren, Provinz Guizhou, eine rund 10 km lange Teststrecke errichten will. Diese könnte die Basis bilden, um später ein weites Netz an Vakuumröhren in China zu etablieren. Wie fast immer bei Investitionen in China, mußte dafür ein chinesisches Joint-Venture gegründet werden, an dem HTT und die Provinzregierung jeweils 50 % halten.

HTT hat aber noch die Option, einen Teil der Anteile an Investoren weiter zu reichen, was zur Finanzierung des Projekts notwendig werden könnte, da auch die Kosten zwischen den beiden Anteilseignern hälftig aufgeteilt werden sollen. Bei der Arbeitsteilung ist HTT vor allem dafür zuständig, ein Konzept zu entwerfen und die notwendige technische Expertise bereit zu stellen. Gebaut werden sollen die Teststrecke und die Transportkapseln dann aber in China von lokalen Kräften.

Tongren wurde unter anderem aufgrund ihrer ungewöhnlichen Topographie ausgewählt: Die neue Technologie kann hier auf vergleichsweise kurzen Strecken auf vielen verschiedenen Terrains mit abwechselnden Hügeln und Tälern getestet werden. Zudem ist die Provinz bereits seit 18 Jahren eine staatlich geförderte Sonderwirtschaftszone. Tongren wiederum liegt rund 400 km entfernt von der Provinz-Hauptstadt Guiyang. Sollte sich der Betrieb auf der Teststrecke als erfolgreich erweisen, könnte anschließend eine Verbindung zwischen Tongren und Guiyang gebaut werden.

Später stellt HTT allerdings klar, daß es beabsichtigt, die Strecke als kommerzielles Unternehmen zu betreiben und nicht zum Testen.

Teil des WARR-Teams

Teil des WARR-Teams


Fast zeitgleich läuft auf der 1,2 km langen Niederdruck-Teststrecke in unmittelbarer Nähe des SpaceX-Hauptquartiers die nächste Runde der Hyperloop Pod Competition, zu der sogar Elon Musk persönlich erscheint. Insgesamt reisen diesmal 20 Teams aus aller Welt an. Um an der Endrunde in der Röhre aber überhaupt teilnehmen zu dürfen, mußt zunächst eine Testwoche überstanden werden, zu der technische Inspektionen durch Ingenieure von SpaceX ebenso gehören wie erste Probefahrten ohne Vakuum.

Gewinner mit deutlichem Abstand ist wiederum das deutsche Team WARR Hyperloop von der TU München, dessen 2 m lange, 30 cm hohe und 70 kg schwere Kapsel auf erstaunliche 467 km/h beschleunigt und damit auch einen neuen Rekordwert für die SpaceX-Teströhre aufstellt. Der Pod des zweitplatzierten Teams der TU Delft kommt dagegen gerade einmal auf 142 km/h. Und sogar der von Musks eigenem Team entwickelte Pusher Pod konnte bisher noch nicht eine solche Geschwindigkeit erreichen.

Theoretisch könnte die neueste Münchener Kapsel, die nicht mehr nur von einem zentralen, sondern acht verteilten Elektromotoren mit zusammen 240 kW Leistung angetrieben wird, sogar schneller sein. Maximal möglichen 600 km/h konnten aber nicht erreicht werden, weil dann der Bremsweg nicht mehr lang genug gewesen wäre. Neben der reinen Geschwindigkeit wurde auch ein Innovationspreis ausgelobt, bei dem eine Kapsel rund 25 m weit kontaktlos über den Boden schweben mußte. Auch hier schneidet die TU München am besten ab – mit einem zweiten mitgebrachten Pod – und wird als einer von drei Preisträgern ausgezeichnet.


Im Juli veröffentlicht die Boring Company das erste Foto des o.e. Loop-Systems, auf dem eine Schienenplattform und ein Korsettgerüst, das in die Tunnel eingelassen werden soll, zu sehen sind. Dabei handle es sich nicht direkt um einen Streckenabschnitt, sondern um die ‚Abschussrampe‘ für die Kapseln.

Die Rampe steht derzeit noch auf dem Firmengelände in Kalifornien, soll aber schon bald nach Chicago überführt werden. Geht es nach Elon Musk, dann werden die Bauarbeiten am Tunnelsystem bereits in 3 – 4 Monaten starten und der Loop in 18 – 24 Monaten für erste Testfahrten und wenig später für einen Regelbetrieb einsatzbereit sein.


Anfang August wird gemeldet, daß nun auch die kalifornische Stadt Cupertino, Hauptsitz von Apple, Seagate und vielen anderen Start-ups, Vorgespräche für den Bau einer Hyperloop-Strecke führt. Die Stadt leidet unter gewaltigen Pendlerströmen, bei denen ihre Bevölkerung von 60.000 Menschen in der Nacht auf 180.000 am Tag anschwillt und die Verkehrsinfrastruktur zunehmend an ihre Grenzen gerät. Auch von den Mitarbeitern der Apple-Zentrale leben nur 10 % in Cupertino, was bedeutet, daß Tausende ständig pendeln und die lokale Verkehrsüberlastung weiter erhöhen.

Sollte der Plan durch die Firma Hyperloop Transportation Technologies umgesetzt werden, würde die 19 km lange Hyperloop-Trasse entlang des Stevens Creek vom De Anza College in Cupertino bis zum Bahnhof Diridon Station in San José verlaufen, der mit zahlreichen Anschlüssen zu Bus- und Bahn-Linien als Nah- und Fernverkehrsdrehkreuz für Santa Clara County und das Silicon Valley dient. Die Fahrt von Cupertino bis in die Großstadt San José würde dann statt 45 Minuten bis eine Stunde nur noch fünf Minuten dauern.

Außerdem würde die Stadt die ansässigen Firmen in die Pflicht nehmen. Apple und Co. sollen sich dann über eine Pro-Kopf-Abgabe finanziell an der Pflege und dem Ausbau der Infrastruktur beteiligen.


Doch auch aus Europa werden im August neue Pläne bekannt. Hier ist es einmal das kanadische Start-up TransPod, über das erstmals im September 2016 berichtet wurde, das die Bauerlaubnis für eine rund 3 km lange Teststrecke nahe dem französischen 400-Einwohner-Dorf Droux beantragt, das gut 200 km nordöstlich von Bordeaux liegt.

Die Präfektur des Départements Haute-Vienne sieht in dem Projekt einen Gewinn für die Region und wirbt bereits für den Bau, während Anwohner Bedenken über eine mögliche Verschandelung der Landschaft oder Lärm äußern. Eine Studie zu den Umweltauswirkungen ist schon in Arbeit. Im November schließt TransPod erfolgreich eine Finanzierungsrunde in Höhe von 15 Mio. $ mit der italienischen Hightech-Holding-Gruppe Angelo Investments ab. Im Juli 2017 wird dann eine erste Kostenstudie veröffentlicht, die die Machbarkeit des Baus einer Hyperloop-Linie im Südwesten Ontarios zwischen den Städten Windsor und Toronto aufzeigt.


Zum anderen verkündet die Virgin Hyperloop One, daß sie in dem spanischen 480-Einwohner-Dorf Bobadilla, Provinz Málaga, die Errichtung eines Forschungs- und Entwicklungszentrums für fast 500 Mio. $ plant, das schon 2020 seine Tore öffnen soll. Standort soll der fast 130 Jahre alte Bahnhof der Ortschaft werden, auf dessen 19.000 m2 etwas 200 – 300 Mitarbeiter neue Technologien und Komponenten für den Röhrenzug erforschen und zertifizieren sollen.

Die Region Andalusien, in der Bobadilla liegt, entwickelt sich seit einigen Jahren zu einem der High-Tech-Standorte der EU und zählt mittlerweile über 9.000 Start-ups und etablierte Tech-Unternehmen der Logistik- und Luftfahrtbranche, die ebenfalls viel Forschungsarbeit betreiben. Einer anderen Quelle zufolge sei die Stadt Antequera als Standort des erstes Testzentrums ausgewählt worden, das mit Hilfe von ADIF, dem Betreiber von Eisenbahninfrastruktur in Spanien, und einem Antrag auf öffentliche Unterstützung durch Darlehen und Subventionen in Höhe von 126 Mio. € realisiert werden soll.


