
Im Sinne einer langfristigen Vorsorge für eine umweltgerechte Energieversorgung und die Vermeidung von Versorgungsengpässen beschließt die ägyptische Regierung 1982 ein Programm zur Erforschung und Erschließung regenerativer Energiepotentiale. Seit 1983 soll es lokal hergestellte Kleinstanlagen bis 5 kW geben, die meist für Bewässerungszwecke eingesetzt werden. Ein Ausbau zu 10, 50 und 100 kW-Anlagen für die Stromversorgung war geplant.

1986 wird als Teil des Energieministeriums die New and Renewable Energy Authority (NREA) gegründet. Ziel ist es, bis 2010 rund 3 % der nachgefragten Energie aus regenerativen Quellen bereitzustellen. Im Rahmen eines Windenergie-Messprogramms stellt man fest, daß insbesondere entlang der Küste des Roten Meeres aufgrund hoher durchschnittlicher Windgeschwindigkeiten ausgesprochen günstige Standortgegebenheiten für Windparks bestehen, das Potential dort wird auf etwa 3.000 MW geschätzt.
Ebenfalls im Jahr 1986 informiert das Energieministerium, daß ein gewisser Brigadier Samir Wali zukünftig das ‚Büro des Verteidigungsministeriums für Erneuerbare Energie’ leiten wird. Neben der Solar-Forschung sind in Mersa Ma’tah 5 Windturbinen mit insgesamt 1 MW Leistung geplant. Ende 1986 errichtet die Firma MBB eine 25 kW Anlage vom Typ ,Monopteros’ 15 (Einblatt-Rotor), deren Energie der Entsalzung von Meerwasser dienen soll. Dabei sollen täglich über das Reverse-Osmosis-Verfahren etwa 25 Kubikmeter Süßwasser anfallen. 1988 wird eine 400 kW Anlage in Ras el Gareb am Golf von Suez gebaut – die Kosten von 1,5 Mio. $ trägt das USAID-Programm. Es wird ferner ein Plan vorgestellt, bis zum Jahr 2000 insgesamt 3.000 Windkraftwerke zu installieren, die etwa 15 % des Strombedarfs Ägyptens decken würden. Tatsächlich sind zu diesem Zeitpunkt erst 5 MW installiert.
Neben einem Versuchswindpark in Hurghada entsteht an der Küste des Roten Meeres, 120 km südlich von Suez, in mehrjähriger deutsch-dänisch-ägyptischer Kooperation der Windpark Zafarana. Mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von fast 10m/s bestehen hier fast Offshore-Bedingungen, die einen guten Jahresertrag erwarten lassen. Wegen den extremen Bedingungen werden die Windenergieanlagen speziell auf das ägyptische, heiße Wüstenklima mit Sandstürmen und zeitweise sehr feuchter, salzhaltiger Luft vorbereitet. Dazu gehören hitzeresistente Steuerungsmodule, spezielle Abdichtungen gegen Sandeintritt und eine Reinigung der Rotorblätter mehrmals im Jahr.
Von den deutschen Windenergieanlagen-Herstellern Nordex und Vestas Deutschland werden Anlagen mit einer Gesamtleistung von 80 MW errichtet. Das erste Teilprojekt mit 55 Einzelanlagen und einer Gesamtleistung von 33 MW wird 2001 offiziell eingeweiht, die zweite und dritte Ausbaustufe mit insgesamt 47 MW (71 Einzelanlagen) soll Ende 2004 in Betrieb gehen. Das Finanzierungsvolumen beträgt rund 74 Mio. €. In das nationale Netz werden dadurch ca. 300 GWh elektrische Energie pro Jahr eingespeist. Nach Fertigstellung der vierten und letzten Ausbaustufe in Höhe von rund 75 Mio. € wird das Projekt eine Leistung von 160 MW haben.

