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Elektro- und Solarfluggeräte

2018 (A)

 

Die Anordnung der Informationen erfolgt in diesem Jahr wie folgt:

Abwehr und Sicherheit

Zwischenfälle

Kamera-Drohnen

Kunst und Design

Neue Einsatzbereiche

Technologische Entwicklungen

Transport- und Lieferdrohnen

Personentragende Fluggeräte

 


Abwehr und Sicherheit


Wie schon im Vorjahr werden auch 2017 diverse Drohnen-Angriffe in Syrien gemeldet. Dabei geht es nicht um die großen, militärischen Drohnen, sondern um kleine Selbstbauexemplare. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sind die Luftwaffenbasis Hmeimim und der nahe gelegenen Marinestützpunkt Tartus schon Anfang Januar 2018 von mit Sprengstoff bestückten Leichtbau-Drohnen angegriffen worden. Dabei wurden beim Angriff auf Hmeimim zehn, bei der Attacke auf Tartus drei unbemannte Flugzeuge eingesetzt.

Sieben Drohnen werden von Flugabwehrsystemen abgeschossen, sechs weitere mit elektronischer Kriegsführung zum Landen gebracht, um sie zu untersuchen. Es ist der erste bekannte Fall, in dem so viele Drohnen ein Ziel gleichzeitig attackieren. An den später in Moskau ausgestellten erbeuteten Starrflüglern aus Sperrholz ist zu erkennen, daß sie von einem kleinen Benzinmotor angetrieben werden, wobei der Rumpf mit einer grünen Tüte bespannt ist und von Klebeband zusammengehalten wird. Auf den Flügeln sind bis zu zehn kleine Bomben; zur Steuerung der Drohne gibt es eine GPS-Antenne.

Nachdem sich im März ähnliche Vorfälle wiederholt haben sollen, bekennt sich eine Terrormiliz in Syrien zu den Drohnenangriffen. Weitere Angriffe finden Ende Juni, Ende Juli und Anfang August statt, wobei mehrere Drohnen durch Pantsir-S1 Boden-Luft-Raketen und das Flugabwehr-Artilleriesystem abgeschossen werden.

Im Oktober teilt der russische Vizeverteidigungsminister auf dem 8. Internationalen Xiangshan-Sicherheitsforum in Peking mit, daß die Drohnenangriffe nach neuen Erkenntnissen von einem Spionageflugzeug Boeing P-8 Poseidon der US Navy gesteuert wurden. Die Drohnen sind aber auf eine elektronische Abschirmung gestoßen und mit neuen Befehlen umprogrammiert worden.

Experten zufolge habe der Schwarmangriff insbesondere das Ziel verfolgt, das Luftabwehrsystem auszukundschaften und eine radio-elektronische Erkundung der elektronischen Abwehrsysteme durchzuführen, sobald sie von den Drohnen aktiviert wurden. Bis Ende wird der Abschuß von insgesamt 50 Drohnen in der Nähe von Hmeimim gemeldet.


Und auch an der Südfront zu Israel gibt es Zwischenfälle. Im Juli 2018 behauptet die israelische Armee, eine aus Syrien gestartete unbewaffnete Drohne, die angeblich etwa 10 km tief in den Luftraum über den von Israel besetzten Golanhöhen eingedrungen sei, mit Hilfe des Patriot-Raketenabwehrsystems abgefangen zu haben. Als ‚Vergeltung‘ für das Eindringen der Drohne greifen völkerrechtswidrig israelische Kampfflugzeuge mit mehreren Raketen syrische Armeepositionen im Gouvernement Kuneitra an. Ein ähnlicher Zwischenfall hatte sich auch schon im Juni ereignet.

Anfang August werden wiederum drei israelische Raketen und eine Drohne von der syrischen Luftabwehr abgeschossen. Die Fluggeräte sollten angeblich iranische Stützpunkte in der Nähe von Damaskus angreifen. Weitere Drohnen-Abschüsse werden aus Aleppo und Hama gemeldet. Die Details darüber sind aufgrund der zunehmend rigorosen Facebook-Zensur zwischenzeitlich nicht mehr abrufbar.

Tränengas-abwerfende Drohne

Tränengas-abwerfende
Drohne


Eine andere Form von aggressivem Drohnen-Einsatz in Israel findet gegen Palästinenser im Gazastreifen statt, die mit ihrer Protestaktion ‚Marsch der Rückkehr‘ an die Flucht und Vertreibung christlicher und muslimischer Araber vor 70 Jahren erinnern. Mitte März werden dabei mindestens 15 Palästinenser erschossen, und mehr als 1.400 Menschen werden verletzt – bis Mitte Mai sind schon 45 tot und weitere 6.800 verletzt.

Neu ist, daß die israelischen Besatzer nicht mehr allein auf Truppen am Boden setzten, sondern nun auch Tränengas-abwerfende Drohnen nutzen. Diese fliegen in Höhe von 10 – 20 m über der Menschenmenge, während die Soldaten und Polizisten die Fluggeräte aus der Ferne steuern und sich selbst nicht in Gefahr begeben. Einige Palästinenser geben an, daß damit ein chemischer Wirkstoff zum Einsatz gekommen sei, der noch stärker ist als die üblicherweise gegen die Menschen in Gaza eingesetzten Substanzen.

Profiteur ist das israelische Rüstungsunternehmen  ISPRA, das auf die Herstellung ‚nicht-tödlicher Geräte zur Bekämpfung von Unruhen, Massenmanagement, Anti-Terror-Ausrüstung und Polizeiausrüstung‘ spezialisiert ist. Konzipiert war die ISPRA Cyclone Drohne zunächst für den zivilen Einsatz.

Mitte Mai ist zu erfahren, daß es ein palästinensischer Demonstrant nahe der Grenze in Gaza geschafft hat, eine israelische Drohne mit einer Schleuder und einem Stein zum Absturz zu bringen. Zeitgleich berichteten Zeugen auch, daß israelische Drohnen Brandsätze fallen gelassen und Reifen in Brand gesetzt haben, die für einen Grenzprotest in Gaza gesammelt worden waren. Ein Twitter-Video zeigt eine Drohne, die ein Gerät fallen läßt, das ein Loch in ein Zelt schlägt und dieses dann in Flammen aufgehen läßt.


Schon im April war zudem gemeldet worden, daß die Sicherheitskräfte des sogenannten Saudi-Arabien in der Nähe des Königspalastes in Riad eine Freizeitdrohne abgeschossen haben. Amateur-Online-Videos belegen intensive Schüsse im Khozama-Distrikt der Hauptstadt.

Als Resultat weist das Innenministerium die Drohnen-Enthusiasten an, eine polizeiliche Erlaubnis zum Fliegen ihrer Geräte zu erwirken, bis endgültige Vorschriften festgelegt werden, deren Entwurf sich bereits in der Endphase befinden würde.


Anfang August wird aus Venezuela ein Attentat auf Präsident Nicolás Maduro gemeldet. Während einer Militärparade zur Feier des 81. Jahrestags der Gründung der Guardia Nacional Bolivariana steuern mehrere Drohnen mit Sprengsätzen auf die Bühne des sozialistischen Präsidenten zu. Als der Sprengstoff explodiert, werden sieben Personenschützer des Präsidenten teils schwer verletzt. Maduro, seine Frau Cilia Flores, Teile seines Kabinetts und mehrere Generäle bleiben hingegen unverletzt. Das Staatsfernsehen ist bei dem Ereignis zunächst live dabei, unterbricht dann aber die Sendung. Auf Fotos ist zu sehen, wie Maduros Bodyguards den Präsidenten anschließend mit kugelsicheren Schilden schützen.

Die Verantwortung für die Drohnenattacke übernimmt die bisher nicht bekannte Rebellengruppe ‚Soldados de Franelas‘. Demnach sind zwei Drohnen mit C4-Sprengstoff in der Nähe des Präsidenten explodiert, bevor sie von Scharfschützen abgeschossen worden seien. Der Präsident macht später ultrarechte Kräfte in Venezuela und Kolumbien verantwortlich: „Alle Ermittlungen weisen nach Bogotá“. Er spricht auch von einer US-amerikanischen Verwicklung, ohne jedoch Details zu nennen.

In der westlichen Presse wird hingegen von einem inszenierten Mordanschlag gesprochen, mit dem Maduro von den internen Problemen des Landes ablenken und seinen diktatorischen Griff festigen will. Auch Feuerwehrleute vor Ort dementierten die Anschlagsversion. Es sei nur ein Gastank in einem nahe gelegenen Gebäude explodiert. Augenzeugen bestätigten verschiedenen Journalisten allerdings, eine Explosion in der Luft gesehen zu haben. Nur der Schweizer Tagesanzeiger veröffentlicht einen Mitschnitt der Rede Maduros, bei dem auch ein Handyvideo der Explosion der Drohne zu sehen ist.

Einige Tage später gesteht der ehemalige regionale Polizeichef und Regierungsgegner Salvatore Lucchese, der wegen seiner führenden Beteiligung an Antiregierungsprotesten bereits inhaftiert gewesen ist, er habe einer Gruppe Oppositioneller dabei geholfen, die Drohnenattacke auszuführen. Ausgangspunkt des Attentates sei das zehnte Stockwerk des nahegelegenen Gebäudes des Unternehmerzentrums ‚Zypressen‘ gewesen, von wo aus die Tätergruppe die Drohnen startete, zwei M600-Hexakopter, die jeweils mit einem Kilo militärischem C4-Sprengstoff beladen waren. Nach Auskunft der Generalstaatsanwaltschaft werden in Zusammenhang mit dem Angriff 19 Personen festgenommen.


Nach dieser Attacke verwundert es nicht, daß die Luftfahrtbehörde im benachbarten Kolumbien den Einsatz von Drohnen bei der Amtseinführung des neuen Präsidenten Iván Duque untersagt. Mit der Maßnahme, rund um den Präsidentenpalast Casa de Nariño im historischen Stadtzentrum von Bogotá die Benutzung von Drohnen zu verbieten, soll die Sicherheit gewährleistet werden. Immerhin hatte Maduro dem scheidenden kolumbianischen Staatschef Juan Manuel Santos vorgeworfen, an dem Komplott zu seiner Ermordung beteiligt gewesen zu sein.


Bei der Eröffnung einer Sicherheitssitzung im November teilt der Leiter des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB, Alexander Bortnikow, der Presse mit, daß in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern mehrere Terroranschläge im Laufe der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland verhindert wurden, die mit Drohnen durchgeführt werden sollten. Demnach habe der FSB sieben verschiedene Terrorgruppierungen aufgespürt, die mit Flugdrohnen Angriffe gegen ausländische Besucher der WM geplant haben sollen.


Mit der zunehmenden Verbreitung von Drohnen, die solcherart ‚mißbraucht‘ werden, wächst auch der Markt für Schutzmaßnahmen zu ihrer Abwehr. In den Übersichten der vergangenen Jahren habe ich schon viele der dabei eingesetzten Technologien aufgeführt. Dabei ist nicht zu vergessen, daß das Erkennen unbemannter Flugobjekte mit potentiell bösen Absichten viel einfacher ist als deren Abwehr.