Die Boring Company wiederum gibt im August bekannt, daß sie eine von drei Nachbarschaften des Großraums Los Angeles unterirdisch mit dem Baseball-Stadion der Los Angeles Dodgers verbinden will. Anbindungen des Dugout Loop könnten an der Sunset Station, der Santa Monica Station oder der Beverly Station der Red Line Metro installiert werden. Das würde einem Teil der Fans die Möglichkeit geben, ohne Auto zu Spielen zu gelangen.

Die angedachten Streckenoptionen sind jeweils rund 5,8 km lang und sollen auf Grundstücken enden, welche der Boring Company selbst gehören. Die Firma arbeitet in der Planung mit der Metro zusammen, um diese letztlich als Verkehrsmittel zu ergänzen.

Garagen-Anschluß Grafik

Garagen-Anschluß
(Grafik)

Im Versuch, die Kosten für den Bau der Hochgeschwindigkeits-Transit-Tunnel zu senken, hatte die Boring Company zudem Ende Juli ein Schreiben an das Büro des US-Handelsbeauftragten gerichtet und darum gebeten, einige in China hergestellte Tunnelbohrmaschinen-Komponenten wie Fräsköpfe, Schneckenförderer u.a. von den Zöllen auszunehmen.

Im September folgt die Meldung, daß das Unternehmen von einem im Januar für 485.000 $ erworbenen Haus (W. 119th Place) in der Nähe des Probetunnels am Firmensitz von SpaceX in Hawthorne nun einen Liftschacht in den Tunnel bauen will. Ziel soll sein, direkt von einer Garage aus ein Auto in den Hochgeschwindigkeitstunnel zu bringen.

Der Stadtrat von Hawthorne macht in seiner Genehmigung allerdings einige Auflagen, die das Projekt etwas absurd erscheinen lassen. So darf der Testfahrstuhl erst einmal nicht für die Öffentlichkeit geöffnet werden, noch dürfen Fahrzeuge aus der Garage auf die Straße fahren oder umgekehrt. Die Fahrzeuge sollen statt dessen bei SpaceX in den Tunnel einfahren und von dort zur Garage und wieder zurücktransportiert werden, „so daß der Test keinen zusätzlichen Verkehr auf der Straße verursacht.“

Und auch über die aus dem Aushub entstehenden Ziegel ist wieder etwas zu hören. Demnach soll schon in zwei Monaten das erste Geschäft öffnen, in welchem diese für einen Preis von nur 10 US-Cent pro Ziegel verkauft werden. Initiativen, die Sozialwohnungen oder andere wohltätige Bauprojekte angehen, erhalten die Ziegel in großer Menge sogar kostenlos, was immer noch billiger ist, als den Aushub selber entsorgen zu müssen. Ein Video, das den Fertigungsprozeß der sogenannten Boring Bricks zeigt, die eine Lego-Stein-artige Form haben, so daß sie einfach aufeinander gesteckt werden können, hatte die Firma bereits im Juli veröffentlicht.

Aber auch Musk selbst will die Aushub-Ziegel verwenden, denn bislang hat die Boring Company noch kein richtiges Hauptquartier, sondern ist in einem Bürobau in Burlingame eingemietet. Daher wird an einem eigenen Gebäude gearbeitet, das komplett aus den Boring Bricks gefertigt werde und wie ein mittelalterlicher Wachturm aussehen wird, wenn es fertig ist.


Außerdem findet Mitte September 2018 in Utrecht das erste HyperSummit statt, welches das o.e. niederländische Start-up Hardt Global Mobility zusammen mit einer Vielzahl von Partnern und Interessengruppen initiiert. Die Veranstaltung untersucht die Machbarkeit einer Hyperloop-Linie Amsterdam-Frankfurt, führt eingehende Diskussionen über die Finanzierung durch, die dafür erforderlich wäre, und studiert die zu erwartenden sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen. Besonderes Augenmerk wird auf die Kick-off-Studie des Hyperloop Implementation Program (HIP) von Hardt gelegt.

Wie jetzt zu erfahren ist, hatte die Firma, die einen europäischen Hyperloop realisieren will, bereits im April dieses Jahres gemeinsam mit dem niederländischen Bauunternehmen Royal BAM Group, der ebenfalls niederländischen Windkraft-, Ölbohr- und Automatisierungsfirma Royal IHC sowie dem indischen Montagegiganten Tata Steel das Hyperloop Konsortium aus der Taufe gehoben. Dieses soll zukünftig EU-weite technische Standards festlegen und Technologien regulieren – womit es großen Einfluß haben und die Umsetzung des Hyperloop beschleunigen könnte.

Bezüglich der 450 km langen Strecke Amsterdam-Frankfurt zeigt die Studie u.a., daß die Fahrt mit sieben Zwischenstationen rund 50 Minuten dauern würde, im Gegensatz zu den vier Stunden, die es gegenwärtig im regulären Verkehr dauert. Auf dieser Strecke könnten mehr als 4,3 Mio. Einwohner bedient werden, wobei der Hyperloop jährlich mehr als 48 Millionen Passagiere befördern könnte.

Daneben präsentiert auf dem HyperSummit das internationale Netzwerk für Architekturdesign UNStudio den Vorschlag für eine zukünftige Hyperloop-Station in Europa. Ausgehend von der Idee, daß Systeme nur so stark sind wie die Knoten, aus denen sie bestehen, stellen die Designer eine Reihe modularer Stationen vor, die sich an fast jeden Kontext anpassen lassen.

Die sogenannten ‚Stationen der Zukunft‘ sollen viel mehr sein als die heutigen Flughäfen und Bahnhöfe. Neben ihrer Funktion als Hyperloop-Hubs sollen diese Ort auch mit Möglichkeiten zum Einkaufen, Spielen, Arbeiten und Leben gefüllt werden.

Hardt Hyperloop Grafik

Hardt Hyperloop
(Grafik)

Anfang Oktober folgt die Meldung, daß das Unternehmen nun auch von dem Energieforschungsunternehmen ENGIE Laborelec, der DB Engineering & Consulting der Deutschen Bahn sowie dem deutschen Automobilzulieferer Continental unterstützt wird. Außerdem investiert die EU-Forschungsgemeinschaft InnoEnergy, die zum Europäischen Institut für Innovation und Technologie gehört, einen Betrag von bis zu 5 Mio. € in das junge Unternehmen.

Daß sich die Deutsche Bahn der Hardt Global Mobility anschließt, wird als ein besonders interessantes Signal gewertet, denn noch Ende 2015 hatte der DB-Vorstand vorlaut behauptet, „das funktioniert doch nie!“ Zwischenzeitlich hat sich die DB Engineering & Consulting auch mit Virgin Hyperloop One verpartnert (s.d.).

Die Hardt Global Mobility plant derzeit eine Versuchsanlage samt Teststrecke, die in Flevoland entstehen könnte. Dabei wird das Start-up sowohl von der niederländischen Regierung als auch der nationalen Bahngesellschaft Nederlandse Spoorwegen unterstützt. Sollte sich die Technologie beweisen, wäre eine 50 km lange Pilotstrecke möglich, die auch schon Güter und Menschen transportieren könnte. Zudem wird eine gemeinsame Studie mit der Royal Schiphol Group angekündigt.


Ebenfalls Anfang Oktober stellt die Hyperloop Transportation Technologies (HTT) die erste maßstabsgetreue Passagierkapsel für das künftige Transportsystem vor. Die 32 m lange und fünf Tonnen schwere Kapsel Quintro One wurde von der Partner-Firma Airtificial im südspanischen El Puerto de Santa María zu 85 % aus dem innovativen und extrem robusten Carbonfaser-Verbundwerkstoff Vibranium gebaut (dessen Name auf das fiktive Metall der Comic-Welt von Marvel zurückgeht). Ihre elektrische Energie bezieht die Kapsel aus Bordbatterien.

Mit dem zweischichtigen, patentierten Design, bei dem 82 Kohlefaserplatten und 72 Sensoren verwendet werden, können Probleme im Zusammenhang mit der strukturellen Integrität der Kapsel erkannt werden. Knapp die halbe Länge – 15 m – des Transportmittels, dessen reiner Bau über 5.000 Stunden in Anspruch genommen hat, ist als Kabine für die 28 – 40 Passagiere gedacht. Die andere Hälfte beherbergt die Antriebstechnik. Die Kapsel soll nun auf dem HTT-Versuchsgelände im französischen Toulouse getestet werden.