Mit den Mitteln für Entwicklungshilfe werden außer dem eigentlichen Windpark auch Maßnahmen zur Netzanbindung (Bau und Erweiterung von Umspannstationen sowie Installation einer Übertragungsleitung) finanziert.
Ende 2002 stocken nach der Installation der ersten 50 Anlagen vom Typ 600 kW Nordex Borsig die Bauarbeiten an einem KfW-finanzierten 63 MW Windpark mit seinen 105 Anlagen zwischen Zafarana und Hurghada. Die ursprünglich geplante Beteiligung des privaten Sektors war durch neue Gesetze extrem erschwert worden.
2005 wird ein Windatlas veröffentlicht, der geeignete Standorte für Windparks ausweist. Die besten Bedingungen herrschen dem zufolge am Golf von Suez, wo Windanlagen mit einer Leistung von 20.000 MW aufgestellt werden könnten. Die dort als durchschnittlich geltende Windgeschwindigkeit von 10,8 m/s liegt deutlich höher als an der Nordseeküste.
Von tatsächlichen Umsetzungen hört man erst einmal nichts. Laut den offiziellen Satistiken beträgt die installerte Windenergieleistung 2005 rund 145 MW, und 2006 sollen es sogar schon 230 MW sein.
Im Januar 2008 berichtet die ägyptische Zeitschrift al-Ahram, daß der Oberste Rat für Energiefragen des Landes bereits im April 2007 einen Plan vorgelegt habe, mit dem die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen in den nächsten Jahren stark ausgebaut werden soll. Im Jahr 2020 sollen diese 20 % des Gesamtbedarfs decken – wobei 12 % von Windenergieanlagen übernommen werden sollen (deren Leistung zu jenem Zeitpunkt 7.000 MW betragen müßte). Wieder einmal heißt es: „Der Privatsektor solle nach dem Plan eine aktive Rolle übernehmen, der entsprechende gesetzliche Rahmen dafür wird derzeit geschaffen.“
Anfang 2008 stehen Ägypten Windkapazitäten von 230 MW zur Verfügung und in den nächsten Monaten sollen weitere 80 MW hinzukommen. Verträge für zusätzliche 240 MW sind bereits unterschrieben.

Im Oktober 2008 berichten die Blogs, daß die Ethiopian Electric Power Corporation (EEPCo) einen 210 Mio. € Vertrag mit dem französischen Windturbinenhersteller Vergnet aus Ormes bei Orléans abschlossen habe, bei dem es um die Lieferung von 120 Stück extrem leicht gebauter 2-Blatt Anlagen mit jeweils 1 MW Leistung für den ersten Windpark des Landes geht. Dieser soll in Ashegoba, in der Region Mekele im Norden des Landes, errichtet werden.
Die Auslieferung der ersten 30 Anlagen, deren Gondeln bei drohenden Wirbelstürmen zügig zu Boden gezogen werden können, erfolgt 2009, abgeschlossen werden soll das Projekt im Jahr 2011. Es wäre damit das größte südlich der Sahara und würde die Stromkapazität des Landes (derzeit 814 MW, zu 99 % durch Wasserkraft erzeugt) um 15 % steigern. Die Finanzierung erfolgt über zwei Kredite der French Development Agency und der BNP Paribas Bank.

Aus Afghanistan berichtet nicht die westliche Presse – sondern der arabische Sender Al-Jazeera: Im November 2008 präsentiert er in seinem englischen Programm einen Beitrag über den ersten (sehr kleinen) Windpark des Landes im Panjshir-Tal. Dort haben weniger als ein Viertel der Menschen Elektrizität, während die Windbedingungen ausgesprochen gut sind.
Auf einem Hügel, der noch immer mit Hunderten von Landminen aus dem Sowjetisch-Afghanischen Krieg gespickt ist, wird ein 100 kW Windpark errichtet, der allerdings nicht für die Bevölkerung bestimmt ist, sondern das neue Büro des Gouverneurs mit Strom und Heißwasser versorgen soll. Die US-Regierung finanziert das Ganze mit 1 Mio. $.
Obwohl das Land seit über 100 Jahren die bekannten Farmwheel-Windräder kennt und einsetzt, wird erst 1994 in der südlichen Provinz Chubut der Antonio Moran Windpark gegründet, dessen anfänglich zwei Windgeneratoren eine kleine Stadt versorgen.
Ende 1998 besitzt das Land bereits 12 MW Windstrom und die Pläne sehen vor, bis 2010 insgesamt 3.000 MW erzeugen zu können, was rund 7 % des Gesamtstrombedarfs entsprechen würde.

Neue Informationen aus Argentinien gibt es erst wieder im Jahr 2008. Im Februar wird bekannt, daß in Buenos Aires das erste Gebäude mit einer Windkraftanlage auf dem Dach errichtet wurde. Es wird Cefira genannt, nach dem Windgott Cefiro, und besitzt einen ,IV 4500’ Windgenerator des argentinischen Unternehmens Invap, der 4,5 kW leistet – ausreichend für den Bedarf der öffentlichen Flächen des 8-stöckigen Gebäudes aus dem Architekturbüro von Mariani-Perez Maraviglia. Den Auftrag dazu erteilen zwei jungen Unternehmensgründer, Francisco Moreno Ocampo und Franco Tocagni, die sich mit nachhaltigen Projekten in Patagonien und Buenos Aires beschäftigen.
Das Gebäude besitzt neben einer besseren Isolation eine passive Sonnenenergie-Nutzung sowie intelligente Licht- und Klimasteuerungen.

