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Selbstverständlich gibt es noch viele weiterer Innovationen, die auf einer Umsetzung der menschlichen Muskelkraft basieren. Einige davon, die sich nicht in die vorangegangenen Kategorien einordnen lassen, werde ich hier vorstellen.
Als erstes Beispiel sei eine Vorrichtung genannt, die ebenfalls mittels
Muskelkraft betrieben wird, und zwar der der Backenmuskeln.
Dabei handelt es sich um einen Wasserfilter, der Partikel wie TrÜbstoffe
sowie Mikroorganismen entfernt.
Die Entwicklung beginnt im Jahr 1994, als das Carter Center – eine 1982 vom ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter und seiner Ehefrau Rosalynn gegründete Non-Profit-Organisation – die Schweizer Firma Vestergaard auffordert, einen Filter zu entwickeln, der die Larven des Guineawurms (o. Medinawurm, Dracunculus medinensis) aus dem Wasser entfernen kann.
Aus dem daraufhin von Vestergaard entworfenen und ab 1996 eingesetzten Gewebefilter bildet sich bis 1999 die seitdem genutzte effektivere Rohrform heraus, wobei mehr als 37 Millionen Filter der Vestergaard-Tochtergesellschaft LifeStraw zur nahen Ausrottung der Krankheit beitragen.
Inspiriert durch die Auswirkungen des Guinea-Wurm-Filters arbeitet Torben Vestergaard Frandsen gemeinsam mit Rob Fleuren aus Holland und Moshe Frommer aus Israel daran, ein Produkt zu entwickeln, das praktisch alle mikrobiologischen Verunreinigungen herausfiltern kann, die Wasser trinken unsicher machen und zu Diphtherie, Cholera und Durchfall führen können.
Das Ergebnis ist die LifeStraw-Technologie, die im Jahr 2005 als Strohhalm-ähnlicher Filter für den persönlichen Gebrauch eingeführt wird. Der LifeStraw ist ein 310 mm langes Kunststoffrohr mit 30 mm im Durchmesser. Das durch einen Strohhalm gezogene Wasser wird durch Hohlfasern geführt, welche die Partikel (Trübstoffe sowie Bakterien und Parasiten) über 200 nm Größe physikalisch und ohne Chemikalien ausfiltern, wobei ein Gerät bis zu 1.000 Liter Wasser säubern kann.
Der Filter ist in erster Linie für Menschen entwickelt, die Wasser nicht aus kommunalen Quellen beziehen oder anderen Zugang zu sauberem Wasser haben – sowie für Notsituationen wie nach Naturkatastrophen, wenn das Wasser häufig verunreinigt ist. Zur Anwendung kommen die Filter beispielsweise nach dem Erdbeben in Haiti 2010 sowie nach den Überflutungen in Pakistan (2010) und in Thailand (2011).
Schon im Jahr 2008 wird die Technologie für den Hausgebrauch angepaßt und ein Familien-Wasserreiniger namens LifeStraw Family entwickelt, um größere Mengen an Wasser zu reinigen, gefolgt 2013 von dem Modell LifeStraw Community für institutionelle Einrichtungen wie Schulen und Kliniken. Dem schließen sich 2014 die nachfüllbar Wasserflasche LifeStraw Go, sowie 2015 das Modell LifeStraw Mission an, ein zusammenfaltbarer Sack, der sich ideal für Campingplätze, Gruppenwanderungen und Expeditionen eignet. Die Preise beginnen mit 27 $ für die einfachste Ausführung, während das Community-Modell 410 $ kostet (Stand 2016).
Vergleichbar mit dem LifeStraw ist der DrinkPure-Filter des
Schweizer Unternehmens Novamem Ltd. aus Zürich, der
auf den neusten Fortschritten der Nanotechnologie basiert, wie die Firma
mitteilt.
Der kleine und nur 150 g schwere Wasserfilter kann bequem auf jede gewöhnliche PET-Flasche geschraubt werden und filtert rein physikalisch durch Saugdruck 99,9999 % der Bakterien, 99 % der Viren sowie Partikel ab 90 nm aus. Auch unangenehme Gerüche wie zum Beispiel Chlor werden entfernt.