Mit dem Namen Quintero One wird übrigens Andrew Quintero geehrt, ein Weltraumforscher, der zusammen mit dem HTT-Geschäftsführer Dirk Ahlborn und anderen Partnern 2002 die Firma Jumpstarter Inc. gründet hatte, die hinter dem 2012 gestarteten JumpStartFund steht, und der im Jahr 2014 bei einem Schwimmunfall ums Leben kam.


Auch über das genau vor einem Jahr gestartete Projekt der Missouri Hyperloop Coalition wird in diesem Oktober wieder berichtet, als die Ergebnisse der im Januar dieses Jahres begonnenen Machbarkeitsstudie des unabhängigen Ingenieurbüros Black & Veatch, der ersten derartigen Studie in den USA, vorgelegt werden.

Einige der potentiellen Vorteile, die sich aus der vorgeschlagenen Route entlang der bestehenden Autobahn I-70 ergeben, sind demnach, daß der Bau rund 40 % weniger kosten würde als ein vergleichbares Hochgeschwindigkeitsbahnprojekt, und daß allein die Verringerung der Zahl der Verkehrsunfälle 91 Mio. $ pro Jahr einsparen würde. Die Zahl der Leute, die entlang der Strecke reisen, könnte um 80 % steigen, und die Verkürzung der Reisezeit von 4 Stunden auf 30 Minuten würde der Wirtschaft bis zu 410 Mio. $ pro Jahr sparen.


In diesem Monat wirkt sich die Tat eines verbrecherischen Regimes auf die Entwicklung aus: Nachdem der saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi im Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul gefoltert und ermordet wurde, zeigt Richard Branson bereits nach den ersten Berichten Rückgrat, übt Kritik an Saudi-Arabien und kündigt an, geplante Partnerschaften mit der Ölnation vorerst auszusetzen. Unter anderem hatte das Land eine bis zu einer Milliarde US-Dollar schwere Investition in die Raumfahrt-Start-ups Virgin Galactic und Virgin Orbit geplant.

Doch auch die Zusammenarbeit mit der Virgin Hyperloop One wird davon tangiert. Nach der Ankündigung von Branson sagt auch Firmenchef Rob Lloyd seinen Besuch der Future Investment Initiative ab, die vom saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman ausgerichtet wird, der für das Verbrechen verantwortlich gemacht wird. Im Gegenzug kündigt Saudi-Arabien den geplanten Vertrag mit Virgin Hyperloop One über eine Machbarkeitsstudie zum Bau einer Hyperloop-Strecke quer durch die Wüste.

Damit nicht genug, gibt Branson nur wenige Tage später seinen Rücktritt als Vorsitzender der Virgin Hyperloop One bekannt. Denn Kritik an dem menschenverachtenden Kopfabhacker-Regime wird nicht erlaubt.

Tunnel der Boring Company

Tunnel der Boring Company


Gegen Ende Oktober meldet die Boring Company, daß der in Los Angeles zu Testzwecken gegrabene rund 1,8 km lange Tunnel vom SpaceX-Parkplatz in Richtung Flughafen so gut wie fertig sei. Die offizielle Eröffnung soll am 10. Dezember stattfinden. Am nächsten Tag steht die Konstruktion allen Einwohnern der Stadt zur Verfügung, die dann kostenlos mit den bis zu 250 km/h schnellen Transportkapseln fahren können.

Unternehmenschef Musk lädt persönlich ein Video hoch, auf dem er durch den „beunruhigend langen“ Tunnel läuft, der später für weitere Tests und für den Hyperloop-Wettbewerb genutzt werden soll. Tatsächlich wird Mitte November ein weiteres Video hochgeladen, auf dem der Durchbruch der Bohrmaschine Godot am Ende des Testtunnels zu sehen ist.

Zudem wird nun bekannt, daß Musk schon im Juli eine weitere Firma namens The Brick Store LLC gegründet hatte, welche die bereits erwähnten Ziegelsteine aus dem bei Tunnelgrabungen anfallenden Abraum herstellen wird. Geleitet wird sie von Ex-SpaceX-Ingenieur Steve Davis, der auch die Boring Company anführt. Als Verkaufsraum wird ein altes Küchenausstattungsgeschäft in der 12003 Prairie Avenue angemietet, das nur eine Querstraße vom SpaceX-Hauptquartier entfernt liegt.

Einigen Kommentatoren stößt sauer auf, daß die Menschen, unter deren Häusern der Tunnel in Hawthorne gebohrt wird, teilweise weder benachrichtigt geschweige denn um Erlaubnis gebeten wurden. Die meisten Anwohner erlangten von dem Tunnelbau erst Mitte 2018 Kenntnis, während die Bauarbeiten bereits 2017 begannen (s.o.). Solch ein Vorgehen wäre nicht möglich gewesen, wenn Hawthorne ein Wohnort für Menschen mit hohem Einkommen statt hauptsächlich für die ärmere Bevölkerung wäre, die es sich leisten können, gerichtliche Schritte dagegen zu ergreifen.

Passen dazu berichten die Fachblogs Ende des Monats, daß die Boring Company den Bau des o.e. Tunnels unter der Autobahn 405 in Los Angeles gestoppt habe, nachdem eine Gruppe von Anwohnern im Gebiet von Westside bereits im Mai eine Umweltklage eingereicht hatte, in der sie behauptete, der Tunnel verstoße gegen staatliche Gesetze. Dabei beriefen sich die Kläger darauf, daß der Tunnel Teil eines größeren Projekts sei – und daß das kalifornische Gesetz die Genehmigung einzelner Tranchen eines solches Projekts verbietet.

Die ‚Bremser‘ argumentieren, daß eine umfassende Umweltprüfung nicht „umgangen werden kann, indem große Projekte in kleinere Teile zerlegt werden, die einzeln betrachtet keine nennenswerten Auswirkungen auf die Umwelt haben“. Die Klage wurde aber nicht juristisch entschieden, stattdessen haben sich beide Parteien gütlich geeinigt, die Entwicklung des Sepulveda-Testtunnels zu beenden und dafür den Bau des Betriebstunnels im Dodger-Stadion weiter zu verfolgen.


Ebenfalls im November wird gemeldet, daß der chinesischer Automobil- und Motorradhersteller Geely (Zhejiang Geely Holding Group Co. Ltd.) mit der China Aerospace Science and Industry Corp. (CASIC) eine Vereinbarung zur Entwicklung von Überschallzügen getroffen hat, die im September des Vorjahres unter dem Namen T-Flight vorgestellt worden waren (s.d.). Einzelheiten zu den Investitionen der Partner in das Projekt oder zu dem Zeitplan für die Realisierung werden noch nicht angegeben.


Eine weitere Meldung vom November betrifft Veränderungen bei Virgin Hyperloop One, wo als Branson-Nachfolger nun Sultan Ahmed bin Sulayem präsentiert wird, der Vorstandsvorsitzende der VAE-Logistikfirma DP World, die der größte Einzelinvestor von Virgin Hyperloop One ist. Branson’s Vorstandssitz wird von Patrick McCall von Virgin besetzt, und dem ebenfalls scheidenden derzeitigen Geschäftsführer und Investor Rob Lloyd wird Jay Walder folgen, der ehemalige Leiter der Metropolitan Transit Authority (MTA), der größten Verkehrsgesellschaft der USA.


Die Hyperloop Transportation Technologies (HTT) wiederum verhandelt zu dieser Zeit mit der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) über den Bau eines Hyperloops für den Warentransport. Den bereits unterzeichneten zwei Absichtserklärungen zufolge soll zunächst im Hafen eine Verladestation gebaut werden, in der automatisierte Kräne die ankommenden Schiffscontainer in die Hyperloop-Kapseln verladen, deren Transportröhren in das Hamburger Hinterland führen.

