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Andere elektrische Fahrzeuge

Der Hyperloop (II)

2017


Ende Januar 2017 findet der lang erwartete Wettbewerb Hyperloop Pod Competition auf der Teststrecke bei SpaceX statt.

Pod der TU Delft

Pod der TU Delft

Insgesamt hatten sich etwa 120 Studenten-Teams aus aller Welt beworben – aus 27 US-amerikanischen Staaten und 20 Ländern. Unter anderem gehören dazu das Team OpenLoop, ein Konsortium aus einer Reihe von Universitäten, darunter der University of Michigan, der Northwestern University, der Princeton University, der Cornell University, dem Harvey Mudd College und der Memorial University.

Das Team Hyperlift umfaßt wiederum eine Gruppe von Studenten aus der St. John’s High School in Houston, Texas, während das einzigartige Team rLoop keiner Universität angehört, sondern aus 140 Mitgliedern besteht, die aus 14 Ländern kommen. Ins Wettrennen in den Tunnel dürfen aber nur die drei Finalisten, deren Pods einen Belastungstest in einer Vakuumkammer bestanden hatten.

30 bis 40 Minuten nach Beladung der Röhre mit dem jeweiligen Pod hat eine Vakuumpumpe fast die gesamte Luft aus dem Rohr entfernt. Auf Videobildschirmen kann dann verfolgt werden, wie die Kapsel losschießt, eine ,Autobahngeschwindigkeit, erreicht und dann verlangsamt, bevor die Strecke zu Ende ist.

Unter diesen Finalisten ist auch das oben bereits erwähnte deutsche WARR Hyperloop Team der TU München. Die 29 Studenten hatten 19.000 Einzelteile in die Vereinigten Staaten verschickt und dort zu ihrer Transportkapsel zusammengebaut – inklusivem dem Kompressor, auf dem die Technik basiert, und der auf 17.000 U/min kommt. In der weiß-blauen Kapsel, die ein wenig wie ein Rennschlitten aussieht, stecken 350.000 €, deren Sponsoren die Studenten selbst gesucht hatten.

MIT-Pod

MIT-Pod

Letztlich liegt in der Gesamtwertung der Pod der TU Delft vorn, welcher den Preis für Design und Konstruktion bekommt, während der Vakuum-Magnetschwebepod WARR der TU München mit einer Spitzengeschwindigkeit von 94 km/h den 2. Platz erringt, und das Team des Massachusetts Institute of Technology den Preis für Sicherheit und Zuverlässigkeit erhält und den 3. Platz belegt. Der Pod des MIT-Teams erreicht  eine Geschwindigkeit von 88 km/h.

Andere Mannschaften fahren zwar nicht auf der eigentlichen Strecke, bekommen aufgrund ihrer beeindruckenden Entwürfe aber trotzdem Preise. So gewinnt das Team der University of Maryland mit seinem UMD Loop einen Performance- und Operations-Award, während die University of Wisconsin-Madison (Team Badgerloop) und das unabhängige rLoop-Team jeweils mit einem Pod-Innovation-Award ausgezeichnet werden.

Neben Ruhm und Ehre überreicht Elon Musk dem Team aus München zudem einen von ihm handsignierten Miniatur-Pod aus Titan als Sonderpreis. Außerdem gibt Musk bekannt, daß es aufgrund des großen Interesses in diesem Sommer einen weiteren Hyperloop-Pod-Wettbewerb mit ebenfalls 30 Teilnehmern geben wird, dessen Fokus diesmal auf der Höchstgeschwindigkeit liegen soll.


Im Januar taucht in den Blogs eine Grafik auf, die als globale U-Bahn-Karte das Potential einer durch Hyperloop-Strecken verbundenen Welt zeigt.

Entworfen hatte Mark Ovenden die World Metro Map bereits im Jahr 2003, um zu zeigen, wie der Globus aussehen könnte, wenn große Städte durch U-Bahnen verbunden wären. Größere Versionen der Karte, auf denen die Städte auch lesbar sind, finden sich mehrfach im Netz. Die Karte hat im Bereich des Nahen Osten zwar eklatante Schwächen (drei Stationen in Israel, aber kaum welche in den arabischen Staaten), wird nun aber trotzdem als Gedankenmodell für den zweiten Wettbewerb genutzt, der in diesem Januar läuft.

Hyperloop One hatte bereits vor zwei Jahren mit seiner Global Challenge einen internationalen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem bis zum Mai 2015 tausende Beiträge eingehen. Dabei geht es um Vorschläge für regionale Strecken, die den Weg für zukünftige Projekte ebnen sollen, welche eines Tages ein vernetztes System bilden sollen.

Jedes Team stellt einen umfassenden Plan mit Modellen, Karten, Grafiken, Vorträgen und Videos vor, um zu zeigen, wie sie Richtlinien und Verfahren umsetzen würden, um Regierungen und Investoren in der jeweiligen Region einzubinden.

Nun werden die als Halbfinalisten ausgewählten 35 Teams bekanntgegeben, die ab dem nächsten Monat ihre jeweiligen Vorschläge bei drei Veranstaltungen präsentieren werden. Die Mannschaften kommen aus 17 Ländern und repräsentieren jeden Kontinent, außer der Antarktis, wobei elf Teams aus den USA stammen, fünf aus Indien und vier aus Großbritannien.


Ebenfalls im Januar berichten die Fachblogs, daß die Hyperloop Transportation Technologies (HTT) eine ,Sondierungsvereinbarung’ mit der tschechischen Stadt Brno (Brünn) unterzeichnet habe, in deren Rahmen die Machbarkeit einer Hyperloop-Strecke über Prag nach Bratislava in der Slowakei untersucht werden soll, wo HTT bereits mit der Regierung zusammenarbeitet. Die gegenwärtig 90 Minuten dauernde Bahnfahrt über die rund 130 km lange Strecke würde in einer Hyperloop-Röhre nur noch ca. 10 Minuten benötigen. Die Firma will bis Ende des Jahres mit dem Bau eines Prototyp-Systems in Kalifornien oder in der Slowakei beginnen.

Zudem geben HTT und die französische Stadt Toulouse bekannt, daß dort ein Forschungszentrum mit angeschlossenem Testgelände errichtet werden soll. Die städtische Verwaltung stellt für das Projekt ein 3.000 m2 großes Gelände zur Verfügung, wobei HTT im Gegenzug verspricht, mindestens fünfzig hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen.

Toulouse wurde als Standort gewählt, weil sich hier auch ein Zentrum der europäischen Luftfahrtindustrie befindet und daher ein großer Pool an talentierten Ingenieuren und Technikern existiert, von deren Expertise HTT profitieren möchte.


Doch damit nicht genug, wird Ende Januar auch noch bekannt, daß in Südkorea ein weiteres Röhren-Transport-Projekt verfolgt wird – allerdings unter dem Namen HyperTube Express (HTX). Der Zug soll hier Geschwindigkeiten von rund 1.000 km/h erreichen.