Auf der Messe Perimeter Protection im Januar 2018 in Nürnberg widmen die Veranstalter der Drohnenerkennung und -abwehr erstmals eine Sonderfläche. Hier stellen Firmen wie Dedrone und ESG aus (s. 2015). Von letzterer hat der Autokonzern Volkswagen kürzlich ein Drohnen-Aufspürsystem bestellt, weil über den Teststrecken oft fremde Flugkörper herumgeflogen sind und Prototypen gefilmt haben – Stichwort Industriespionage.


In diesem Zusammenhang wird darüber berichtet, daß die Telekom dafür wirbt, das Jamming – der Einsatz elektronischer Störmaßnahmen etwa zur Blockade von Funksignalen zwischen Pilot und Drohne –, das bislang nur Behörden mit Sicherheitsaufgaben vorbehalten ist, auch Unternehmen in der Privatwirtschaft zu erlauben, sofern eine Gefahr für Dritte ausgeschlossen werden kann. Aktuell laufen dazu Gespräche mit der zuständigen Bundesnetzagentur.


Im gleichen Monat berichten Forscher der israelischen Ben-Gurion-Universität des Negev in Be’er Scheva, daß sie eine Möglichkeit entwickelt haben, durch das Abfangen von Funksignalen festzustellen, ob eine Drohne Dinge gefilmt hat, die sie nicht filmen sollte.

Die Technik konzentriert sich auf die Übertragung von Funksignalen aus der Ich-Perspektive (First-Person View, FPV) von einer luftgestützten Drohne zurück zu ihrem Fluglotsen. Mit dem Wissen, daß sich diese Signale, die die Drohne zur Übertragung ihres Videostroms verwendet, als Reaktion auf visuelle Reize verändern, stellt das Team Fallen auf, um die schnüffelnden Drohnen zu fangen.


Ebenfalls im Januar präsentiert die bereits 2013 vorgestellte Firma DroneShield eine neue tragbare Störungswaffe namens DroneGun Tactical, die noch mehr Frequenzen stört als die 2016 auf den Markt gebrachte ursprüngliche DroneGun bzw. deren Nachfolgermodelle Mk II und Mk III. Letztere ist eine besonders leichte und kompakte Anti-Drohnen-Pistole mit einer effektiven Reichweite von bis zu 750 m.

Die neue DroneGun Tactical funktioniert genau wie die anderen DroneGun-Modelle. Auf die ankommenden Drohnen werden Störfrequenzen gerichtet, um sie zum Startplatz zurückfliegen zu lassen und die Verfolger dadurch zum Piloten zu führen. Es besteht auch die Möglichkeit, das GPS-Signal der Drohne zu stören. In diesem Fall landet diese auf der Stelle und kann für eine ‚forensische Untersuchung‘ genutzt werden.

DroneGun Tactical

DroneGun Tactical

Der Hauptunterschied zum ursprünglichen Modell besteht darin, daß die DroneGun Tactical mit einem Gewicht von 6,8 kg (inkl. Der zwei Lithium-Ionen-Akkus 7,3 kg) und den Maßen 1041 x 415 x 122 mm wesentlich kleiner ist. Noch besser ist, daß das Gewehr vollständig in sich geschlossen ist, so daß ein Rucksack voller Elektronik nicht mehr erforderlich ist.

Die kompakte Bauweise geht allerdings auf Kosten der Reichweite, die auf 1.000 – 2.000 m begrenzt ist. Um dies auszugleichen, kann das neue Modell einen größeren Frequenzbereich stören, indem es die bestehenden 2,4 GHz und 5,8 GHz Bänder um die Bänder 433 MHz und 915 MHz erweitert. Aktuell ist es aber nur für Regierungsbehörden erhältlich.

Im April schließt DroneShield einen Vertrag mit der National Association for Stock Car Auto Racing (NASCAR) ab, um die Veranstaltungen des großen US-amerikanischen Motorsportverbands auf dem Texas Motor Speedway in Fort Worth zu schützen. Das System umfaßt alle drei Komponenten des Unternehmens: DroneSentinel, die statische Anordnung von Sensoren, die ankommende Drohnen erkennt; DroneSentry, das ähnlich ist, aber Gegenmaßnahmen enthält; sowie die tragbare Version DroneGun. Es wäre der erste gemeinsame ‚Live-Einsatz‘ aller drei Komponenten – der den Gesetzen zufolge aber nur durch die staatliche und lokale Polizei erfolgen darf.


DroneGun MkIII
(2019)

Die DroneShield-Geräte sollen im Grunde verhindern, daß Drohnenpiloten Zuschauer oder Fahrer gefährden. Man könnte aber auch spekulieren, daß die NASCAR ein starkes Interesse daran hat, ihre Live-Event-Streams sicher hinter Paywalls aufzubewahren, da ihnen die Fernsehsender Milliarden von Dollar für die Übertragungsrechte zahlen.

Im Juli 2019 erweitert DroneShield erneut seine Palette an Waffen, wobei die neue Version der DroneGun MkIII die gleichen Frequenzstörungs-Taktiken wie die anderen Produkte des Unternehmens verwendet, aber so konzipiert ist, daß sie in einem engeren Radius mit Einhandbedienung arbeitet, um sich schnell und einfach ziehen zu lassen.

Die Reichweite der nur 1,95 kg schweren DroneGun mit dem handlichen Maßen 20 x 40 x 63 cm beträgt 500 m. Sie wird in einer robusten Tragetasche geliefert und mit einer Batterie betrieben, die eine Stunde lang Drohnenabstürze verursachen kann. Wie auch die anderen Geräte von DroneShield ist auch die DroneGun MkIII in den USA – zumindest vorläufig – für niemanden außer für Regierungsbehörden zum Kauf erhältlich.


Im Vorfeld der Anfang Februar beginnenden Olympischen Winterspiele in Südkorea bereiten die Sicherheitskräfte eine Flotte speziell ausgerüsteter taktischer Drohnen vor, um Terroristen abzuschrecken. Die Flotte umfaßt Drohnen mit Kameras und Gesichtserkennungsfunktionen sowie Drohnen-Fangdrohnen, die Netze abwerfen, um verdächtige UAVs zu deaktivieren.

Schon im vergangenen Dezember wurden in den Olympiastadien Übungen durchgeführt, um die SWAT-Teams auf mit Drohnen geplante chemische Angriffe und Bomben vorzubereiten. Als Teil der Anti-Drohnen-Vorkehrungen werden zudem alle olympischen Austragungsorte in den Stadien in Pyeongchang, Gangneung und Jeongseon zu Flugverbotszonen erklärt.

Außerdem wird eine Anti-Drohnen-Artillerie vorbereitet, darunter Funksignal-Störgeräte, mit denen die Piloten die Kontrolle verlieren, sowie speziell für den Abschuß von Drohnen entwickelte Schrotflinten.


Im Februar berichtet die Presse, daß Greg Fischer, der Bürgermeister von Louisville in Kentucky die erste Flotte von Luftüberwachungsdrohnen des Landes schaffen will, die auf Schüsse reagieren sollen. Seiner Meinung nach könnten die unbemannten Luftfahrzeuge der Schlüssel zur Eindämmung der Waffengewalt in der Stadt sein.

Louisville ist eine von 300 Städten, die sich für das Ende 2017 ausgeschriebene bundesweite Pilotprogramm zur Integration unbemannter Flugzeugsysteme beworben haben. Bei dem Programm werden letztlich fünf Städte ausgewählt und mit Finanzmitteln und Technologie versorgt, um ein Drohnenprogramm auf den Weg zu bringen – wobei Louisville der einzige Ort zu sein scheint, der diesen einzigartigen Ansatz zur Erkennung von Waffengewalt vorschlägt.

Die Drohnen sollen auf Schüsse reagieren, die durch das bestehende ShotSpotter-System von Louisville entdeckt werden, eine Reihe von akustischen Geräten, die in der Stadt plaziert und auf das Geräusch von Schüssen abgestimmt sind. Werden solche empfangen, sendet das System die entsprechenden GPS-Daten an die Polizeidienststellen, und dies normalerweise lange bevor ein Notruf getätigt wird. Am nützlichsten erweisen sich die Geräte in Gegenden mit hoher Kriminalität, wo die Leute meist die Polizei gar nicht rufen, wenn sie Schüsse hören.

Fischer und sein Team stellen sich vor, daß die Überwachungsdrohnen lange vor den Beamten auf Schüsse reagieren, um Bilder von den Beteiligten am Tatort zu erfassen, bevor diese fliehen können. Was den Datenschutz anbelangt wird zu bedenken gegeben, daß die Drohnen weniger invasiv sind als die Videoüberwachung, da sie nur in bestimmten Bereichen nach Schüssen aktiviert werden, während stationären Kameras immer eingeschaltet sind und ständig laufen.

Das Projekt befindet sich im Anfangsstadium und es ist noch unklar, wie viel es kosten würde oder ob Louisville die Drohnen auch ohne den Bundeszuschuß einsetzen würde.


Eingesetzt werden Drohnen aber auch von der ‚Gegenseite‘. Wie Joe Mazel, Leiter der FBI-Einheit für operatives Technologierecht, Anfang Mai 2018 auf der AUVSI Xponential-Konferenz in Denver berichtet, benutzte eine kriminelle Bande einen Drohnenschwarm, um eine FBI-Geiselrettung zu behindern.

Bei dem Vorfall, der sich außerhalb einer nicht genannten US-Großstadt ereignete, setzte die Bande in Rucksäcken mitgebrachte Drohnen ein, die eine Reihe von schnellen, niedrigen Überflügen machten, um die Operation zu stören und die Sicht der Agenten auf einem erhöhten Beobachtungsposten zu behindern. Zudem setzten sie mit Kameras ausgestattete Drohnen ein, um die Standorte der Agenten am Boden zu verfolgen und die Live-Videobilder in Echtzeit an die Mitglieder der Bande zu senden.


Ebenfalls Anfang Mai entfacht ein von Bürgermeister Rahm Emanuel eingebrachter Gesetzentwurf, der bei seiner Verabschiedung den ‚Freedom from Drone Surveillance Act‘ von 2013 ändern würde, der den Einsatz von Drohnen bei der Strafverfolgung stark einschränkt, eine intensive Debatte in Chicago.

ACLU-Protestplakat

ACLU-Protestplakat

Der Gesetzentwurf SB 2562, der primär auf Festivals und Konzerte Bezug nimmt, würde es der Polizei erlauben, Überwachungsdrohnen über Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen zu fliegen, ohne zuvor einen richterlichen Beschluß zu erwirken. Und dies ginge dann auch bei politischen Protesten und Kundgebungen. Der Gesetzentwurf hat vor einer Woche die zweite Lesung im Parlament bestanden und wird nun in die dritte und letzte Lesung gehen.