Für den Hafen hätte dies den Vorteil, daß die Güter nicht mehr direkt vor Ort auf Lastwagen verladen werden müssen, was zum einen den Platzmangel innerhalb des Hafens ein wenig lindert, und zum anderen die Zahl der LKW-Fahrten reduziert und Staus verhindert. Pro Tag sollen so bis zu 4.100 Container in einem Abstand von 40 Sekunden transportiert werden. Die für den Betrieb benötigte Energie soll von Solarzellen produziert werden, die außen an der Röhre angebracht sind.

Die HTT-Ingenieure überarbeiten nun die bisherigen Entwürfe, die für den Personentransport gedacht waren, und beginnen mit der Konstruktion von entsprechende Pods für Schiffscontainer. Die Bauarbeiten in Hamburg sollen in zwei bis drei Jahren starten.

Anfang Dezember gründen die HTT und die HHLA ein Joint Venture, das bis 2021 und etwa 7 Mio. € eine Übergabestation, eine 100 m lange Röhre als Teststrecke, welche die Kai-Kante mit der Übergabestation verbindet sowie eine 25 Tonnen schwere Transportkapsel für Standardseecontainer entwickeln wird. Entstehen soll die Teststrecke voraussichtlich am Containerterminal Altenwerder, das schon jetzt hochautomatisiert betrieben wird. Der Zeithorizont ist kein Zufall: 2021 ist Hamburg Austragungsort des ITS Weltkongresses, einer für die Branche besonders wichtigen Messe für intelligente Transportsysteme.

Unterwasser-Maglev Grafik

Unterwasser-Maglev
(Grafik)

Zeitgleich rückt ein neues Projekt ins Blickfeld der Presse, das man aufgrund seiner anvisierten Geschwindigkeit nur als ‚Hyperloop-inspiriert‘ bezeichnen kann. Es war im Vormonat von Abdulla Alshehi und seiner Firma National Advisor Bureau Ltd. auf dem ‚India-UAE strategic conclave‘ vorgestellt worden und betrifft eine rund 2.000 km lange Verbindung zwischen zwei Hafenstädten: der indischen Metropole Mumbai und der arabischen Stadt Al-Fudschaira im gleichnamigen VAE-Emirat. Zudem ist eine Abzweigung in die pakistanische Stadt Karachi geplant.

Die Verbindung soll durch einen Unterwassertunnel erfolgen, in welchem japanische Maglev-Züge mit Geschwindigkeiten von bis zu 1.000 km/h fahren. Dadurch würde die Reisezeit von Indien bis zum Arabischen Golf nur noch rund zwei Stunden dauern. Bisher haben sich die Regierungen der beteiligten Staaten noch nicht öffentlich zu den Plänen geäußert. Der Firma zufolge soll zunächst eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. Es ist anzumerken, daß in anderen Presseberichten eine Geschwindigkeit von nur 300 km/h angegeben wird - womit das Projekt eher einem konventionellen Unterwassertunnel ähneln würde.


Ebenfalls Anfang Dezember 2018 wird bekannt, daß die Boring Company den geplanten Starttermin für den 1,8 km langen Testtunnel in Los Angeles am 10. nicht einhalten kann. Statt dessen erfolgt am 18. eine ‚Produkteinführung‘ des Loop mit modifizierten Tesla Model X, in welchen unabhängige Journalisten erstmals durch den Tunnel fahren durften – allerdings nicht auf einen Transportschlitten, wie eigentlich erwartet.

Statt dessen wurde an den Vorderrädern des Fahrzeugs ist eine Konstruktion für 300 $ angebaut, die an waagerechte Stützräder erinnert. Diese halten das Auto dank Schienen an den Wänden in der Spur, während es mit eigenem Antrieb durch die Röhre fährt. So geriet die Fahrt mit bis zu 80 km/h auch deutlich langsamer als die Zielgeschwindigkeit von über 240 km/h, u.a. weil die beiden geformten Betonböden entlang der Wand noch nicht abgeschliffen waren. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die erste Fahrt bei den Reportern noch keine Begeisterung auslöste. Die Kosten dieses Segment werden von Musk mit rund 10 Mio. $ beziffert.


2019


Dieses Jahr beginnt Ende Januar mit einer Meldung der Firma Hyperloop Transportation Technologies (HTT), die im vergangenen Oktober die erste maßstabsgetreue Passagierkapsel Quintro One mit 32 m Länge vorgestellt hatte.

Nachdem die Kapsel auf der iberischen Halbinsel gefertigt worden war, wurde sie nun per Lastwagen nach Südfrankreich gebracht, um nun auf dem HTT-Versuchsgelände in Toulouse getestet zu werden. Der über eine Strecke von 1.500 km erfolgte Transport erfordert mehrere Tage – was angesichts der späteren Reisegeschwindigkeit natürlich nicht eines gewissen Humors entbehrt.

Im Februar folgt die Nachricht, daß die 320 m lange Versuchsstrecke in Toulouse mit einen Durchmesser von 4 m fast fertig sei, in den kommenden Wochen müßten nur noch die Vakuumpumpen installiert werden. Die ersten Testfahrten des Hyperloop sollen dann im April stattfinden.

LVCVA-Streckenplan

LVCVA-Streckenplan


Anfang März berichten die Fachblogs, daß die Las Vegas Convention and Visitors Authority (LVCVA) als Teil der aktuellen Renovierung und Erweiterung des Las Vegas Convention Center möchte, daß die Boring Company darunter einen Hochgeschwindigkeits-Loop gräbt, über den die Veranstaltungsteilnehmer schon zur CES 2021 befördert werde können. Angedacht ist ein People Mover, der die Teilnehmer mit autonomen Elektrofahrzeugen bei hohen Geschwindigkeiten durch die Anlage transportiert. Darüber hinaus wird eine Verbindung zum Verkehrsnetz der Stadt gefordert.

Die Firma hat bereits einige Ideen für das Design des Systems vorgelegt, das 3,2 km lang und voraussichtlich 35 – 55 Mio. $ kosten wird. Nach der Genehmigung soll es bereits innerhalb eines Jahres von den Gästen des Centers genutzt werden können. Tatsächlich erteilt der LVCVA-Vorstand schon Mitte März seine Zustimmung. Die Firma wird nun mit der Behörde zusammenarbeiten, um die Entwurfs- und Baupläne fertigzustellen, die der Vorstand im Juni endgültig genehmigen soll.

Nun ist auch zu erfahren, daß das unterirdische Loop-System bis zu 11.000 Fahrgäste pro Stunde zu verschiedenen Stationen des Centers befördern soll.


Nachdem es im April keinerlei Neuigkeiten gibt, wird Ende Mai gemeldet, daß es eine weitere Versuchsfahrt im Tunnel der The Boring Company gegeben habe – der im Gegensatz zu der Fahrt vom Dezember 2018 auch nicht mehr so holperig war – weil man die Strecke zwischenzeitlich asphaltiert hatte. Zudem bewegte sich der Wagen diesmal mit einer Geschwindigkeit von über 200 km/h.

Außerdem hat die Stadt Las Vegas den 48,6 Mio. $ schweren Auftrag für die o.e. unterirdische Transitstrecke genehmigt, die pünktlich zur DES im Januar 2021 fertiggestellt werden soll. Das ‚abgespeckte‘ Projekt mit der Bezeichnung LVCC Loop wird die neue Ausstellungshalle mit anderen Kongreßhallen verbinden und drei Stationen, zwei Tunnel für Fahrzeuge und einen für Fußgänger besitzen. Die nun mit 1,3 km angegebene Strecke, die zu Fuß derzeit 15 – 20 Minuten erfordert, soll dann nur noch etwa eine Minute erfordern. Das System ist für die Beförderung von mindestens 4.400 Fahrgästen pro Stunde ausgelegt.

Interessanterweise ist die Bürgermeisterin Carolyn Goodman das einzige Mitglied des 14-köpfigen Vorstands, das gegen das Projekt stimmt, da sie den konkurrierenden Vorschlag der seit 125 Jahren bestehenden und erfahrenen Doppelmayr/Garaventa-Gruppe aus Österreich bevorzugt, welcher den Bau einer Seilbahn-Strecke beinhaltet.

Im Mai veröffentlicht die The Boring Company außerdem ein Video, das zeigt, daß die Sache mit den autonomen Fahrzeugen mit Richtrollen abgeschafft wurde, so daß die Transportmethode jetzt nur noch aus Teslas in einem Tunnel besteht, die für zusätzliche Sicherheit menschliche Fahrer haben.


