allTEIL C

Wellenenergie (XI) - Ausgewählte Länder

Israel/Palästina


Die Firma SDE Energy Ltd. (S.D.E.) ist ein Unternehmen in Tel Aviv, das schon 2006 behauptet, Weltmarktführer im Bereich der Wellenenergie zu sein – und mit 2 US-Cent/kWh den kostengünstigsten Wellenstrom herstellen könne. Die Firma des Erfinders Shmuel Ovadia wird mit 2 Mio. $ vom Chief Scientist of Israel finanziert, außerdem wird garantiert, daß ihr 20 Jahre lang 50 MW Strom zu einem Preis von 5,25 US-Cent/kWh abgenommen wird, sobald sie diesen produzieren kann.

Nach sieben kleineren Modellanlagen testet die SDE ihren patentierten 40 kW Prototyp erstmals ab Februar 2000 ein Jahr lang im geschichtsträchtigen Jaffa-Hafen von Tel Aviv. Auch bei dem SDE-Gerät wird die Wellenenergie über ein hydraulisches System genutzt, das etwa 28 kWh pro Meter Uferbreite erwirtschaften soll. Nur 10 % der Anlagenteile kommen direkt mit dem Seewasser in Berührung. Eine 1 MW Anlage würde etwa 650.000 $ kosten.

Das Unternehmen plant nun innerhalb von drei Jahren den Bau einer Demonstrationsanlage in Ashdod. Mit dem israelischen Industrie- und Handelsministerium wird ferner die Errichtung eines 50 MW Wellenenergie-Kraftwerks vereinbart, das 20 Jahre lang betrieben werden soll. Außerdem will man in Sri Lanka eine 150 kW Demonstrationsanlage bauen. Anfänglich wird sogar über eine 200 MW Anlage für 130 Mio. $ gesprochen.

Im Mai 2008 meldet die SDE, die zwischenzeitlich schon vier Tochterfirmen gegründet hat, daß sie bereits internationale Aufträge in Höhe von 3 Mrd. $ in den Büchern zu stehen haben – weshalb man jetzt nach einer Finanzierung für diese Projekte suchen würde.

Im Juli folgt die Meldung, daß die SDE eine Vereinbarung mit der VR China unterzeichnet hat, um dort Wellenkraftwerke zu installieren, derenn Errichtung von Investoren aus Hongkong und China finanziert werden soll. Zwei speziell hierfür gebildete Joint-Ventures in Hongkong sollen gemeinsam in der Provinz Guangzhou im Süden Chinas eine erste Modellanlage bauen. Sollte sich das Modell als erfolgreich erweisen, wird die Einrichtung von Wellenkraftwerken an der gesamten chinesischen Küste starten – mit einer Gesamtkapazität von bis zu 10 GW (andere Quellen: 20 GW).

Ebenfalls 2008 soll das Unternehmen eine Vereinbarung mit 25-jähriger Laufzeit mit einem (ungenannten) afrikanischen Land abgeschlossen haben, um dort Wellenkraftwerke mit einen Gesamtleistung von 100 MW zu bauen. Die erwarteten Kosten würden 100 Mio. $ betragen, auch hierfür suche man noch nach Investoren.

SDE-Testanlage

SDE-Testanlage

Die nächste Nachricht vom Dezember 2009 betrifft das Interesse Zyperns an der SDE-Technologie. Dem Unternehmen zufolge sei man bereits seit drei Jahren im Gespräch. Nun gibt das zypriotische Institute of Energy bekannt, daß man bereit sei, der SDE dabei zu helfen ihre Energiewandler in Zypern zu etablieren. Als erster Standort wird die Marina von Larnaca ins Auge gefaßt. Die Länge der verfügbaren Wellenbrecher vor der Marina beträgt ca. 400 m, und die Höhe der anrollenden Wellen ist ebenfalls zufriedenstellend. Zypern erlebt gegenwärtig lange Stromausfälle aufgrund eines starken Rückgangs der Regenfälle, außerdem ist das Land mit einem eklatanten Mangel an Trinkwasser konfrontiert. Hier könnte Strom aus Wellenenergie nützlich sein, um Meerwasser-Entsalzungsanlagen zu betreiben.

Im März 2010 bereitet sich die SDE auf den Baubeginn von Wellenkraftwerken vor Korsika, Mikronesien und Zanzibar vor, und im April gibt das Unternehmen bekannt, daß der Bau des 1 MW Kraftwerks in China kurz vor dem Abschluß steht - ohne daß es später eine Bestätigung dafür gibt, daß die Anlage in der Stadt Dong Ping, Provinz Guangzhou, die rund 700.000 $ gekostet haben soll, jemals tatsächlich installiert und in Betrieb genommen wurde. Auch über die Errichtung einer zweiten Anlage nahe der Stadt Zhan Jiang, über die bereits verhandelt wurde, ist später nichts mehr zu hören.

Im Juli 2010 installiert die SDE im Jaffa-Hafen ein neues 60 kW Wellenkraftsystem (SDE Jaffa Plant), das im Laufe der Zeit auf 50 MW erweitert werden soll. Das weiterentwickelte Modul besitzt eine einzelne Boje und arbeitet vollautomatisch. Im Vergleich zu ähnlichen Systemen würde die neue Anlage die höchste Effizienz besitzen, ohne daß jedoch irgendwelche Zahlen genannt werden. Für den Strom-Output dieser Anlage wird mit der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft ein Abnahmepreis von 12 US-Cent/kWh vereinbart.

Inzwischen scheint auch das Geschäft mit Sri Lanka unter Dach und Fach zu sein. Die entsprechende Konstruktion und Erprobung würde bei der Firma Coral in Sebastopol auf der Krim erfolgen.

Im Februar 2011 wird gemeldet, daß die SDE in Kenia mit der lokalen Firma Sea Wave Gen den Bau einer 100 MW Wellenenergie plant, das vom kenianischen Energieministerium bereits genehmigt wurde. Die Firma beziffert die Kosten einer 1 MW Anlage inzwischen auf 1 Mio. $. Zu diesem Zeitpunkt will das Unternehmen von verschiedenen Regierungen und Elektrizitätsunternehmen Bestellungen und Absichtserklärungen in Höhe von insgesamt ca. 1 Mrd $ in den Büchern zu stehen haben.

Ich möchte anmerken, daß die Informationspolitik des Unternehmens paranoide Züge aufweist, denn weder sind belastbare technische Details zu bekommen, noch wurden bislang irgendwelche tatsächlichen Ertragswerte veröffentlicht.