Die American Civil Liberties Union (ACLU), eine NGO mit Sitz in New York City, die sich für Bürgerrechte einsetzt und gegen die neue Maßnahme protestiert, verlangt in erster Linie das Verbot der Gesichtserkennung und das Verbot von waffenfähigen Drohnen. Andernfalls würde das Gesetz zu einem einfachen „Werkzeug, um die Aktivitäten des Ersten Verfassungszusatzes zu überwachen, um Informationen darüber zu sammeln, wer sich in der Menge befindet, und um Listen dieser Personen zu erstellen“, selbst wenn kein Verdacht auf ein Fehlverhalten besteht.

Die Überwachung durch Drohnen könnte eine abschreckende Wirkung haben und Menschen davon abhalten an Protesten teilzunehmen, aus Angst davor, identifiziert zu werden - insbesondere wenn es eben die Regierung ist, gegen die sie protestieren. Wie die International Human Rights Clinic an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Chicago erklärt, „hat die Polizei bereits die Macht, in gefährlichen Situationen Drohnen einzusetzen. Was dieses Gesetz hinzufügt – und was das geltende Gesetz ausdrücklich ablehnt – ist die aktive, kontinuierliche und verdachtslose Überwachung aller und jedes Einzelnen bei einer Veranstaltung durch Drohnen.“

Glücklicherweise siegen die Verfechter der Redefreiheit und der Privatsphäre. Während das Repräsentantenhaus und der Senat von Illinois zuvor jeweils eine Version dieses Gesetzes verabschiedet hatten, endet die Legislativsitzung des Staates Ende Mai, ohne die widersprüchlichen Versionen miteinander in Einklang zu bringen – womit der Gesetzesentwurf als abgelehnt gilt. Zumindest diesmal, denn Realisten gehen davon aus, daß der Kampf wahrscheinlich erneut stattfinden wird.


Im Mai führt die dänische Firma MyDefence den WINGMAN 103 ein, eine tragbare Drohnenerkennung für Spezialeinheiten, die 735 g wiegt und eine Reichweite von bis zu 2 km hat – und im Juni kommt der PITBULL auf den Markt – eine ebenfalls tragbare Konter-UAV-Lösung, die intelligentes Jamming nutzt, um feindliche Drohnen zu besiegen. Dies geschieht mittels Funksignalen in den Frequenzbändern 2,4 GHz, 5,8 GHz und GNSS (Global Navigation Satellite System) bis zu einer Reichweite von 1 km.

Der Störsender mit einer Sendeleistung von 2W, der ohne Batterie nur 775 g wiegt und auf der Uniform getragen werden kann, wurde so entwickelt, daß er während der Störung nur minimale Auswirkungen auf andere Signale hat, um die eigene Kommunikation aufrechtzuerhalten.

In Verbindung mit dem WINGMAN-Detektor, der den PITBULL automatisch startet, wenn Steuer- und/oder Videosignale einer bösartigen Drohne empfangen werden, kann der gesamte Prozeß der Erkennung und Bekämpfung vollständig automatisiert werden, so daß der Bediener seinen Einsatz fortsetzen kann, ohne sich um feindliche Drohnen kümmern zu müssen. Dabei soll das System bis zu 20 Stunden im Standby- bzw. zwei Stunden im  Jamming-Modus laufen.

Die Firma bietet daneben noch diverse stationäre Scanner und Störsender an, die Namen wie Dobermann, Wolfpack oder Eagle tragen.


Ein ziemlich verrückter Vorwurf kursiert Mitte Mai. Demnach habe der schon mehrfach erwähnte amerikanische Drohnenhersteller AeroVironment auf einem kommerziellen Flug Sprengstoff transportiert und dann versucht, dies zu vertuschen, indem er einen Mitarbeiter entlassen hat, weil dieser den Vorfall der US-Regierung gemeldet hatte.

In der Klage wegen unrechtmäßiger Kündigung, die von Mark Anderson, dem betreffenden entlassenen Mitarbeiter, eingereicht wurde, wird behauptet, AeroVironment habe im April 2015 eine mit Sprengstoff präparierte Drohne auf einem Delta-Flug von Salt Lake City nach Los Angeles mitgenommen. Die Drohne soll sich während des Fluges, der etwa 230 zivile Passagiere an Bord hatte, im Handgepäck befunden haben.

Anderson, der die Sicherheitsmaßnahmen für die vielen Regierungsprogramme des Unternehmens leitete, erfuhr einen Monat nach dem Vorfall davon und berichtete ihn an höhere Stellen bei AeroVironment und dem US-Verteidigungsministerium. Dafür soll er von seiner bestraft worden sein, indem ihm erst viele seiner Verantwortlichkeiten innerhalb der Firma abgenommen wurden und er schließlich ohne Abfindung entlassen wurde. Ob die Mitarbeiter, die die Drohne mit einer daran befestigten Bombe ins Flugzeug gebracht haben, auch getadelt wurden, ist nicht bekannt.

Ein Sprecher von AeroVironment sagte, daß die Beschwerde unbegründete Rechtsansprüche enthält und daß sich das Unternehmen energisch verteidigen wird. Was verständlich ist, da es ziemlich abhängig von Regierungsverträgen ist. Laut dem jüngsten Jahresbericht kommen 37 % seiner Einnahmen alleine vom Verteidigungsministerium. Bleibt die Frage, warum bringt es dann eine mit einer Bombe ausgestattete Drohne an Bord eines kommerziellen Fluges? Und umso seltsamer ist, daß sich nach dieser Meldung keinerlei weiteren Berichte in der Sache mehr finden lassen.


Im Juni 2018 schließen sich der chinesische Drohnenhersteller DJI und die US-Firma Axon Enterprise Inc. (bis April 2017: Taser International Inc.) zusammen, um über ein Programm namens ‚Axon Air‘ Überwachungsdrohnen an US-Polizeibehörden zu verkaufen. Der Hersteller von Taser- und Körperkameras (bodycams) wird mit DJI zusammenarbeiten, um Drohnen anzubieten, die mit Evidence.com, dem proprietären Cloud-basierten Datenmanagementsystem von Axon, verbunden sind. Dies soll die Fähigkeit der Strafverfolgungsbehörden stärken und verbessern, die öffentliche Sicherheit zu schützen, auf Notfälle zu reagieren und Leben zu retten.

Angesichts der Entwicklung in den letzten Jahre könnten die tatsächlichen Anwendungsfälle für diese Drohnen weitaus beunruhigender sein. Wie sich inzwischen herausstellte, nutzte z.B. die Polizei in Baltimore bereits ein berüchtigtes Überwachungsdrohnensystem, das der Öffentlichkeit aber erst nach der Veröffentlichung eines Bloomberg-Berichts im August 2016 bekannt wurde.

In den Werbematerialien deutet zwar nichts darauf hin, daß die DJI-Drohnen über eine integrierte Gesichtserkennung verfügen, doch Axon hatte erst kürzlich bestätigt, daß man damit begonnen habe, die Einbettung der Gesichtserkennung in die Körperkameras abzuwägen. Datenschützer warnen davor, daß eine solche Fähigkeit bedeuten würde, daß das bloße Vorbeigehen an einem Polizeibeamten möglicherweise eine Form der Überwachung oder Identitätsprüfung darstellen könnte. Wenn Drohnen mit einer Gesichtserkennung ausgestattet sind, könnte das gleiche passieren, wenn man einfach nur nach draußen geht.


Im gleichen Monat wird berichtet, daß Forschungsteams der University of Cambridge in Großbritannien und des National Institute of Technology sowie des Indian Institute of Science, beide in Indien, ein System künstlicher Intelligenz entwickelt haben, das in von oben aufgenommenen Drohnen-Videos gewalttätiges Verhalten in Menschenmengen erkennen kann.

Das System verwendet einen einfachen Parrot AR-Quadcopter, um Videomaterial über eine mobile Internetverbindung zur Echtzeitanalyse zu übertragen. Ein Algorithmus, der mit Hilfe von deep learning trainiert wird, beurteilt die Posen der Menschen im Video und vergleicht sie mit den Haltungen, die die Forscher als ‚gewalttätig‘ bezeichnet haben, wobei für die Zwecke des Projekts nur fünf Posen vorgesehen sind: Würgen, Schlagen, Treten, Schießen und Stechen.

Dem leitenden Cambridge-Forscher Amarjot Singh zufolge identifiziert das System die gewalttätigen Personen auf den Bildern zu mehr als 88 %. Zudem kann es zu 82 – 92 % genau feststellen, wer an welchen gewalttätigen Aktivitäten beteiligt ist. Der ausführliche Bericht mit dem Titel ‚Eye in the Sky: Real-time Drone Surveillance System (DSS) for Violent Individuals Identification using ScatterNet Hybrid Deep Learning Network‘ ist im Netz abrufbar.


Ebenfalls im Juni meldet die Presse, daß China schon seit einiger Zeit neue Überwachungsdrohnen einsetzt, die wie Tauben aussehen und sich sogar unter einen Vogelschwarm mischen können. Dabei sind die Drohnen, die den Flügelschlag eines Vogels nachahmen, so realistisch, daß auch die Vögel sie für ihresgleichen halten. Die Technologie soll zudem imstande sein, moderne Radarsysteme zu täuschen.

Überwachungs-Taube

Überwachungs-Taube

Die Drohnen wiegen mit 200 g nicht viel mehr als ihre echten Vorbilder, haben eine Flügelspannweite von 50 cm und sind mit einer hochauflösenden Kamera und einer GPS-Antenne ausgestattet. Die kleinen Fluggeräte, die etwa 90 % der Bewegungen einer echten Taube replizieren, können jedoch noch keine zu großen Strecken zurücklegen, da ihr Nutzungszeitraum begrenzt ist. Sie können fast lautlos ca. 40 km/h schnell fliegen, allerdings nur für maximal 30 Minute.

Das entsprechende Programm sei in den letzten fünf Jahren unter dem Codenamen Dove (Taube) von Prof. Song Bifeng und seinem Team an der Northwestern Polytechnical University in Xian entwickelt worden, wobei die vogelähnliche Drohnen nach fast 2.000 Testflügen nun einsatzbereit sind. Anderen Berichten zufolge wurden die Roboter-Tauben bereits von über 30 Militär- und Regierungsbehörden in fünf Provinzen eingesetzt.

Die Elektronik der Drohnen ist allerdings noch anfällig für elektromagnetische Störungen und im Tiefflug kollidierten die Drohnen schnell mit Hindernissen. Die nächste Generation soll deshalb mit künstlicher Intelligenz ausgestattet werden.

In diesem Zusammenhang sollte auch erwähnt werden, daß in der Stadt Jinan ab Anfang August vier Drohnen ihren regulären Einsatz starten und überwachen, ob Autofahrer am Steuer verbotenerweise telefonieren. Die Drohnen werden von Verkehrspolizisten aus der Ferne gesteuert und kommen in Gegenden zum Einsatz, wo es keine fest installierten Verkehrskameras, aber auch keine Möglichkeit für Kontrollposten der Polizei gibt.