Mitte Juni 2019 berichten die Fachblogs, daß der Bonner Frank Thelen, einer der bekanntesten Tech-Investoren in Deutschland, mit seiner Firma Freigeist Capital GmbH rund 1 Mio. € in ein europäisches Start-up investieren möchte, das sich mit der Hyperloop-Technik beschäftigt. Um welche Firma es sich dabei handelt, wird noch nicht mitgeteilt. Zur Information: Thelen hat u.a. bereits in das deutsche Flug-Startup Lilium Aviation investiert (siehe hier).


Ende des Monats schließt das niederländische Start-up Hardt Global Mobility (auch: Hardt Hyperloop) erfolgreich die zweijährige Testphase eines Streckenelements ab, das für Europas ersten Hyperloop gedacht ist. Im Rahmen einer großen Veranstaltung wird die Hyperloop Lane Switch (HLS) Technologie präsentiert, mit der Hyperloop-Kapseln ohne zusätzliche oder bewegliche Komponenten die Spur wechseln können. Hierfür hatte man die erste europäische Teststrecke in Originalgröße fertiggestellt, die zwar nur rund 30 m lang ist, auf der aber Fahrten mit dem Gewicht von echten Passagieren simuliert werden können.

Nach Abschluß der HLS-Versuche beginnt nun das Europäische Hyperloop-Programm, bei dem anfangs die grundlegenden Hyperloop-Technologien ausgewertet werden sollen: magnetisches Schweben, Niederdruckumgebungen, Antriebssystem, Simulation von Fracht- und Passagierbeförderung, Spurwechsel usw.

In der darauffolgenden Phase soll dann in der Provinz Groningen innerhalb von zwei Jahren eine 3 km lange Strecke gebaut werden, auf der kooperierende Hyperloop-Unternehmen ihre Kapseln bei Hochgeschwindigkeit testen können. Diese Phase bildet außerdem die Grundlage für eine standardisierte europäische Hyperloop-Infrastruktur und -Technologie. Hierfür ist der Aufbau eines European Hyperloop Centre geplant, einem Forschungs- und Entwicklungszentrum, das u.a. die erwähnte Teststrecke betreibt.


TUM-Pod
(Montage)


Als Ende Juli die Gewinner der 4. Hyperloop Pod Competition von SpaceX in Los Angeles bekanntgegeben werden, verwundert es wohl niemand, daß das Team der TU München (TUM) auch diesmal den ersten Platz unter 42 teilnehmenden Teams belegt – obwohl das Gefährt mit 463 km/h etwas langsamer ist als 2018 (467 km/h). Ein Grund dafür wird allerdings nicht angegeben. Der großformatige Testpod der konkurrierenden Virgin Hyperloop One kommt hingegen nur auf eine Geschwindigkeit von 387 km/h.

Die wichtigsten Veränderungen beim WARR-Pod der TUM gegenüber dem Vorjahr sind eine Reduktion des Gewichts der Konstruktion um 8 kg - womit die aktuelle Kapsel nur noch rund 70 kg wiegt -, sowie die Verdoppelung der Leistung der acht verbauten Elektromotoren auf insgesamt 320 kW.

Musk zufolge würde der nächste Wettbewerb Mitte 2020 den Teams mehr Raum geben zu zeigen was sie können, da er in einem 10 km langen Vakuumtunnel mit einer Kurve stattfinden wird (wegen der sogenannten Corona-Pandemie fällt der Wettbewerb dann jedoch aus).


Ebenfalls Ende des Monats gibt es die Meldung, daß die The Boring Company in ihrer neuesten Finanzierungsrunde von 20 ungenannten Investoren rund 117 Mio. $ eingesammelt habe. Weitere Details werden nicht bekannt.


Die Virgin Hyperloop One und das sogenannte Königreich Saudi-Arabien verkünden ihrerseits eine weitreichende Zusammenarbeit, bei der in der Nähe der noch zu errichtenden Retortenstadt ‚King Abdullah Economic City‘ am Roten Meer, rund 100 km nördlich der Hafenstadt Dschidda, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum eingerichtet werden soll, das auch eine Hyperloop-Teststrecke mit einer Länge von 35 km umfaßt. Eine solche Distanz ist notwendig, damit die Transportkapseln ausreichend Platz zum beschleunigen und wieder abbremsen haben.

Berichten im August zufolge könnte das Projekt LVCC Loop in Las Vegas mit der dortigen Einschienenbahn um den Transport für die CES im Januar 2021 konkurrieren. Die Betreiber der Las Vegas Monorail befürchten sogar, daß der Tunnelbau ihre Stützpfeiler beschädigen und die Monorail für teure Reparaturen stillegen könnte. Um zwei Teile des Kongreßzentrums zu verbinden, muß der Loop nämlich direkt unter den Hochbahntrassen der Monorail gegraben werden.

Das Unternehmen soll daher während der Bauarbeiten mit den Verantwortlichen der Monorail und der Stadt zusammenzuarbeiten, um Schäden an den Säulen des Bahnsystems zu verhindern. Zudem erhält die Cordell Corp. einen Auftrag in Höhe von 1 Mio. $ zur Überwachung des Projekts. Der nächste Schritt besteht darin, alle notwendigen Genehmigungen für den Auhub eines Schachtes zu erhalten, um die Tunnelbohrmaschine unter Tage einzusetzen. Der Zeitplan sieht einen Baubeginn im September vor.

In einen Tweet, der seinen Besuch auf der World Artificial Intelligence Conference in Shanghai Ende August ankündigt, erwähnt Elon Musk, daß er während dieser Reise auch The Boring Company China starten wird. Auf die Frage eines anderen Twitter-Nutzers, ob das Unternehmen auch Tunnel unter Wasser bauen würde, antwortete Musk einfach mit „Ja“.


Anfang September wird von der Hyperloop Advanced Research Partnership (HARP), einer kleinen gemeinnützigen Organisation, die sich als eine Art Clearinghouse für Hyperloop-Wissen sieht, in Golden in Colorado die zweitägige Global Hyperloop Conference veranstaltet.


Ebenfalls im September veröffentlicht die Hyperloop Transportation Technologies neue Vorstellungen zum Design der Röhren-Strecken, die gemeinsam mit dem Büro MAD Architects konzipiert wurden. Dem Vorschlag zufolge sollen die Röhrenoberseiten in grüne Gehwege und die 7 m hohen Pylone in urbane Landwirtschaftszentren verwandelt werden. Die Idee ist, daß die städtischen Bauernhöfe vollständig selbsttragend wären, teilweise unterstützt durch LEDs, die die Röhre darüber auskleiden und eine kontinuierliche Lichtquelle bieten.

Diese LED-Streifen könnten auch als Informationstafeln entlang der Röhren dienen und sollen durch biegsame, auf Teilen der Oberseite befestigte Solarhaut-Paneele gespeist werden. Um den Energiemix zu ergänzen, sind entlang der Strecke auch blattlose Windkraftanlagen angedacht, während in belebten Gebieten Teile der Solaranlagen gegen grüne Fußgängerwege ausgetauscht würden.


Mitte des Monats macht sich der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder für die futuristische Technologie des Hyperloop stark, als er dem mehrfachen Gewinner-Team der TU München einen Besuch abstattet und die Unterstützung der Staatsregierung für das Forschungsvorhaben zum Design von Kapsel und Röhre ankündigt. Demnach stehen hierfür 80.000 € bereit.

Das Hyperloop-Projekt gehört zum Konzept der neuen TUM-Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie (LRG), die im Wintersemester diesen Jahres ihren Betrieb aufnimmt – mit 19 neu zu berufenden Professorinnen und Professoren sowie 700 Studierenden in Bachelor- und Masterstudiengängen. Die neue Professur Future Air and Ground Mobility wird den Hyperloop auf der wissenschaftlich-technologischen Ebene erforschen, aber auch System- und Betriebsaspekte untersuchen.


Mitte Oktober verkündet das Startup Hardt Global Mobility eine millionenschwere Finanzierung in den Niederlanden, wobei das meiste Geld vom Risikoinvestor Kees Koolen kommt. Auch Frank Thelen stellt eine sechsstellige Summe zur Verfügung, wie er es im Juni angekündigt hatte (s.o.). Damit hat Gründer und Firmenchef Houter bislang insgesamt 10 Mio. € eingesammelt.