Hyper Tube Express Grafik

HyperTube Express (Grafik)

Das Ulsan National Institute of Science and Technology (UNIST) unterzeichnet mit sieben weiteren Forschungsinstituten ein mehrjähriges strategisches Partnerschaftsabkommen, um die Realisierung des neuen Plans der Regierung zu beschleunigen, die neue Form des futuristischen Verkehrssystems auch in Südkorea einzuführen.

Involviert sind das Korea Railroad Research Institute (KRRI), das Korea Transport Institute (KOTI), das Electronics and Telecommunications Research Institute (ETRI), das Hyper-connected Communication Research Laboratory des ETRI, das Korea Institute of Machinery & Materials (KIMM), das Korea Institute of Civil Engineering and Building Technology (KICT) sowie die Hanyang University.

Unter der Leitung von Prof. Yeon Woo Jung vom UNIST wird zunächst ein dreijähriges Forschungsprojekt ins Leben gerufen, bei dem untersucht werden soll, inwieweit die für die Hypertube-Technik benötigten Technologien bereits einsatzfähig sind bzw. welche Entwicklungen noch benötigt werden. Die angedachten Pods sollen 21 m lang werden und bis zu 20 Passagiere aufnehmen können. Jung hat zudem bereits eine runde, dreidimensionale Plattform konzipiert, die sich drehen kann, um zu verhindern, daß mehrere Züge gleichzeitig in den Bahnhof einfahren. Dabei sollen die Pods auf eine untere Etage abgesenkt werden, wo die Passagiere aus- bzw. einsteigen.

Einsatzmöglichkeiten für den Hypertube gäbe es in Südkorea einige. Die Initiatoren der Idee stellen die Vorteile der neuen Technik anhand der Strecke Seoul-Busan dar: Aktuell benötigt man für die Reise mit dem Korea Express Train (KTX) etwas weniger als drei Stunden und mit dem Flugzeug etwa 50 Minuten. In der Vakuumröhre ließe sich die Reisezeit hingegen auf rund 20 Minuten verkürzen.

Konkrete Zeitpläne für eine Umsetzung legen die südkoreanischen Ingenieure noch nicht vor, in der entsprechenden Pressemitteilung ist nur von einer „nicht allzu weit entfernten Zukunft“ die Rede.


Als Elon Musk Ende Januar twittert, daß es „aufregende Fortschritte an der Tunnelfront“ gäbe – und daß er „plant, in einem Monat oder so mit dem Graben zu beginnen“, ist nicht klar, ob es dies tun will, um unterirdische Hyperloop-Strecken zu ermöglichen, oder aus einem anderen Grund. Das Motiv für sein neu erwachtes Interesse am Tunnelbau soll sein Ärger über den Oberflächenverkehr gewesen sein.

Musk hatte bereits im letzten Dezember die Entwicklung neuartiger Tunnelbohrer angedeutet: „Der Verkehr macht mich wahnsinnig. Ich werde eine Tunnelbohrmaschine bauen und einfach zu graben beginnen“, schrieb er damals auf Twitter und ergänzte, daß der (erste) Tunnel vom SpaceX-Hauptquartier in Hawthorne bis zum in der Nähe befindlichen Glenn Anderson Freeway gegraben werden soll.

Tatsächlich wird in Pressemeldungen, die ebenfalls Ende Januar erscheinen, schon über laufende Arbeiten berichtet, bei denen Arbeiter über das Wochenende auf dem SpaceX-Gelände einen 9 m breiten, 15 m langen und 4,5 m tiefen ,Testgraben’ ausheben, der als Beginn eines Experiments bezeichnet wird. Um auf Firmeneigentum zu graben, bedarf es keiner Erlaubnis. Eine Erweiterung der Bohrung bis hin zum Flughafen von Los Angeles, wie von Musk angekündigt, wird definitiv mehr Diskussionen, Papierkram und eine Genehmigung des Stadtrats von L.A. erfordern.

Im Februar twitterte Musk Fotos, die eine Tunnelbohrmaschine und einen Tunnel unter der US-Hauptstadt Washington D.C. zeigen – weiter scheint die Angelegenheit bislang aber noch nicht gediehen zu sein.


Ebenfalls im Februar erscheint ein neuer Spieler im Hyperloop-Spiel: die Firma Arrivo (The Arrival Company), die von ehemaligen SpaceX-Ingenieuren geleitet wird, an deren Spitze der oben mehrfach erwähnte Brogan BamBrogan steht. Von dem im letzten Jahr genannten Firmennamen Hyperloop Two scheint man zwischenzeitlich abgekommen zu sein. Dafür wird selbstbewußt von einer „eigenen Interpretation von Hyperloop“ gesprochen, die sich durch „weniger Aufwand im Marketing, aber dafür echter Technologieentwicklung“ auszeichnen soll. Außerdem will Arrivo ein Konzept für die erste und die letzte Meile entwickeln.

Das Unternehmen plant, bis Juni ein 30-köpfiges Ingenieurteam am Start zu haben, aus dem bis Ende 2017 etwa 70 – 80 Mitarbeiter werden sollen. Es ist auch geplant, zwei Teststandorte zu etablieren, von denen einer in den USA sein wird, sowie innerhalb von drei Jahren die ersten Projekte in Betrieb nehmen. Ohne Details zu nennen, sollen schon einige Projekte für den Personen- und Güterverkehr in Planung sein: im Mittleren Osten, zwei in den USA und eines in Europa. Für diese soll Arrivo Machbarkeitstudien erstellen.


Um auch wieder in den Schlagzeilen zu erscheinen, gibt Bibop G. Gresta, Mitgründer und Vorsitzender der Firma Hyperloop Transportation Technologies (HTT), im Februar in einem Interview bekannt, daß Indien innerhalb von nur 38 Monaten ein funktionales Hyperloop-System haben könnte, sobald das Projekt genehmigt würde. Er habe dafür bereits mit Ministern, Regierungsbeamten und potentiellen Geschäftspartnern gesprochen.

Außerdem ist aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu erfahren, daß sich der Bruder des dort regierenden Emirs einen Anteil an der HTT gesichert hätte. Der zum 1. Quartal 2016 angekündigte Börsengang steht allerdings noch immer aus.

Hyperloop One Teststrecke

Hyperloop One Teststrecke


Anfang März zeigt Hyperloop One auf der Konferenz Middle East Rail in Dubai neue Bilder der kompletten, DevLoop genannten Teststrecke in Nevada, die etwa 30 Minuten von Las Vegas entfernt ist.

Diese ist etwa 500 m lang und hat einen Durchmesser von 3,3 m. Das Gesamtgewicht der Röhre beträgt über eine Million Kilogramm. Es ist geplant, die ersten öffentlichen Test im ersten Halbjahr 2017 durchzuführen.