Quellen von Mitte 2012 zufolge habe die SDE bis zu diesem Zeitpunkt mit einem Investment von rund 2,5 Mio. $ elf Anlagen gebaut, von denen zwei in Israel und China installiert sind, wobei letzteres Exemplar von der chinesischen Regierung finanziert wurde. Daneben gibt es Kooperationsabkommen mit Chile, Mexiko, Sansibar, Kenia, El Salvador, Thailand, Ecuador und Myanmar. Dies läßt sich allerdings an keiner Stelle bestätigen – und auch in Bezug auf die anderen genannten Projekte erweist sich bislang fast alles als heiße Luft.

Im August 2012 meldet die SDE, daß sie sich in der Endphase des Baus des zweiten Kraftwerks für die Hafenstadt Guangzhou befindet, das 150 kW liefern soll, nachdem mit den chinesischen Partnern eine Vereinbarung über 1,2 Mio. $ für den Export der Anlage nach Guangzhou unterzeichnet worden war. Eine dritte Anlage mit 500 kW soll später folgen.

Im September wird die SDE von der Delegation eines großen indischen Automobilherstellers besucht, um ein Kooperationsabkommen zum Bau von Wellenenergie-Stromerzeugungsanlagen entlang der indischen Küste zu unterzeichnen, das von den Regierungen der Bundesstaaten Gujarat und Maharashtra, der Energy Development Agency, dem Electricity Regulation Committee (MERC) und der Electric Company of India PTC unterstützt wird.

Im Oktober gründet die SDE ein Joint-Venture mit der Firma Green Energy International Inc., einem Projektentwickler für Erneuerbare Energien mit Sitz in Las Vegas, um ein 50 MW Meereswellenkraftwerk entlang der Küste Ecuadors zu entwickeln. Die erforderliche Finanzierung der Anlagen soll die US-amerikanische Investmentbank Reliance Partners LLC sichern, wobei die Regierung des südamerikanischen Landes vorgeschlagen hat, 60 % der Baukosten zu übernehmen und einen Stromabnahmevertrag für 15 Jahre zu unterzeichnen. Die neue Firma SDE Ecuador soll aber auch kleinere Meereswellenprojekte rund um die Galapagosinseln entwickeln.

Es scheint allerdings, als hätten die vielen Projekte nicht verwirklicht werden können, was möglicherweise auch der Grund dafür ist, daß Ovadia im Juli 2014 gemeinsam mit der Blackbird International Corp. (BBRD) die Firma Wave Electricity Renewable Power Ocean (WERPO) gründet, der alle Rechte an der SDE-Technologie, dem Eigentum, den Verträgen und Tochtergesellschaften überschrieben werden, während die BBRD wiederum Haupteigentümer der WERPO ist.

Die neue Firma meldet bereits im Oktober, daß sie vom Energieministerium in Kenia grünes Licht für die Installation der o.e. 100 MW Wellenenergieanlage erhalten habe, die in einem 70/30 Joint-Venture mit der lokalen Firma Sea Wave Gen realisiert werden soll. Die WERPO werde rund 80 Mio. $ in den Bau dieser Anlage investieren, deren erste Phase eine Kapazität von 10 MW haben wird.

Des weiteren sei bereits der Stromabnahmevertrag für ein erstes 100 MW Wellenenergieprojekt in Conakry, der Hauptstadt von Guinea-Bissau, unterzeichnet, das später auf 500 MW erweitert werden könnte; in China wird ein Vertrag über 1,2 Mio. $ für den Bau von zwei weiteren Kraftwerken mit je 500 kW abgeschlossen; und auch in Sri Lanka soll an der Küste der Stadt Matara ein 10 MW Wellenkraftwerk errichtet werden, dem später 20 weitere Anlagen mit gleicher Leistung folgen sollen.

Im November übernimmt die WEPRO auch die Kontrolle über die bisherigen Aktivitäten der SDE in China. Gemäß einer ersten Vereinbarung in Höhe von 0,8 Mio. $ war bereits ein zweites 150 kW Kraftwerk nach China geliefert worden, das auf Hainan, der größten Insel Chinas, 30 km von der Region Guangdong entfernt, installiert werden soll. Nun wird ein weiterer Vertrag über 1,2 Mio. $ unterzeichnet, durch den zwei weitere Kraftwerke mit je 500 kW Leistung in Israel hergestellt werden – mit Ausnahme der Bojen, die in China von einem lokalen Unternehmen im Besitz der WEPRO gebaut werden, dessen Hauptaktionär die chinesische Regierung ist.

Im Dezember 2014 kündigt die WERPO eine Partnerschaft mit dem Handelsunternehmen Seedsowers Investors and Developers Co. mit Sitz in Antigua & Barbuda an, zwecks einer Expansion in der Karibik. Bereits im Januar 2015 unterzeichnen die Partner den endgültigen Joint-Venture-Vertrag, um in der ersten Projektphase ein 2 MW Kraftwerk zu installieren. Die für diese Phase erforderlichen rund 5 Mio. $ sollen über 24 Monate gesammelt werden. In der zweiten Projektphase soll die Anlage dann auf mindestens 5 MW erweitert werden.

Im selben Monat unterzeichnet die WERPO einen Vertrag, der die Beijing Capital Group (BCG) zu ihrem exklusiven Promoter auf dem chinesischen Markt macht, wo beabsichtigt ist, entlang der Küste etwa 625 Meereswellengeneratoren zu installieren.

Im Februar 2015 folgt ein Partnerschaftsvertrag mit der in Ghana ansässigen Beratungsorganisation Africa Center for Energy Policy (ACEP), um ebenfalls im Rahmen eines Joint-Ventures ein Wellenkraftwerks vor der Küste von Ghana zu planen und zu installieren. Die gleiche Meldung wiederholt sich übrigens im Februar des Folgejahrs.

Einen Schritt näher zur Umsetzung der diversen Pläne macht die WERPO, als sie im März nicht näher bezifferte finanzielle Unterstützung von der Mercantile Discount Bank erhält, die den Finanzbedarf der nächsten 2 – 3 Jahre decken soll. Im gleichen Monat beginnen Verhandlungen, um die Wellenenergietechnologie der Firma vor der Küste des Inselstaates Grenada umzusetzen. Hier soll ebenfalls eine lokale Kooperation gegründet werden, um in der ersten Phase 10 MW zu installieren, die in einer zweiten Phase auf 100 MW erweitert werden sollen.

Im Mai wird mit der Regierung von Guinea-Bissau, Westafrika, eine Vereinbarung in Höhe von 500 Mio. $ über die Entwicklung des 500 MW Wellenkraftwerks vor der Küste des Landes unterzeichnet, die auch hier wieder über ein Joint Venture zwischen der Regierung und der WERPO erfolgen soll. Zeitgleich meldet die Firma, daß sie durch die BCG mit einem ungenannten großen Elektrizitätsunternehmen in China in Gesprächen über die Installation einer sehr großen Wellenfarm sei.

