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TEIL CIm Mai 2012 meldet die Presse, daß die 19-jährige ägyptische Physikstudentin Aisha Mustafa von der Universität Sohag das Patent für ein Antriebssystem eingereicht habe, das auf dem in der Physik seit längerem bekannten Casimir-Effekt basiert. Damit soll es gelingen, Raumfahrzeuge zu anderen Sonnensystemen zu schicken, ohne einen einzigen Tropfen Kraftstoff zu benötigen. Zwar berichten die Journalisten, daß die Erfinderin bei der Patentanmeldung von ihrer Universität unterstützt wird, ein Beleg dafür läßt sich aber nicht finden. In einem späteren Interview spricht sie auch nur von einer ,Registrierung’ an der ägyptischen Academy of Scientific Research.

Mustafa geht davon aus, daß der Raum kein Vakuum ist, sondern ein kochendes Meer von virtuellen Partikeln und Anti-Materie-Partikel, die entstehen und sich dann augenblicklich wieder zerstören. Über den dynamischen Casimir-Effekt soll dieser Quanteneffekt genutzt werden, indem ein ,bewegter Spiegel’-Hohlraum verwendet wird, in welchem zwei flache, reflektierende Platten, die nur ein paar Mikrometer voneinander entfernt sind, so manipuliert werden, daß sie mit den Quantenteilchen interagieren.
Durch das Bewegen der aus Silizium hergestellten Platten entsteht quasi Energie aus dem Nichts – und eine Nettokraft wird geschaffen. Diese kann wiederum verwendet werden, um ein Raumfahrzeug zu schieben, zu ziehen oder anzutreiben.
Versuche, diese auch ,Zero Point Energy’ genannte Energiequelle zu nutzen, gibt es schon länger. Einige der Protagonisten bislang noch nicht verifizierter Systeme stelle ich in der Datenbank der neuen Energie vor. Und sogar die NASA hat die Sache im Rahmen des Advanced Space Transportation Program verfolgt, als am Glenn Research Center von 1996 bis 2002 das Breakthrough Propulsion Physics Project (BPPP) lief.
Unter Leitung des Physikers Marc G. Millis wurden damals in Subprojekten, wie dem Quantum Vacuum Forces Project, Vakuumenergie, Nullpunktsenergie, Casimir-Effekt, Warp-Antrieb, Antigravitation, Überlichtgeschwindigkeit u.a. erforscht – ohne dies aber an die große Glocke zu hängen. Die Gesamtkosten des Programms beliefen sich auf 1,6 Mio. $. Ein Pressebericht darüber findet sich in dem US-Magazin Popular Science vom Mai 2001.
Millis schlägt darin z.B. einen als Differential Sail bezeichneten Antrieb vor, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Konzept von Mustafa hat: Da die Heisenbergsche Unschärferelation impliziert, daß es keine exakte Menge an Energie an einem exakten Punkt gibt, wird von Vakuumfluktuationen ausgegangen, die zu erkennbaren Effekten wie dem Casimir-Effekt führen.
Das Differentialsegel beruht auf der Spekulation, daß es möglich sein könnte, Unterschiede im Druck von Vakuumfluktuationen auf die beiden Seiten einer segelartigen Struktur zu induzieren – wobei der Druck an der vorwärts gerichteten Oberfläche des Segels irgendwie reduziert wird, während er wie normal von hinten drückt und das Fahrzeug vorwärts treibt. Eine Variante ist das Diode Sail, das von einer Seite kommende Strahlung reflektiert, und jene aus anderer Richtung passieren läßt, ähnlich wie ein Einwegspiegel.
Nachdem die Finanzierung des BPPP-Projekts endet, wird Millis von der NASA unterstützt, um die Dokumentation der Ergebnisse abzuschließen. Das daraus entstehende Buch Frontiers of Propulsion Science wird allerdings erst im Februar 2009 vom American Institute for Aeronautics and Astronautics (AIAA) veröffentlicht. Darin werden verschiedene hypothetische Space-Drive-Antriebsmethoden beschrieben: Diametric Drive, Pitch Drive, Bias Drive, Disjunction Drive, Alcubierre Drive sowie drei Variationen von Differentialsegeln.
Zudem gründet Millis gemeinsam mit weiteren ehemalige Mitgliedern des Teams im Jahr 2002 die Tau Zero Foundation (nach dem 1970 erschienenen SF-Roman Tau Zero von Poul William Anderson, dt.: Universum ohne Ende, 1972), eine private Non-profit-Forschungsinitiative, die sich der weiteren Erforschung neuer Technologien für interstellare Raumflüge verschreibt. Auf der Tau Zero-Seite, sowie auf der ab August 2004 gepflegten Seite centauri-dreams.org findet sich eine Fülle entsprechender Hintergrundinformationen (s.a. das Buch Centauri Dreams, 2004).
Im April 2017 beauftragt die NASA die Foundation mit der Erstellung einer dreijährigen Studie mit dem Titel ,Interstellar Propulsion Review’, für die ein Betrag von 500.000 $ bereitgestellt wird. Von der ägyptischen Physikstudentin Aisha Mustafa hört man dagegen nichts mehr.
Hierzu noch
einige Hintergrundinformationen: Über den niederländischen Physiker Hendrik
Brugt Gerhard Casimir, der seine Studienzeit bei seinem
Doktorvater Niels
Bohr verbrachte und in Zürich auch mit den späteren Nobelpreisträgern Wolfgang
Ernst Pauli und Linus Pauling zusammenarbeitete,
gibt es genug öffentliche Informationen, die hier nicht wiederholt
werden müssen.
Wesentlich ist, daß Casimir eine Vorliebe für die Quantenwelt entwickelte und sich daranmachte, die Ideen der Quantenphysik zu überprüfen, auch wenn diese auf Skalen wirkt, die weit unterhalb unserer normalen menschlichen Wahrnehmung oder unserer experimentellen Möglichkeiten liegen. Er entdeckt schließlich einen Weg, die Auswirkungen der allgegenwärtigen, unendlichen Quantenfelder trotzdem zu messen, indem er lediglich Metallstückchen verwendet, die extrem nahe beieinander gehalten werden, ohne sich jedoch zu berühren.
Die Objekte werden aufgrund von Schwingungen im Quantenfeld zueinander hingezogen, wobei der Effekt unglaublich gering ist, etwa 10 - 12 Newton, und voraussetzt, daß die Metallplatten einen Abstand von weniger als 1 µm voneinander haben. Die Arbeit zeigt, daß sich Quantenverhalten auf überraschende Weise manifestieren kann, die wir messen können. Sie zeigt auch, daß die Seltsamkeit des Quantenverhaltens real ist und nicht ignoriert werden kann, und daß man glauben muß, was die Quantenmechanik über die Funktionsweise des Universums aussagt – egal wie bizarr es auch klingen mag.
Der Physiker ist daher am besten für den nach ihm benannten Casimir-Effekt bekannt, den er 1948 voraussagte und der 1958 durch Marcus Johannes Sparnaay am Natuurkundig Laboratorium (NatLab) von Philips experimentell nachgewiesen wurde, nachdem dies zwei Jahre zuvor schon durch sowjetische Wissenschaftler geschehen war. Eine tatsächliche Messung gelingt dem Yale-Physiker Steve Lamoreaux allerdings erst 1997.
Bereits 1970 leitet der Physiker Gerald T. Moore aus der Quantenfeldtheorie her, daß virtuelle Teilchen, die sich in einem Vakuum befinden, real werden können, wenn sie von einem Spiegel reflektiert werden, der sich fast mit Lichtgeschwindigkeit bewegt. Tatsächlich können der Experimentalphysiker Per Delsing und seine Kollegen von der Universität Göteborg den Effekt, der auch dynamischer Casimir-Effekt genannt wird, 2011 nachweisen.
Am seltsamsten ist vielleicht, daß das Lebewesen mit der tiefsten Verbindung zur grundlegenden Quantennatur des Universums der Gecko ist. Geckos können an Wänden laufen und sich sogar kopfüber an der Decke fortbewegen. Um dies zu vollbringen, sind die Gliedmaßen eines Geckos mit unzähligen, mikroskopisch kleinen, haarähnlichen Fasern bedeckt, diese den Molekülen der Oberfläche, auf die der Gecko klettern möchte, so nahekommen, daß der Casimir-Effekt zum Tragen kommt und eine Anziehungskraft zwischen den Härchen und der Oberfläche entsteht. Jedes einzelne Härchen liefert nur eine extrem geringe Kraft, doch alle Härchen zusammen reichen aus, um den Gecko zu tragen.
Der japanische Erfinder Takeshi Sudo meldet im Jahr 2000 das Patent für eine Vorrichtung an, die die elektrische Ladung der beiden Metallplatten eines Casimir-Experimentaufbaus auffängt und damit eine Speicherbatterie auflädt (JA-Nr. 2002010622, erteilt 2002). Die Vorrichtung kann somit als Generator eingesetzt werden, um Vakuumenergie als Energiequelle zu nutzen, es ist allerdings nichts über eine praktische Umsetzung zu finden.
Die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) des US-Verteidigungsministeriums stellt Forschern im Jahr 2008 Mittel in Höhe von 10 Mio. $ zur Verfügung, um im Zuge des Casimir Effect Enhancement Program ein besseres Verständnis der Casimir-Kraft zu erlangen. Ziel dieses Programms ist die Entwicklung neuer Methoden zur Kontrolle und Manipulation von Anziehungs- und Abstoßungskräften an Oberflächen auf der Grundlage der Casimir-Kraft. Zur Handhabung und Formung der Strömungen des Quantenvakuums und des Nullpunkts setzen die Forscher auf neu entwickelte Nano-Metamaterialien.
An der University of Colorado Boulder entwickelt eine Forschungsgruppe um Prof. Garret Moddel ab 2008 Geräte, die Energie erzeugen, die offenbar aus Quantenfluktuationen der Nullpunktenergie resultiert.
Gemeinsam mit Bernard Baisch hatte Moddel für die Jovion Corp. bereits 2005 ein Patent mit dem Titel ,Quantum vacuum energy extraction’ für ein System beantragt, mit dem Energie aus dem elektromagnetischen Quantenvakuum in nutzbare Energie in Form von Wärme, Elektrizität, mechanischer Energie oder anderen Energieformen umgewandelt werden kann (US-Nr. 7.379.286, erteilt 2008). Dies soll durch die Unterdrückung der elektromagnetischen Quantenvakuumenergie bei geeigneten Frequenzen geschehen, was eine Veränderung der Elektronenenergieniveaus bewirken kann, die wiederum zur Emission oder Freisetzung von Energie führt.
Die zwischenzeitlich entwickelten Geräte bilden im Wesentlichen Casimirs Experiment nach und erzeugen zwischen den beiden Metallschichten einen elektrischen Strom, den die Forscher messen können, obwohl keine elektrische Spannung angelegt wurde. Auf der Website der Gruppe lassen sich diverse Laborveröffentlichungen und Präsentationen finden, die bis 2021 reichen und zum Teil auch im Netz abrufbar sind.
Abschließend sei auf eine umfassende physikalisch-mathematische Arbeit hingewiesen, die im Dezember 2009 erscheint und im Netz abrufbar ist: ,The Casimir force between real materials: Experiment and theory’ stammt von Galina L. Klimchitskaya und Vladimir M. Mostepanenko von der Universität Leipzig bzw. der North-West Technical University in St. Petersburg, sowie Umar Mohideen von der University of California, Riverside.
Mit Millimeterwellen arbeitet dagegen das Millimeter-wave Thermal
Launch System (MTLS), ein Startsystem für kleine Nutzlasten
von bis zu 230 kg in den Low Earth Orbit (LEO), bei dem die Energie
vom Boden aus auf die Trägerrakete gestrahlt wird, um diese mit Antriebsenergie
zu beliefern.
Die NASA stellt den Unternehmen Teledyne, Boeing, Aerojet, ATK, LaserMotive, Aerospace Corp. sowie der Carnegie Mellon University in Pittsburgh und dem NASA-eigenen Jet Propulsion Laboratory rund 3,7 Mio. $ zur Verfügung, um bis 2013 entsprechende Machbarkeitsstudien durchzuführen; anschließend soll über die Fortsetzung der Projekte entschieden werden.
Kurz vor Ende des Jahres folgt die Ankündigung der NASA, daß sie Vorschläge für Missions-Konzeptstudien mit einem Ionen-Hochleistungs-Solarelektroantrieb (SEP) angefordert habe, der sich als ,Raum-Schlepper’ verwenden ließe, um Nutzlasten aus dem erdnahen Orbit (LEO) in höhere Umlaufbahnen zu heben, einschließlich einer geostationären Erdumlaufbahn (GEO) und dem Lagrange-Punkt eins (L1).
Hierfür erhalten die Unternehmen Analytical Mechanics Associates, Ball Aerospace & Technologies, Boeing, Lockheed Martin und Northrop Grumman jeweils viermonatige Studienverträge in Höhe von insgesamt rund 3 Mio. $. Northrop Grumman will in Partnerschaft mit den Sandia National Laboratories und der University of Michigan das Konzept eines bis 300 kW und darüber hinaus skalierbaren Antriebs verfolgen.
Auch auf einem viertägigen Workshop am California Institute of Technology im Oktober 2011, bei dem es um den NASA-Plan geht, einen erdnahen Asteroiden noch näher zur Erde zu bringen und als Basis für künftige bemannte Raumfahrt-Missionen zu nutzen, wird u.a. untersucht, ob eine Roboter-Sonde, die sich auf einem Asteroiden verankert, diesen dann mit einem solar-elektrischen Antrieb aus seiner Bahn drücken kann.
Im August 2012 stellen Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) um Prof. Paulo Lozano auf der 48. Joint Propulsion Conference des American Institute of Aeronautics and Astronautics (AIAA) Mini-Ionentriebwerke vor, die mit Hilfe von Mikrofertigungstechniken hergestellt werden und so klein sind wie ein Centstück. Das flache, kompakte Quadrat ist mit 500 mikroskopisch kleinen Spitzen bedeckt, die, wenn sie mit Spannung angeregt werden, winzige Ionenstrahlen aussenden und zusammen einen kleinen Schwall geladener Teilchen erzeugen, der einen CubeSat bewegen kann.