Gleichzeitig präsentiert die Firma ihre Vision, den Transport im Nahen Osten zu verwandeln und enthüllt eine Karte der möglichen Reisezeiten in der Region, auf der ein nach außen offenes Netz zu sehen ist, das u.a. von Kuweit im Norden bis nach Muskat im Süden reicht. Der gegenwärtig von dem sogenannten ,Saudi-Arabien’ angegriffene Jemen liegt dezent außerhalb der Karte.


Hyperloop Transportation Technologies
(HTT) meldet Ende März 2017, daß man mit dem Bau der ersten Kapsel für den Personentransport in Originalgröße begonnen habe, in der zwischen 28 und 40 Passagiere Platz finden. Sie soll 30 m lang sein, einen Durchmesser von 2,70 m haben und rund 20 Tonnen wiegen. Beauftragt mit dem Bau ist das spanische Raumfahrtunternehmen Carbures SA, das auch als Zulieferer für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing tätig ist. Die ersten Testfahrten mit der Transportkapsel sollen Anfang 2018 stattfinden.

Zudem arbeitet nun auch der Lufthansa Innovation Hub in Berlin mit der HTT zusammen, wobei vier Hyperloop-Strecken potentiell als Ersatz für herkömmliche Flugverbindungen in Frage kämen: Berlin-München, Berlin-Köln, Düsseldorf-München und Hamburg-München. Mit dem Hyperloop könnten Passagiere deutlich schneller befördert werden als mit Flugzeugen. Die Strecke München-Berlin würde rund dreißig Minuten benötigen, während heute alleine der Flug etwa eine Stunde dauert.


Anfang April 2017 berichten die Blogs über den polnischen Erfinder und Ingenieur Marek Gutt-Mostowy, der mit seinem Team von 30 Spezialisten in den nächsten drei Jahren den ersten Hyperloop in Polen konstruieren will. Die Gruppe war eine der 26 Mannschaften aus der ganzen Welt, welche die erste Runde des von SpaceX gesponserten Hyperloop Designwettbewerbs gewonnen hatte (s.o.).

Gutt-Mostowy hofft, daß Polen das Land sein wird, in dem der erste Hyperloop verkehren wird. Das Team will hierfür neben dem kompletten Prototypen der 20 - 30 m langen Kapsel auch eine etwa 3 km lange Teststrecke mit 4 m Durchmesser bauen. Für die Finanzierung wird ein Antrag bei der Regierung gestellt.

Zeitvergleich Grafik

Zeitvergleich (Grafik)


Im gleichen Monat präsentiert Hyperloop One auf der Konferenz ,Vision for America’ eine Liste mit elf potentiellen Hyperloop-Routen in den USA, die 35 Bundesstaaten miteinander verknüpfen würden. Die elf Vorschläge sind Finalisten der oben erwähnten Hyperloop One Global Challenge, an der sich mehr als 2.600 Teilnehmer beteiligt hatten. Nun sollen drei Teams ausgesucht werden, die dann zusammen mit den Ingenieuren der Firma an der Weiterentwicklung ihrer Vorschläge arbeiten sollen.

Zu den Vorschlägen gehören u.a. eine 194 km lange Strecke von San Diego nach Los Angeles, eine 413 km Strecke, die Miami und Orlando verbindet, eine 1.029 km lange Strecke namens ,Texas Triangle’ und eine 1.853 km Strecke zwischen Cheyenne und Houston, die durch vier Staaten laufen würde.

Am Beispiel der Strecke von Melbourne nach Sydney wird zudem grafisch dargestellt, wie schnell der Hyperloop im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln ist – schließlich sei „Hyperloop One die einzige Firma in der Welt, die ein operatives kommerzielles Hyperloop-System baut“, wie die Firma verlauten läßt. Hierfür sucht das Unternehmen bis zum Jahresende 500 Ingenieure, Facharbeiter, Wissenschaftler und andere Mitarbeiter.


Anfang April meldet sich auch Elon Musk wieder, welcher der US-Administration nun anbietet, Tunnel von Küste zu Küste zu bohren, um zu helfen, Amerikas Stauprobleme zu lösen. Zur Verdeutlichung, daß seine Lösung technisch einfach zu realisieren ist, gibt er dem neuen Projekt den (doppeldeutigen) Namen The Boring Company (TBC).

Zudem wurde zwischenzeitlich ein Tunnel zu Demonstrationszwecken gebaut, so daß nun Autos unterhalb des SpaceX-Parkplatzes fahren können. Langfristig plant Musk, bis zu 30 Ebenen an unterirdischen Tunneln zu graben. In einem Konzeptvideo, das Ende des Monats erscheint, ist zu sehen, wie der Großstadtverkehr der Zukunft aussehen könnte: In viel befahrenen Straßen mit hupenden Autos fährt ein Wagen am Straßenrand auf eine Art Schlitten, den ein automatisierter Fahrstuhl in die Tiefe befördert.


Schlittensystem

In einem mehrstöckigen unterirdischen Netz von sich überkreuzenden Tunneln wird der Schlitten ohne Zutun des Fahrers auf eine Spurlinie gefahren und elektrisch auf bis zu 200 km/h beschleunigt. All das, wie auch die Einhaltung der Abstände, das Vermeiden von Kollisionen mit anderen Schlitten usw. reguliert das System selbständig.

Am Ende der Fahrt wird das Auto wieder von einem Aufzug samt Schlitten auf die Straße an der Erdoberfläche transportiert – die Insassen haben die ganze Zeit über im Auto gesessen – und das nächste, bereits wartende Auto fährt ein.

Das Video zeigt auch eine durchsichtige Kapsel, welche mehrere Personen ohne Autos U-Bahn-ähnlich in einen Tunnel befördert. Auf der Homepage der The Boring Company ist zu diesem Zeitpunkt nur dieses Video zu sehen – und eine Liste mit Stellenangeboten.

Mitte Mai veröffentlicht die Firma auf ihrer Homepage eine FAQ-Liste mit Begründungen für die Wahl, in den Untergrund zu gehen, der Aufzählung von Möglichkeiten, die gegenwärtigen Kosten zu reduzieren (ca. 1 Mrd. $ pro Meile U-Bahn-Bau in L.A.), einigen Details zu den geplanten Transportschlitten sowie Fragen der Sicherheit des Systems gegenüber Erdbeben. Diesbezüglich wird darauf hingewiesen, daß bei den drei jüngsten Beben in der Region (1985, 1989 und 1994) keinerlei Schäden an Tunnels aufgetreten sind.

Eine besondere Frage betrifft den Aushub, der üblicherweise wegtransportiert wird, was teuer, zeitaufwendig und laut ist – und sogar umweltgefährdend sein kann. Die The Boring Company untersucht daher Technologien, um die Erde in nützliche Ziegelsteine zu verwandeln, die für den Bau von Gebäuden oder als Teil der Tunnelauskleidung selbst verwendet werden können, die typischerweise aus Beton gebaut wird.