Im Juli 2015 genehmigt das Ceylon Electricity Board (CEB), der größte Stromanbieter in Sri Lanka, Pläne für den Bau eines ersten 10 MW Wellenkraftwerks, dem später zehn weitere Anlagen folgen sollen. Die WERPO gründet daraufhin im August zusammen mit der Non-Profit-Organisation Help Mankind ein Joint-Venture, an dem die WERPO 51 % der Anteile hält. Die lokale Tochtergesellschaft soll neben dem Bau des Kraftwerks selbst auch ein Projekt zur Implementierung einer Produktionsanlage für die verwendeten Geräte verfolgen, während Help Mankind mit der Beschaffung der erforderlichen Finanzierung beauftragt ist.

Ebenfalls im August werden Pläne für die Realisierung eines 500 MW Wellenkraftwerks an der fast 3.000 km lange Küste Südafrikas angekündigt, die über ein Joint-Venture gemeinsam mit dem südafrikanischen Partner Wadamba Technovations Pty durchgeführt werden soll.

Im Oktober 2015 folgen Gespräche mit Vertretern der GEDA, der Regierungsbehörde in Indien, die sich der Erforschung neuer Technologien im Bereich der Erneuerbaren Energien widmet, sowie mit Investoren, um ein 10 MW Kraftwerk in Gujarat zu installieren. Und im November tut sich die WERPO mit der Kapitalanlagegruppe Sunbelt Israel zusammen, um Mittel für die Realisierung der angekündigten Wellenenergieprojekte zu beschaffen.

Im August 2016 wird berichtet, daß die auf Photovoltaik fokussierte Firma Shahar Energy die Patente und das geistige Eigentum (IP) der WERPO erworben habe. Der bisherige Eigentümer, die o.e. Blackbird International Corp. (BBRD), will den Fokus dagegen auf neue Technologien für Schiffe und Fahrzeuge verlagern. Die Idee ist, daß Shahar Energy auf eigene Kosten Wellenkraftwerke bauen wird, zunächst eine 5 MW und dann eine 10 MW Anlage, wobei die BBRD 20 % des Gewinns aus diesen Geschäften erhält.

Die Eigentümer der Shahar Energy, Zeev Peretz und Laser Rothstein, gründen umgehend die Firma Yam Pro Energy in Kfar Saba, um die neu erworbenen Wellenenergieprojekte voranzutreiben. Zusammen mit einem Ingenieurteam soll „die Entwicklung des Wellenenergiesystems noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, um im kommenden Jahr weltweit Kommerzialisierungsaktivitäten durchzuführen“. Die Systeme sollen dann in Zusammenarbeit mit dem israelischen Infrastruktur-Ingenieurbüro MER Group errichtet werden, das in einigen Ländern auch der Auftragnehmer sein wird.

Das Management der neuen Firma trifft sich zwar mit dem Botschafter Sri Lankas in Israel, um das 10 MW Wellenenergie-Projekt in diesem Land weiter zu verfolgen, und führt auch Gespräche mit großen Investitionsfonds in Asien und den USA, um die geplanten Wellenenergieprojekte zu finanzieren, scheint damit aber auch keine Fortschritte zu machen.

Erst im Dezember 2017 ist wieder etwas über die Yam Pro Energy zu hören, als in der Fachpresse gemeldet wird, daß diese mit der Shapoorji Pallonji Group, den Eigentümern der TATA-Gruppe, eine 180 Mio. $ schwere Vereinbarung zum Bau eines 150 MW Wellenkraftwerks in Ghana unterzeichnet habe, das in den kommenden drei Jahren soll fertig gestellt werden soll. Die erste Phase wird 10 MW betragen.

Damit endet vorerst die Geschichte dieser jahrelangen Versprechen und Ankündigungen – wobei es jedoch gut möglich ist, daß die Sache in einiger Zeit unter einem neuen Namen erneut auftaucht...


Ein weiteres Unternehmen, das sich neben der Windenergie (s.d.) auch mit Wellenkraft beschäftigt, ist die 2006 gegründete Firma Leviathan Energy Inc. von Daniel Farb, der seine Wellenturbine am Technion – Israel Institute of Technology testen läßt, während die hydrodynamische Optimierung zusammen mit Prof. Moshe Rosenfeld an der Universität Tel Aviv erfolgt. Das neue System fängt zur gleichen Zeit die Energie sowohl der vertikalen als auch der drehenden Wellenbewegungen ein.

2007 soll das Unternehmen eine Absichtserklärung unterzeichnet haben, um in Indien Wind- und Wellenergieprojekte im Umfang von 50 Mio. $ zu entwickeln.

2009 kommt es zu einer Kooperation mit der kanadischen Gezeitenenergie-Firma SeaKinetics Corp. (s.d.), um die Leviathan Energy Wave Turbine des Unternehmens weiterzuentwickeln.

Danach gibt es nichts Neues mehr über das Unternehmen, und ob von den genannten Plänen irgend etwas umgesetzt wurde, ist auch nicht herauszufinden.


Im Jahr 2010 investiert Shlomo Gilboa, ein zum Erfinder gewandelter Lokalpolitiker, Millionen von Dollar in die offiziell 2008 gegründete Firma Seanergy Electric Ltd. in Haifa, die allerdings schon seit 15 Jahren an einem Wellenkraftwerk gleichen Namens arbeitet, das primär für die Meerwasserentsalzung gedacht ist. Immerhin soll dieses „20 Mal mehr Energie als alle anderen existierenden Wellenenergie-Technologie erzeugen“. Dies hätten jedenfalls Prototyp-Tests vor der Küste Haifas bewiesen.

Seanergy Versuch

Seanergy Versuch

In dem patentierten Seanergy-System wird die Welle ‚gehalten’, während sie normalerweise im Takt mehrerer Sekunden kommt und geht. Dies geschieht durch ein Reservoir innerhalb der Boje, das die Welle quasi ‚einfängt’. Nähere Details sind leider nicht zu finden. Eine Seanergy-Farm von 300 m2 soll rund 1 Mio. m3 entsalztes Wasser produzieren (aber in welchem Zeitraum? Pro Tag?).

Seanergy arbeitet mit der Israel Electric Corporation zusammen und wird von Ingenieuren der Universität Haifa unterstützt. Nach kleineren Laborversuchen wird 2009 eine etwa vierstöckige, professionelle Testanlage gebaut (an Land), die ab 2010 auch erfolgreiche Resultate erbringt. Das System firmiert auch unter dem Namen Turbo Outburst Power (TOP) bzw. Top Desalination System (TDS).