Zudem ist das DrinkPure Filtersystem mit einer desinfizierenden Schicht ausgestattet, welche den Filter vor Bakterienbewuchs schützt, während er Zuge seiner Lebenszeit von einem Jahr bis zu 300 Liter schmutziges und/oder chloriertes Wasser trinkbar machen kann. Im Jahr 2016 wird der Filter für rund 75 € angeboten.
Eine weitere Version ist der gerade mal 13 x 3 cm große Sawyer-Wasserfilter der
Firma Care Plus aus Almere in den Niederlanden für ca.
40 €. Dieser läßt sich entweder mit einem Trinkhalm nutzen, um direkt
aus dem Wasser zu trinken, paßt mit seinem fest angebrachten Adapter
aber auch direkt auf den beigelegten 500 ml Quetschbeutel oder auf handelsübliche
PET-Flaschen.
Basierend auf der Technologie medizinischer Dialyseverfahren, verwendet der Filter Bündel von Mikrofaser-Röhrchen, durch deren Wände hindurch das Wasser in den Hohlinnenraum gesogen wird und schließlich zum Endstück gelangt, während schädliche Bakterien u.ä. in den äußeren Rohrwänden aufgefangen werden.
Eine größere Variante, die deshalb auch mit einer Handpumpe betrieben
werden muß, ist der Wasserfilter Guardian des amerikanischen
Outdoorprofi MSR, der nach einer Entwicklungszeit von
sechs Jahren Anfang 2016 auf den Markt kommt. Auch diese
Gerät soll Bakterien, Parasiten und Viren herausfiltern und so innerhalb
weniger Sekunden trinkbares Wasser produzieren. Möglich macht dies ein
neuartiger Filter, der aus dünnen Fasern besteht, die so eng verwoben
sind, daß sämtliche mikrobiologischen Elemente aufgehalten werden und
nur reines Wasser hindurchfließen kann.
Zur Anwendung wird ein Schlauch in die Wasserquelle gehalten, während der Filter auf eine gewöhnliche Wasserflasche geschraubt und die Reinigung mit Hilfe einer mechanischen Pumpfunktion in Gang gesetzt wird. Pro Minute können rund 2,5 Liter Wasser gewonnen werden. Der Filter verfügt zudem über eine Selbstreinigungsfunktion, indem bei jedem Hub 10 % des gereinigten Wassers verwendet werden, um Verunreinigungen aus dem Filter wieder herauszuspülen. Die Lebensdauer des 350 $ teuren MRS Guardian Wasserfilters beträgt 10.000 Liter.
Eine fast gleich aussehende Version ist der Filter Vario der
Schweizer Firma Katadyn Products Inc., die sich als
mit einem weltweiten Marktanteil von über 50 % bei individuellen Wasserreinigungssystemen
und -produkten als die Nummer 1 der Welt betrachtet.
Die zu einem Preis ab 90 € vertriebenen Filter sind klein und wiegen nur 425 g, bringen aber viel Leistung, weshalb sie perfekt für kleinere Gruppen geeignet sind. Dank der Dual-Piston-Technologie lassen sich bis zu 2 Liter Wasser pro Minute aufbereiten. Dabei können wahlweise 2 Liter pro Minute im ,Faster Flow’ Betrieb oder 1 Liter pro Minute im ,Longer Life’ Modus gefiltert werden, bei dem ein keramischer Vorfilter aktiviert wird, der bei stärker verschmutztem Wasser die Lebensdauer des Glasfaserfilters verlängert.
Um alle schädlichen Inhaltsstoffe sicher zu eliminieren, durchläuft das Wasser drei Filterstufen: Die Aktivkohle sorgt dafür, daß lästige Gerüche und Chemikalien reduziert werden, der Keramikvorfilter entfernt Partikel und Schwebstoffe, und der 0,3 µm Glasfaserfilter hält Bakterien und Protozoen zurück.
Mit dem BeFree Filter bietet Katadyn zudem auch noch eine Kleinversion für 45 € an, die den weiter oben beschriebenen Filtern ähnelt.
Ein weiteres System, das im Januar 2019 bekannt wird,
ist die GeoPress in Form einer ultra-portablen Flasche.