Auf der Abbildung sind die verschiedenen Schichten zu sehen, aus denen ein Triebwerk besteht. Das fertige Gerät unten rechts mißt 1 x 1 cm und ist 2 mm dick. Es ist damit so klein, daß sich an einem Fahrzeug mehrere davon anbringen lassen, wodurch der Satellit nicht nur seine Umlaufbahn ändern, sondern auch sich drehen und rollen kann. Im Gegensatz zu herkömmlichen, sperrigen Antriebssystemen tragen die Mikrotriebwerke zudem nur wenig zum Gesamtgewicht des Satelliten bei.
Die Unterseite des Chips enthält ein kleines Reservoir mit Flüssigkeitsplasma aus frei schwebenden Ionen, der Mikrothruster funktioniert durch eine Kapillarwirkung, ähnlich wie bei Pflanzen: Jede Metallschicht enthält immer kleinere Poren, die die ionische Flüssigkeit passiv durch den Chip nach oben zu den Spitzen der Metallspitzen saugen.
Indem eine goldbeschichtete Platte über dem Chip angebracht und dann eine Spannung angelegt wird, die ein elektrisches Feld zwischen der Platte und den Spitzen des Strahlers erzeugt, treten Ionenstrahlen aus den Spitzen aus und erzeugen einen Schub: bei 500 Spitzen eine Kraft von 50 Mikronewton, was auf der Erde nur einen kleinen Papierfetzen bewegen könnte. Im Weltraum mit Mikrogravitation reicht diese winzige Kraft jedoch aus, um einen zwei Pfund schweren Satelliten anzutreiben. Außerdem zeigt sich, daß sehr kleine Spannungserhöhungen einen großen Kraftanstieg unter den 500 Spitzen des Triebwerks bewirken.
Ein anderes MIT-Team um Prof. Steven R. H. Barrett und den Doktoranden Kento Masuyama berichtet in der im Netz einsehbaren Forschungsarbeit ,On the performance of electrohydrodynamic propulsion’ vom Juni 2013, daß ionische Schubdüsen 110 Newton Schub pro Kilowatt erzeugen könnten, während ein Düsentriebwerk nur 2 Newton pro Kilowatt leistet. Zudem haben ionische Schubdüsen einen viel höheren Wirkungsgrad als Verbrennungsreaktionsgeräte, sind geräuschlos und im Infrarotbereich unsichtbar, da sie keine Wärme abstrahlen, was große militärische und sicherheitstechnische Vorteile hat.
Ein Hindernis bei der Entwicklung ionischer Triebwerke ist bislang die Schubdichte, wobei dem Team zufolge dieses Problem überwunden werden könnte, indem man das gesamte Fahrzeug mit Triebwerken umgibt. In der Arbeit wird übrigens auf Ionenwindantriebe wie dem Lifter Bezug genommen, über den ausführlich in der Übersicht der Elektro- und Solarfluggeräte des Jahres 2018 berichtet wird (s.d.).
In diesem Zusammenhang ist auch die 2014 von Natalya Bailey und Louis Perna als Spin-Off des MIT gegründete Firma Accion Systems Inc. mit Sitz in Boston, Massachusetts, zu erwähnen, die auf Grundlage der Ergebnisse des Lozano-Teams ein günstig herstellbares Elektrospray-Antriebssystem entwickelt.