Nun soll schon im nächsten Jahr mit dem Bau einer eigenen, 3 km langen Teststrecke begonnen werden, die nicht einfach geradeaus verlaufen, sondern auch eine Art Weiche beinhalten wird, die den Transportkapseln das abbiegen ermöglicht. Dem weiteren Zeitplan zufolge sollen Güter schon in sechs Jahren durch eine kommerziell betriebene Vakuum-Röhre geschickt werden. Die ersten Passagiertransporte sind dann in rund zehn Jahren geplant.


Im Dezember 2019 meldet die The Boring Company die Fertigstellung des  Testtunnels in Hawthorne, Kalifornien, der im Folgejahr in Betrieb gehen soll.


2020


Die erste Meldung diesen Jahres Anfang Februar besagt, daß die Abgeordneten des Repräsentantenhauses in Missouri einem Gesetzentwurf zugestimmt haben, um den potentiellen Erbauern einer 16 – 24 km langen Hyperloop-Teststrecke, die Kansas City, Columbia und St. Louis verbindet, Zuschüsse zur Verfügung zu stellen. Mit der Strecke soll sich eine etwa vierstündige Fahrt quer durch den Bundesstaat auf eine 30-minütige Pendelfahrt reduzieren lassen.


Mitte des Monats gibt die Boring Company bekannt, den ersten von zwei Tunneln fertiggestellt zu haben, die sie für die Las Vegas Convention and Visitors Authority (LVCVA) baut. Der Tunnel verbindet die South Hall des Las Vegas Convention Center, in der die jährliche Consumer Electronics Show (CES) stattfindet, mit der neuen, 1,4 Mio. m2 großen West Hall, die sich in einem anderen Teil des über 80 Hektar großen Geländes befindet.

Die Bohrmaschine, die den Tunnel seit November letzten Jahres gut 12 m unter der Erde gegraben hat, wird nun demontiert und zum Ausgangspunkt zurückgebracht, um mit dem Bohren eines zweiten Tunnels parallel zum ersten zu beginnen. Dessen Fertigstellung wird dann Mitte Mai gemeldet.

Der normalerweise etwa 15 Minuten dauernde Fahrt mit dem Auto über die die 3,2 km lange Strecke soll sich durch die unterirdisch fahrenden elektrifizierten Fahrzeuge auf etwa eine Minute verkürzen, wobei die Kapazität des neuen Transportsystems 4.400 Personen pro Stunde betragen wird. Der Convention Center Loop, dessen Gesamtkosten sich nach Angaben der LVCVA auf 52,5 Mio. $ belaufen, soll im Januar 2021 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Anfang März folgt eine etwas ominöse Twitter-Nachricht, der zufolge die Prufrock, die Tunnelbohrmaschine der dritten Generation, irgendwo auf der Welt ihre Arbeit aufgenommen habe – aber niemand weiß bislang, wo. In diesem Zusammenhang gibt es immerhin einige neuen Informationen über die Vorläufer: So sei die erste Maschine Godot genannt worden, weil sie so langsam war.

Im Anschluß daran hatte die Boring Company eine modifizierte Version namens Line Storm entwickelt, die ungefähr doppelt so schnell ist, damit aber immer noch nicht annähernd die von Musk angestrebte 10-fache Verbesserung erreicht. Die neue Prufrock soll hingegen das Nonplusultra unter den Tunnelvortriebsmaschinen sein, eine ganze Größenordnung schneller als ihre Vorgänger. Musk spielt bei der Benennung seiner Schöpfungen oft auf die Populärkultur an. So ist Prufrock eine von T. S. Eliot erfundene literarische Figur.

Hardt-Studie Grafik

Hardt-Studie
(Grafik)


Im April 2020 ist wieder etwas über das niederländische Unternehmen Hardt Hyperloop zu hören, das eine neue, gemeinsam mit der Regionalregierung der Provinz Noord-Holland erstellte um im Netz abrufbare 52-seitige Studie vorstellt, die besagt, daß die Verbindung von Amsterdam über Brüssel und mehreren deutschen Städten bis nach Paris das Bruttoinlandsprodukt der Region Nordholland bis 2040 um 275 Mrd. € steigern und die Zahl der jährlichen Flüge vom Flughafen Schiphol um bis zu 24.000 reduzieren würde.


Ebenfalls im April stellen die Fachblogs die im Vorjahr von Michael Fragomeni im Norden Perths gegründete australische Firma HyperPower Pty. Ltd. (o. HyperPower Technologies) vor, die einen neuen Elektromotor mit bis zu 1.000 kW (1.360 PS) Leistung entwickelt hat. Die weniger als 10 cm dicke Maschine mit 43 cm Durchmesser kann einzeln oder im Zusammenspiel von bis zu zehn Einheiten eingesetzt werden.

Was damit möglich ist, soll ein vollelektrischer Dragster des Teams Top EV Racing zeigen, in dem HyperPower vier Exemplare des QFM-360-X genannten Motor verbaut. Mit den so zur Verfügung gestellten etwa 4.000 kW (5.439 PS) soll es in 0,8 Sekunden von 0 – 200 km/h gehen. 440 km/h sollen in 2,9 Sekunden erreichbar sein, die vorläufige Höchstgeschwindigkeit von 530 km/h in 3,7 Sekunden. HyperPower und Top EV Racing haben acht Jahre an dem Hochleistungs-Elektromotor und dem damit angetriebenen Dragster gearbeitet.

Der auch als Quantum Force eMotor bezeichnete Antrieb wird an dieser Stelle erwähnt, weil er in naher Zukunft möglicherweise den Hyperloop antreiben wird. Demnach gibt es Firmen, die mit der HyperPower bereits über den Einsatz des Motors bei Hyperloop-Projekten verhandeln. Derzeit läuft die Serienfertigung an, wobei sich die Firma vorerst auf den Einsatz im Rennsport konzentriert. Um für das Produkt zu werben, soll der E-Dragster demnächst mehrere Weltrekorde brechen.


Etwas befremdlich wirkt, daß Fans auf Twitter ausgerechnet den 20. April zum Elon Musk Day erklären – denn dieser Tag ist nicht nur Hitlers Geburtstag, sondern gilt seit vielen Jahren auch als internationaler Kiffertag. Andererseits gibt es auch schon die Church of Tesla, eine in Gründung befindliche Religionsgemeinschaft mit der „göttlichen Aufgabe, die Lehren unseres Erlösers (Musk) zu verbreiten und ihm und all seinen weltlichen Projekten unsere Unterstützung zukommen zu lassen.“

Neben dem Spaß, der damit einhergeht, klingen auch die Ziele der Tesla-Kirche sehr sinnvoll, da diese durch Aufklärung, Forschung und Entwicklung die Vision einer nachhaltigen Energie- und Verkehrswirtschaft fördern will – sowie den Übergang zu einer Gesellschaft, die sich ausschließlich regenerative Ressourcen zu Nutze macht.


Anfang Juni genehmigt der Verwaltungsrat der San Bernardino County Transportation Authority (SBCTA) der Boring Company einstimmig den Bau eines ‚Airport Loop‘ für den Ontario International Airport, der Rancho Cucamonga mit dem Flughafen verbinden soll. Gleichzeitig stimmt der Verwaltungsrat dafür, eine 3 Mio. $ teure Studie über andere Schienen-Verbindungen zu Flughafen zu verschieben, da das Tunnelkonzept viel billiger und schneller aussieht als alles, was oberirdisch an potentiellen Bahnprojekten gebaut werden könnte.

Die Unterstützung für das Projekt kommt von dem County Supervisor Curt Hagman, der die Idee der SBCTA vorgestellt hat, nachdem er die Anlage von der Boring Company in Hawthorne besichtigt und eine Fahrt in einem modifizierten Tesla durch den dortigen Testtunnel unternommen hatte.

Bislang sind nur wenige Details über den vorgeschlagenen Tunnels bekannt. So soll er 4,5 km lang werden, einen Durchmesser von 4,25 m haben und in einer Tiefe von gut 10 m liegen. Für die Personenbeförderung sollen vermutlich von Tesla hergestellte Fahrzeuge mit Gummireifen verwendet werden, die bis zu 204 km/h schnell fahren. Die einzelnen Fahrten sollen von 90 Sekunden bis zu 2 Minuten dauern. Als nächsten muß nun ein vollständiger Projektvorschlag formuliert werden.