Passagier-Schlitten Grafik

Passagier-Schlitten
(Grafik)

Dabei wird darauf hingewiesen, daß dies kein neues Konzept sei, sondern schon seit Jahrtausenden angewandt wird – so auch „nach den jüngsten Beweisen bei den Pyramiden“. Und da die Betonproduktion 4,5 % der weltweiten Treibhausgasemissionen ausmacht, würden aus dem Aushub gefertigte Ziegelsteine sowohl die Umweltbelastung als auch die Tunnelbaukosten senken. Ein weiterer kostensenkender Faktor ist die Halbierung des Durchmessers von 8,5 m, wie es normalerweise bei Autotunnels der Fall ist, auf 4,25 m. Das Team versucht letztlich, die Kosten des Tunnelbohrens um einen Faktor von mehr als 10 zu senken.

Außerdem wird betont, daß die mit der ,Godot’ genannten Tunnel Boring Machine (TBM), die komplett etwa 120 m lang ist, einen Durchmesser von 4,26 m hat und 1.200 Tonnen wiegt, schnell zu grabenden Low-Cost-Tunnel ebenfalls für eine Adaption des Hyperloop sinnvoll sind. Ein Fahrt von New York nach Washington DC würde demnach weniger als 30 Minuten erfordern. Bei der TBM handelt es sich um ein geleastes Bohrgerät der Firma Super Excavators aus Menomonee Falls in Wisconsin, auf deren 67-jährige Erfahrung die The Boring Company auch als Berater zurückgreift. Hergestellt wurde die Maschine von der kanadischen Firma Lovat, einer ehemaligen Caterpillar-Tochtergesellschaft, die sich inzwischen in chinesischem Besitz befindet.

Nach Informationen der deutschen Presse hat zudem einer der Projektingenieure der The Boring Company vor kurzem ein mehrstündiges Fachgespräch mit dem Entwicklungs- und Konstruktionschef der deutschen Firma Herrenknecht geführt, dem Weltmarktführer für Tunnelbohrungen. Details werden nicht bekanntgegeben.

Zeitgleich veröffentlicht Musk auf Instagram ein Video des ersten erfolgreichen Tests, auf dem ein elektrisch angetriebener Transportschlitten durch eine Röhre geschickt wird und dabei Geschwindigkeiten von rund 200 km/h erreicht. Es ist allerdings nicht ganz klar, durch welche Röhre der Schlitten rast und wie groß dieser ist. Neue Grafiken des Elektroschlittens für mehrere sitzende und stehende Passagiere (samt Fahrrädern) werden ebenfalls publiziert.


Im Mai berichtet die Presse in Norwegen, daß die Grüne Partei des Landes auf ihrer Jahrestagung in der Stadt Lillehammer beschlossen habe, daß das Hyperloop-Transportkonzept innerhalb von 20 Jahren zwischen zwischen Oslo und Kopenhagen eingeführt werden soll. Die Reise über die Entfernung von rund 480 km würde bei 970 km/h etwa 29 Minuten dauern.


Anfang Juni folgen Berichte, denen zufolge das im verganenen Jahr in den Niederlanden neu gegründete Start-up Hardt Global Mobility gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern die erste Hyperloop-Teststrecke Europas errichten will. Gründer des Start-ups sind vier Studenten des Teams die TU Delft um Teamkapitän Tim Houter, das Anfang des Jahres die Pod Competition gewonnen hat (s.o.).

Auf diesem Erfolg aufbauend war die Entwicklungsarbeit weiter fortgesetzt worden, so daß inzwischen detaillierte Pläne für den Bau der nur 149 kg schweren und aus karbonfaserverstärktem Kunststoff bestehenden Transportkapseln vorliegen.

Im Februar hatte die junge – und erste europäische – Firma, die häufig auch Hardt Hyperloop genannt wird, zudem für die ersten Testreihen eine Förderung in Höhe von 600.000 € von der niederländischen Eisenbahngesellschaft NS und dem Proof-of-Concept-Fonds UNIIQ erhalten. Mit Hilfe des Bauunternehmens BAM wird im Green Village auf dem Campus der TU Delft – einer Art lebendes Labor für die Entwicklung nachhaltiger Technologien – eine 30 m lange Teststrecke mit einem Außendurchmesser von 3,2 m gebaut, um die Sicherheits-, Antriebs-, Gleit- und Stabilisierungssysteme des Hyperloop-Pods bei niedrigen Geschwindigkeiten auszuprobieren und weiterzuentwickeln.

Daran anschließend soll bis zum Jahr 2019 mehr Geld für den Bau einer Hochgeschwindigkeits-Testlinie gesammelt werden, die es ermöglicht, Dinge wie Kurvenfahrt und Spurwechsel bei Höchstgeschwindigkeit zu testen. Dem sehr ambitionierten Zeitplan zufolge soll der Hardt- Hyperloop ab dem Jahr 2021 die Metropolen Amsterdam und Paris verbinden – und für die Strecke lediglich eine halbe Stunde benötigen.

Ringstrecke in Deutschland Grafik

Ringstrecke in Deutschland
(Grafik)


Fast zeitgleich stellt Hyperloop One bei einer Veranstaltung für die Hyperloop One Global Challenge in Amsterdam neun mögliche europäische Routen für das Hochgeschwindigkeits-Transportsystem vor, die rund 5.000 km umspannen und mehr als 75 Millionen Menschen in 44 Städten miteinander verbinden würden.

Für Deutschland wird eine 1.991 km lange Ringstrecke vorgeschlagen, die u.a. die Städte Hamburg, Berlin, Leipzig, Nürnberg, München, Stuttgart, Frankfurt und Köln miteinander verbinden soll. Ein Rundkurs (ohne Halts) würde 142 Minuten dauern.

Weitere Teilstrecken des visionären europaweiten Hyperloop-Netzes umfassen z.B. eine 666 km lange Nord-Süd-Verbindung in Großbritannien, eine Strecke von Schottland bis Wales (1.060 km), von Spanien bis Marokko (629 km) oder von Estland bis Finnland (90 km).


Mitte Juni wird gemeldet, daß Elon Musk vielversprechende Gespräche mit Eric Garcetti, dem Bürgermeister von Los Angeles, geführt habe. Dabei sei ihm klar geworden, daß der Erhalt der entsprechenden Erlaubnisse für den Tunnelbau eine größere Herausforderung darstellt, als Technik selbst. Garcetti wiederum scheint besonders von der Idee angetan, die vorgeschlagene Technologie für einen schnellen und direkten Weg vom Los Angeles International Airport (LAX) zur Los Angeles Union Station in der Stadtmitte einzusetzen.

Ende des Monats wird bekanntgegeben, daß die Tunnelbohrmaschine ihr erstes Tunnelsegment beendet habe, das den Parkplatz mit den Gebäuden von SpaceX verbindet. In voller Länge soll der erste Tunnel vom LAX nach Culver City, Santa Monica, Westwood und Sherman Oaks verlaufen, während zukünftige Tunnel den Gesamtbereich von Los Angeles abdecken  werden.