Aus Tests einer MIN-0 genannten Miniaturversion im Januar 2015 in einer Vakuumkammer am MIT, bei denen der von den freigesetzten Ionen abgegebene Strom gemessen wird, nachdem bestimmte Spannungspegel angelegt wurden, wird geschlossen, daß das erste kommerzielle System namens MAX-1 eine Kraft von etwa 100 Mikronewton pro Quadratmeter erzeugen kann.
Das im März vorgestellte MAX-1 ist ein Modul, das aus acht Chips besteht - jeder etwa 1 cm2 groß und 2 mm dick - und überall auf einem Satelliten angebracht werden kann. Der Treibstoff ist ein flüssiges Salz, das in seiner Struktur dem gewöhnlichen Kochsalz ähnelt. Accion kann die Module - ähnlich wie Computerchips - in einer Stückzahl von rund 200 auf einmal herstellen, wodurch diese etwa ein Zehntel so viel kosten wie andere elektrische Antriebssysteme. Accion plant, das System bis Ende des Jahres an Kunden auszuliefern.
Im Februar 2016 erscheint zudem die im Netz einsehbare Studie ,Scalable Ionic liquid Electrospray Thrusters for Nanosatellites’ von Lozano und David Krejci, in welcher die am MIT entwickelte miniaturisierte elektrostatische Triebwerkstechnologie ausführlich dargestellt wird.
Im Juni 2013 gibt die NASA bekannt,
daß ein Ionenantrieb, der in einer Vakuumkammer des Glenn Research
Center getestet wird, 48.000 Stunden oder fünfeinhalb Jahre
lang ohne Unterbrechung betrieben wurde. Mit den dabei verbrauchten
870 kg Xenon wird ein Gesamtimpuls erwirtschaftet, der dem von mehr
als 10.000 kg eines konventionellen Raketentreibstoffs entspricht.
Der Motor hält nun den Rekord für die längste Testdauer von jeder Art
von Raumfahrt-Antriebssystem.
Daß sich auch Universitäten nicht zu schade sind, Crowdfunding-Kampagnen
zu nutzen, beweist Prof. Benjamin Longmire von der University
of Michigan, der im Juli 2013 eine ebensolche
startet, um einen Miniatur-Plasmatrieb in einen
3U CubeSat zu installieren, damit dieser den LEO verlassen und auf
Kreuzfahrt durch das Sonnensystem gehen kann.

Longmire ist einer der Entwickler des VASIMR (s.o.), der Ad Astra im vergangenen Jahr verlassen hat und an die Universität gewechselt ist. Seine Gruppe arbeitet an nun einem sehr kleinen Permanentmagnet-Ionenantrieb namens CubeSat Ambipolar Thruster (CAT), der zur Erzeugung von Plasma ganauso wie der VASIMR eine Helikonentladung nutzt.
Beim CAT wird das Treibgas (in diesem Fall Wasserdampf) durch einen Quarzfeinfilter in eine Quarzkammer geleitet, die ein offenes Ende aufweist. Anschließend wird eine Hochfrequenzleistung in die Kammer eingekoppelt, die sowohl bewirkt, daß das Gas ein Plasma bildet, als auch eine Spiralwelle erregt, die das Plasma effizient auf Temperaturen von einigen 100.000° aufheizt.
Die CAT-Ionisationskammer besitzt Permanentmagneten, die so angeordnet sind, daß sie eine magnetische Düse formen, die das heiße Plasma von der Kammer weg leitet, wodurch der Schub entsteht. Elektronen, die viel leichter sind als die Ionen, versuchen aus der Düse zu fließen, noch bevor sich die Ionen in Bewegung setzen. Sobald sich die Elektronen aber bewegen, verlangsamt das elektrische Feld zwischen den Elektronen und Ionen die ersteren, während die letzteren beschleunigt werden. Damit sind nun sowohl Elektronen als auch Ionen in der gleichen Richtung unterwegs, obwohl sie entgegengesetzte elektrische Ladungen besitzen, ein Phänomen namens ambipolare Diffusion.
Letztlich soll der CAT bei einem Gewicht von etwa 0,4 kg fähig sein, Impulswerte zwischen 2.000 und 5.000 Sekunden mit einer Schubkraft von etwa 0,2 mN pro Watt zu erzielen – und dies solarbetrieben durch vier PV-Flächen, die im Orbit entlang der Seiten des Satelliten ausgeklappt und insgesamt 20 W Leistung liefern werden. Die nominale Dauerleistung beträgt 10 Watt, was etwa 2 mN Schub entspricht. Durch Speichern des Solarenergie für einen kurzen Zeitraum können auch kurze Bursts mit größerem Schub geliefert werden.
Die erste Kickstarter-Kampagne schlägt leider fehl, denn von dem Finanzierungsziel in Höhe von 200.000 $ werden bis zum Zieldatum im August 2013 nur 67.865 $ erreicht. Eine zweite, bei der als Ziel nur 50.000 $ angegeben werden, ist dagegen erfogreich und bringt 96.799 $ ein. Trotzdem ist bislang noch keine Umsetzung des Projekt zu verzeichnen.
Im August 2013 wird berichtet, daß Astronauten der ISS im Inneren der Station ein Antriebssystem testen, das ohne Raketen oder Treibstoffe auskommt. Die vom Space Power and Propulsion Laboratory (SPPL) der University of Maryland (UMD) seit 2011 entwickelte elektromagnetische Antriebstechnologie namens Resonant Inductive Near-field Generation System (RINGS) nutzt Magnetfelder, um Raumfahrzeuge anzutreiben. Damit soll deren Lebensdauer verlängert und das Fliegen in Satellitenformationen praktikabler gemacht werden.