Dem Einsatz, bei dem innerhalb der ersten halben Stunde gleich fünf Vergehen ausgemacht und geahndet werden konnten, war im April ein Testlauf vorausgegangen, bei dem die Fluggeräte bereits mehr als 200 Flugstunden ohne Unfälle sammeln konnten.


Die französische Armee kündigt im Juli an, eine neue Luftwaffenbasis in Jordanien mit drei Methoden gleichzeitig vor potentiell gefährlichen Drohnen schützen zu wollen: dem Abschuß vom Boden aus, dem Neutralisieren per Störsender sowie der Bekämpfung mit Hilfe von Jagddrohnen. Eine eigens eingerichtete Truppe mit Soldaten aus traditionellen Flugabwehr-Einheiten soll alle Arten von Flugdrohnen abfangen und neutralisieren, sobald sie in das Sperrgebiet eindringen.

In einem veröffentlichten Foto ist zu sehen, wie Soldaten anfliegende Mini-Quadrokopter mit einem gewehrähnlichen Gebilde aus langen Antennen und mit einem mit Spezialmunition bestückten Schrotgewehr ins Visier nehmen. Zugleich soll die Einheit den Luftraum über dem Gelände mit eigenen Drohnen überwachen.


Auch gegen Drohnen einsetzen läßt sich vermutlich die tragbare Laserwaffe, über die im Juli 2018 berichtet wird. Die Erfinder am Xi'an Institut für Optik und Feinmechanik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shaanxi sehen ihr Lasergewehr als ein Mittel, um feindliche Personen zu ‚deaktivieren‘, zum Beispiel während einer Geiselnahme.

ZKZM-500

ZKZM-500

Der Prototyp wird von ZKZM Laser gebaut, einem Technologieunternehmen, das sich im Besitz des Instituts in Xian befindet. Die Firma sucht nun einen Partner aus der Sicherheits- oder Verteidigungsindustrie, der über eine Waffenproduktionslizenz verfügt, um die Massenherstellung des Laser-Sturmgewehrs zu Kosten von 15.000 $ pro Einheit zu beginnen.

Die ZKZM-500 genannte und als ‚nicht tödlich‘ eingestufte Waffe wiegt rund 3 kg, hat eine effektive Reichweite von 800 m und wird von einem Lithium-Akku betrieben. Sie soll mit einer Ladung über tausendmal jeweils für maximal zwei Sekunden schießen können. Dabei ist der für das menschliche Auge unsichtbare Laserstrahl stark genug, um Dinge in Brand zu setzen oder sich blitzschnell durch Kleidung zu brennen. Angeblich soll die lautlose Laserwaffe zunächst den Antiterroreinheiten der Polizei übergeben werden, obwohl kein Datum für den Einsatz angegeben wurde.

Das ZKZM-500 hat viele chinesische Vorläufer. So sind die chinesische Polizei und die Armee seit langem mit ‚blendenden‘ Lasergewehren ausgestattet, die dazu bestimmt sind, auf die optischen Bildgeber und Sensoren auf feindlichen Fahrzeuge, Flugzeugen und Drohnen zu zielen. Ein Beispiel dafür ist das auf einer Polizeimesse im Dezember 2015 vorgestellte Modell PY132, das sogar über ein Zielfernrohr verfügt, um mit seinem leistungsstarken Laser beispielsweise direkt auf das Wärme- und Nachtsichtgerät eines Panzers zu zielen – oder eben auf eine terroristische Drohne.

Den Einsatz von Lasern und Blendwaffen gegen Menschen verbieten hingegen internationale Konventionen wie das Protokoll von 1998 über blindmachende Laserwaffen.

Eine andere Firma, die Chengdu hengan police equipment manufacture company Ltd., soll schon einen Monat zuvor ein ‚Laser-Maschinengewehr‘ auf den Markt gebracht haben. Dieses soll einige hundert Schuß pro Ladung abfeuern können und eine Reichweite von 500 m haben, was völlig ausreicht, um einen Hubschrauber oder eine Drohne zum Absturz zu bringen oder den Tank eines Fahrzeugs explodieren zu lassen. Andere Quellen sprechen dagegen über eine Reichweite von nur 150 m, wobei die Batterien genug Energie für 10.000 Schüsse enthalten.

Über die Abbildung des recht klobig wirkenden Prototypen hinaus gibt es aber keine weiteren Details. Außerhalb Chinas werden allgemeine Zweifel an der Existenz solcher Waffen geäußert. Und zumindest bis Anfang 2020 ist auch sonst nichts Neues mehr darüber zu hören.


Im Juli 2018 ruft das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine neue Big-Data-Plattform mit 21 DLR-Instituten aus den Bereichen Raumfahrt, Luftfahrt, Verkehr, Energie und Sicherheit ins Leben, um Forschungen zur Auswertung sogenannter Massendaten durchzuführen. Dabei will das DLR eng mit der Bundespolizei zusammenarbeiten, wozu ein neues Abkommen geschlossen wird, das einen intensiven Fachaustausch zu Themen der zivilen Sicherheit ermöglichen soll.

Neben der im Vordergrund stehenden Nutzung von Algorithmen und Anwendungen zur Big-Data-Prozessierung, um die Verarbeitung der immer größer werdenden Datenmengen zu verbessern, geht es auch um die Beobachtung mit Flugzeugen, Drohnen und Satelliten.

Für die Überwachung von Großlagen forscht das DLR im Projekt VABENE++ an der Verbesserung von Lageinformationen für Rettungskräfte mittels hochauflösender Kameras, die an Flugzeugen oder Helikoptern montiert sind. Die Forschungen, bei denen auch die Dynamik von Menschenmengen aus der Luft analysiert wird, kommen nun auch der Polizei zugute.

Zu den neuesten Vorhaben des Projekts gehört die Erprobung eines Schwarms aus Multikoptern, der vollautomatisch Gebiete fotografiert, wobei sich die Drohnen das Gebiet nach einem festgelegten Algorithmus auf teilen, und eine Software später die einzelnen Aufnahmen verbindet. Laut dem DLR eignen sich sich Drohnen-Schwärme nicht nur für den Katastrophenschutz, sondern auch für zivile Überwachungsanwendungen.


In einem Artikel, der im November 2018 auf wired.com erscheint, wird auf einen interessanten Sicherheitsaspekt hingewiesen. Demnach kann die Kriminalpolizei einer aufgefundenen Drohne eine Vielzahl von persönlichen Daten entnehmen, wie z.B. den Wohnort, die Kreditkartennummern und E-Mail-Adressen des Besitzers. Die meisten dieser Daten sind in Speicherchips auf der Leiterplatte der Drohne gespeichert. Mit dem Controller einer Drohne läßt sich wiederum der Zugang zum Setup-Konto des Besitzers öffnen.

Um den Strafverfolgungsbeamten beizubringen, wie sie diesen wenig genutzten Datenschatz am besten extrahieren können, stellt das National Institute of Standards and Technology (NIST) in Kooperation mit den VTO Labs, einer in Colorado ansässigen Beratungsfirma für digitale Sicherheit, ein Archiv mit digitalen Auslesungen von 14 kommerziellen Drohnen zusammen. Das NIST-Archiv ist ein digitales Trainingsgelände für Strafverfolgungsanalytiker, um herauszufinden, was sie auf einem bestimmten Drohnenmodell finden könnten, das als Beweismittel in einer Verbrechensuntersuchung aufgegriffen wird.

Ein besonders nützlicher Indikator ist die Aufzeichnung des ersten Fluges einer Drohne, der oft am oder in der Nähe des Hauses ihres Besitzers stattfindet, denn eines der ersten Dinge, die eine Person tut, ist, die neue Drohne aus der Kiste zu nehmen und zu fliegen. Sobald man sie jedoch einschaltet, empfängt sie ein GPS-Signal und markiert, wohin sie fliegt. In vielen Situationen stellt die Strafverfolgung fest, daß es sich um den Hinterhof der Person oder einen nahe gelegenen Park handelt.


Pressemeldungen von Anfang Dezember 2018 zufolge hat die New Yorker Polizei (NYPD) ein Arsenal von 14 Drohnen erworben, um die Überwachung der Stadt zu unterstützen. Zu der Flotte gehören elf DJI Mavic Pro-Quadkopter für taktische Operationen, zwei DJI M210 RTK-Quadkopter für die 3D-Kartierung und Such- und Rettungsaktionen sowie ein DJI Inspire 1-Quadkopter für die Ausbildung. Für den Betrieb der Drohnen wurde ein Team von 29 Polizeibeamten ausgebildet.

Die NYPD – die größte städtische Polizeibehörde der Vereinigten Staaten - plant, die Drohnen u.a. zur Dokumentation von Tatorten, zur Überwachung des Verkehrs und von Volksveranstaltungen sowie zur Unterstützung von Geiselbefreiungen einzusetzen.

Der Ausschuß für öffentliche Sicherheit des Stadtrates von New York City bestätigt der Presse gegenüber, daß man eine Schutzgesetzgebung verfolgen werde, um zu verhindern, daß die Polizei die Drohnen zur Verletzung der Privatsphäre der Bürger einsetzt.

In jedem Fall ist dieses Jahr das erste, in dem die Beamten die Drohnentechnologie – neben anderen Sicherheitsmaßnahmen und Technologien, darunter 1.225 tragbare und stationäre Kameras – zur Sicherung des jährlichen Silvesterballs auf dem New Yorker Times Square einsetzen, zu dem Abertausende von Menschen kommen.

 


Zwischenfälle


Bei den Zwischenfällen geht es zuerst einmal um Gefährdungen des Flugverkehrs. Wie die Deutsche Flugsicherung (DFS) im Januar 2018 mitteilt, wurden im vergangenen Jahr 70 mal Drohnen in der Nähe von Flughäfen in Deutschland gesichtet, weitere 18 mal hätten Piloten die Flugobjekte auf der Strecke entdeckt. Um über die Gefahren aufzuklären, habe die Flugsicherung zwischenzeitlich eine DrohnenApp entwickelt. Aber auch Bücher informieren darüber, wo Drohnen unterwegs sein dürfen und wo nicht (s.u. Regelungen).

Im April meldet die Presse, daß am Flughafen Köln/Bonn ein Hobbypilot mit seiner Drohne den Maschinen so nahe gekommen ist, daß die Start- und Landebahn mehrmals gesperrt werden mußte. Ein Lufthansa-Flug aus München sei wegen der Sperrung sogar nach Düsseldorf umgeleitet worden. Von dem Drohnenpiloten fehlte nach Angaben der Polizei jede Spur.

Bis Mitte August 2018 werden laut DFS bereits über 100 Drohnen gemeldet, also mehr als im gesamten Vorjahr. Die meisten Drohnen (20) werden – wie auch schon im Vorjahr – im An- und Abflugbereich des Frankfurter Flughafens gesichtet. Bis einschließlich November werden sogar 152 Behinderungen durch Drohnen gemeldet.