Sie ist der Nachfolger der Wasseraufbereitungsflasche Ultralight aus
dem Jahr 2017, deren Produktion damals mit 250.000 $
aus einer Kickstarter-Kampagne gestartet wurde, und bietet einige
Verbesserungen sowohl in Bezug auf die Aufbereitung als auch auf die
Ästhetik. So kann der neue Filter eine volle Flasche Wasser in nur 8
Sekunden vollständig reinigen, indem er Schmutz, Ablagerungen, Sand,
Mikroplastik, Chemikalien und Schwermetalle abfängt und Mikroorganismen
wie Viren, Bakterien und Protozoen-Zysten eliminiert.
Bei der Verwendung der GeoPress, die von der Firma Grayl für rund 90 $ angeboten wird, wird die äußere Kammer mit Wasser gefüllt und die innere Kammer mit der eigenen Körperkraft nach unten gedrückt, wodurch das Wasser durch den Filter in die innere Kammer gepreßt wird, so daß es für den Konsum geeignet ist. Die Filtereinheiten funktionieren bis zu 350 Mal, bevor sie ersetzt werden müssen. Dem Stand von 2023 zufolge kostet der portable Filter inzwischen etwa 110 €.
Im Zuge der Weiterverfolgung stoße ich im Mai 2023 auf
eine einfache Entsalzungsanlage der Firma QuenchSea,
die, abgesehen von Muskelkraft, ohne Fremdenergie auskommt. Das für 150
$ angebotene und QuenchSea Reel genannte Gerät entsalzt
Meerwasser nach dem Prinzip der Umkehrosmose und produziert alle fünf
Minuten 1,5 Liter Trinkwasser, dem 98 % des Salzes entzogen sind. Das
als Notfallausrüstung, etwa für Rettungsboote, gedachte Gerät wiegt leer
4 kg.
Im Gegensatz zu einer tragbaren Entsalzungsanlage, die das Unternehmen 2020 vorgestellt hatte und bei der der notwendige Druck mit Hilfe einer Fußpumpe aufgebaut wurde, wird der neue 15 cm durchmessende und 45 cm lange zylinderförmige Behälter an einem dünnen Seil hängend in eine Tiefe von 300 – 500 m abgesenkt. Im seinem Inneren befinden sich zwei Kammern, die durch eine semipermeable Membran voneinander getrennt ist. Nachdem es einen Vorfilter passiert hat, fließt das Meerwasser in die erste Kammer.
Der in der Tiefe herrschende Druck preßt das Meerwasser durch die Membran, wobei Mikroplastik, gesundheitsschädliche Keime und Salzmoleküle zurückbleiben, so daß sich in der zweiten Kammer Trinkwasser sammelt. Nach einer vorgegebenen Zeit wird der Behälter mit mäßigem Kraftaufwand mittels einer Handkurbel wieder an die Oberfläche geholt, so daß das Trinkwasser genutzt werden kann. Das verbliebene Wasser aus der ersten Kammer wird über Bord gekippt. Die Auslieferung soll im Dezember 2023 beginnen.
Ein weiteres Beispiel für Muskelkraft-Geräte sind tragbare, handbetriebene
Waschmaschinen – wie z.B. das Modell Wonder Wash,
dessen Kunststoff-Trommel einfach durch einen Griff an der Seite gedreht
wird. Verkauft wird es zu einem Preis zwischen 45 $ und 50 $.
Das Gerät mit dem Aussehen eines kleinen Zementmischers, das mir durch einen Blogeintrag im Juli 2005 bekannt wird, hat ein Volumen von etwa 25 Litern und kann 2,2 kg schmutzige Wäsche aufnehmen. Dazu wird die Trommel mit heißem oder warmem Wasser und einer geringen Menge an Waschmittel gefüllt und der Deckel geschlossen. Anschließend wird eine auf dem Deckel befindliche Druckschraube stark angezogen. Es ist dieser Druck, welcher der Schlüssel für die Leistung des Geräts darstellt.
Die Idee dabei ist, daß das heiße Wasser in der vollständig abgedichteten Trommel die im Inneren gefangene Luft erwärmt. Dieser Druck zwingt das Wasser und das Waschmittel durch die Stoffe und trennt schnell den Schmutz und Dreck ab.
Etwa 2 Minuten Rotation sind angeblich alles, was dazu erforderlich ist. Kundenreaktionen ist allerdings zu entnehmen, daß es einige Probleme mit der Haltbarkeit der Kunststoffstruktur gibt.