Das neue RINGS-System war im Frühling bereits in 2D-Tests auf dem Prüfstand und in Mikrogravitationsumgebung in einem NASA-Flugzeug getestet worden, das eine parabolische Flugbahn flog. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Firma Aurora Flight Sciences (AFS) durchgeführt und im Rahmen eines gemeinsamen DARPA/NASA-Programms finanziert.
Der Formationsflug ist ein neuer Bereich in der Raumfahrt, der es ermöglicht, große Aufgaben ohne große Satelliten zu bewältigen. Indem man Satelliten in einem koordinierten Muster fliegen läßt, kann man sie zu Sensoranordnungen machen, so wie Astronomen einzelne Teleskope verwenden, um ein gigantisches Teleskop zu schaffen. Diese Technik birgt ein großes Potential, hat aber den Nachteil, daß sie viel Treibstoff erfordert, um die Satelliten in Position zu halten. Dadurch werden die Raumfahrzeuge schwerer und ihre Lebensdauer verkürzt sich. Der Einsatz von Raketen birgt zudem die Gefahr, daß andere Raumfahrzeuge in der Formation vom Rückstoß erfaßt werden, und der Blitz und die Hitze können die Instrumente blenden.
Der Elektromagnetische Formationsflug (EMFF) umgeht diese Probleme, indem er die Satelliten in einer Formation zu Elektromagneten macht. Durch den Einsatz einer Kombination aus Magneten und Reaktionsrädern können sich Raumfahrzeuge in Formation bewegen, ihre Lage ändern und sich sogar ohne Treibstoff drehen. Die Satelliten können auch ihre Polarität ändern, um sich gegenseitig anzuziehen oder abzustoßen, sich zu drehen oder ihre relative Position so zu verändern, daß der Schwerpunkt der gesamten Formation nicht verändert werden muß.

Über die Grundlagen und Anfänge dieser Technologie findet sich im Netz eine 92-seitige Präsentation des MIT und der Lockheed Martin Corp. vom August 2003 unter dem Titel ,Electromagnetic Formation Flight’. Unter gleichem Namen und mit dem Zusatz ,Final Report’ läßt sich auch eine 83-seitige MIT-Studie eines Teams um die Professoren David W. Miller und Raymond ,Ray’ J. Sedwick finden.
Hierin wird erklärt, daß ein perfektioniertes EMFF-System eine Vielzahl von Anwendungen haben wird, darunter Interferometer, Weltraumteleskope, die Erzeugung künstlicher Schwerkraft, die Schaffung eines magnetischen Schutzschildes gegen Sonnenstürme und die Beseitigung von Weltraummüll, indem der Spin genutzt wird, um die Trümmer in eine sicherere Flugbahn zu lenken. Bis dahin ist jedoch noch viel zu tun, denn bevor EMFF praktisch eingesetzt werden können, benötigen supraleitende Drähte, Hochgeschwindigkeits-Reaktionsräder, kryogene Kühlung und andere wichtige Technologien.
Die EMFF-Version RINGS der Universität Maryland wurde von einem Team unter der Leitung von Sedwick entwickelt und besteht aus zwei separaten Einheiten, die jeweils aus einem Polycarbonatring bestehen, der eine Spule aus Aluminiumdraht enthält. In einer praktisch anwendbaren Version würde diese allerdings aus einem supraleitenden Material bestehen. Das System nutzt magnetische Kräfte und Drehmomente aus elektrischen Strömen in Bordspulen zur Steuerung der relativen Positionen und Lagen von Satelliten, wobei die Magnetfelder von Mikrocontrollern gesteuert werden, die es den Einheiten ermöglichen, sich umeinander zu bewegen.
Nachdem der experimentelle Prototyp Anfang August an Bord des japanischen Frachtschiffs HTV-4 zur ISS gebracht wurde, werden dort vier Testsitzungen durchgeführt, bei denen RINGS mit einem, vom MIT entwickelten, Paar SPHERE-Miniatursatelliten (Synchronized Position Hold Engage Re-orient Experimental Satellites) verbunden wird.
Die Tests sollen es dem Team auch ermöglichen, eine Technologie der drahtlosen Energieübertragung (WPT) zu prüfen, die etwa 50 W über eine Entfernung von 1 m überträgt. Damit können die Einheiten aus der Ferne aufgeladen werden, was die Wartung von Satelliten im Formationsflug erleichtern würde. Das Thema WPT wird u.a. im Kapitelteil der Satellitenkraftwerke behandelt.
Das im April 2013 gestartete Projekt hat eine Laufzeit bis April 2016, scheint aber schon vor diesem Termin abgebrochen worden zu sein. Die RINGS-Projektseite ist inzwischen von der UMD-Homepage verschwunden, und auch sonst läßt sich nichts über eine Weiterführung der Entwicklung finden.
Für die Entwicklung einer neuen Generation von geostationären Kommunikationssatelliten
von unter 3 Tonnen Startmasse, die mittels Ionen-Triebwerken ausschließlich
mit Solarstrom angetrieben werden sollen und deren elektromechanische
Antriebsplattform den passenden Namen Electra trägt,
schließt die Europäischen Weltraumorganisation ESA im
Oktober 2013 einen einjährigen Vertrag in Höhe von
16 Mio. $ mit dem luxemburgischen, kommerziellen Satellitenbetreiber SES in
Luxemburg sowie dem Bremer Raumfahrtkonzern OHB Systems AG.