Auf internationaler Ebene wird im Februar berichtet, daß die Videoaufnahme von einer Drohne, die zeigt, wie das unbemannte Luftfahrzeug nur wenige Meter oberhalb eines Zivilflugzeugs schwebt, das gerade am Flughafen Las Vegas McCarran International landet, in sozialen Netzwerken schnell an Popularität gewinnt – wobei der unbekannte Besitzer des Fluggeräts wegen der Verletzung aller geltenden Sicherheitsvorschriften allerdings große Empörung erntet.

Die Richtlinien der Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten (FAA) sehen vor, daß ein autonomes Luftfahrzeug in einer Höhe von maximal 122 m über der Erdoberfläche fliegen darf. Im Video ist es leicht zu erkennen, daß die Drohne diese Obergrenze deutlich überschritt und dadurch die Leben der Flugzeugpassagiere in Gefahr brachte. Die Behörde leitet eine Ermittlung ein und fahndet nach dem Besitzer der Drohne, dem nun eine Geldstrafe von bis zu 250.000 $ bzw. bis zu drei Jahren Haft drohen.


Im gleichen Monat untersucht das National Transportation Safety Board der USA einen Hubschrauberabsturz in South Carolina, der möglicherweise durch eine zivile Drohne verursacht wurde. An dem Absturz beteiligt sind ein Flugschüler und sein Ausbilder, die in der Nähe der Südspitze der Insel Daniel nahe Charleston einen Robinson R22 Hubschrauber fliegen. Wobei das Wort Absturz nach näherer Betrachtung des Geschehens vielleicht etwas übertrieben ist.

Während der Schüler Schwebe-Manöver über unbebautem Land übt, sehen die beiden direkt vor sich eine kleine Drohne, woraufhin der Ausbilder die Kontrolle über den Hubschrauber übernimmt, um dieser auszuweichen. Bei dem Versuch zu landen, schlägt das Heckruder des Hubschraubers jedoch gegen einen kleinen Baum, wodurch der Ausbilder die Kontrolle über den Hubschrauber verliert. Er kann den Hubschrauber zwar auf den hinteren Landekufen landen, dieser kippt dabei aber auf die Seite. Das Heck des Hubschraubers werden beschädigt, aber der Pilot und Schüler bleiben unverletzt. Die Drohne sei übrigens ein DJI Phantom-Quadrokopter gewesen.

Kollisionsexperiment

Kollisionsexperiment


Welche Schäden eine Drohne beim Zusammenstoß mit einem Flugzeug verursachen kann, zeigt ein Forscherteam der University of Dayton in Ohio mit einem Kollisionsxperiment, über das im September 2018 berichtet wird. Da sich die Wissenschaftler nicht mehr auf reine Simulationen verlassen wollen, schießen sie in einer Testhalle mit einer Spezialkanone einen etwa 1 kg schwere DJI Phantom 2 Drohne auf den Flügel eines Kleinflugzeugs vom Typ Mooney M20 ab.

Der Aufprall entspricht etwa einer Fluggeschwindigkeit des Flugzeugs von 380 km/h. Zum Vergleich führen die Forscher den Versuch auch mit einer gleich schweren Gel-Attrappe eines Vogels durch.

Nach der Kollision mit der Drohne können die Forscher zunächst nur oberflächliche Schäden am Flügel erkennen, doch im Inneren zeigt sich, daß die Folgen verheerend sind: „Die Phantom-Drohne drang viel tiefer in den Flügel ein und beschädigte den Hauptträger, was beim Vogel nicht der Fall war. Das gesamte Gewicht des Flugzeugs hängt an diesen Trägern. Wenn man einen davon genügend beschädigt, würde das Flugzeug abstürzen.“

Da Szenarien wie das Einsaugen einer Drohne durch ein Triebwerk bzw. der Zusammenstoß mit einer Cockpit-Scheibe oder eine Kollision mit einer deutlich schwereren Drohne noch nicht betrachtet worden sind, wollen die Forscher dies nun nachholen. Außerdem fordern sie eine strengere Reglementierung der Drohnennutzung und eine Anpassung der Konstruktionsprinzipien für Drohnen: „Man könnte Drohnen so bauen, daß sie bei einem Aufprall leichter zerbrechen oder sie unterhalb eines bestimmten Gewichts halten.“


Im November 2018 erscheint eine im Netz einsehbare Zwischenbewertung des im Mai des Vorjahres gestarteten EU-Sicherheitsforschungsprojekts ROBORDER, bei dem europäische Grenzbehörden verschiedene Drohnen zur Kontrolle von Land- und Seegrenzen testen. Zum Einsatz kommen ein unbemanntes Bodenfahrzeug, eine Langstreckendrohne, eine Überwasser- und eine Unterwasserdrohne. Sie operieren eigenständig und als Schwarm, um Videos und Geodaten verdächtiger Fahrzeuge oder Schiffe zu liefern und um unerlaubte Grenzübertritte an Land mit Hilfe von Wärmebildkameras oder Radargeräten zu entdecken.

Die Aufnahmen laufen in einem mobilen Lagezentrum zusammen, einem Multirole operations support vehicle (MUROS) des deutschen Herstellers Elettronica aus Meckenheim, der Spezialfahrzeuge mit Überwachungstechnik baut. Diese filmen Demonstrationen, hören Telefone ab oder – wie im vorliegenden Fall – koordinieren Drohnenschwärme an EU-Außengrenzen. Die Firma soll außerdem das unerlaubte Stören oder Abhören der eingesetzten Drohnen verhindern. Diese stammen von der Copting GmbH aus Braunschweig. Projektende ist im April 2020.


Mitten in der Vorweihnachtszeit im Dezember steht Großbritanniens zweitgrößter Flughafen still – durch einen gezielten Sabotageakt, bei dem Unbekannte an mehreren Tagen Drohnen über Londons Flughafen Gatwick kreisen lassen. Nach ersten Hinweisen auf Drohnensichtungen über dem Flugfeld werden alle Flugbewegungen ausgesetzt, um die Lage zu klären. Später gehen zahlreiche weitere Hinweise ein, wodurch viele Passagiere stundenlang in ihren startklaren Maschinen festsitzen, während ankommende Flugzeuge zu Flughäfen umgeleitet werden, die teilweise Hunderte Kilometer entfernt liegen.

Kaum daß der Flugbetrieb in den frühen Morgenstunden wieder aufgenommen wird, werden weitere Drohnen gesichtet, weshalb erneut keine Maschinen mehr landen oder starten dürfen. Letztlich werden für den gesamten Tag alle Flüge abgesagt und der Betrieb des Flughafens komplett eingestellt – zu Lasten zehntausender Menschen, nun überall auf den Treppen sitzen und auf dem Boden liegen. Insgesamt sind rund 140.000 Passagiere betroffen.

Mehr als 20 Einheiten der Polizei sind auf der Suche nach den Drohnenlenkern und entdecken dabei immer wieder Drohnen über dem und um das Flugfeld herum, sehen aber davon ab, diese mit Schüssen vom Himmel zu holen, da die Gefahr durch fehlgeleitete Geschosse zu groß sei. In den ersten 24 Stunden nach Einstellung des Flugbetriebs zählt die Polizei mehr als 50 Sichtungen. Zudem bittet die Polizei der Region Sussex - nach anfänglicher Zurückhaltung - beim Verteidigungsministerium um Unterstützung durch das Militär.

Als der Flugbetrieb am nächsten Tag wieder anläuft, gibt Gatwick-Chef Chris Woodroofe  in einer Erklärung bekannt, daß mindestens zwei der gesichteten Drohnen industriellen Spezifikation entsprachen, und keine Hobbyfluggeräte waren. Doch würde noch eine Drohne über dem Gelände gesichtet, würde man diese abschießen, da die Polizei und Armee zwischenzeitlich mit Hubschraubern, Scharfschützen und Spezialausrüstung angerückt seien.

Die Ermittlungen zu den gezielten Drohnen-Störaktionen führen zur Festnahme von einen Ehepaar aus der benachbarten Stadt Crawley, das aber bald darauf wieder freigelassen wird. Derweil installiert das Militär am Flughafen ein High-Tech-Ortungssystem, wie es im Kampf um die Befreiung Mossuls im Nordirak eingesetzt wurde, zusammen mit einer ‚Drohnen-Killer‘-Ausrüstung, die sie außer Gefecht setzen kann.

Gleichzeitig stellt die Flughafenverwaltung eine Belohnung von 50.000 £ für jede Information in Aussicht, die zur Ergreifung der wahren Täter führt, wobei einige glauben, daß es einheimische Akteure wie britische Umweltschützer sind.

Im Zuge der Such wird am Flughafen eine abgestürzte Drohne gefunden, von der aber nicht klar ist, ob sie etwas mit den Vorfällen zu tun hat. Es scheint nicht einmal gesichert zu sein, daß es überhaupt Drohnen gegeben hat. Detective Chief Superintendent Jason Tingley zufolge habe es zwar 67 Berichte über Drohnenflüge zwischen dem 19. und 21. Dezember gegeben, es gebe aber immer die Möglichkeit, daß diese nicht zutreffen. Dokumentiert scheint jedenfalls nichts zu sein, trotz 115 Augenzeugen, darunter Polizisten und Piloten.

Drei Tage nach dem Drohnen-Alarm, der zu einem 36-stündigen Stillstand des Flughafens geführt hatte, teilt der britische Minister für Sicherheit, Ben Wallace, mit, daß Gatwick umgehend 5 Mio. £ für neue Ausrüstungen und Technologien zur Verhinderung von Drohnen-Angriffen ausgegeben habe. Um die Bedrohung zu bekämpfen und ähnliche Pannen in der Zukunft zu vermeiden, sollen die entsprechenden Erkennungssysteme jetzt in ganz Großbritannien eingesetzt werden.

Anfang 2019 wird die militärische Ausrüstung zur Drohnenabwehr am Londoner Flughafen Gatwick wieder abgebaut, da man durch die gekaufte Drohnenabwehr-Technologie auf dem gleichen Level wie das Militär sei. Die Technologie, die die Kommunikation zwischen einer Drohne und dem Betreiber entdecken und blockieren kann, ist auf einem Dach des Flughafens stationiert, hat eine Reichweite von mehreren Meilen und nutzt vier Radars, um einen 360°-Winkel abzudecken.

Auch Heathrow bestellt die Technologie zur Abwehr der Miniflieger. Auf welche Technik die britischen Airports genau vertrauen, ist noch nicht bekannt.


Zu den anderen Zwischenfällen in diesem Jahr gehört eine Drohne in der Landstadt Gebesee in Thüringen, die im April das Grundstück eines 44-Jährigen umkreist und dann auf ihn und seine Mutter lange Stahlnägel abgeworfen haben soll, die zum Glück niemanden erwischen.

Der Quadrokopter verschwindet, doch wer ihn gesteuert hat, bleibt unklar. Der Betroffene alarmiert daraufhin die Polizei, die allerdings auch nicht mehr tun kann, als die Nägel als Beweismittel zu beschlagnahmen.


Und auch in Verbindung mit Waldbränden machen sich Drohnen in diesem Sommer wieder unbeliebt, als die Löschflugzeuge und Hubschrauber während der Bekämpfung des sogenannten Bocco-Feuers im Westen Colorados mindestens eine Stunde lang am Boden blieben müssen, weil der Luftraum plötzlich als unsicher galt.