Mitte 2010 ist das Unternehmen mit einer Reihe von großen und kleinen Unternehmen auf der ganzen Welt im Gespräch, um eine erste Farm mit vier mal vier Bojen im Umfang von 2 Mio. $ zu finanzieren.

Nach der US-Patentanmeldung im Juni 2010 (US-Nr. 2011/0030365, veröffentlicht im Februar 2011) tritt die Firma nur noch auf Facebook in Erscheinung, wo in einem Eintrag vom Juni 2011 neben der bisherigen eine weitere große Versuchsanlage der 2. Generation (in rot-gelb) zu sehen ist, doch auch hier wieder ohne jegliche näheren technischen Details, reale Zahlen oder verwertbare Versuchsberichte vorzulegen.

Es scheint, als würden in Israel auch solcherart zivile Innovationen als Staatsgeheimnis behandelt. In den Folgejahren werden zwar immer mal wieder Fotos der Anlagen veröffentlicht, zuletzt im Oktober 2014, aber weitere Schritte scheint es nicht mehr gegeben zu haben.


Eine weitere israelische Firma im Bereich der Wellenenergie ist die 2011 gegründete Eco Wave Power Ltd. (EWP) von David Leb, der in Panama City eine Surf-, Tauch- und Angelschule besitzt, wo er beim Beobachten der Wellen auf die Idee eines neuartigen Systems kommt. Der patentierte Konverter beruht auf einer einfachen und kostengünstigen Technologie, um Wellenenergie aus hohen und niedrigen Wellen zu ernten.

EWP-Prinzip Grafik

EWP-Prinzip (Grafik)

Das EWP-System wurde entwickelt, um besonders robust zu sein, und gegenüber konkurrierenden Systemen verschiedene technische Vorteile zu bieten. Einerseits kann die Energie der steigenden und fallenden Wellen nahe der Küste abgefangen werden, doch ebenso kann das System auf bestehenden Strukturen wie Wellenbrechern und Molen sowie schwimmenden und festen Plattformen installiert werden.

Vom Prinzip her fast identisch mit den zuvor beschriebenen Systemen der Firma SDE, werden von der EWP allerdings zwei unterschiedliche Schwimmerformen entwickelt und getestet, welche die Namen Wave Clapper (im Bild weiß) und Power Wing (blau) tragen.

Das Unternehmen hatte bereits bei den ersten Versuchen herausgefunden, daß die besondere Ausformung der Schwimmer ihre Wirkung maximiert. Die Schwimmer, die mit Sensoren die Meeresumwelt überwachen und genau erkennen, welche Art von Wellen auf dem Weg zu ihnen sind, steigen und fallen nicht nur je nach Stärke der Welle, sondern „nutzen auch die Vorteile der Hubkraft, der Veränderungen des Wasserstandes, der hydraulischen Luftsperre und des zufälligen Flusses der Wellen“, wie es in den Veröffentlichungen des Unternehmens heißt.

EWP-Labortest

EWP-Labortest

Im Falle aufkommender Stürme erkennt das System automatisch die Art der Wellen und entscheidet selbständig, ob es die Bojen über den Wasserspiegel hebt – oder sie in den Ozean eintauchen läßt, um das System vor mechanischen Zerstörungen zu schützen. Kehren die Wellenhöhen wieder zur Normalität zurück, entriegelt sich das System von alleine und beginnt erneut mit seiner Energieumwandlung und der Übertragung von hydraulischem Druck an die an Land befindliche Station, wo dieser Druck in Rotation und anschließend in Strom umgewandelt wird.

Die ersten kleineren Modelle werden bis Dezember 2011 am Nationalen Hydromechanischen Institut in Kiew getestet, was mit der Herkunft von Lebs Partnerin bei der Firmengründung zusammenhängt: Inna Braverman stammt aus der Ukraine und scheint die erste Frau zu sein, die sich mit dem der Wellenenergienutzung beschäftigt.

Zudem wird ein 10 kW System an der Seemauer um den Jaffa-Hafen befestigt, um mit den neuartigen Systemdesigns und Schwimmerformen zu experimentieren. Manchmal läßt die EWP lokale Künstler die Schwimmer bemalen, um eine positive visuelle Wirkung zu erzielen und die künstlerische Ausrichtung des Hafens sowie den Ökotourismus zum Hafen zu fördern.

Zwei mittelgroße Systeme der beiden Modelltypen von jeweils 2,5 m Länge und mit 5 kW Leistung werden an zwei Standorten im Schwarzen Meer installiert und ab April 2012 erfolgreich getestet. Sie überstehen u.a. einen heftigen Sturm mit Wellenhöhen von bis zu 5 m unbeschadet. Das Unternehmen hat sich laut eigenen Aussagen zudem die unbezifferte Finanzierung für drei zusätzliche Systeme sichern können, von denen das letzte ein kommerzielles Kraftwerk in vollem Maßstab sein wird, das bis zu 1.000 Haushalte mit Strom versorgen kann.

Für die Entwicklung und Umsetzung der beiden Wellenkraftwerkstypen wird die EWP im Juli 2012 von Frost & Sullivan mit dem New Product Innovation Award ausgezeichnet.

Im November (o. Dezember) folgt die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit der Ocean University of China, die zur Umsetzung der EWP-Technologie in China führen soll. Gemäß dem Abkommen wird die chinesische Universität die volle Finanzierung für das erste kommerzielle EWP-Projekt sichern und auch die entsprechenden F&E-Arbeiten durchführen. Die EWP wird ihrerseits eine lokale Niederlassung mit dem Namen Eco Wave China gründen, der von chinesischer Seite eine Fabrikationsfläche von 300 m2 sowie finanzielle Unterstützung für zwei Jahre zugesichert wird.

Die endgültige Vereinbarung zur Zusammenarbeit wird im Mai 2013 in Peking zwischen der EWP und einem chinesischen Staatsfonds unterzeichnet und hat ein Volumen von 5 Mio. RMB, von denen EWP 20 % trägt.

Über die ab 2014 erfolgte Implementation einer EWP-Anlage in Gibraltar berichte ich in der dortigen Übersicht.

Zwar meldet die EWP zu diesem Zeitpunkt, bereits Projekte von insgesamt mehr als 111 MW in Gibraltar, Großbritannien, Schottland, Chile, China, Mexiko, Zypern und anderen Ländern in der Pipeline zu haben, vier Tochtergesellschaften und weltweit mehr als 50 Exklusivvertreter, doch von weiteren Umsetzungen nach der Eröffnung der Gibraltar-Anlage im Mai 2016 ist bislang nichts zu hören.