Das Projekt im Rahmen des ARTES-33-Programms war im November 2012 während einer Konferenz der ESA-Regierungsminister beschlossen worden. Zu diesem Zeitpunkt hoffte man, daß der erste Electra-Satellit Ende 2018 ins All fliegen würde. In der 2015 erfolgreich beendeten Phase B1 wird das vorläufige Design der Satellitenplattform festgelegt.
Verzögerungen führen allerdings dazu, daß der Vertrag zur Herstellung der Electra-Satellitenplattform erst im März 2016 unterzeichnet wird. Dies sei vor allem der Verspätung der bei der Entwicklung der ,kleinen europäischen geostationären Plattform’ (SmallGEO o. SMGO) von OHB zu verdanken, auf der Electra basiert. Der Eröffnungsflug ist nun für das Jahr 2021 vorgesehen.
Zum Hintergrund: Die Technologiegruppe OHB SE mit Sitz in Bremen geht auf die 1958 gegründete Firma Otto Hydraulik Bremen GmbH zurück, die 1982 von Manfred Fuchs übernommen wird, dem damaligen Direktor für Raumfahrt bei der MBB-ERNO. Nach den anfänglichen Aktivitäten im Bereich der Marinetechnik, startet 1985 das erste Raumfahrtprojekt bei OHB. Dem Firmenziel entsprechend, kleinere und damit günstigere Satelliten zu entwickeln, erfolgt 1991 die Umbenennung in Orbital- und Hydrotechnologie Bremen-System GmbH – bzw. im Jahr 2000 in Orbitale Hochtechnologie Bremen-System GmbH.
Nach diversen Großprojekten wie der Entwicklung der SAR-Lupe und des Kleinsatellitensystems SmallGEO ist das Unternehmen auch als Ausrüster der Internationalen Raumstation (ISS) und des europäischen Stationsmoduls Columbus aktiv.
Im Januar 2010 erhält das Unternehmen den Auftrag über den Bau von 14 Satelliten für das Galileo-System. Die elektrischen Antriebssysteme für das Satellitensystems SmallGEO stellt die Tochterfirma OHB Sweden her, bei der es sich um die 2011 von OHB übernommene Satellitenabteilung der o.g. staatlichen Swedish Space Corporation (SSC) handelt. Diese war übrigens Hauptauftragnehmer der im September 2003 gestarteten SMART-1 Raumsonde der ESA, bei der europaweit erstmals ein 1,5 kW Hall-Effekt-Elektroantriebssystem zum Einsatz kommt.
Der erste Einsatz der Satellitenplattform SmallGEO erfolgt allerdings erst Ende Januar 2017, als mit dem Hispasat 36W-1 auch der erste seit mehr als 25 Jahren in Deutschland gebaute Telekommunikationssatellit für den spanischen Satellitenbetreiber Hispasat vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana durch eine russische Sojus-Rakete ins All gebracht wird. Ursprünglich sollte der erste SmallGEO-Satellit schon 2012 ins All starten, doch auch diesmal gab es aufgrund technischer Probleme große Verzögerungen.
Der Satellit wird sich in den folgenden Wochen aus eigener Kraft auf seine endgültige Umlaufbahn in rund 36.000 km Höhe bewegen, wo er dann in einem geostationären Orbit verbleiben wird. Laut dem Hersteller OHB hat der erste SmallGEO-Satellit inklusive aller technischen Ausrüstung, die von Zulieferern stammt, rund 400 Mio. € gekostet, dabei flossen nach DLR-Angaben mehr als 300 Mio. € öffentliche Förderung in das Projekt, allein Deutschland steuerte rund 150 Mio. € bei.
Im Dezember 2013 berichten die russischen Wissenschaftler Yuri
A. Rezunkov vom Institute of Optoelectronic Instrument
Engineering sowie Alexander A. Schmidt vom Ioffe
Physical Technical Institute in St. Petersburg über einen
neuen Weg, um ein Raumschiff während des Starts und im Flug zu beschleunigen,
indem es von einem bodenbasierten, fokussierten Super-Hochleistungs-Laser bestrahlt
wird (,Formation of laser jet thrust in the supersonic regime’).

Das ASLPE genannte Verfahren verwendet einen durch Laserablation (Laserabtragung) bewirkten Plasmastrom, um die Effizienz eines herkömmlichen Raketenantriebssystems zu erhöhen. Rezunkov soll schon 2006 mit dem ASLPE und einem repetitiv gepulster 6 kW CO2 Laser drahtgeführte Flüge im Labor demonstriert haben, bei denen ein Schub von 2 N erzielt wird.
Dies ist zwar kein eigenständiger Antrieb, aber eine auf elektrischer Energie basierende Verstärkung, weshalb sie hier auch zu erwähnen ist. Neben der Lancierung von Kleinsatelliten in Erdumlaufbahnen sei damit zumindest theoretisch auch bei Überschall-Flugzeugen eine Beschleunigung auf mehr als Mach 10 möglich. Ein bislang ebenfalls nur theoretisches Problem bildet der Fakt, daß ein so starker Laser auch als Waffe genutzt werden kann, um z.B. unliebsame Satelliten abzuschießen.
Interessanterweise wird ebenfalls im Dezember 2013 eine PPT-Präsentation von Claude Phipps der Firma Photonic Associates LLC aus Santa Fe, New Mexico, sowie einem internationalen Team hochgeladen, die den Titel ,A Review of Laser Ablation Propulsion’ trägt, von der Konferenz Advaced Laser Technologies im September 2009 in Antalya, Türkei, stammt und später im Journal of Propulsion and Power vom Juli/August 2010 veröffentlicht wird. Myrabo
Die Autoren beziehen sich u.a. auf die Erfahrungen mit dem LightCraft-System von Prof. Leik Myrabo, das ich ausführlich bei der Elektrofluggeräten 2006 beschrieben habe (s.d.).

Im Januar 2015 meldet das im Vorjahr gegründete MIT-Startup Accion
Systems Inc. aus Cambridge den Erhalt von zusätzlichem Startkapital
in Höhe von 2 Mio. $, um die Produktentwicklung seiner qualitativ hochwertigen
und kostengünstigen Antriebstechnologie für Mikrosatelliten zu beschleunigen,
deren Grundlagentechnik am Space Propulsion Lab des MIT entstand.
Die erste erfolgreiche Demonstration war im Oktober 2014 erfolgt,
als in einer Vakuumkammer ein CubeSat zum Drehen gebracht wird.
Der unglaublich kleine Ionen-Antrieb, ein goldbeschichtetes Quadrat aus Silizium von der Größe eines Cent, sieht mehr aus wie ein Computer-Chip als ein Raketentriebwerk – denn die in die Oberfläche des Siliziums geätzten 480 Minidüsen sind kaum sichtbar. Für den Einsatz bei Mikrosatelliten lassen sich Dutzende der Accion-Thruster zusammen mit dem notwendigen Treibstofftank in ein Antriebssystem packen, das kaum größer ist als ein Kartenspiel.

Effiziente Antriebssysteme für Mikrosatelliten würden diesen erlauben, in Formation zu fliegen, um damit ähnlich leistungsfähig zu sein wie größere und teurere Satelliten – beispielsweise im Bereich der Bildgebung. Auch der Orbit kann so länger gehalten werden, was eine Verlängerung der Nutzungszeit bis zum Zehnfachen der aktuellen Mikros zur Folge hätte. Das erste Modell von Accion Systems mit dem Namen MIN-0 erreicht bei Tests einen eindrucksvollen Schub von 30 µN (Mikronewton).
Da die Firma im Juni 2015 aus dem Rapid Innovation Fund (RIF) des Department of Defense Mittel in Höhe von 3 Mio. $ erhält, sollte der weiteren Entwicklung nichts im Wege stehen.
Als erstes Produkt ist ein 5 W MAX-1 Small Satellite Electric Propulsion System mit 120 µN vorgesehen, das etwa 110 g wiegt. Diesem soll als nächstes ein elektrisches Linearschub-Antriebssystem mit 5 mN (Millinewton) folgen.
Im März 2015 startet von der Cape Canaveral
Air Force Station eine Falcon 9 Rakete der Firma SpaceX mit zwei kommerziellen,
in weniger als drei Jahren entwickelten Kommunikationssatelliten vom
Typ Boeing 702SP (Small Platform) an Bord, dem EUTELSAT
115 West B und dem ABS-3A (o. ABS-2A), der als weltweit
erster vollelektrischer Satellit gilt.