Ebenfalls in diesem Juni stellt Brandan Siebrecht, Architektur-Student der University of Nevada, Las Vegas, das Konzept eines Hyperloop-Hotels vor, von denen US-weit 13 Stück durch Transportröhren miteinander verbunden werden sollen. Die Idee, die den renommierten Radical Innovation Award gewonnen hat, in dem es darum ging, futuristische Hoteldesigns zu entwerfen.

Der radikale Entwurf basiert darauf, daß der Gast auf Wunsch in seinem – aus alten, aber luxuriös ausgebauten Schiffscontainern bestehenden – Hotelzimmer in eine andere Stadt befördert werden kann, von Philadelphia nach New York beispielsweise in nur zehn Minuten. Für den Bau der 13 Hotels kalkuliert Siebrecht mit Kosten von 8 – 10 Mio. $ pro Stück, die mit einer ‚Flatrate’ von 1.200 $ pro Zimmer und Rundkurs wieder reingeholt werden sollen.


Mitte des Monats kursiert zudem eine Nachricht in der Presse, der zufolge Südkorea schon 2021 den ersten Hyperloop durch die Röhre schicken will. Das Land hatte sich im Januar mit der Hyperloop-Begeisterung angesteckt, als die Hanyang University im Auftrag der Regierung zu erforschen begann, wie die Vision des Röhrentransports umgesetzt werden könnte.

Nun teilt die Regierung mit, daß sie mit der Firma Hyperloop Transportation Technologies (HTT) bereits im Januar einen mehrjährigen Vertrag geschlossen habe, um innerhalb der nächsten vier Jahre einen funktionsfähigen Hyperloop in Betrieb nehmen zu können. Dabei wird HTT neben der Hanyang University auch mit dem stattlichen Korea Institute of Civil Engineering and Building (KICT) zusammenarbeiten.

Geplant sind der Bau eines Full-Scale-Prüfstandes, die Lizenzierung der HTT-Vakuumröhrchen, Levitations-, Antriebs- und Batterietechnologien sowie die gemeinsame Entwicklung von Sicherheitsstandards und -regelungen.

Velocitator Grafik

Velocitator (Grafik)


Auch das im Vorjahr gegründete Startup Hyper Chariot LLC (o. Hyper Chariot Network) von Nick und Joanna Garzilli aus Santa Monica, Kalifornien, erscheint in diesem Monat erstmals in der Öffentlichkeit, als es sich im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo (erfolgreich) den äußerst bescheidenen Betrag von 4.000 $ wünscht, indem Tickets für zukünftige Fahrten angeboten werden – wobei die Hauptgrafik fatal an das Musk-Konzept von 2012 erinnert (s.o.).

Nick Garzilli war bereits im April 2011 dem ET3-Konsortium beigetreten, welches er dann ab März 2012 ins Rampenlicht der Öffentlichkeit brachte (s.u. Vakuumröhren-Maglevbahnen).

Seltsamerweise behauptet das neue Unternehmen nun, das erste zu sein, das die Technologie des Transports in evakuierten Rohren (evacuated tube transport technologies, ET3) vermarkten kann. Hierzu will man eine 4,8 km lange Demonstrationsstrecke bauen, um zu beweisen, daß die Technologie der Velocitator genannten Kapseln bei Geschwindigkeiten von 640 km/h funktioniert und sicher ist.

Die nur 175 kg wiegenden, ultra-leichten Kapseln, die bis sechs Personen tragen, sollen sich in der Endausbaustufe auf Grundlage einer patentierten, passiven Maglev-Technik mit bis zu 6.400 km/h – und damit weit im Überschallbereich über Mach 5 – in luftleeren Röhren aus Ultra-Hochleistungs-Beton (UHPC) fortbewegen. Im Vergleich zu den Streckenkosten der Firma Hyperloop One von 64 Mio. $ pro Meile soll sich das Hyper Chariot-System für 25 Mio. $ pro Meile realisieren lassen.


Mitte Juli meldet die Firma Hyperloop One, daß sie bereits im Mai einen Durchbruch erzielt hätte: Erstmals war eine Testfahrt in der Teströhre in Originalgröße absolviert worden, wobei ein Schlitten – deutlich kleiner als die später geplanten Transportkapseln – durch ein Magnetfeld getragen auf eine Geschwindigkeit von 112 km/h beschleunigt wurde. Der gesamte Schwebevorgang des 8,5 m langen Pods aus strukturellem Aluminium und Kohlefaser dauerte allerdings nur 5,3 Sekunden. Das erfolgreich erreichte Ziel sei keine hohe Geschwindigkeit, sondern das Herstellen eines hohen Vakuums in der Röhre gewesen.


Kurz darauf verkündet Elon Musk auf Twitter, seine The Boring Company habe die mündliche Zusage der US-Regierung auf Bundesebene für eine 328 km lange Hyperloop-Strecke zwischen New York und Washington D.C., mit Zwischenhalten in Philadelphia und Baltimore. Die Fahrt von Stadtzentrum zu Stadtzentrum soll damit lediglich 29 Minuten dauern. Bisher ist aber unklar, wer genau die Genehmigung erteilt haben soll. Musk räumt ein, daß das verbale Ja offensichtlich nicht das gleiche ist wie ein formales, geschriebenes Ja: „Es wird wahrscheinlich noch vier bis sechs Monate dauern, um die formale Zustimmung zu erhalten, vorausgesetzt, daß dies von der breiten Öffentlichkeit unterstützt wird.“

Der Unternehmer spricht auch über andere mögliche Routen – so z.B. eine 240-Meilen-Hyperloop-Route von der Gigafactory 1 in Sparks, Nevada, bis nach Fremont in Kalifornien, um ab Ende des nächsten Jahres wöchentlich etwa 10.000 Akkupacks für die dort zu montierenden Model 3 Tesla-Elektrokraftfahrzeuge zu transportieren. Zudem gibt es im Tahoe Reno Industrial Center, wo sich die Gigafactory befindet, noch mehrere andere große Unternehmen, die davon möglicherweise profitieren könnten.

Ende Juli erscheint zudem das Video einer funktionalen Version der Aufzugsplattform: Zu sehen ist ein glänzender neuer Tesla, der auf die Plattform rollt und dann zügig in dem Schacht nach unten verschwindet. Dort sollen die Fahrzeuge anschließend auf Elektroschlitten mit bis zu 200 km/h durch das zukünftige Tunnelnetz transportiert werden.


Anfang August vermeldet Musk den baldigen Start eines SpaceX Student Hyperloop Top Speed Wettbewerbs, bei dem 24 Teams mit insgesamt mehr als 600 Studenten aus Hochschulen und Universitäten der ganzen Welt um die erreichbare Höchstgeschwindigkeit konkurrieren werden.