Eine Stunde bei der Brandbekämpfung zu verlieren, könnte fünf oder zehn Löschflugzeug-und Hubschrauber-Wasserabwürfe weniger bedeuten, und das kann bei einem Flächenbrand bereits einen Unterschied machen.


Anfang Juli steuern Greenpeace-Aktivisten eine Drohne in der Form von Superman über das Gelände es französischen Atomkraftwerks Bugey in der Nähe von Lyon, um dessen ‚extreme Verwundbarkeit‘ zu zeigen – was auch in einem Video dokumentiert wird, das eine nachfolgende Drohne aufnimmt. Bei der Aktion kracht der Comicheld schließlich gegen die Wand eines Werksgebäudes mit einem Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente.

Der Stromkonzern EDF bestätigte auf Anfrage, daß die Sicherheitsteams am Morgen zwei Drohnen über dem Gelände geortet hatten. Eine davon habe die französische Polizei abgefangen. Die Aktion habe aber keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlage gehabt. Greenpeace widerspricht aber den Behauptungen von EDF, die Polizei habe eine der Drohnen abgefangen und behauptet, diese sei von alleine abgestürzt.


Und auch im Bereich des Verbrechens, den ich diesmal den Zwischenfällen zuordnen möchte, gibt es 2018 die eine oder andere Meldung.

So werden im März in England acht Männer und zwei Frauen, alle aus den West Midlands, angeklagt, in großem Umfang Drohnen eingesetzt zu haben, um Drogen und Telefone in Gefängnisse in ganz England zu schmuggeln. Die Drohnenlieferungen fanden zwischen April 2016 und Juni 2017 statt.


Im Mai wird berichtet, daß die Polizei auf dem Dach einer Grundschule in Montreal, Kanada, eine Drohne mit einem Paket Schmuggelware entdeckt hat, in welchem sich Marihuana, Tabak, Mobiltelefone, SIM-Karten, Feuerzeuge und Klebstoff befanden. Das Paket war mit einer Schnur an der Drohne befestigt.

Die Behörden gehen davon aus, daß die Drohne auf dem Weg zum nahe gelegenen Gefängnis von Bordeaux war, um die Schmuggelware an die Häftlinge auszuliefern, als sie auf dem Dach der Schule landete oder abstürzte.


Im September stürzt in der Nähe des Dorfes Gorbivtsi in der Ukraine, etwa einen Kilometer von der rumänischen Grenze entfernt, eine riesige Drohne in einen Baum. Der einzigartige Quadrokopter Marke Eigenbau ist so groß, daß zwei Männer der Grenzpatrouille nötig sind, um ihn auf die Ladefläche eines Pick-ups zu heben.

Ukrainische Schmuggeldrohne

Ukrainische
Schmuggeldrohne

Wie sich herausstellt, hat das unbemannte Fluggerät aber nichts mit Russland zu tun, mit dem die ukrainische Regierung in einen Mehrfronten-Drohnenkrieg verwickelt ist, sondern vielmehr mit dem Schmuggel von Zigaretten aus dem Land heraus. Dieser ist in der Ukraine ein großes Geschäft, das auf 2 Mrd. $ jährlich geschätzt wird.

Die typische dortigen Schmuggeloperation umfaßten bisher kleine, kommerziell erhältliche Fluggeräte. Die Grenzschutzbeamten beschrieben stundenlang wiederholte Flüge mit DJI-Drohnen, die mehrere Kartons mit geschmuggelten Zigaretten abwarfen. Im vergangenen und in diesem Jahr wurden funkgesteuerte Flugzeuge, Drohnen und sogar einen Schmuggler-Drachen beschlagnahmt.

Das Aufspüren von Schmugglern kann eine gefährliche Arbeit sein, wie sich Anfang dieses Jahres erwies, als ein ukrainischer Grenzschützer einer Kurzstreckendrohne folgte, um ihre Bediener zu entdecken. Die dreiköpfige Schmuggelcrew schoß daraufhin mit einem Gummigeschoß auf den Wachmann und floh. Später konnten Verstärkungen die Schmuggler finden und festnehmen.

Die ukrainische Regierung paßt ihre Taktik an, indem der Grenzschutz im April 2018 beginnt, eigene Drohnen einzusetzen: Spectator-M-Drohnen fliegen über den Donbass, um von Russland unterstützte Milizen zu überwachen. Diese Drohnen sollen gleichzeitig nach Schmugglern suchen, die kleine Drohnen über die Grenze fliegen, da deren Betreiber ja in unmittelbarer Nähe sein müssen.


Im Oktober 2018 werden in England sieben Mitglieder einer Bande, die mit Drohnen Steroide, Mobiltelefone, SIM-Karten und insbesondere Drogen im Wert von 550.000 £ in Gefängnisse geschmuggelt haben sollen, zu Freiheitsstrafen zwischen drei und zehn Jahren verurteilt. Der Polizei zufolge soll die 15-köpfige Gruppe für mindestens 55 Lieferungen innerhalb von 14 Monaten in verschiedenen Justizvollzugsanstalten verantwortlich sein.


Da der US-Bundesstaat Florida im Jahr 2015 ein Gesetz verabschiedet hatte, das den Einsatz von Drohnen zur Überwachung von Bürgern aus der Luft verbietet, findet die Polizei von Miami Beach eine clevere Lösung, dies trotzdem zu tun – indem sie einen Aerostaten, d.h.  ein festgebundenes Luftschiff benutzen, um eine Orange-Bowl-Party Ende Dezember 2018 zu überwachen. Zurecht argumentieren sie, daß es sich dabei nicht um eine Drohne handelt. Da diese Technologie eigenständig behandelt wird, findet sich mehr darüber im Kapitelteil Solar-Luftschiffe und Solar-Ballons.

 


Kamera-Drohnen


Zu den in diesem Jahr erwähnenswerten Kamera-Drohnen gehört die erste vollständig autonom fliegende Skydio (auch: R1), die das gleichnamige, in San Francisco angesiedelte Startup Skydio entwickelt hat, eine Ausgründung von drei Absolventen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Dort hatte man vor rund zehn Jahren mit der Entwicklung von autonom fliegenden Drohnen begonnen und die drei gehörten zu den ersten Ingenieuren, die von Google für die Arbeit an Project Wing eingestellt wurden.

Die auch per Smartphone steuerbare Selfie-Drohne ist mit 13 Kameras bestückt. Nur eine davon schießt Bilder und nimmt Videos mit 4K auf. Die übrigen sind dazu da, die Umgebung zu beobachten, denn darauf basiert die Berechnung der Flugroute und das selbständige Ausweichen vor Hindernissen, falls ein ungeschickter oder ungeübter Pilot sie steuert.

Die R1, die eine Geschwindigkeit von 40 km/h erreicht, läßt sich so programmieren, daß sie einer bestimmten Person folgt. Per Smartphone läßt sich wählen, ob sie die Zielperson umkreisen, sie seitlich begleiten oder vorausfliegen soll. Der hochentwickelte Algorithmus des Skydio verwendet Daten, die aus verschiedenen Quellen gesammelt werden, darunter ein Bewegungsplanungssystem und ein Vorhersagecode, der die nächste Bewegung des Subjekts vorhersieht und es ermöglicht, sie mit großer Präzision zu verfolgen.

Skydio 2

Skydio 2

Die Reichweite beträgt 90 m, die maximale Flugdauer liegt bei 16 Minuten, und wenn die Batteriekapazität sich dem Ende nähert, warnt die Drohne ihren Besitzer. Sollte dieser nicht reagieren, sucht die Drohne autonom nach einem Landeplatz. Zu kaufen ist sie zu einem Preis von 2.499 $, vorerst allerdings nur in den USA.

Im Oktober 2019 folgt mit der Skydio 2 ein weiterentwickeltes und gleichzeitig abgespecktes Modell, das 23 Minuten Flugzeit und einer Reichweite von bis zu 3,5 km bietet.

Der neue Quadrokopter hat die Abmessungen 223 x 273 x 74 mm  und ein Gewicht von 775 g inklusive dem LiPo-Akku mit einer Kapazität von 4.280 mAh. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit ca. 58 km/h angegeben. Clou der Skydio 2-Kameradrohne soll sein, daß insgesamt drei verschiedene Steuerungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Neben einer klassischen App-Steuerung (Reichweite ca. 200 m) sowie einer Steuerung mit Hilfe einer herkömmlichen Fernsteuerung (3,5 km) bietet Skydio das so genannte Skydio Beacon an (1,5 km), bei dem es sich um eine kleine Extra-Fernbedienung mit integriertem GPS handelt. Hauptfunktion der Skydio Beacon ist der Follow Me-Modus, so daß die Drohne den Nutzer auch dann verfolgen kann, wenn die direkte Sichtverbindung unterbrochen wird – etwa durch Bäume oder andere Hindernisse.

Preislich liegt die Skydio 2 bei 999 $, während die Fernsteuerung bzw. das Skydio Beacon jeweils zusätzliche 149 $ kosten.

Außerdem enthüllt das Unternehmen eine tragbare Box namens Skydio 2 Dock, die als autonome Basisstation zum Aufladen der Drohne dient und es ihr ermöglicht, aufeinanderfolgende Missionen ohne menschliches Eingreifen durchzuführen. Die Box ist wetterfest, wird in einem Handkoffer transportiert und kann in wenigen Minuten aufgebaut werden.

Skydio 2 Dock

Skydio 2 Dock

Wir haben bereits drahtlose Ladeplattformen gesehen, die es den Drohnen ermöglichen, für eine Weile herunterzukommen, aufzutanken und dann wieder weiter zu fliegen, wie die Systeme des Berliner Startups SkySense Inc. (s. u. 2013) – ebenso wie verschiedene Lade- und Containergeräte, die die Drohne zudem sicher aufbewahren, wenn sie nicht in Gebrauch ist, wie beispielsweise die Dronebox der Firma H3 Dynamics (s.u. 2015).

Die Idee dabei ist natürlich, daß die Autonomie einer Drohnen nicht alle 20 oder 30 Minuten unterbrochen werden muß, damit ein Mensch sie aufladen oder ihre Batterien austauschen kann. Stattdessen könnte man sie mit einer Aufgabe betrauen, wie z.B. der Kartierung eines Katastrophengebiets und der Suche nach Opfern, und sie könnten 24 Stunden lang im Einsatz bleiben, auf unbestimmte Zeit.

Im Fall der neuen Box ermöglicht die Flugsoftware der Drohne, mit ihren sechs Bordkameras eine 360°-Karte der Umgebung zu erstellen, Hindernissen auszuweichen und ihre Umgebung zu filmen, bevor sie zum Aufladen herunterkommt. Dies geschieht durch die Landung auf einer kleinen Plattform, die an einem motorisierten Arm befestigt ist, der aus der Kiste herausragt und sie zum Aufladen der Batterien einzieht.