Mitte Juni schlagen zwei Casinos, das Wynn Las Vegas sowie das Resorts World Las Vegas, der Boring Company neue, eigene Tunnel vor, die mit dem bestehenden LVCVA-Tunnel verbunden werden sollen, um das autonome Transportsystem auf zwei neue Ziele auszudehnen. Das Wynn Las Vegas hat bereits einen Flächennutzungsantrag für einen Tunnel gestellt, der das Ressort rund einen Block entfernt mit dem Convention Center verbinden soll.

Das Resorts World Las Vegas hat unterdessen das Gleiche für sein geplantes Kasino rund zwei Blocks entfernt getan. Falls es genehmigt wird, soll noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden, während die Eröffnung des Kasinos für den Sommer 2021 geplant ist. Die Kongreßgäste könnten dann mit dem Transportsystem zum Mittagessen, zu Meetings oder persönlichen Verabredungen zum Resorts World Las Vegas fahren und innerhalb von Minuten wieder zurück bei ihrer Konferenz oder Ausstellung sein.

In diesem Zusammenhang wird auch berichtet, daß Tesla angeblich mit der Boring Company zusammenarbeitet, um elektrische, vermutlich autonome 12-Personen-Wagen für solche Routen zu produzieren.


Anfang Juli lobt die Boring Company einen internationalen Wettbewerb zum schnellen Tunnelbau aus. Im Frühjahr 2021 sollen Teams von Universitäten, Unternehmen und Hobby-Tunnelbohrern ihre neuen Techniken zur Schau stellen, mit denen möglichst schnell ein 30 m langer Tunnel mit einem Durchmesser von einem halben Meter gebaut werden kann. Unter dem Motto Not-A-Boring Competition gilt es, schneller voranzukommen, als eine Schnecke kriechen kann, die rund 3 m pro Stunde zurücklegt. Der gegenwärtige Rekord beim Tunnelbauen (von 2009) liegt mit 2,33 m pro Stunde deutlich darunter.

Durch den Tunnel mit Fahrbahn soll dann ein ferngesteuertes Tesla-Modellauto flitzen. Wie hoch die Preisgelder für den Tunnelbauwettbewerb sind, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Teströhre der TUM Grafik

Teströhre der TUM
(Grafik)


Ebenfalls im Juli verkündet die TU München (TUM), daß mit Unterstützung der bayerischen Staatsregierung nun ehemalige Mitglieder des WARR Hyperloop-Teams sowie aktuell Studierende im Auftrag der Universität offiziell in die Forschung an dem innovativen Röhrenzug einsteigen wird.

In der ersten Phase, die über zwei Jahre läuft, sollen Systemanalysen durchgeführt werden, um die Umsetzbarkeit und das Potential des Konzepts in Europa zu untersuchen. Darüber hinaus wird ein Prototyp des Pods in Originalmaßstab gebaut sowie auf dem Gelände des Ludwig Bölkow Campus in Taufkirchen/Ottobrunn eine 24 m lange Teströhre angelegt die, inklusive Fundament etwa 4 m hoch und Ende des nächsten Jahres oder Anfang 2022 fertiggestellt werden soll.


Im August berichtet die Presse, daß die lokalen Behörden der Boring Company die Genehmigung erteilt haben, die erste Station des PRT-Systems außerhalb des Kongreßzentrums von Las Vegas zu errichten. Die neue Haltestelle wird am Resorts World Las Vegas Casino entstehen und könnte den Weg für Verbindungen zu anderen Attraktionen entlang des Las Vegas Strip und vielleicht darüber hinaus ebnen. Die Arbeiten an der Tunnelverbindung werden voraussichtlich Ende dieses Jahres beginnen.


Das o.e. Start-Up TransPod Inc. kann im September einen wichtigen Teilerfolg vermelden, als mit der Regierung der kanadischen Provinz Alberta eine Absichtserklärung zum Bau eines Hyperloops unterzeichnet wird. Innerhalb von zwei Jahren wird das Unternehmen eine Machbarkeitsstudie erstellen und darlegen, wie sich das Projekt realisieren läßt, was es kosten würde und wie die Finanzierung aussehen könnte. Anschließend beginnt die Forschungs- und Entwicklungsphase.

Ab dem Jahr 2022 soll dann eine erste Teststrecke gebaut werden – und verläuft alles nach Plan, ist für Mitte des Jahrzehnts der Bau der ersten kommerziellen Strecke vorgesehen, deren Baukosten auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt werden.


Im Oktober berichten die Fachblogs über den YouTuber Dan Markham (What’s Inside), der die kostengünstigen 10-Cent-Ziegel der Boring Company getestet und mit vier Konkurrenzprodukten verglichen hat. Dazu motiviert wurde er durch den Fakt, daß die erste Charge der Boring Bricks nicht ganz perfekt war, so daß Musk sie intern verschenkte – als Sammlerstücke. Was auch der Grund dafür ist, daß Markham für zwei Exemplare dieser Ziegel jeweils 200 $ bezahlen mußte.

Gegen den Boring-Ziegel treten ein neuer roter Ziegelstein, ein gebrauchter roter Ziegelstein, ein Ziegel im Betonstein-Stil mit Vorspanndrähten, und ein einfacher Betonsteinziegel an. Um herauszufinden, ob die Behauptung von Musk stimmt, daß sein extrem billiger Ziegel auch noch viel haltbarer sei als traditionelle Ziegel, werden alle aus der Höhe fallengelassen.

Der Betonsteinziegel und der gebrauchte rote Ziegelstein überleben nicht einmal den ersten Test, einen brusthohen Sturz auf den Zementboden, während der neue rote Ziegelstein erst nach einem Wurf vom obersten Ende einer Treppe in den Innenhof zerbricht. Der Boring-Ziegel bringt es hingegen noch einen Schritt weiter: Erst ein Wurf mit hoher Wucht macht ihn kaputt. Eine ähnliche Haltbarkeit zeigt der drahtverstärkte Ziegel, der allerdings deutlich mehr kostet.


Ebenfalls im Oktober meldet die Firma Virgin Hyperloop One, daß sie sich für West Virginia als Standort für sein neues Prüf- und Zertifizierungszentrum entschieden habe, das als wichtiges Sprungbrett für die Entwicklung des Transportsystems in den USA dienen soll. Die Einrichtung wird auch über eine eigene Teststrecke verfügen. Das Unternehmen gibt an, daß es hofft, bis 2025 die Sicherheitszertifizierung für die Technologie zu erreichen und 2030 den kommerziellen Betrieb aufzunehmen.

Erste Personenfahrt

Erste Personenfahrt


Im  November folgt ein wichtiger Schritt, als die erste bemannte Testfahrt in einer Kapsel von Virgin Hyperloop One stattfindet. Technologievorstand Josh Giegel und Sara Luchian, die Leiterin der Abteilung Passagierkomfort, erreichen dabei innerhalb von 6,25 Sekunden eine Geschwindigkeit von 172 km/h und sausen insgesamt 15 Sekunden lang durch die Teströhre.

Das Fahrgefühl sei vergleichbar mit einem schnell beschleunigendem Sportwagen. Das Unternehmen hatte in der 500 m langen DevLoop-Röhre in Nevada zuvor rund 400 unbemannte Fahrten durchgeführt.


Im gleichen Monat kündigt die Boring Company an, daß sie sich für ein neues Tunnelprojekt mit Tesla in Austin, Texas, zusammenschließen wird. Das Projekt, an dem die ‚Verwandten‘ arbeiten werden, ist derzeit noch unbekannt. Basis der Information sind mehrere entsprechende Stellen, die von dem Unternehmen ausgeschrieben werden – sowie ein Tweet darüber, daß der ‚Austin Chalk‘ geologisch gesehen einer der besten Böden für den Tunnelbau sei.


Die letzte Meldung in diesem Jahr erscheint Mitte Dezember. Demnach habe der Stadtrat von Las Vegas einstimmig dafür gestimmt, das Loop-Projekt über das Transitsystem des Las Vegas Convention Center voranzutreiben. Nun wird ein stadtweites Netzwerk angedacht, das auch Hotels und möglicherweise den Flughafen einschließt.