Gaza-Wellenkraftwerk

Gaza-Wellenkraftwerk


Im April 2018 berichtet die Presse, daß im belagerten palästinensischen Gaza-Streifen, in dem Israel täglich nur wenige Stunden Strom zuläßt, ein kleines Wellenkraftwerk in Betrieb genommen wurde, das 12 – 15 kW Strom liefert und sieben Haushalte versorgen kann.

Gelungen ist dies den vier palästinensischen Ingenieurstudenten Mahmoud Abu Zeid, Ghazi Aslih, Haytham Mashtaha und Mahmoud Murad aus Gaza, die 2016 im Rahmen ihres Abschlußprojekts an der Islamischen Universität Gaza mit der Arbeit an dem System begonnen hatten, das aus Schrotteilen konstruiert ist.

Wie man anhand der Berichterstattung sehen kann, handelt es sich technisch um eine Art Imitat der obigen EWP-Technologie. Sollte es gelingen, weiteres Material zu beschaffen, soll die Anlage während der nächste Phase auf 20 – 25 kW ausgebaut werden. Die Ingenieure hoffen nun, das Projekt in ein Handelsunternehmen umzuwandeln, um azu beizutragen, die gewollte Energiekrise im Gazastreifen zu lindern.

Bei einer vertiefenden Recherche stellte sich heraus, daß die Arbeiten an der Anlage in Gaza seit mindestens 2009 in Gang sind. Der damalige Entwicklungsstand wird in vorbildlicher Ausführlichkeit in der Master-Arbeit ,Development of Wave Energy Conversion Device – Gaza Shoreline‘ von Shokri Z. El-Zaza an der Islamic University of Gaza dokumentiert, die im Netz einsehbar ist.


Italien


Italien ist mit seiner rund 7.500 km langen Küste eines der europäischen Länder, das am meisten von der Nutzung der Wellenenergie profitieren könnte. Über ein Wellenkraftwerk aus Italien wird international allerdings erstmals im Mai 2012 berichtet, obwohl die dafür verantwortliche Firma Wave for Energy Ltd. (W4E) bereits im April 2010 gegründet wurde – als ein Spin-off des Politecnico di Torino, wo die Forschungen an der Wellenenergie im Jahr 2005 begonnen hatten. Die Ideengeber des Inertial Seawave Energy Generator (ISWEC) genannten Systems sind Giuliana Mattiazzo und Ermanno Giorcelli, die dann auch zu den Gründern der W4E gehören.


ISWEC Labormodell

Der ISWEC ist eine gyroskopische Energie-Umwandlungsvorrichtung, die auf einem schwimmenden Rumpf ohne starre Verankerungen oder Fundamente auf dem Meeresgrund montiert ist, der dem System Stabilität und eine optimale Synchronisation mit der Wellenlänge am Aufstellungsort bietet.

Das Inertial-Kreiselsystem erzeugt die Energie unter Resonanz-Bedingungen, d.h. die Schaukelbewegung durch Wellen wird von dem rotierenden Kreisel aufgenommen, der dadurch weiter beschleunigt wird. Diese Energie wird dann über einen Generator zu Strom umwandelt - ein ähnliches Prinzip wie beim RotaDyn Fitneß-Ball, dessen internes Schwungrad man mit leichten, aber exakt synchronisierten Handgelenksbewegungen auf immer höhere Drehzahlen bringen kann, und das dabei unglaublich starke Beharrungskräfte entwickelt.

Ab 2007 wird ein gyroskopisches Labormodell mit zwei Freiheitsgraden gebaut, um die innerhalb der Arbeitsgruppe entwickelten Konzepte anhand von Tests im Wellentank zu überprüfen, und 2008 führen zwei multidisziplinäre Teams an den Polytechnischen Schulen von Mailand und Turin Machbarkeitsstudien durch. Außerdem wird ein Modell mit einer Pendel-Technologie realisiert, um mit dem bisherigen ISWEC verglichen zu werden.

2009 wird der erste Prototyp im Maßstab 1:45 mit einem einzigen Freiheitsgrad entworfen und gebaut, der allerdings eine neue Architektur nutzt, die das Team zwischenzeitlich konzipiert hatte. Er hat die Maße 560 x 230 x 230 mm. Die Tests werden auf einem trockenen Prüfstand im mechanischen Labor sowie im Wellentank der Abteilung für Hydraulik und Transporte des Politecnico di Torino durchgeführt. In selben Jahr wird der auch 1-dof genannte Prototyp eine Woche lang in den Wellentanks der Universität von Edinburgh in Großbritannien, der Università Frederico II in Neapel und der INSEAN in Rom.

Nach Gründung des neuen Unternehmens 2010 folgen weitere Tests des 1-dof sowie der Entwurf eines Prototyps im Maßstab 1:8, der mit einer Vakuumkammer und Gleitlagern mit sehr niedriger Reibung ausgestattet wird. Nach Herstellung des 3,5 m langen, 3 m breiten und 2 m hohen Prototypen im Jahr 2011, gemeinsam mit den Partnerfirmen ARIS SpA und Moog Inc., finden im Folgejahr Tests auf offener See statt. Außerdem wird an der Entwicklung eines 60 kW Systems gearbeitet.

Die Macher von W4E hoffen, bereits ein Jahr später die Herstellung von Geräten mit Netzanbindung an andere Firmen auslagern zu können, um selbst die erste Wellenenergie-Farm im Mittelmeer zu entwickeln.

Pantelleria-Anlage

Pantelleria-Anlage

Im Februar 2012 beginnt das Team mit den Arbeiten an der endgültigen Vollversion, die nun für den Einsatz auf See bereit ist. In den Folgejahren wird die Innovation auf verschieden Messen präsentiert, doch erst im August 2015 wird gemeldet, daß die erste vorkommerzielle Maschine im Maßstab 1:1 nun etwa 800 m und in 35 m Tiefe auf der nordwestlichen Seite der Insel Pantelleria verankert worden sei. Das System von 8 m Breite, 15 m Länge und 4,5 m Höhe hat einen Tiefgang von 3,2 m, während 1,3 m oberhalb der Meeresoberfläche zu sehen sind.

In der ersten Betriebsphase wird das System mit einer Nennleistung von 100 kW nicht an das Stromnetz der Insel angeschlossen, doch im Herbst wird ein Stromkabel zum Anschluß der Maschine an das Netz verlegt und die W4E plant, das System Ende Januar 2016 an das Stromnetz anzuschließen.