Außerdem – was mit der Zündung der zweiten Stufe einer Rakete verglichen werden kann – zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg eine Quelle aus dem Umfeld von Musk, der zufolge dieser mit seiner Tunnelbaufirma nicht nur unterirdische Röhren graben, sondern darin auch einen Hyperloop fahren lassen will, dessen Technologie nun doch vollständig selbst entwickelt werden soll. Eine Kooperation mit den bereits bestehenden Start-up-Unternehmen sei nicht geplant. Dazu paßt, daß die Markenrechte an dem Begriff Hyperloop seit April 2017 bei der Firma SpaceX liegen.

Musk selbst kommentiert dies mit den Worten: „Während wir dadurch ermutigt werden, daß andere Fortschritte machen, möchten wir die Entwicklung dieser Technologie so weit wie möglich beschleunigen. Wir ermutigen und unterstützen daher alle Unternehmen, die Hyperloops bauen wollen, und wir beabsichtigen auch nicht, sie davon abzuhalten, den Namen Hyperloop zu benutzen, solange sie wahrhaftig (truthful) bleiben.“


Ebenfalls Anfang August berichtet Hyperloop One, daß man auf der 500 m langen Teststrecke in Nevada mit einem Testschlitten einen neuen Geschwindigkeitsrekord von 305 km/h erreicht habe – nach einer Beschleunigung mit 3.151 PS über 300 m und innerhalb von 5 Sekunden. Außerdem sei erstmals ein Prototyp der 8,7 m langen, 2,7 m breiten und 2,4 m hohen Testkapsel XP-1 durch die Röhre geschickt worden, allerdings mit bislang nur 110 km/h. Der Luftdruck innerhalb der Röhre wurde hierfür auf einen Druck gesenkt, der dem auf etwa 60.000 m über dem Meeresspiegel entspricht.

Der erfolgreiche Test zeigt erneut, daß die Entwicklung in Sachen Hyperloop aktuell rasante Fortschritte macht – auch wenn bislang noch unklar ist, wie die Strecken gegen Erdbeben geschützt werden sollen, wie damit umgegangen werden soll, daß sich die Metallröhren schon bei leichten Temperaturänderungen insgesamt stark ausdehnen oder zusammenziehen, oder wie im Falle eines Brandes reagiert werden soll.

Tesla Model S im Tunnel

Tesla Model S im Tunnel


Ende August berichtet die Fachpresse, daß der Stadtrat von L.A. mit 4:1 Stimmen den Bau einer zwei Meilen langen unterirdischen Strecke unter der 120. Straße genehmigt hat. Diese soll nördlich des Flughafens verlaufen und in einer Tiefe von 13,5 m den bereits bestehenden Tunnel unter dem Parkplatz von SpaceX mit dem Hawthorne Boulevard verbinden. Im Zuge der Arbeiten der The Boring Company soll auch die Bohrmaschine Godot optimiert werden, um die Bohrgeschwindigkeit um 500 – 1.000 % zu verbessern.

Zur Veranschaulichung postet Musk auf instagram das Photo eines Tesla Model S innerhalb des Tunnels.


Fast zeitgleich führt SpaceX die Hyperloop Pod Competition II durch, bei dem wiederum das Studenten-Team der TU München die schnellste Kapsel stellt, welche den Wettbewerb mit einer Geschwindigkeit von 324 km/h gewinnt. Der maßstabsgetreue WARR-Prototyp aus Kohlefaser wiegt 80 kg, wird von einem 50 kW Elektromotor angetrieben und verfügt über vier pneumatische Bremsen, die ihn in 5 Sekunden oder weniger zum Stillstand bringen. Das hypnotische Video der Fahrt wird international auf vielen Technikblogs gezeigt.

Unter den Top 6 der 150 Konkurrenten ist diesmal auch ein Team der Hochschule Emden/Leer, das mit seinem Prototypen Hyperpodx antritt. Es wird zwar nicht für den finalen Lauf ausgewählt, dafür aber mit einem Innovationspreis geehrt. Der von Tesla intern entwickelte Hyperloop-Pod namens Pusher erreicht derweil 355 km/h.

Hyperloop-Terminal in Indien Grafik

Hyperloop-Terminal in Indien
(Grafik)


Anfang September ist zu erfahren, daß die Firma Hyperloop Transportation Technologies (HTT) und die indische Regierung eine Absichtserklärung unterzeichnet haben, um eine Hyperloop-Strecke zwischen den Städten Amaravati und Vijaywada im indischen Bundesstaat Andha Pradesh zu bauen. Das Projekt soll etwa 2.500 Jobs schaffen und bereits im Oktober beginnen, die Finanzierung größtenteils durch private Investoren erfolgen.

Mit der Strecke soll in Indien, das bislang über ein mangelhaftes Verkehrssystem verfügt, der Kern für ein deutlich besseres Netz von Anbindungen geschaffen werden. Für die Fahrt der gerade mal 42,8 km braucht man mit dem Auto aktuell noch über 70 Minuten – mit dem Hyperloop soll dies in sechs Minuten machbar werden.


Ebenfalls Anfang September wird über ein Projekt der China Aerospace Science and Industry Corp. (CASIC) berichtet, das dem Hyperloop-Projekt möglicherweise Konkurrenz machen wird. Das chinesische Konsortium hinter dem Konzept hat laut eigenen Angaben mehr als 200 Patente, mit denen die Pläne umgesetzt werden sollen. Zudem arbeitet das Projektteam mit mehr als 20 Forschungsinstituten zusammen, um das Projekt stufenweise zu realisieren.

So soll zunächst ein Netz der ,fliegenden Züge’ namens T-Flight mehrere regionale Städte miteinander verbinden, wobei Geschwindigkeiten von rund 1.000 km/h vorgesehen sind. Anschließend ist der nationale Ausbau zwischen Ballungsräumen geplant. Hier sollen 2.000 km/h erreicht werden. Und schließlich soll das Netz auch international erweitert werden, um Frachtladungen mit bis zu 4.000 km/h zu transportieren. Für die Energieversorgung des Netzwerks sollen die Röhren auf der Oberseite mit Solarzellen abgedeckt werden.


Die zehn Finalisten des Hyperloop One Global Challenge (s.o.), die Mitte September vorgestellt werden, betreffen vier Strecken in den USA, je zwei in Indien und Großbritannien und je eine in Kanada und Mexiko. Die längste Strecke von gut 1.100 km stammt von dem Team Hyperloop India und verläuft zwischen den indischen Metropolen Chennai und Mumbai an der Ost- bzw. Westküste des Landes.

Mexloop Station Grafik

Mexloop Station (Grafik)

Gut ausgearbeitet ist auch das Projekt Mexloop, bei dem es um eine 532 km lange Verbindung zwischen Mexiko-Stadt und Guadalajara geht, deren Fahrzeit 38 Minuten betragen soll. Mexloop wird von einem mexikanischen Konsortium vorgeschlagen, das Namen wie Arup und Fernando Romero Enterprise umfaßt, Co-Designer des New International Airport von Mexiko City.