Jeweils vier energieeffiziente 25 cm Ionentriebwerke mit Xenon als Treibmittel helfen dem ABS-3A, innerhalb einiger Monate seine Umlaufbahn zu erreichen und diese Position dann zwei Jahrzehnte lang zu halten, wobei nur 5 kg Kraftstoff pro Jahr verbraucht werden. Dem Unternehmen zufolge basiert die Technologie auf 210.000 Stunden Ionenantrieb-Flugerfahrung und sei 10 mal effizienter als von Flüssigkraftstoff-Antriebe.
Die Xenon Ion Propulsion System (XIPS) Antriebe machen die Satelliten auch deutlich leichter als herkömmliche Modelle mit chemischen Triebwerken, weshalb die 61 Mio. $ teure Falcon 9 gleich zwei der 1,8 Tonnen schweren Satelliten auf einmal aufnehmen kann. Der Xenon-Verbrauch der vier 25 cm Triebwerke zur Bahnregelung beträgt 5 kg pro Jahr, während der benötigte Strom von Galliumarsenid-Solarzellen kommt, die bis zu 18 kW Leistung erzeugen.
Im Juni 2015 wird bekannt, daß der Kunde Asia Broadcast Satellite (ABS) mit der Leistung des ABS-3A so glücklich ist, daß er - noch bevor dieser seine operative Umlaufbahn erreicht hat – einen weiteren 702SP bestellt, der als ABS-8 bis Ende 2017 gestartet werden soll. Im September 2015 meldet Boeing, daß der Satellit jetzt voll funktionsfähig sei.
Im April 2015 gibt die im Jahr 2006 durch
den Neuseeländer Peter Beck gegründete Firma Rocket
Lab Ltd. mit Hauptsitz in Auckland und einen Startplatz auf
Great Mercury Island, die von dem Waffenhersteller Lockheed Martin
Corp. und anderen High-Tech-Investoren wie Khosla Ventures, K1W1,
Bessemer Venture Partners und Callaghan Innovation finanziert wird,
bekannt, daß sie noch vor Ende des Jahres die erste „mit Batterien
betriebene“ Rakete ins All bringen will.

Bislang hatte das Unternehmen nur im November 2009 eine 6 m lange und 60 kg schwere suborbitale Höhenforschungsrakete namens Ātea-1 (Māori für ,Weltraum’) gestartet, die eine Nutzlast von 2 kg in eine Höhe von 120 km tragen kann. Eine größere Serie Ātea-2 war zwar geplant, wurde bislang aber nicht umgesetzt.
Im Dezember 2010 folgte dann der Auftrag des Operationally Responsive Space Office (ORS) der USA, um eine kostengünstige Trägerrakete namens Electron zu konzipieren, die Nanosatelliten in einer Umlaufbahn plazieren kann.
Im Jahr 2011 präsentiert die Firma unter dem Namen Instant Eyes übrigens eine kleine Rakete, die aus der Hand aus einem Rohr gestartet wird, bis auf 750 m Höhe steigt und schon 20 Sekunden nach dem Start Bilder mit hoher Auflösung, GPS und Meta-Daten für mobile Geräte liefert. Die UAVs sind gemeinsam mit der Firma L2 Aerospace aus Florida entwickelt worden, bestehen ihre abschließenden Testflüge im Februar 2012 und sollen nun in den Folgemonaten militärischen Nutzern der NATO und USA demonstriert werden.
Erste Flugdemonstrationen der Electron-Trägerrakete erfolgen 2012, im Folgejahr 2013 wird eine neue elektrische Turbopumpe konstruiert, und im Juli 2014 wird gemeldet, daß das Unternehmen bereits an der Entwicklung der zweistufigen, 20 m langen und 1 m durchmessenden Rakete aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen arbeitet, mit der Nutzlasten von 150 - 500 kg billig und schnell in den erdnahen Orbit gebracht werden sollen.
Im April 2015 veröffentlicht das Unternehmen dann Details über seinen neuen Rutherford-Motor - benannt nach dem in Neuseeland geborenen Physiker Ernest Rutherford -, dessen Turbopumpe anstelle eines Gasgenerators, Expanders oder Vorbrenners von einem batteriebetriebenen Elektromotor angetrieben wird – was auch der Grund dafür ist, die Rakete als batteriebetrieben zu bezeichnen. Die Turbopumpe gilt als das Herzstück eines typischen Raketenmotors, die sich als Hochdruck-Treibstoffpumpe mit bis zu 30.000 Umdrehungen pro Minute drehen muß, um den für die Verbrennung des Treibstoffs erforderlichen Druck zu generieren.

Rocket Lab ersetzt die Gasturbine durch leistungsstarke bürstenlose Gleichstrommotoren, die von Lithium-Polymer-Batterien versorgt werden, um den flüssigen Sauerstoff und das Kerosin in die Brennkammer zu fördern, womit eine Effizienzsteigerung von den 50 % eines typischen Gasgenerators auf nun 95 % erreicht wird. Die Batterien der neuen Trägerrakete sollen knapp ein Megawatt Strom liefern.
Sehr interessant finde ich auch, daß alle Hauptkomponenten des Motors, der in beiden Raketestufen eingesetzt wird, einschließlich der Motorkammer, des Injektors, der Pumpen und der Haupttreibstoffventile über Elektronenstrahlschmelzen im 3D-Druckverfahren hergestellt werden, wobei überwiegend Titan und andere Legierungen verwendet werden. Der leichte Motor kann in nur drei Tagen ,gedruckt’ werden – was mit traditionellen Herstellungsmethoden etwa einen Monat dauern würde.
Das Unternehmen erwartet, die ersten kommerziellen Satellitenstarts mit einer Nutzlast von 400 kg in Erdumlaufbahnen bzw. 100 kg in eine 500 km entfernte, sonnensynchrone Umlaufbahn schon im Jahr 2016 durchzuführen – zu Kosten von 4,9 Mio. $ pro Start. Dies läßt sich jedoch nicht verwirklichen.
Immerhin wird Ende September 2016 auf der Halbinsel Mahia an der Ostküste der Nordinsel Neuseelands der neu errichtete Rocket Lab Launch Complex 1 offiziell eröffnet, der erste des Landes – und auch der weltweit erste private und rein kommerzielle Orbital-Startplatz.
Im Februar 2017 wird endlich die erste flugbereite Rakete antransportiert, den den pragmatischen Namen ,It’s a Test’ erhält und anstelle einer Nutzlast wissenschaftliche Instrumente trägt, um Daten über den Flug zu sammeln. Insgesamt plant Rocket Lab nun drei Starts, denen im Erfolgsfall die Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Kunden folgen soll.
Zu diesen gehören die kleinen Satelliten-Betreiber Planet und Spire ebenso wie die NASA, mir der im Jahr 2015 ein Vertrag in Höhe 6,95 Mio. $ abgeschlossen worden war, um eine kleine Nutzlast in die untere Erdumlaufbahn zu befördern. Darüber hinaus plant die Firma, einen kleine Mond-Lander für Moon Express zu starten, ein Raumfahrt-Unternehmen mit den langfristigen Ambitionen, eines Tages auf dem Mond Bergbau zu betreiben.
Im März meldet Rocket Lab, daß man in einer weiteren Finanzierungsrunde D unter der Leitung von Data Collective und mit Beteiligung von Promus Ventures sowie mehreren früheren Investoren 75 Mio. $ für die Produktion der Raketen erhalten habe, sobald die Testphase vorbei ist. Diese vierte Finanzierung erhöht die Gesamtinvestition auf 148 Mio. $ - und das Unternehmen wird nun mit 1,4 Mrd. $ bewertet. Die anschließenden kommerziellen Flüge werden bereits zu einem Startpreis von 4,9 Mio. $ angeboten.
Ende Mai 2017 findet der erste von drei Teststarts statt, bei dem die (nun) 17 m lange Rakete aber nicht die geplante Umlaufbahn erreicht, statt der beabsichtigten 300 – 500 km in einer sonnensynchronen Umlaufbahn kommt sie nur auf etwa 250 km Höhe.