Die Verwirklichung des Projekts erfolgte dank der Finanzierung aus den Regionen Piemont (Enermhy pole) und Sizilien sowie der Zusammenarbeit mit Enel Green Power, ARIS spa, Landra S.r.l., UP Design s.r.l., Sirius Electronic System s.r.l., Miwt s.r.l., Power Evolution s.r.l., der Università di Catania, Asa impianti s.r.l., sowie aufgrund der Unterstützung in den Entwicklungsphasen durch die Firmen Remacut s.r.l., SKF, Siemens und National Instruments sowie den Beitrag der Verwaltung und der Gemeinschaft der Insel Pantelleria. Seltsamerweise gibt es danach keine Berichte mehr über das System.

Einzig im September 2017 ist zu erfahren, daß die W4E gemeinsam mit dem Politecnico di Torino sowie den Projektpartnern Innosea Ltd. und Industrial Systems and Control Ltd. ein mit 37.600 £ beziffertes Projekt namens ForeWave verfolgen, das darauf abzielt, unter Verwendung von Echtzeit-Bewegungsdaten schwimmender Wellenenergiewandler Algorithmen zur Schätzung des aktuellen Wellenzustands und zur Lieferung von Wellenkraftvorhersagen zu entwickeln. Während der ersten Projektphase soll die Logik entwickelt und in das Gyroskopsystem des ISWEC implementiert werden.

Civitavecchia im Bau

Civitavecchia (im Bau)


Eine neue Geometrie für ein OWC, das in einen Wellenbrecher eingebettet ist, wird 2007 von P. Boccotti vorgeschlagen. Sein OWC ist lang in Wellenkammrichtung, aber schmal in Längsrichtung, mit U-förmigem Querschnitt, wobei die äußere Öffnung nach oben gerichtet ist.

Ein Vorteil dieser Konzeption ist, daß sie es ermöglicht, die Gesamtlänge der Wassersäule zu vergrößern, ohne die Öffnung zu weit unter die Meeresoberfläche verlegen zu müssen.

Diese Art von OWC wird später von der Università Mediterranea di Reggio Calabria (UNIRC) in Zusammenarbeit mit Wavenergy.it, einem akademischen Spin-Off der Universität, unter dem Namen REsonant Wave Energy Converter (REWEC3) weiterentwickelt. Es handelt sich um ein OWC, das in einen traditionellen vertikalen Wellenbrecher aus Stahlbeton integriert ist.

Der erste großtechnische Prototyp wird 2014 als Teil des Wellenbrechers im Hafen von Civitavecchia installiert, nachdem die dortige Hafenbehörde beschlossen hatte, ihre Infrastruktur zu modernisieren und die REWEC3-Technologie bei der Realisierung von 17 neuen Caisson-Wellenbrechern mit insgesamt 136 OWCs einzusetzen. Jeder REWEC3-Kasten ist knapp 34 m lang und beinhaltet 6 – 8 unabhängige Absorptionskammern. Die Gesamtlänge der Kästen beträgt 578 m. Eine erste Wells-Turbine von 20 kW wurde bereits installiert, während die letztliche Gesamtleistung 2,5 MW betragen wird.

Die Technologie soll auch sonst für neue Wellenbrecher in Italien eingesetzt werden. Bestätigen ließ sich dies bislang aber nicht.


An der Universität Padua wird seit Ende 2007 ein schwimmendes Wellenkraftwerk namens Seabreath entwickelt, dessen längliche Struktur auf die Ausbreitungsrichtung der einfallenden Wellen ausgerichtet ist. Es besteht aus einem Satz rechteckiger Kammern mit offenem Boden, wobei jede OWC-Luftkammer über Rückschlagventile mit zwei Längskanälen (Hochdruck und Niederdruck) verbunden ist, die eine konventionelle unidirektionale Luftturbine versorgen. Labortests an einem verkleinerten Modell liefern ermutigende Ergebnisse.

Seabreath-Labortest

Seabreath-Labortest

Das erste seetaugliche Gerät soll aus wiederverwendeten Containern und umweltfreundlichen Materialien hergestellt und dann in Bezug auf verschiedene technische Aspekte und das Design kontinuierlich weiterentwickelt werden. Der nächste Schritt wird dann die Entwicklung eines größeren Gerätes für den Betrieb mit Meereswellen sein. Das langfristige Ziel ist, ein schwimmendes modulares Gerät von 100 m Länge zu realisieren und zu vermarkten, das aber auch an festen Installationen wie Stegen, Pfeilern oder an anderen Schwimmerstrukturen angebracht werden kann.

Im Jahr 2010 wird die Idee im italienischen Pavillon der Expo Shanghai vorgestellt, und im Jahr 2011 wird sie auf der IV. Internationalen Ausstellung für Erfindungen im Nahen Osten mit einer Silbermedaille ausgezeichnet und gewinnt in einem von Marevivo ausgeschriebenen internationalen Ideenwettbewerb zur Aufwertung von Meeresschutzgebieten den zweiten Preis. Hinzu kommt der Lamarck-Preis auf der Informations- und Kommunikationstechnologie-Messe SMAU 2012 in Mailand.

Die zu Umsetzung gegründete Firma Seabreath Ltd. sucht nach Eigenkapital für die Verwirklichung und Verbreitung des kommerziellen Produkts, scheint damit bislang aber nicht viel weitergekommen zu sein.


Im Juni 2013 meldet die Fachpresse, daß der italienisch-multinationale Konzern Enel Green Power S.p.A. (EGP) mit der Installation eines 150 kW Wellenkraftwerks begonnen habe. Der von der britischen Firma 40South Energy Ltd. (s.d.) entworfene und gebaute R115-Generator, den die EGP im Vorjahr gekauft hatte, kommt bei Punta Righini an der Küste der Toskana zu Einsatz. Die Installation und Inbetriebnahme der Maschine sowie die Ausführung von Wartungsarbeiten werden von der 40South Energy Srl, der italienischen Abteilung von 40South Energy, übernommen.

Nach ersten Schätzungen wird sich die Stromerzeugung bei durchschnittlich 100 kW auf über 220 MWh pro Jahr belaufen, was den Bedarf von 80 Haushalten decken kann. Mittelfristig soll der Punta Righini Wave Energy Park, der sich ca. 1,5 Nm vor Castiglioncello befindet, bis zu vier R115 Wellenenergiewandler umfassen.

Im September werden zwei Führungsbojen positioniert und an der Installation des Verankerungssystems gearbeitet, und Mitte Dezember 2013 wandelt die Anlage erstmals Wellenenergie in Strom um. Im Januar 2014 meldet die EGP den erfolgreichen Abschluß der ersten Testphase des Wellenenergiewandlers, woraufhin die fertig montierte Maschine vom Hafen von Livorno in Richtung Punta Righini geschleppt wird. Hier beginnt im Februar die zweite Phase der Tests.