Das angedachte Hyperloop-Netzwerk könnte dabei vier große Metropolen in Zentralmexiko verbinden – neben den genannten wären dies noch Santiago de Querétaro und León. Eine Phase 2 des Projekts könnte die Verlängerung der Route nach Manzanillo im Westen und Veracruz im Osten sowie nach Monterrey und Nuevo Laredo an der Grenze zur USA beinhalten.


Ebenfalls im September meldet Hyperloop One, daß man von den bestehenden sowie von neuen Investoren weitere Finanzierungsmittel in Höhe von 85 Mio. $ erhalten habe, um die Kommerzialisierung und Entwicklung der vielversprechendsten Routen rund um den Globus voranzutreiben. Damit beträgt die Gesamtsumme der von Hyperloop One seit ihrer Gründung gesammelten Gelder 245 Mio. $.

Unter anderem befaßt sich die Firma mit einer Strecke, welche die Stadt Denver mit den nahe gelegenen urbanen Zentren entlang der Southern Rocky Mountains verbindet – ebenfalls ein Finalist o.g. der Global Challenge. Dem Unternehmen zufolge sei bereits eine Vereinbarung mit dem Colorado Department of Transportation (CDOT) geschlossen worden, um eine Machbarkeitsstudie durchzuführen und das Potential eines Hyperloop-Systems in dem US-Bundesstaat zu untersuchen.

Die knapp 580 km kange Strecke, die Denver mit Cheyenne im Norden, mit Colorado Springs und Pueblo im Süden, sowie mit Vail im Westen verbindet, wird voraussichtlich 24 Mrd. $ kosten. Der Colorado-Hyperloop würde dabei abschnittsweise gebaut, beginnend mit der ersten 64 km langen Strecke zwischen dem Denver International Airport (DIA) – von dem aus auch ein Frachttransport vorgesehen ist – und der Stadt Greeley im Norden. Dem aktuellen CDOT-Bericht zufolge bietet dieser Abschnitt weniger Komplikationen in Bezug auf die Ausrichtungsbedingungen und die Wegerechte. Der nächste Abschnitt würde dann westwärts in die Berge führen, mit einem Stopp in Silverthorne/Dillon.


Ende September präsentiert Elon Musk auf dem 68. Internationalen Astronautenkongreß im australischen Adelaide ein Update seiner Vision zur Errichtung einer menschlichen Kolonie auf dem Mars – die er auf dem entsprechenden Kongreß im Vorjahr erstmals vorgestellt hatte. Ich nehme hier darauf bezug, weil das eigentlich für Weltraumreisen gedachtes Transportsystem seiner Space Exploration Technologies Corp. nun auch für Flüge auf der Erde ins Spiel gebracht wird. Mit der Big Fucking Rocket (BFR, andere Quellen: Big Falcon Rocket) sollen Fernreisen in bisher unvorstellbar kurzer Zeit möglich werden.

Für die Verbindung von London nach Dubai oder New York werden 29 Minuten angesetzt, für einen Flug von Los Angeles ins kanadische Toronto 24 Minuten – und dies zum Preis eines Economy-Flugtickets. Im Prinzip ließe sich mit der BFR jeder Punkt der Erde in unter einer Stunde erreichen. Die BFR wird 40 Kabinen umfassen, die in der Lage sind, insgesamt etwa 100 Personen zu transportieren. Starten und landen würden die Raketen auf schwimmenden Plattformen im Ozean, wohin die Passagiere mit Zubringerschiffen gebracht werden müßten.


Anfang Oktober wird eine neue Missouri Hyperloop Coalition aus öffentlichen und privaten Partnern bekanntgegeben, an der unter der Leistung des Missouri Department of Transportation (MDOT) die Firma Hyperloop One, das Kansas City Tech Council, das Missouri Innovation Center und die St. Louis Regional Chamber of Commerce beteiligt sind. Die Koalition will nun die 1 – 1,5 Mio. $ teure Machbarkeitsstudie einer Hyperloop-Strecke finanzieren, die sich von Kansas City an der westlichen Grenze des Bundesstaates Missouris über die zentrale Stadt Columbia bis nach St. Louis an der Ostgrenze erstreckt.

Die 400 km weite Strecke über die Interstate Highway I-70 zu fahren, dauert mit dem Auto derzeit knapp vier Stunden. Die geschätzte Reisezeit per Hyperloop-System würde demgegenüber nur 25 - 30 Minuten betragen. Der Vorschlag dazu war bereits vor zwei Jahren vom MDOT gemacht worden.


Mitte des Monats wird bekannt, daß der britische Milliardär Richard Branson – der wohl umtriebigste ‚Trittbrettfahrer‘ der Szene –, derjenige ist, welcher im September die 85 Mio. $ in das Startup Hyperloop One investiert hat und nun in dessen Verwaltungsrat einziehen wird. Tatsächlich ernennt man ihn bald darauf sogar zum nicht-exekutiven Vorsitzenden.

Außerdem wird die Firma in Virgin Hyperloop One umbenannt. Hyperloop One betont allerdings, daß Virgin nicht der einzige Betreiber sein werde, da man auf der ganzen Welt mit vielen verschiedenen Betreibern zusammenarbeiten würde, die von den Kunden selbst ausgewählt werden.


Fast zeitgleich wird darüber berichtet, daß die Hyperloop Transportation Technologies (HTT) eine Kooperation mit der Munich Re, dem weltweit größten Rückversicherer, geschlossen hat, in deren Rahmen sich die Experten des Konzerns das Konzept der Firma genauer angeschaut haben und zu einer positiven Einschätzung gekommen sind, sowohl in Bezug auf die Möglichkeit der Umsetzung in der Praxis, als auch hinsichtlich der Frage, ob die damit einhergehenden Risiken versichert werden können. Die Munich Re hat zudem ein eigenes Hyperloop-Team aufgebaut, das helfen soll, die Technologie endgültig marktreif zu machen. Über die finanziellen Details der Kooperation ist bisher nichts bekannt.

Kurz darauf berichtet der HTT-Vorsitzende Gresta, daß in der französischen Stadt Toulouse mit dem Bau des ersten vollmaßstäblichen Hyperloop-Projekts begonnen worden sei. Eine erste Vereinbarung dazu war im Januar getroffen worden (s.o.).


Ende Oktober stellt der Staat Maryland der Boring Company die Genehmigung aus, um unter dem Teil des Baltimore-Washington Parkway, der im Besitz des Staates ist, einen 16 km langen Tunnel zu graben, der unweit des U-Bahnsystems von Baltimore und des Highway 175 verlaufen soll. Der Tunnel soll der erste Schritt zu einem umfangreichen Untergrund-Hyperloop-Netz sein. Ist er beendet, könnte er in einem weiteren Schritt am Südende auf 56 km bis hin nach Washington DC verlängert werden. Später würde dann eine Weiterführung nach New York City erfolgen – das wären dann noch einmal 310 km.