Eher zur Eigenwerbung gedacht ist der Humanity Star, ein passiver Kleinsatellit, der aufgrund seines Designs oft als ,Weltraum-Discokugel’ belächelt bzw. als ,Space-Graffiti’ kritisiert wird. Die rund 1 m große, etwa 8 kg schwere geodätische Kugel besteht aus Karbonfasern und ist mit 76 hochreflektierenden Spiegeln bedeckt. Der erste neuseeländische Satellit soll durch schnelle Rotation das Sonnenlicht zur Erde reflektieren und als blinkender, extrem heller Punkt am Nachthimmel mit bloßem Auge sichtbar sein.
Der Satellit, der keinerlei wissenschaftliche Instrumente trägt, wird im Januar 2018 beim ersten erfolgreichen Testflug der Electron-Rakete zusammen mit drei CubeSats in eine erdnahe Umlaufbahn gebracht und soll eigentlich rund neun Monate im Orbit bleiben. Nun wird auch bekannt, daß ein Humanity Star schon beim ersten Start der Electron-Rakete im Mai 2017 an Bord war, nach einer Fehlfunktion der zweiten Stufe der Rakete jedoch verloren ging. Aufgrund des atmosphärischen Widerstands verliert der neue Kleinsatellit jedoch deutlich schneller als geplant an Höhe und verglüht bereits im März in der Erdatmosphäre.
Im Mai 2015 wird eine kleine Ecke des Schleiers um
den schon mehrfach erwähnten hochgeheimen experimentellen Raumgleiter X-37 gelüftet,
der ursprünglich im Auftrag der NASA von den Boeing
Phantom Works entwickelt worden war. Bei der der nun erfolgten vierten
Mission (OTV-4), an der Spitze einer Atlas V Rakete, setzt das Raumfahrzeug
vier Kleinstsatelliten aus - und testet ein 32 m2 großes Solarsegel sowie
einen Hallantrieb, der den Ionentriebwerken der Dawn Raumsonde
ähnelt (s.o.).

Der Hallantrieb (o. Hall-Effekt-Antrieb; Hall-Effect Thruster, HET), benannt nach dem amerikanischen Physiker Edwin Herbert Hall, ist ein Ionentriebwerk, bei dem ein Magnetfeld die Effizienz erhöht, indem es die Elektronen dabei behindert, die Anode zu erreichen.
Mit dieser Art Ionenquelle sind hohe Schubwirkungsgrade und eine hohe Einsatzdauer auch bei hohen Leistungen bis in den 100 kW-Bereich möglich. Als Stützmasse wird typischerweise Xenon verwendet, dessen positive Ionen durch ein elektrisches Feld auf Geschwindigkeiten von 10 – 80 km/s beschleunigt werden.
Zur Flugreife gebracht wird der Hall-Effekt-Antrieb in der damaligen Sowjetunion von der Firma OKB Fakel in Kaliningrad, die ursprünglich im Jahr 1956 als Laboratorium für Antriebe der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften gegründet worden war und 1962 den Status eines Experimental-Designbüros erhielt, das im Laufe der Zeit mehrfach seinen Namen wechselt.
Bereits im Jahr 1959 wird ein Prüfstand gebaut, um mit Hochtemperatur-Plasma zu arbeiten, und gleichzeitig wird ein Team beauftragt, Mikro-Modell-Plasmageneratoren und Elektroantriebe für die Raumfahrt zu entwickeln. Die sowjetischen Wissenschaftler unter der Leitung von A. I. Morozov (o. Morosow) am Kurchatov-Institut konzentrieren sich dabei auf ein Hall-Effekt-Triebwerk mit breiter Beschleunigungszone, das auch Stationary Plasma Thruster (SPT) genannt wird. Am Zentralen Forschungsinstitut für Maschinenbau (TsNIIMASH) wird parallel dazu ein einem Triebwerk mit schmaler Beschleunigungszone gearbeitet (DAS; o. Thruster with Anode Layer, TAL).
Der erste SPT, der im Raum betrieben wird, ist ein SPT-50 an Bord des im Dezember 1971 gestarteten sowjetischen Satelliten METEOR 1-10. Das Gewicht der zylinderförmigen Satelliten dieser Baureihe beträgt beim Start etwa 3,8 Tonnen, sie sind 5 m lang und haben einen Durchmesser von etwa 1,5 m. An Bord sind jeweils zwei Plasmatriebwerke vom Typ SPT-50, -60 oder -70 zu Test- oder Lageregelungszwecken installiert.
Auf Basis der Meteor-1-Plattform wird auch der Satellit Astrofisika (Kosmos 1066) gebaut, der ebenfalls über zwei Plasmatriebwerke verfügt und im Dezember 1978 in einen kreisförmigen Orbit in 854 km Höhe gebracht wird. Im Laufe der Folgejahre werden mehr als 50 Satelliten mit den neuen Antrieben ausgerüstet.

In den frühen 1980er Jahren entwickelt Fakel im Rahmen des Hercules-Projekts ein stationäres 25 kW Plasma-Triebwerk SPT-25 bis zur Perfektion. Der Höhepunkt der Produktion wird 1987 und 1988 erreicht, als jährlich zehn Satelliten mit dem Fakel-Antrieb an Bord in den Weltraum starten. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR in den frühen 1990er Jahren sind sowohl die Kunden als auch die Regierung mit schweren Problemen konfrontiert und über mehrere Jahre gibt es fast keine Aufträge mehr.
Als Resultat entdeckt Fakel den internationalen Markt. Das Ergebnis der Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen ist im Sommer 1996 die Genehmigung der Regierung der Russischen Föderation für die Anwendung der Produkte an Bord von US- und europäischen Raumfahrzeugen.