H24-Anlage

H24-Anlage

Mit der Installation des ersten Geräts will die EGP ihr Spektrum an erneuerbaren Technologien erweitern – und nach einer erfolgreichen Prüfung der Leistungsfähigkeit des Wellenkraftanlage auch die Zusammenarbeit mit 40South Energy ausweiten, um einen neuen 2 MW Prototypen zu entwickeln, der genauso funktioniert wie das derzeit getestete Gerät und die gleichen wesentlichen Merkmale aufweist.

Im Oktober 2014 wird zwar noch gemeldet, daß nun auch die zweite Testphase in den Gewässern des toskanischen Archipels abgeschlossen wurde und die R115 für die Aufnahme des offiziellen Betriebs vor der Insel Elba vorbereitet wird, doch dies ist dann auch das Letzte, was darüber verlautet.

Neuigkeiten gibt es erst wieder im August 2015, als die Fachpresse darüber berichtet, daß die 40South Energy – nun gemeinsam mit dem italienischen Gezeiten- und Wellenenergieunternehmen Elements Works S.r.l.s. – im Rahmen des Pilotprojekts Marina di Pisa (HWEP-IT1) vor der Toskana ein 50 kW Wellenenergiegerät namens H24 installieren wird (das teilweise auch mit 49,5 kW beziffert wird, möglicherweise aus rechtlichen Gründen). Das Akronym HWEP steht dabei für ‚H-machines composed Water Energy Park‘.

Nach seiner vollständigen Fertigstellung soll das Projekt zwei vollständig getrennte H24 Anlagen umfassen, in Bezug auf das Eigentum, die Infrastruktur und den Netzanschluß. Jede Anlage wird über ein eigenes Kabel zum Ufer und einen eigenen Energiezähler verfügen. Wie sich der detaillierten Chronologie in der Länderübersicht Großbritannien entnehmen läßt, handelt es sich dabei um eine Weiterentwicklung der bisherigen R115 Anlage. Die Kosten für die erste Phase des Projekts werden auf 200.000 € geschätzt, die gesamten Projektkosten auf 800.000 €.

Die beiden Firmen starten im September eine Crowdfunding-Kampagne, um die notwendigen Mittel für die Realisierung der ersten Phase des Projekts zu erhalten, die je nach Erfolg der Kampagne schon Ende 2015 beginnen könnte. Parallel dazu beantragen die Entwickler die Installationslizenz für das Wellenenergiegerät und die zugehörige Infrastruktur. Später ist eine zusätzliche Fundraising-Kampagne geplanz, welche die Gesamtkosten des Projekts decken soll.

In Bezug auf die genannte Firma Elements Works, so wurde diese Mitte 2014 gegründet, um fortschrittliche Systeme mit modernsten erneuerbaren Quellen wie den Wellenenergiewandlern von 40South Energy zu entwerfen und zu bauen.

Ebenfalls im September wird die Installation des Unterwasserkabels abgeschlossen, so daß die Anlage im Frühjahr 2016 installiert werden könnte, wenn das Projekt bis dahin  die erforderliche Genehmigung erhält. Im Oktober wird die Glasfaser-Datenverbindung zum Standort fertiggestellt, und im November wird die erste H24 Anlage installiert und an das italienische Netz angeschlossen. Schon unter der Wirkung kleiner Wellen produziert der Wellenenergiewandler eine Leistung von 1 kW.

Zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 erfolgt die erste Umwandlung von Strom aus Wellen, wobei nicht sicher ist, ob die Anlage auch darüber hinaus das Inselstromnetz versorgt. Sie wird jedenfalls im November (o. Dezember) 2016 von der EGP gekauft.

Im Januar 2017 legt die EGP im Zuge des Übergangs des Unternehmens in die Zukunft der sauberen Energien eine grüne Anleihe im Gesamtwert von 1,25 Mrd. € und mit Fälligkeit im September 2024 auf, die der Firma von sozialverantwortlichen Investoren umgehend rund 3 Mrd. € einbringt. Im gleichen Monat schließen die EGP und Invitalia Ventures eine Co-Investitionsrunde über 2,25 Mio. € in die 40South Energy ab, welche die Entwicklung und Vermarktung der Technologie unterstützen wird, die in diesem Jahr beginnen soll.

Daß die Enel Green Power (EGP) daneben auch mit anderen Unternehmen und Forschungseinrichtungen an verschiedenen Wellenenergieprojekten zusammenarbeitet, wird im Mai 2017 bekannt. Darunter befindet sich die Firma Ricerca sul Sistema Energetico - RSE S.p.A., in Milano, die sich mit der Entwicklung des WaveSax Wellenenergiegerätes beschäftigt, ein OWC-System, das eine Wells-Turbine verwendet (s.u.).

Der erste Schritt ist der Test eines Prototypen im verkleinerten Maßstab, der kürzlich im Schiffsmodellbecken des CNR-INSEAN-Labors in Rom abgeschlossen wurde. Basierend auf den vorläufigen Ergebnissen unterzeichnet die EGP eine Kooperationsvereinbarung mit der RSE, um den Antriebsstrang (PTO) des Gerätes unter realen Bedingungen auf See zu bewerten.

Darüber hinaus gründet die EGP in Partnerschaft mit dem französischen Marine- und Verteidigungsspezialisten DCNS das Marine Energy Research and Innovation Center (MERIC) in Chile, das laut EGP ein geschätztes Potential von etwa 175 GW Meeresenergie hat. Es ist geplant, am MERIC einen experimentellen Wellenenergiewandler zu installieren, um theoretische Ergebnisse mit realen Daten zu vergleichen.

Im Januar 2018 beginnt die Elements Works im Auftrag der 40South Energy mit mehrmonatigen Modernisierungsarbeiten am Wellenenergiegerät H24, welche die Installation einer ‚Version 2‘ des PTO und des beweglichen Teils der Vorrichtung sowie eine verbesserte Elektronikbox umfassen, bevor es im August wieder in Marina di Pisa eingesetzt und im September erneut an das Stromnetz angeschlossen wird.

Eine weitere Kooperation der EGP wird bereits im Juli 2018 gemeldet – diesmal mit der australischen Firma Carnegie Clean Energy (CCE). Die Zusammenarbeit betrifft die Forschung und Entwicklung des CCE-Wellenenergiegenerators CETO 6. Im Rahmen der Vereinbarung wird die EGP rund 1 Mio. € in die Zusammenarbeit investieren und sich auch an dem von der Regierung unterstützten Albany Wave Energy Project (AWEP) beteiligen, bei dem die erste vollständige CETO 6-Anlage vor der Küste eingesetzt und getestet werden soll.