Tunnel unter Los Angeles

Tunnel unter Los Angeles

Außerdem zeigt die Firma aktuelle Bilder eines gut 150 m langen Tunnels mit Schienen und Leitungen unter den Straßen von Los Angeles, der innerhalb der nächsten drei oder vier Monate auf eine Länge von 3,2 km anwachsen und die Basis für das Tunnelnetzwerk darstellen soll.

Der Tunnel wird etwa alle anderthalb Kilometer Zugangsrampen in Seitentunneln erhalten und dann als eine Art Express-Freeway mit elektrischen Schlitten fungieren. Man ist hoffnungsvoll, daß der Tunnel ein Jahr später die gesamte Strecke der Interstate 405 abdeckt, die vom Flughafen bis zum Highway 101 führt.

Zudem kündigt die Boring Company die Anschaffung einer zweiten Tunnelmaschine an, die Line Storm genannt wird - zu Ehren eines Gedichts von Robert Frost. Es gibt derzeit keine Informationen darüber, ob die neue Maschine die Tunnel schneller als die erste bohrt oder wann sie in Betrieb genommen wird.


Hierzu paßt auch die zeitnahe Meldung, daß Wissenschaftler der Montanuniversität Leoben eine in Vergessenheit geratene Methode wiederentdeckt haben, mit Hilfe von Mikrowellenstrahlen hartes Gestein weich zu machen. Vor der Entwicklung eines marktreifen Produkts sind allerdings noch einige Dinge wie Sicherheitsfragen u.ä. zu klären. Außerdem muß der Energiebedarf noch genau beziffert werden, da sich erst danach sagen läßt, ob der Einsatz auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn macht.


Mitte November macht die Firma Arrivo des früheren SpaxeX- und Hyperloop-One-Ingenieurs Brogan BamBrogan wieder von sich reden, als das Unternehmen mit dem Colorado Department of Transportation und der E-470 Public Highway Authority einen Vertrag unterzeichnet, um für den lokalen Verkehr in Denver ein ,hyperloop-inspiriertes System’ zu entwickeln, das ohne Vakuumröhren unter der Erde auskommt, sondern überirdisch neben existierenden Freeways operiert.

Das auf den Namen super urban network getaufte Konzept soll magnetisch betrieben Menschen und Fracht mit Geschwindigkeiten bis zu 320 km/h transportieren. Die etwa 50 km lange Strecke zwischen Denver und Boulder, die normalerweise mehr als eine Stunde Fahrzeit mit dem Auto erfordert, könnte mit dem Arrivo-System in zehn Minuten zurückgelegt werden. Die grafischen Visualisierungen der Firma weisen eine frappierende Ähnlichkeit mit den elektrischen Schlitten der Boring Company auf (s.o.).

Das Unternehmen plant nun, in Aurora, Colorado, ein Ingenieur- und Technologiezentrum zu errichten, in dem 2020 rund 200 Mitarbeiter beschäftigt sein sollen. Dort will man auch spezielle Fahrzeuge entwickeln, die sowohl auf der Straße als auch auf der Arrivo-Strecke fahren können. Zudem ist schon eine erste Teststrecke entlang der Autobahn E-470 in Planung, die Denver mit dem Flughafen verbindet. Für ihren Bau, der 2019 beginnen soll, hat Arrivo eine Partnerschaft mit der Baufirma AECOM geschlossen.


Ende des Monats verkündet die Boring Company, daß sie sich für das Projekt einer öffentlichen Nahverkehrsverbindung zwischen dem O’Hare Flughafen von Chicago und der Innenstadt bewerben wird, das von der Stadt Chicago ausgeschrieben wurde. Für die relativ kurze Strecke plant die Firma einen Hyperloop ohne Vakuum – im Grunde also eine Magnetschwebebahn. Der Zug, der gegenwärtig den Airport mit der Stadt verbindet, benötigt rund 45 Minuten, während die neue Highspeed-Option die Strecke in zwanzig Minuten schaffen soll.

Die Finanzierung des Projekts muß allerdings vollständig von dem Unternehmen übernommen werden, das den Zuschlag erhält. Dafür fließen aber später die eingenommenen Gelder in die Taschen des Privatunternehmens.


Anfang Dezember zeigt die Boring Company eine neue Karte des oben bereits erwähnen Tunnels entlang der Interstate 405 zwischen Los Angeles und Inglewood, den das Unternehmen als Phase-1-Proof-of-Concept-Tunnel bezeichnet und der schließlich eine Länge von 10,4 km haben würde. Er soll primär für Sicherheitstests und Demonstrationen verwendet werden. Ein Antrag auf eine Aushubgenehmigung ist derweil eingereicht worden.

Doch auch über das Projekt in Maryland gibt es Neuigkeiten: Die Route des Tunnels verläuft zwar genau auf der geplanten Hyperloop-Strecke zwischen New York und Washington – ein Hyperloop wird dort aber noch nicht entstehen. Vielmehr sollen Passagiere und Autos mit normal fahrenden Transportvehikeln und -schlitten ans Ziel befördert werden. Die Bauarbeiten für den Tunnel sollen bereits im Januar beginnen.


Der o.g. Risikokapitalgeber Shervin Pishevar hat derweil ganz andere Probleme. Nach einem Bericht, in dem ihm zahlreiche Fälle sexueller Belästigung und Körperverletzung vorgeworfen werden, nimmt er seinen Abschied – um sich nach eigenen Angaben auf die Verleumdungsklage zu konzentrieren, die er gegen Definers Public Affairs eingereicht hat, jene Organisation, die Pishevar für die ,Hetzkampagne’ gegen ihn verantwortlich macht.


Mitte des Monats meldet Virgin Hyperloop One, daß man auf der DevLoop-Teststrecke einen neuen Rekord erzielen konnte, als die Kapsel eine Geschwindigkeit von fast 387 km/h erreicht. Zum Einsatz kommt die Testkapsel XP-1 in einem auf nur 0,0002 Atmosphären teilevakuierten Zylinder, was dem Luftdruck in einer Höhe von 200.000 Fuß (~ 61 km) über dem Meeresspiegel entspricht.

Neben Tests mit Elektromotor, Steuerung, Leistungselektronik, Magnetschwebebtechnik und Aufhängung werden auch Versuche mit einem neuen Luftschleusensystem durchgeführt, um die Kapsel zwischen der 500 m langen evakuierten Röhre und dem Bereich mit normalem Luftdruck zu bewegen.

Außerdem gibt die Firma bekannt, daß die russische Caspian Venture Capital und DP World aus Dubai zusätzliche 50 Mio. $ in Virgin Hyperloop One investiert haben. Die Entwicklung motiviert das Unternehmen dazu, „auf den Märkten im Nahen Osten, Europa und Russland neue Chancen zu nutzen“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Mit der Neuinvestition hat die Firma seit ihrer Gründung im Jahr 2014 fast 300 Mio. $ eingeworben. Für das kommende Jahr 2018 ist zudem eine Serie-C-Fundraising-Runde geplant.

 

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