Als Alternativen bietet sich das robustere, mit 599 $ aber auch wesentlich
teurere Modell Lehmans Own Hand Washer an, für das
es sogar einen optionalen, kurbelbetriebenen Walzen-Wringer gibt (179
$). In einer Ganzmetall-Ausführung ist das Gerät auch unter dem Namen
Berry Hill HandWasher & Wringer bekannt (1.099 $).
Hierbei funktioniert das Waschen mittels einer Pendelbewegung durch den Anwender, bei der die Waschzeit auf nur wenige Minuten pro Ladung verkürzt wird. Bei einem Volumen von etwa 57 Litern kann die manuelle Waschmaschine mit bis zu 13,5 kg Wäsche beladen werden.
Im Juli 2009 wird in dem Selbstbau-Blog makezine.com
eine manuell betriebene Waschmaschine des Designers Michael Perdriel gezeigt,
die ohne Strom und fließendes Wasser arbeitet und aus drei Hauptkomponenten
besteht: einem Eimer, einem Sack und dem Hebel-Antriebsmechanismus, der
in einem einfachen Holzrahmen untergebracht ist.
Ein breiter, offener Zylinder aus flexiblem Netzgewebe in dem Sack sorgt dafür, daß die Kleidungsstücke nicht zusammenklumpen.
Das speziell für arme Menschen in Entwicklungsländern konzipierte Gerät soll bis zu 2,5 kg Wäsche in etwa 20 Minuten sauber bekommen. Das tragbare Gerät soll bereits in Hyanja, Nepal, verwendet werden, wo Perdriel bei der Gestaltung einer lokal angepaßten Version mitgearbeitete hat.
Eine Einfachstversion bildet der in Amerika verbreitete Rapid
Laundry Washer, der für 25 $ angeboten wird, je nach Wunsch
entweder mit einem verzinnten Stahlkopf mit verstärktem Rand oder aus
einem nicht rostenden Kunststoff mit Spritzschutz – nebst einem stabilem,
glattem Holzgriff.
Diese Gerät nutzt man mittels Stampfbewegungen wie eine zum Reinigen von Abflüssen gedachte Saugglocke. Die besonderen inneren Versteifungen schicken Wasser durch die Kleidung, um den Schmutz herauszuspülen.
Das Gerät ist auch unter dem Namen Breathing Hand Washer bekannt – wegen des Atmen-ähnlichen Geräuschs das entsteht, wenn es Wasser und Seife effektiv durch die Kleidung schiebt und zieht.
Doch es gibt auch verschiedene neuere Konzepte manuell betriebener Waschmaschinen.
Von der Industriedesign-Studentin Kristin Mueller an
der University of Illinois in Chicago stammt beispielsweise
das Modell SquashWash, das im März 2010 in
den Blogs gezeigt wird.
Auch diese Version aus Polyethylen und Vinyl versucht mithilfe einer innovativen, aber einfachen Kompressions- und Salatschleuder-Technologie Wasser und Energie zu sparen.
Der Anwender muß lediglich ein paar Kleidungsstücke hinein stopfen, Wasser hinzufügen und die Maschine komprimieren – indem er das Oberteil mit den Händen nach unten drückt, oder sich oben drauf stellt. Eine starke Feder sorgt für die Gegenbewegung.
Noch mehr Spaß machen tut das Wäschewaschen mit dem Swirl,
der nur einen Monat später veröffentlicht wird.
Das Konzept von DesignAffairs Studio, einer strategischen Design Consulting Agentur mit Stammsitz in München, basiert auf auf einem mit Wasser befüllbaren Waschball, der wie ein Kinderwagen geschoben und auf diese Weise rollend in den Waschgang versetzt werden kann. Oder man läßt zur Abwechslung einfach die Kinder mit dem ,Wäscheball’ herumtollen und -rollen.
Die Waschmaschine verfügt über einen gewirbelten kugelförmigen Korb und einen Deckel. Bei Nichtgebrauch kann sie daher auch als Wäschekorb oder als Wassertonne verwendet werden.
Als Zielgruppe gelten die Frauen in den trockenen Entwicklungsländern, deren traditionelle Aufgabe es ist, an oftmals entlegenen Wasserstellen die Wäsche zu waschen oder von dort Trinkwasser zu besorgen. Mittels der ballförmigen Low-End-Waschmaschine können sie vor allem körperliche Energie sparen und effektiv einsetzen – indem der ohnehin notwendige Rückweg zur Wasserstelle ohne die Zufuhr von Strom zum Wäschewaschen genutzt wird.