Die vorgeschlagene Erweiterung soll das System der Boring Company bis zur Ogden Avenue im Norden bringen, die in der Nähe von Attraktionen wie dem Downtown Container Park sowie klassischen Casinos wie dem Golden Nugget liegt. Weitere vorgeschlagene Haltestellen entlang der Route sind der Stratosphere Tower und der Arts District.

Der Hauptteil des Tunnels, der innerhalb der Stadtgrenzen liegt, wird schätzungsweise zwischen 35 und 45 Mio. $ kosten, die von der Boring Company übernommen werden, während den Rest der Kosten die Hotels übernehmen, die Loop-Stationen haben wollen. Die Firma hat zudem Pläne für Gebiete außerhalb der Stadt, zu denen Ziele wie der McCarran International Airport, der Las Vegas Strip und das Allegiant Stadium gehören. Wenn alle Pläne genehmigt werden, wird der Vegas Loop etwa 15 Meilen umfassen - 10 Meilen im Clark County und 5 Meilen innerhalb der Stadtgrenzen von Las Vegas.

Bereits Anfang des Monats hatte das Unternehmen die ersten Graphiken einer Passagierstation des Las Vegas Loop veröffentlicht. Zu sehen sind die Rolltreppen, mit denen die Fahrgäste zur Station hinunterfahren, mehrere weiße Teslas sowie die Ein- bzw. Ausfahrt der beiden Tunnel.

Ein erster Streckenabschnitt soll im Frühjahr 2021 eröffnet werden. Auf seiner Website sucht das Unternehmen bereits nach Fahr- und Betriebspersonal. Kernstück der Anlage ist der unterirdische ‚Bahnhof‘ vor der Haupthalle, der bereits kurz vor der Fertigstellung steht. Von den in der Planungsphase noch beschriebenen autonomen People Movern für 12 bis 16 Passagiere ist inzwischen aber keine Rede mehr – hauptsächlich aus Sicherheitsgründen.

 


2021


Im Januar 2021 gibt es neue Nachrichten von der niederländische Firma Hardt Hyperloop. Demnach haben Anfang des Monats zwei niederländische Ministerien sowie mehrere Unternehmen und Forschungsorganisationen den Aufbau und die Finanzierung einer öffentlich-privaten Partnerschaft zur Entwicklung des Transportsystems bekannt gegeben.

Das vorgeschlagene Netz besteht aus fünf Strecken: Die erste Strecke führt von Amsterdam nach Leiden und Den Haag. Eine zweite Strecke fährt bis nach Paris und Brüssel, während die dritte und vierte Route bis nach Duisburg und Düsseldorf gehen soll. Die fünfte Strecke von Amsterdam nach Almere, Lelystad, Zwolle und Groningen. Die geplante Höchstgeschwindigkeit beträgt 700 km/h. Die Firma zieht nun bald nach Groningen um und errichtet dort einen Teststandort mit einer 3 km langen Röhre, mit der die Technologie ab 2022 getestet wird. Bislang ist die Versuchsstrecke nur rund 30 m lang.

Ab 2025 soll eine Hyperloop-Strecke die Hauptstadt mit dem wichtigen Exporthafen verbinden, auf der zunächst ausschließlich Waren transportiert werden sollen – und drei Jahre später auch Personen. Für den Frachtverkehr stellt das Unternehmen sein neues Konzept Hardt Cargoloop vor. Details darüber gibt es aber noch nicht.


Ebenfalls im Januar veröffentlicht das US-Energieministerium (DOE) eine 60-seitige Analyse der möglichen Auswirkungen von Hyperloop-Systemen auf das Stromnetz sowie auf den Energiebedarf im Verkehr (‚Effect of Hyperloop Technologies on Electric Grid and Transportation Energy‘). Die Analyse basiert auf konzeptionellen Daten, die aus offenen Quellen stammen oder von Entwicklern zur Verfügung gestellt werden, sowie auf Daten zum Energieverbrauch im Verkehr.

Das DOE stützt sich außerdem auf Studien zu Hyperloop-Systemen durch die National Aeronautics and Space Administration, das Volpe Transportation Center und das US-Verkehrsministerium. Die Modellierung der Netzauswirkungen wird vom Pacific Northwest National Laboratory des DOE unter Verwendung von Darstellungen des Stromnetzes in drei Gebieten der USA durchgeführt.

In Bezug auf die Auswirkungen auf das Stromnetz wird festgestellt, daß der Energiebedarf des Systems erheblich sein und Minderungsstrategien erfordern würde. Die elektrische Energie, die erforderlich ist, um ein mittelgroßes Hyperloop-System über einen Zeitraum von 24 Stunden zu betreiben, kann im Bereich von 500 - 600 MWh/Tag für Passagierreisen liegen, und bis zu 1.900 MWh/Tag für schwerere Fracht. Zudem könnte die schwankende Leistungsdynamik ernsthafte Herausforderungen für die Netzintegration darstellen. Der Bericht beschreibt daher Technologien und alternative Designs, die dazu beitragen können, diese Probleme abzumildern.

Die Analyse ergibt zudem, daß der Transport von Passagieren per Hyperloop im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern wie Luft oder Privatfahrzeugen zu einer Energieeinsparung von 20 % führen kann. Der Hyperloop-Güterverkehr könnte allerdings energieeffizient sein als alle anderen Güterverkehrsmittel mit Ausnahme der Luft. In der Studie wird geschätzt, daß der Hyperloop-Güterverkehr 8-mal weniger effizient ist als der Transport auf dem Wasser- und Schienenweg und mindestens 3-mal weniger effizient als der Transport per LKW.

Virgin Hyperloop Passagierkapsel

Virgin Hyperloop Passagierkapsel
(Montage)


Die Virgin Hyperloop veröffentlicht derweil ein Werbevideo, das das imaginäre Passagiererlebnis detailliert beschreibt und eine neu gestaltete Version seiner Transportkapseln zeigt.

Die neueste Version der Passagierkapsel wird nach den Prototypen XP-1 und XP-2 als Nutzfahrzeug bezeichnet. Dieser Pod enthält Funktionen wie kabelloses Laden, ein künstliches Oberlicht mit simuliertem Tageslicht und LED-Benachrichtigungen für Aktualisierungen des Fahrfortschritts und der Geschwindigkeit. Die Pods bieten Platz für bis zu 28 Passagiere und fahren ohne Zwischenstopps direkt an ihr Ziel.


Im Februar wird gemeldet, daß die Boring Company die Verhandlungen über das Loop-Projekt mit Tesla-Elektrofahrzeugen in der Nähe von Los Angeles vorantreibt, welches Rancho Cucamonga mit dem Ontario International Airport verbinden soll. Die San Bernardino County Transportation Authority (SBCTA) hat Anfang des Monats grünes Licht für die Verhandlungen über das Projekt gegeben, um die Details auszuhandeln. Die Schleife wird voraussichtlich 85 Mio. $ kosten – ein Bruchteil des Betrags der zuerst vorgeschlagenen Lösung, bei der es sich um ein Eisenbahnprojekt handelte.


In einer weiteren Meldung wird berichtet, daß Hochschulen im Nordwesten Niedersachsens die Hyperloop-Technologie weiterentwickeln wollen und dafür auch eine Reaktivierung der Transrapidstrecke im emsländischen Lathen in Betracht ziehen, die nach einem Unglück 2006 stillgelegt wurde.

Vertreter der Hochschule Emden/Leer und der Universität Oldenburg beraten zusammen mit rund 150 Unternehmen und Interessierten bei einer Online-Konferenz  die Anforderungen an eine Hyperloop-Teststrecke. Als nächstes sollen sich die Partner in einem Konsortium zusammenschließen, um Fördermittel aus dem EU-Programm Horizont Europe zu beantragen. Die Planungen für die Teststrecke wurden bereits seit Oktober 2019 mit rund 270.000 € vom Land Niedersachsen gefördert.

 


Es bleibt also weiterhin spannend, wie es mit den verschiedenen Hyperloop-Projekten weitergeht - und wo schließlich die erste Strecke in Betrieb genommen wird.

 

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