So wird beispielsweise im Jahr 2014 ein Liefervertrag mir der Firma Airbus Defence and Space geschlossen, um SPT-140D Antriebe in den vollelektrischen Satelliten auf Basis der neuen Eurostar E3000e Plattform zu installieren (z.B. EUTELSAT 172B und SES-12).
Anläßlich des 60-jährigen Jubiläums des Experimental Design Bureau (EDB) Fakel wird im Oktober 2015 die dreitägige Konferenz ,Electric Propulsion. Yesterday. Today. Tomorrow’ veranstaltet. Hier ist u.a. zu erfahren, daß die Elektroantriebe seit 1982 in den Satelliten der Firma Reshetnev Information Satellite Systems (ISS) eingesetzt werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es 44 Satelliten im Orbit, die mit insgesamt 277 Hall-Effekt-Triebwerken ausgerüstet sind. Im Einzelnen sind dies: 60 Stück M-70, 208 Stück M-100 (SPT-100B), 8 Stück KM-60 sowie 1 Exemplar des Modells T-120.
Im August 2016 wird ein von SSL hergestellter Telekommunikationssatellit mit dem 100. SPT-100 gestartet. Das ehemals als Space Systems/Loral LLC (SS/L) bekannte Unternehmen in Palo Alto, Kalifornien, ist eine 100 %-ige Tochtergesellschaft der kanadischen Firma MacDonald Dettwiler and Associates Ltd. (MDA).
Weitere Entwicklungen, insbesondere nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs,
in deren Folge die Technologie des Hall-Antriebs in die westliche
Welt exportiert wird, werden dann in Frankreich (Snecma,
SMART-1, s.o.), Italien (Alta Space SpA, erster
erfolgreicher Prototyp im Jahr 1994) sowie in den USA (Busek,
Aerojet, JPL, NASA, U.S. Airforce Research Laboratories) durchgeführt.
Auch in in Japan wird seit den 1980er Jahren an Hall-Antrieben geforscht, und bereits 1982 fliegt ein japanisches Kaufman-Ionentriebwerk der 2 mN-Klasse mit Quecksilber als Treibstoff auf dem Engineering Test Satellite (ETS-III) ins Weltall, das einige hundert Stunden erfolgreich arbeitet. Anschließend wird geplant, Anfang der 1990er Jahre den Satelliten ETS VI mit einem Xenon-IT zur Lageregelung auszustatten.
In China überlegen sich Weltraumwissenschaftler bereits
in den 1980er Jahren, elektrische Triebwerke für Satelliten
zu benutzen, kommen dann aber wieder davon ab. Praktische Arbeiten
beginnen erst in den 1990er Jahren am Harbin
Institute of Technology (H.I.T.) unter der Leitung von Daren
Yu, einem Wunderkind, das dem Institut bereits im Alter von
15 Jahren beigetreten war. Zu diesem Zeitpunkt bejubeln die Russen
den Erfolg ihrer Hall-Effekt-Triebwerkstechnik, während in den USA
kommerzielle Satelliten ab 1997 mit Ionen-Triebwerken
ausgestattet werden.
Nachdem die chinesischen Forscher zunächst versuchen, Morozovs Ergebnisse zu replizieren, beschließen sie bald, über die Technik der Russen hinauszugehen, indem sie den Magnetismus benutzen, um die schädigende Wirkung des Triebwerkstrahls zu minimieren. Mozorovs Team hatte zwar schon ein rudimentäres Magnetfokusystem entwickelt, doch als Yus Team Mozorov in Moskau besucht, stellt es fest, daß die russische Technologie genauso unzuverlässig ist wie ihre eigene und eine unbeständig Leistung hat.
Den Strahl konsequent kontrollieren und ständig konzentrieren zu können, erfordert viele Jahre an Forschung und Versuchen. In dieser Zeit wächst auch das Interesse an der neuen Technologie. Während an der ersten National Electric Propulsion Conference am H.I.T. im Jahr 2005 nur 20 Personen teilnehmen, werden für die Jahrestagung 2016 bereits 150 wissenschaftliche Arbeiten eingereicht.
Im Oktober 2012 werden die beiden von der Shanghai Academy of Spaceflight Technology (SAST) entwickelten Satelliten Shijian-9 (A und B) gestartet, um u.a. die Funktionen von zwei experimentellen Antrieben zu testen, die bis zu 5 kW leisten. Der eine Satellit ist mit einem Kaufman-Triebwerk, der andere mit einem Hall-Effekt-Triebwerk ausgestattet. In einigen Quellen wird ein XIPS-20 Xenon-Gas-Ionen-Triebwerksystem erwähnt. Jeder Triebwerksversuch dauert sieben Minuten – in welche vierzig Jahre Arbeit eingeflossen sind.
Im Jahr 2015 melden Forscher des Institute 801 der China Aerospace Science and Technology Corp. einen Durchbruch in Hall-Effekt-Technologie, indem sie ein Triebwerk mit einer Lebensdauer von 75.000 Stunden entwickelt haben, das sich 15.000 Mal entzünden ließ und auch 18.000 Stunden ohne Pause brennen konnte.

Im Januar 2016 berichtet die Presse, daß das neue Hall-Effekt-Triebwerksystem, das von Yus Forschungsteams am H.I.T. gemeinsam mit Kollegen des Institute 502 der China Acdemy of Space Technology (CAST) entwickelt wurde, nun an chinesische Kunden in der Raumfahrtindustrie ausgeliefert worden sei.
Mit seiner neuen magnetischen Fokussierungsmethode soll das System die Wettbewerbsfähigkeit entsprechend ausgestatteter Kommunikationssatelliten auf dem kommerziellen Markt erheblich verbessern, da sie deren Lebensdauer stark verlängert und ihre Effizienz steigert. Im Vergleich zu ähnlichen Produkten anderer Länder sei das neue System um 20 – 30 % effizienter.
Basierend auf der Magnetfokus-Technologie, entwickelt das Beijing Institute of Control Engineering (BICE) Hall-Triebwerke mit Leistungen von Hunderten von Watt bis zu fünf Kilowatt - darunter das Modell HEP-100MF mit 1.500 W, sowie die Ausführung HEP-140MF mit 5 kW.
Bis Ende 2016 soll ein Kommunikationssatellit mit einem Hybrid-Antrieb in den Orbit gebracht werden, und um 2020 herum ist geplant, den ersten Satelliten mit einem vollelektrischen Antrieb in eine Umlaufbahn zu schicken. Zu diesem Zweck will die CAST bis dahin ein 50 kW Elektrotriebwerk entwickeln.
Im November 2016 startet dann der Satellit Shijian-17 an der Spitze der erstmals eingesetzten Rakete des Typs Langer Marsch 5. Der Satellit ist mit den neuen HEP-100MF Hall-Antrieben ausgestattet, die für seine Positionierung in einem geostationären Orbit eingesetzt werden und dem Satelliten erlauben, zur Unterstützung seiner experimentellen Mission zu verschiedenen Orbitalpositionen zu manövrieren.
Weiterreichende Pläne betreffen die zukünftige chinesische Raumstation, auf der ebenfalls elektrische Antriebssysteme verwendet werden sollen – sowie eine Marsmission, bei der ein 300-Tonnen-Raumschiff, das von einem Gitter aus 40 elektrischen 50 kW Triebwerken bewegt wird, den Roten Planeten in 200 Tagen erreichen könnte.
Erfolgreich in eine sonnensynchrone Umlaufbahn in 600 km Höhe gestartet
wird im November 2013 der Erdbeobachtungssatellit DubaiSat
2 der Vereinigten Arabischen Emirate, der für die Satellitenbahn-Korrektur
mit einem Hall-Effekt-Antriebssystem der südkoreanischen Firma Satrec ausgestattet
ist.
Und auch der bereits im Juli 2013 gestartete Kommunikationssatellit Alphasat I-XL (o. Inmarsat-4A F4), der im Auftrag von Inmarsat und der ESA von einem europäischen Firmenkonsortium unter Führung von Thales Alenia Space (TAS) und Astrium gebaut wurde, verwendet vier schwenkbare PPS 1350 Hall Effect Thruster der Firma Snecma (inzwischen: Safran).
Durch die langjährige Optimierung werden bereits Schubwirkungsgrade über 50 % realisiert, wobei mit Experimentalmodellen sogar schon bis zu 75 % erreicht worden sind. Im Jahr 2015 arbeitet ein Team am Plasmadynamics and Electric Propulsion Laboratory (PEPL) der University of Michigan am Bau des Prototyps eines 100 kW X3 Hall-Thrusters.

Dem Stand von 2015 zufolge bietet die Firma Airbus Defence and Space drei unterschiedliche RIT-Antriebe an: RIT µX (50 - 500 µN / > 50 W), RIT 10 EVO (5 mN – 15 mN – 25 mN / 145 W – 435 W – 760 W) und RIT 2X (80 mN – 115 mN – 168 mN – 200 mN / 2.185 W – 2.985 W – 4.650 W – 5.785 W).
Auch die Busek Co. Inc. hat drei Ionenantriebe im Angebot: BIT-1 (0,1 mN / 10 W), BIT-3 (1.4 mN / 60 W) und BIT-7 (11 mN / 360 W).
Der Hersteller Aerojet Rocketdyne wiederum nennt auf seiner Homepage ein Produktportfolio, das einen 100 W Pulsed Plasma Thruster (PRS-101), einen 0,8 kW Electrothermal Hydrazine Thruster (Resistojet, MR-502), eine 2 kW Hydrazine Arcjet and Power Processing Unit (MR-510) und ein 30 kW High Power Ammonia Arcjet and feed system umfaßt (ESEX). Hinzu kommen ein 5 kW Hall thruster sub-system (Zero-Erosion XR-5) sowie der oben erwähnte NASA Evolutionary Xenon Thruster (NEXT) mit 6,9 kW.
Weiter mit den Alternativen Antrieben in der Raumfahrt...