Auf Einzelheiten wie die Ladezeiten für das Dock-Konzept geht Skydio bislang nicht ein, betont aber dessen Einfachheit und beschreibt ähnliche Systeme als „massiv, komplex, teuer und unpraktisch“. Da es nicht legal ist, autonome Drohnen ohne menschliche Aufsicht in kommerziellen Bereichen fliegen zu lassen, obwohl einige, wie UPS, Ausnahmen von diesen strengen Vorschriften erhalten, nennt die Firma weder einen Preis noch einen Termin, wann das Skydio 2 Dock auf den Markt kommen soll.


Ein ebenso hübsches wie praktisches Design besitzt die Alvix Kamera-Drohne, die im Februar 2018 in den Fachblogs vorgestellt wird.

Das Konzept der Designer Yu Ling Lien und Jia Xin Liu verwendet eine spezielle Doppelrotor-Konstruktion, die die Drohne sowohl unglaublich wendig als auch äußerst kompakt macht. Da die Alvix für den Einsatz von Extremsportlern wie Big Mountain Snowboardern und Bergsteigern konzipiert wurde, ist er leicht in jedem Rucksack zu verstauen, indem die Rotoren nach innen geschwenkt werden, wo sie vor Beschädigungen geschützt sind.

Die einzigartige Konstruktion besteht aus vier Scheiben: eine für die Basis, zwei für die Rotoren und eine für den Alarmbeleuchtungsmechanismus – denn dies ist die zweite wichtige Funktion des Designs. Im Falle eines Unfalls oder einer Verletzung kann Alvix schnell herausgezogen und gestartet werden. Wie eine Fackel, die nicht verschwindet, dient sie mit Licht und Schall als Leuchtfeuer für das Rettungspersonal.


Mechanisch ganz ähnlich, nur mit nach unten einfaltbaren Rotoren, funktioniert die LeveTop Kamera-Drohne, deren Idee im Oktober 2015 geboren wurde. Bereits im Dezember gründet die involvierte Gruppe von Ingenieuren und Designern die Firma LeveTop Technology mit Sitz in Shenzhen, China.

LeveTop

LeveTop

Die Drohne hat die Form eines Zylinders, wenn sie nicht in Gebrauch ist, und kann mit  eingeklappten Armen in eine optionale Tragetasche gepackt und dann wie eine Thermoskanne herumgetragen werden. Wenn es Zeit zu fliegen ist, werden die Arme herausgezogen und verriegelt, und eine mitgelieferte iOS/Android-Kontrollapplikation wird verwendet, um einen automatischen Start durchzuführen.

Sobald die Drohne in der Luft ist, wird sie über diese App aus einer Entfernung von bis zu 100 m manuell gesteuert, entweder mit Hilfe der Bildschirmsteuerung oder durch Neigen des Smartphones. Sie kann auch ihr Bilderkennungssystem nutzen, um ihrem Benutzer beim Laufen, Radfahren, Skifahren usw. autonom zu folgen, und ihre GPS-Einheit ermöglicht es den Benutzern, geographische Grenzen zu setzen, aus denen sie sich nicht entfernen kann.

Eine zweistündige Aufladung des austauschbaren 1.500 mAh Lithium-Polymer-Akkus reicht für eine Flugzeit von 20 Minuten. Wie bei den Starts können auch die Landungen über die App automatisch durchgeführt werden, wobei die Drohne von selbst zum Startpunkt zurückkehrt.

Bei der Kickstarter-Kampagne, die im März 2018 mit einem Zielbetrag von 25.000 $ gestartet wird, bietet die Firma die LeveTop Drohne für 139 $ an, während der geplante, spätere Verkaufspreis 289 $ beträgt. Auch in diesem Fall ist die Kampagne sehr erfolgreich, denn 1.208 Unterstützer beteiligen sich mit insgesamt 208.997 $, um die Produktion der Drohne zu realisieren. Eine parallele Kampagne auf Indiegogo bringt bis Ende April von 2.201 Unterstützern zusätzlich 229.307 € ein. Die Auslieferung beginnt im September.

Dem Stand von Anfang 2020 zufolge wird die LeveTop für 299 $ verkauft, nachdem der Preis eine Zeitlang 322 $ betragen hatte.


Unter den diversen weiteren zusammenklappbaren Drohnen, die dieses Jahr auf den Markt kommen, ist die im Juni präsentierte Parrot Anafi hervorzuheben, die als Mini-Drohne für den Alltag gilt.

Gefaltet mißt die 4K-Drohne lediglich 17,5 x 24,0 x 6,5 cm, und ausgeklappt 24,4 x 6,7 x 6,5 cm. Das Gewicht liegt bei 320 g. Die Flugzeit soll bei 25 Minuten, die Höchstgeschwindigkeit bei 55 km/h liegen. Gesteuert wird die Anafi über die FreeFlight 6 App und einen kleinen Controller mit zwei Sticks, wobei das Smartphone die Vorschau liefert und einfach oben auf den Controller aufgesteckt wird. Der Controller hat eine Reichweite von bis zu 4 km. Es gibt zudem einen automatischen Flugmodus.

Als Sensor kommt ein Sony 1/2,4 Zoll CMOS Sensor mit 21 Megapixeln zum Einsatz, wobei die Videos mit Hilfe eines 3-Achsen-Gimbals (Hybrid) stabilisiert werden – mechanisch allerdings nur auf zwei Achsen für ‚Roll und Tilt‘, während die 3. Achse (‚Pan‘) elektronisch unterstützt funktioniert. Schwenks von -90° bis +90° sind laut Parrot ohne Qualitätsverlust durchführbar. Die Auslieferung soll im Juli beginnen, wobei der Preis bei 699 € liegt.

Später kommen noch einige Spezialversionen auf den Markt, wie z.B. die ANAFI Thermal als Wärmebilddrohne, oder die Landwirtschafts-Variante Parrot Bluegrass Fields.

Übrigens hatte das in den vorliegenden Jahresübersichten schon mehrfach erwähnte französische Unternehmen Parrot im Mai diesen Jahres aufgrund seines Fachwissens einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium unterzeichnet, um seine Technologie für die militärische Überwachung anzupassen. Die Firma ist damit eine von sechs, die an dem Short Range Reconnaissance (SRR) Projekt der US-Army teilnehmen, bei dem neue Prototyp-Drohnen zur Nahbereichsaufklärung entwickelt werden sollen. Die anderen Unternehmen sind Skydio, Altavian, Teal Drones, Vantage Robotics und Lumenier.

Diese Firmen werden sich 11 Mio. $ teilen und die Entwicklung kleiner Überwachungsdrohnen vorantreiben, die den Soldaten am Boden durch eine Luftperspektive des Schlachtfeldes helfen sollen. Dabei müssen die Drohnen in der Lage sein, bis zu 3 km weit und 30 Minuten lang zu fliegen, dürfen nur 1,36 kg oder weniger wiegen, zwei Minuten für den Zusammenbau benötigen und in den Rucksack eines Soldaten passen.


Eine ganz besondere Kamera-Drohne wird im Oktober 2018 vorgestellt – wobei das Besondere eher das ‚Containment‘ ist, in welchem die Drohne transportiert wird.

Mit dem Ural Air präsentiert die legendäre russische Motorrad-Marke, deren Krafträder bis heute im Irbiter Motorradwerk hergestellt werden, ein limitiertes Beiwagen-Motorrad im Retro-Design mit 749 ccm Hubraum und 41 PS, von dem allerdings nur 40 Einheiten hergestellt werden. Die Ural-Motorräder sind nach dem Uralgebirge benannt, in dessen südlichem Teil die Stadt Irbit liegt.

Die Idee hinter der limitierten Edition ist, den Fahrern eines Ural-Motorrads neue Möglichkeiten zu bieten, indem das traditionelle Design mit neuen, wegweisenden Technologien verbunden wird. Hierzu besitzt das Ural Air Motorradgespann im vorderen Bereich des Beiwagens eine integrierte Drohnen-Lade- und Landestation für den DJI Spark Quadrokopter – nebst einer Halterung für den Controller. Auf Touren und Reisen ist die unter einer per Knopfdruck zu bedienenden, wasserdichten Luke geschützten Drohne daher sofort einsatzbereit und kann tolle Luftaufnahmen liefern.

Ebenso soll der Beifahrer durch die Kameradrohne in der Lage sein, Objekte auf der Strecke frühzeitig zu erkennen. Durch die Livebild-Übertragung können Fahrer- und Beifahrer eine Alternativroute suchen – soviel zumindest in der Theorie. Die Kosten pro Exemplar des Ural Air belaufen sich auf 17.999 $, die Auslieferung soll im Dezember beginnen.

 


Kunst und Design


Im Februar stellt Intel bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele PyeongChang 2018 einen neuen Weltrekord für den Simultanflug mit den meisten Drohnen auf. Natalie Cheung und ihr Team veranstalten die Lightshow für geschätzte 300 Millionen Zuschauer weltweit mit 1.218 Shooting Star Drohnen von Intel. Der Weltrekordflug wurde für die Veranstaltung allerdings voraufgezeichnet.

Drohnen-Weltrekord bei den Olympischen Winterspielen

Drohnen-Weltrekord bei den
Olympischen Winterspielen

Für die Eröffnungszeremonie und die nächtliche Siegerehrung waren maßgeschneiderte Animationen entworfen und entwickelt worden, die sich auf verschiedene Sportarten und Logos mit Bezug zu den Olympischen Spielen beziehen, einschließlich der Bildung der ikonischen olympischen Ringe selbst. Über den früheren Rekord mit 500 Drohnen und die Shooting Star Drohne selbst habe ich in der Jahresübersicht 2016 berichtet (s.d.).


Lange läßt sich der Weltrekord aber nicht aufrechterhalten, denn schon Ende April wird der Nachthimmel über der Stadt Xi’an, der Hauptstadt der nordwestchinesischen Provinz Shaanxi, von 1.374 tanzenden Drohnen erleuchtet. Diesmal ist es die Firma EHang Egret, die sich das weltweit führende, auf Drohnen basierende Unternehmen für luftgestützte Landschaftsgestaltung in China bezeichnet, die mit ihren Drohnen den Weltrekord für das Guinness-Buch der Rekorde aufstellt. Egret ist eine Tochter des chinesischen Luftfahrzeug-Herstellers EHang, der sich ansonsten mit Flugtaxis hervortut.

Die Fluggeräte des Teams um Shi Zheyuan starten fast gleichzeitig von der alten Stadtmauer und bilden bunte 3D-Bilder in der Luft. Die spektakuläre Show, für die die die Stadt 1,7 Mio. $ bezahlt,  dauert 13 Minuten lang, wobei die Drohnen einen riesigen Lichtvorhang von über 1.200 m Länge und 100 m Breite bilden.

Während der Vorführung sind am Himmel, 260 m über der Mauer, 16 verschiedene 3D-Bilder und traditionelle chinesische Ikonen zu sehen, wie Buddha-Figuren, Raupen auf einem Stück Holz, die Seidenstraße und die Zahl 1374, die – wie die 1.374 Drohnen selbst – die Länge von 13,74 km der Stadtmauer von Xi’an repräsentieren, die als die größte und am besten erhaltene alte Stadtmauer des Landes gilt – gebaut während der Ming-Dynastie.