Aufgrund seiner einfachen Konstruktion und der kostengünstigen Materialien könnte der Swirl auch in den jeweiligen Ländern vor Ort hergestellt werden, was teure Importe vermeidet.
Nicht ganz klar, ob wirklich ernst gemeint, ist die Lage im Fall des
Konzepts Hula Washer, das im August 2012 in den Blogs
erscheint. Der Entwurf des Designers Sang-soon Lee von
der Yongin University in Südkorea ist ein Beitrag
zum diesjährigen Electrolux Design Lab Wettbewerb.
Der Hula Washer hat die Form eines zu breit geratenen Hula-Hoop-Reifens und ist hohl. In das Innere lassen sich ein paar Socken und Unterhosen stopfen, dazu kommen etwas Wasser und natürlich das Flüssigwaschmittel. Für größere Kleidungsstücke ist das Teil allerdings ungeeignet.
Greinigt werden soll die Wäsche dann mittels der Energie, die durch
das kreisen lassen des
Reifens entsteht. Nach der Wäsche kann das merkwürdige Gerät in vier
Einzelteile zerlegt und in einem passenden Säckchen gelagert werden.
Auf Reisen mag der Hula Washer ein idealer Begleiter sein, denn so hat
man frische Kleidung, wann und wo immer man sie braucht.
Noch einfacher aufgebaut ist das ebenfalls im Jahr 2012 vorgestellte
ultraleichte und tragbare Waschgerät Scrubba des australischen
Erfinders und Patentanwalts Ash Newland aus Melbourne,
dem die Idee zwei Jahre zuvor bei einer Reise nach Afrika gekommen war.
Das Teil hat die Form einer Tasche und basiert auf dem Prinzip des guten
alten Waschbretts. Auch hier wird die Wäsche sauber gerubbelt – allerdings
innerhalb eines wasserdichten Beutels.
Der Scrubba Waschbeutel benötigt dafür bis zu 4 Liter Wasser, Muskelkraft und etwas Waschmittel oder Kernseife. Dann wird er einfach für 30 – 60 Sekunden auf einer festen Oberfläche gerubbelt, um anschließend das schmutzige Wasser auszugießen und zum Klarspülen frisches Wasser nachzufüllen.
Newland versucht nun Mittel zusammenzutragen, um sein Waschgerät auch in einer größeren Stückzahl fertigen zu können. Der Preis für die mobile Waschlösung soll dann bei knapp 50 $ liegen. Tatsächlich gehen Vorbestellungen in Höhe von 22.500 $ ein, umd im Juli kann das Produkt auf dem Markt eiungeführt werden.
Nach demselben Prinzip funktioniert der Scrubba Pack, den Newland im Juli 2015 vorstellt. Diesmal ist es ein Rucksack, mit dem in wenigen Minuten auch die Wäsche gewaschen werden kann und dessen Waschqualität nach Angaben des Erfinders vergleichbar mit einer Waschmaschine sein soll – nur deutlich schneller und umweltfreundlicher.
Das in den Rucksack integrierte Waschbrett ist flexibel, sehr dünn und extrem leicht, es besteht aus einem festen und abriebfesten Nylongewebe. Um den Waschvorgang zu starten füllt man nun lediglich ein wenig Shampoo oder Seife, etwas Wasser und die Kleidung in den Sack. Anschließend läßt man mit Hilfe eines Ventils die Luft entweichen. Damit Reibung zwischen der Kleidung und den Nippeln des Waschbretts entsteht, muß die Masse dann nur noch geknetet und gedrückt werden. Alles in allem dauert ein solcher Waschvorgang nicht länger als drei Minuten und erfordert nur minimalen Körpereinsatz.
Zur Finanzierung des neuen Waschmaschinen-Rucksacks startet Newland
eine Indiegogo-Kampagne – mit der er bis August 27.861 $ einsammeln kann,
23 % mehr als eigentlich gewünscht. Nun sollen die ersten Exemplare bereits
im Oktober zur Auslieferung kommen.
Dem Stand von 2016 nach wird der Scrubba Wash Bag für
rund 50 €, und der Scrubba Wash Pack für 90 € angeboten.