Was den o.e. WaveSax Wellenenkraftwandler der Firma Ricerca sul Sistema Energetico - RSE S.p.A. anbelangt, der auch tatsächlich ein wenig wie ein großes Saxophon aussieht, so wird diese OWC-Anlage, die für den Einbau in Küstenmeeresstrukturen wie Hafenpiere, Kais oder Wellenbrecher unter den für das typische Wellenklima des Mittelmeeres ausgelegt ist, seit 2012 (?) im Rahmen des öffentlich geförderten Projekts ‚Energia elettrica dal mare‘ entwickelt.

Das patentierte Gerät erzeugt Strom aus der Luft, die von den Wellen nach oben gedrückt wird, die in die breite, untere Öffnung des ‚Saxophons‘ eindringen. Die schlanke vertikale Beschaffenheit erlaubt es, die Anlage in engen Bereichen zu installieren, einschließlich kleiner felsiger Buchten, in denen es eine starke Wellenwirkung gibt.

WaveSax-Prototyp

WaveSax-Prototyp

Die Arbeiten beginnen mit Tanktests an zwei Konfigurationen im Maßstab 1:20, u.a. an der University of Cork in Irland, die es ermöglichen, die vielversprechendere Konfiguration zu identifizieren, von der anschließend ein hydraulischer Prototyp im Maßstab 1:5 gebaut wird, mit dem im Rahmen des MARINET-Projekts an der Ecole Centrale de Nantes Tanktests durchgeführt werden. Die Effizienz des Geräts beträgt 25 – 30 %.

Im Jahr 2013 erfolgt eine Wellen- und Strommeßkampagne im Hafen von Civitavecchia, und spätere Schritte sind Tests im Marinetank des Istituto di Ingegneria del Mare in Rom, die im Jahr 2016 beginnen, bevor die o.e. Zusammenarbeit mit der EGP startet, um das PTO des Geräts unter realen Seebedingungen zu bewerten und innerhalb eines europäischen Projekts eine konkrete Anwendung im Maßstab 1:1 zu realisieren.

Das WaveSAX OWC ist für die Installation in Reihen von Dutzenden oder gar Hunderten Geräten gedacht, wobei jede einzelne Einheit den Bedarf von 3 – 5 Haushalten decken kann. Der Wandler wird daher als Alternative für Siedlungen auf kleineren Inseln, für umgebaute Förderplattformen oder im Kontext von Energieinseln gesehen, vielleicht in Kombination mit Offshore-Windfarmen, um eine konstante Stromproduktion zu gewährleisten. Die Seetests des Modells im Maßstab 1:5 erfolgen ab dem September 2018 wiederum im Hafen von Civitavecchia.


Weitere Wellenkraftanlagen in Italien sind z.B. ein System namens Overtopping Breakwater for Energy Conversion (OBREC), das an de Università degli studi della Campania „Luigi Vanvitelli“ entwickelt wird. Das Gerät ist in einen Wellenbrecher eingebettet und basiert auf dem Wellenüberflutungsprozeß.

Die Vorrichtung besteht aus einem Schutthügel-Molenbrecher mit einem Betonaufsatz an der Vorderseite, der dazu bestimmt ist, die Welle über eine schräge Rampe einzufangen und in einen Speicher zu leiten. Das dort gelandete Wasser erzeugt anschließend Energie, indem es durch hydraulische Turbinen mit niedriger Förderhöhe zurück ins Meer fließt.

An der Universität Aalborg in Dänemark wird während zweier experimenteller Testkampagnen in den Jahren 2012 und 2014 ein OBREC-Prototyp im Maßstab 1:30 untersucht. Daran anschließend wird 2015 (andere Quellen: im Juni 2016) der abgebildete 6 m langer Prototyp im Hafen von Neapel am Molenbrecher von San Vincenzo installiert, wo die Meerestiefe etwa 25 m beträgt. Weitere Details darüber ließen sich bislang nicht finden.

PEWEC-Test

PEWEC-Test


Einem Bericht vom Juli 2015 zufolge kooperiert die Nationale Agentur für neue Energietechnologien (La Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo económico sostenibile, ENEA) mit dem bereits erwähnten Politecnico di Torino, um eine kostengünstige Technologie zur Energiegewinnung aus Meereswellen entwickelt, den Pendulum Wave Energy Converter (PEWEC).

Das schwimmende, Floß-ähnliche Gerät ist speziell für die italienischen Küstenwellen ausgelegt, die sich durch geringe Intensität, geringe Größe und hohe Frequenz auszeichnen. Vor der Küste positioniert, werden die durch Wellen induzierten Rumpfschwingungen genutzt, wobei der Rumpf als eine Hülle beschrieben wird, mit einem darin schwingenden Pendel. Die Relativbewegung zwischen Rumpf und Pendel erzeugt dann den Strom, da das Pendel mit einen Generator verbunden ist.

Ein Prototyp des Schwimmers im Maßstab 1:12 mit den Maßen 3 x 2 x 2 m, der 3 Tonnen wiegt, wird im Schlepptank des CNR-INSEAN in Rom getestet und erfüllt die Erwartungen, so daß die Forscher ein Großgerät mit einer Nennleistung von 400 kW entwerfen. Weiter scheint die Sache aber nicht gediehen zu sein.


Die SeaPower scrl, ein öffentlich-privates Non-Profit-Konsortium aus Unternehmen und dem Institut für Ingenieurwesen der Università degli Studi di Napoli Federico II), das sich u.a. auch mit Meeresströmungsturbinen beschäftigt, entwickelt in Zusammenarbeit mit der UmbraGroup SpA, einem Hersteller von Linearantrieben, das sogenannte GEL System, einen Wellenenergiewandler, der in Küstennähe oder in flachen Gewässern installiert werden soll. Der Bericht darüber stammt vom September 2017.

Die Vorrichtung besteht aus einem schwenkbaren Schwimmkörper, der mit einer festen Trägerstruktur verbunden ist, um unter der Wirkung von Wellen frei um eine horizontale Achse zu schwingen. Die induzierte Linearbewegung wird dann in eine Drehbewegung des Generators umgewandelt. Ein Schwimmkörper von ca. 5 m Breite soll aus einer Welle von 1,5 m Höhe eine Leistung von ca. 60 kW erzeugen können.

Im Wellentank der Universität werden ein Modell im Maßstab 1:5, und später – nach Optimierung der Schwimmkörper-Geometrie – ein 60 kW Prototyp in Originalgröße getestet, der nun für die Prüfung unter realen Seebedingungen bereit ist. Falls die Entwicklung weitergeführt wird, werde ich in einem zukünftigen Update darauf hinweisen.

 

Weiter mit der Länderübersicht Wellenenergie...