Die Flotte symbolisiert zudem die 74 Länder, die sich der ‚Belt and Road‘-Initiative Chinas angeschlossen haben, wobei Xi’an historisch gesehen der Ausgangspunkt der Seidenstraße in Richtung der westlichen Welt ist.

Während die erste Vorführung problemlos klappt, verläuft die zweite Runde Anfang Mai allerdings nicht so glatt, denn ein paar Drohnen fallen vom Himmel. In einem Video von Beijing News ist zu sehen, wie einige der EHang Egret Drohnen die Formation verlassen und gegen Ende der Vorstellung zur Erde stürzen, ohne jedoch Schäden anzurichten. Als möglicher Grund werden Signalstörungen durch die mobilen Geräte von über 100.000 Live-Zuschauern genannt.


Doch auch diesmal dauert die Freude der Rekordhalter nur kurz: Mitte Juli stellt ein weiteres mal Intel auf dem firmeneigenen Campus in Folsom, Kalifornien, einen Drohnen-Weltrekord auf. Diese Lightshow mit 2.018 Drohnen soll Intels 50. Jahrestag im Jahr 2018 feiern.


Nicht ganz so groß ist die Aktion des US-Nachrichtenmagazins Time, das in seiner Juni-Ausgabe die Gegenwart zum ‚Zeitalter der Drohne‘ erklärt – und für das Zeitschriftencover einen ganz besonderen Fototermin organisiert, bei dem dieses über Folsom in Kalifornien von 958 Shooting Star Drohnen der Firma Intel abgebildet wird.

Der Drohnenschwarm ist 100 m hoch – und auch das Foto, mit dem die Formation festgehalten wurde, ist natürlich von einer Drohne geschossen worden.


Ein Drohneneinsatz der besonderen Art findet im November statt, als die Radio City Rockettes bei ihrer jährlichen Christmas Spectacular Show in der Radio City Music Hall New York City mit einem überraschenden Update aufwarten: Während des Finales schweben Dutzende handflächengroßer, autonomer Intel Shooting Star Mini Quadrokopter über den Rockettes und verleihen der neuen Show einen fast magischen Effekt.

Christmas Spectacular Show

Christmas Spectacular Show
der Rockettes

Bei der Recherche stellte sich heraus, daß Schwärme von winzigen fliegenden Lichtern, die über der Bühne schweben, schon einige Monate zuvor bei der jüngsten Tournee des kanadischen Rappers Drake aufgetaucht sind, als eine Art Begleittänzer. Viele Dutzende der Drohnen umgeben Drake in einer Wolke aus roten und gelben Lichtern, in Form einer glitzernden Welle und später als ein rotes 3D-Kreuz, das sich um den Sänger dreht – und viel besser aussieht als die üblichen Scheinwerfer.

Die Drohnen sind von der Schweizer Firma Verity Studios AG entworfen worden, die auch schon für die wie Lampenschirme aussehenden Flugobjekte des Cirque du Soleil im Jahr 2014 verantwortlich war (s.d.). Das Flaggschiff des Unternehmens ist die mit einem RGBW-Licht ausgestattete und nur 50 g schwere Mikrodrohne Lucie, die nach einer 1-stündigen Ladedauer bis zu drei Minuten lang fliegen kann.

Der Hauptunterschied zwischen der Drohnenshow von Drake und derjenigen der Rockettes liegt in der Komplexität der Choreographie. Während Drakes Drohnen bei einigen Songs um ihn herum auf der Bühne schwebten, haben die Drohnen der Rockettes viel mehr bewegte Teile. Das seit 1933 aufgeführte Weihnachtsspektakel ist bereits eine technisch anspruchsvolle Show, die inzwischen von einer 3D-Videosequenz bis hin zu Projektionen von Grafiken rund um die Radio City Music Hall reicht.

Die Einführung der Drohnen fügt dem Ganzen noch eine physische Komponente hinzu, da die Quadrokopter in einer aufwendigen Choreographie um und über den 36 Rockettes fliegen.


Ach ja, die Hardrock-Band Metallica hat inzwischen ebenfalls eine eigene Drohnenshow, mit der sie erstmals im September 2017 in der Royal Arena in Kopenhagen, Dänemark, aufgetreten ist. Es ist anzunehmen, daß dies in den nächsten Jahren auch bei anderen Gruppen der Fall sein wird.


Über jährliche Veranstaltungen wie das Los Angeles Drone Film Festival oder die diversen Drohnen-Fotowettbewerbe werde ich nicht weiter berichten, da es den Rahmen dieser Übersicht sprengen würde. Dies soll aber keine Minderung der dort eingereichten Arbeiten sein, auch wenn die Photographen überwiegend noch immer dem Charme des ‚senkrecht-von-oben‘-Blickwinkels erliegen, weshalb hier stellvertretend und als Gegenkonzept ein Künstler mit einem ganz besonderen Oeuvre vorgestellt werden soll.

Drohnen-Fotographie von Reuben Wu

Drohnen-Fotographie
von Reuben Wu


Im März zeigen die Blogs die eindrucksvollen Bilder des in Chicago lebenden Fotografen, Filmemacher und Musikproduzenten Reuben Wu, der bereits 2016 Scheinwerfer-Drohnen nutzte, um Science-Fiction-inspirierte nächtliche Landschaften zu fotografieren.

Der Künstler verwendet in seinem kreativen Prozeß fortschrittliche Werkzeuge und neue Technologien. Jedes Bild der Lux Noctis-Serie ist eine sorgfältig geplante Szene, die aus mehreren Beleuchtungspositionen besteht. Mit Hilfe des Lichts der GPS-fähigen Drohne an bestimmten Positionen im Raum ist Wu in der Lage, durch Hell-Dunkel-Effekte Stimmungen von Drama und Spannung zu erzeugen, isolierte Merkmale einer Szene zu beleuchten und unerwünschte Elemente auszuschließen.

Ebenso eindrucksvoll sind Langzeitbelichtungen, bei denen der Künstler mit dem Dohnenlicht selbst ,malt’, das dadurch Teil der Komposition wird, wie in dem hier abgebildeten Beispiel.


An Schlichtheit kaum zu überbieten ist das Drohnenkonzept der Designerin Yunjoo Son, deren Blank Drohne noch einfacher ist als die vielen tragbaren Drohnen, die so konstruiert sind, daß sich ihre Propeller nach innen in den Hauptkörper falten lassen.

Was die Blank Drone so einzigartig macht: Wird sie zusammengefaltet, geht ihre Größe auf genau 50 % ihres ursprünglichen Volumens zurück. Hierzu verwendet Son zwei fast identische Module mit jeweils zwei Rotoren, die in überkreuzt ineinander einrasten und dabei eine funktionsfähige Drohne bilden. Außerdem läßt sich in der Mitte ein zusätzliches Modul einrasten, wodurch der Flugkörper zu einer Drohnen-Kamera wird.

Der Blank ist mit einer Plug-and-Buse-Anordnung ausgestattet, so daß er zusammengesetzt eine schlüssige Drohne bildet, wobei der Aspekt der Modularität nicht nur das Umschalten zwischen verschiedenen Kameramodulen ermöglicht (für Video, Foto, Hoch- und Querformat usw.), sondern auch das Wechseln zwischen verschiedenen Farbkombinationen.

Zeux

Zeux


Ebenfalls mehr in den Bereich von Kunst und Design gehört ein Bagger namens Zeux, den LEGO gemeinsam mit dem schwedischen Autokonzern Volvo entwickelt hat. Das Konzept stellt einen schweren Radlader dar, der autonom agieren soll. Seine Umgebung nimmt er über eine Kamera wahr, die auf einem beweglichen Arm montiert ist.

Zudem verfügt der selbstfahrende Bagger über eine Drohne in jenem Bereich, in der sich normalerweise die Fahrerkabine befindet. Die Drohne soll bei Bedarf aufsteigen, eine Karte der Umgebung erstellen und der autonomen Baumaschine mehr Übersicht verschaffen.

Laut LEGO habe man bei der Entwicklung des Zeux eng mit Kindern zusammengearbeitet, denen das Konzept des autonomen Fahrzeugs sofort klar war, sobald die Drohne neben dem Fahrzeug lag. Die bewegliche Kamera wiederum soll Nahestehenden verdeutlichen, daß sie von dem Fahrzeug wahrgenommen werden.

Lego vergleicht den Vorgang mit dem Blickkontakt, der zwischen Fahrer und Fußgänger vor dem Überqueren einer Straße hergestellt wird. Der LEGO-Technik Prototyp ist 18 cm hoch, 21 cm breit und 59 cm lang. Das Fahrzeug soll ab August weltweit für etwa 120 € Euro erhältlich sein.

Und da ich zum Zeitpunkt des Updates dieses Kapitelteils im März 2020 gerade Geburtstag habe, schenke ich mir das weiterhin lieferbare Teil, um es zusammen mit meinen Söhnen zusammenzubauen. Wobei es mir eigentlich nur um die kleine Drohne geht. Weshalb es nun auch ein Dokumentationsfoto von dem Ergebnis gibt, bei dessen Montage wir konsterniert feststellen mußteb, daß der Bausatz nichts mehr mit LEGO zu tun hat: Es gab keinen einzigen ,Baustein’, und über die Standard-Elemente von LEGO-Technik hinaus fast nur noch ganz spezielle Einzelbauteile. Hat aber trotzdem Spaß gemacht...


Lego-Drohnen


Schon im Februar 2018 war über eine weitere Kooperation berichtet worden, bei der das  Creative Play Lab von Lego gemeinsam mit Wissenschaftlern der Queen’s University in Kingston, Ontario, das Zusammenspiel von Drohnen und Lego erforscht und ein neues System entwickelt, bei dem Drohnen selbst in ‚Legosteine‘ verwandelt werden, die sich während des Fluges in einer gewünschten Formation anordnen.

Das System, das auf der Lego World Expo in Kopenhagen vorgeführt wird, nutzt mit Sensoren und Gyroskopen ausgestattete Drohnen, die in würfelförmigen Rahmen sitzen. Diese korrespondieren mit echten Legosteinen, die auf einem Brett (ebenfalls aus Lego) angeordnet sind, das als Controller fungiert. Diese Legosteine können dort so angeordnet werden, wie das Kind (oder der Erwachsene) es sich wünscht, und wenn die Drohnen dann losfliegen, ordnen sie sich selbständig in der gewünschten Formation an.

In vorliegenden Fall hat der Controller die Form von Schmetterlingsflügeln mit einem Scharnier in der Mitte, und wenn er gedreht wird oder die Flügel zum Flattern gebracht werden, reagieren die Drohnen fast augenblicklich, indem sie sich in der Luft in Position bringen.

Anders als der Versuch im Jahr 2016, Drohnen und Lego durch die Flybrix-Bausätze zu kombinieren, scheint es aber keine Pläne zu geben, das neue System in die Läden zu bringen.

 

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