Mitte 2019 bringt Scrubba den Wash Bag MINI heraus, über 50 % kleiner und mit gerade einmal 70 g auch leichter als das Original. Es soll die kleinste tragbare ‚Waschmaschine‘ der Welt sein, perfekt für Reisen. Die Benutzer legen ihre Wäsche hinein, fügen Wasser und Waschmittel hinzu und verschließen den Beutel dann mit einem ähnlichen Roll- und Clip-Design wie bei einem Trockenbeutel. Die Luft wird über ein Ablaßventil abgelassen – und dann kommt ein mit Kunststoffnoppen versehenes ‚Waschbrett‘ ins Spiel, das die Kleidung abschrubbt.
Auch diesmal ist die Kickstarter-Kampagne für das 35 AU$ teure Utensil sehr erfolgreich: Der Zielbetrag von 7.500 AU$ wird zehnfach überschritten, als 1.212 Unterstützer die Summe von 75.344 AU$ einzahlen, um das Projekt zu verwirklichen.
Eine weitere manuelle Waschmaschine, die ein außergewöhnliches, aber
auch notwendiges Sanitärsystem darstellt und dafür mit dem IDEA
Award (Gold) und dem James Dyson Award ausgezeichnet
wird, wird im April 2017 vorgestellt. Entworfen von
einem Designerteam, das aus Mariko Higaki Iwai, Sohyun
Kim, Tatijana Vasily, Charlotte Wong und Benjamin
Freedman besteht, ist Flo ein besonderes
Produkt, das Frauen und Mädchen in ländlichen Gegenden ein einfaches,
effizientes, diskretes und gesundes System zum Waschen, Trocknen und
Aufbewahren ihrer Damenbinden bietet.
Dem Team zufolge besteht das soziale Stigma, das die Menstruation umgibt, auch heute noch in ländlichen Gebieten, und zwar so sehr, daß Mädchen während ihrer Periode oft nicht zur Schule gehen, um nicht gehänselt oder beschämt zu werden. Noch schlimmer ist, daß nur 10 % der Familien es sich leisten können, wiederverwendbare Binden zu kaufen, während die meisten Familien auf Lumpen und Stoffreste angewiesen sind.
Unter dem Namen Flo entwickelt das Team daher ein komplettes System, das effizient, ansprechend und diskret ist, um das Stigma der Menstruation langsam zu beseitigen und gleichzeitig sicherzustellen, daß die Mädchen gesund bleiben – und das zu einem erschwinglichen Preis. Hier wird es wegen des handbetriebenen Waschapparats aufgeführt, der die einfache Physik der Torsion nutzt, um eine winzige Trommel mit hoher Geschwindigkeit zu drehen und so gebrauchte Binden effektiv zu waschen und anschließend zu trocknen, wobei praktisch keine Energie verbraucht wird.
Auf der Seite der Produktdesignerin Iwai wird das Projekt sehr ausführlich vorgestellt.
In diesem Kontext soll auch noch auf das Waschmaschinen-Konzept Bamboo
Flow hingewiesen werden, das ebenfalls ohne Strom auskommt -
auch wenn es ohne direkte Muskelkraft auskommt. Es stammt von Zhipeng
Lu, Youyong Duan, Haoxu Shen und Han
Gao von der Dalian Minzu Universität in China
– und wird mit dem Red Dot Award 2020 ausgezeichnet.
Bei dem aus Bambus bestehenden Gerät handelt sich um eine traditionelle Version einer Wirbelwaschmaschine, die zwei Hauptkomponenten besitzt: eine Hauptwaschmaschine und einem Holzeimer. Die Waschmaschine kann von der Gemeinschaft gemeinsam genutzt werden, während der Holzeimer den einzelnen Personen oder Familien gehört. Die Teile lassen sich leicht zusammenbauen.
Das Gerät funktioniert letztlich wie eine moderne Toplader-Waschmaschine, aber statt elektrisch zu arbeiten, nutzt sie den Wasserfluß und den Druck der Flüsse. Die Strömungen des Flusses werden in mechanische Energie umgewandelt, und das Wasser tritt in den unteren Teil des Bamboo Flow ein, während sich die Haupttrommel je nach Wasserdruck im oder gegen den Uhrzeigersinn dreht, um die Kleidung zu reinigen.
Über die verschiedenen padalbetriebenen
Waschmaschinen habe ich bereits weiter oben berichtet (s.d.).
Weiter mit weiteren Innovationen der Muskelkraft...