Im Juli 2008 wird bekannt, daß Río Negro und Neuquén, zwei der südöstlichen Provinzen, gemeinsam mit dem Science and Technology Department der Verwaltungen von Cutral-Có und Plaza Huincul beschlossen haben, eine eigene Windturbine ‚Eolis-15’ zu entwickeln, die von der Firma Invap designt wird. Man rechnet dafür mit Entwicklungskosten von 15 Mio. $ und einem Zeitrahmen von 3 Jahren. Die Anlagen sollen 1,5 MW leisten und 80 m hoch werden.
Oktober 2008. Der Antonio Moran Windpark (Comodoro Rivadavia) gilt inzwischen als der größte Südamerikas, seine 26 Windkraftwerke liefern jährlich über 60 Mio. kW/h. Er scheint von einer Volkskooperative betrieben zu werden.
Eine Studie des US Commercial Service bestätigt, daß die Windgeschwindigkeiten im Norden Patagoniens 7,2 – 7,8 m/s betragen, während im Süden, dem Standort des Antonio Moran Windparks, sogar 9 – 11,2 m/s herrschen. Neben Chubut erweisen sich Santa Cruz und Tierra del Fuego als besonders gut geeignet.

Auch in Australien werden über ein Jahrhundert lang die Farmwheel-Windmühlen zum Bewässern, zum Tränken der Herden und später zur Stromerzeugung genutzt.
In der neueren Zeit besteht eine relativ frühe standardisierte Produktion von 2 kW Windgeneratoren mit Batterie-Speichern. Die Preise dafür liegen 1973 umgerechnet zwischen 20.000 und 35.000 DM.
H. Outred und A. Blakus von der University of New South Wales legen 1983 ein Energiekonzept vor, demzufolge 8.000 dezentrale 55 kW Windkraftanlagen die Stromversorgung Tasmaniens sichern könnten.
Da Australien über kein flächendeckendes Stromnetz verfügt, ist man hier besonders an Diesel-Wind-Systemen interessiert. 1993 werden sieben Vestas-Anlagen im westaustralischen Esperance angeschlossen, und im Zentrum des Landes, in Cooper Pedy, geht eine erste 225 kW Anlage ans Netz.
1997 werden auf Thursday Island an der Nordspitze von Queensland zwei, und auf King Island zwischen Australien und Tasmanien weitere drei 225 kW Windkraftwerke errichtet. Größere 600 kW Anlagen sind für Newcastle und Cromwell geplant.
2005 soll in Emu Downs, nördlich von Perth, für 180 Mio. $ ein 80 MW Windpark mit 48 Turbinen errichtet werden, um die weltweit größte Entsalzungsanlage zu versorgen, die mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben wird.
Im August 2006 wird der Startschuß für den bislang größten australischen Windpark am Mt. Gellibrand, in der Nähe von Colac, gegeben. Das Projekt, in dem 116 Windturbinen insgesamt 232 MW Strom erzeugen werden, soll 380 Mio. $ kosten.

2007 überschlägt sich die Presse mit Meldungen über ein neuartiges Konzept, bei dem Windkraftwerke gleichzeitig auch Wasser aus der Atmosphäre absorbieren. Unter dem Namen Max Water soll die Innovation von Dr. Max Whisson der Luft ihren Wasserdampf entziehen, indem die Rotorblätter von einem Kältekompressor gekühlt werden und ihrerseits wiederum die durchströmende Luft kühlen, sodaß der Wasserdampf kondensieren und anschließend gesammelt werden kann. Der in West Perth lebende Whisson arbeitet bereits seit 2003 an seinem System, gleichzeitig konzipiert er auch Systeme zur solaren Meerwasser-Entsalzung.
Aufgrund der Wichtigkeit dieses Systems für die autonome Wasserversorgung mittels Windkraft verlinke ich hier zu dem entsprechenden Europapatent.
Im August 2008 werden Pläne für die größte Windfarm der südlichen Hemisphäre bekannt. Die Coopers Gap Wind Farm soll mittels ihren von 252 Windturbinen produzierten 500 MW ab dem Jahr 2011 insgesamt 32.000 Haushalte versorgen können. Die Anlagen werden 80 m hoch sein, die Rotorblattlänge beträgt 50 m. Das Finanzierungsvolumen des Projektes beträgt 1,2 Mrd. US$, die Entwickler sind die Investec Bank (Australia) Ltd. und das Unternehmen Windlab Systems Pty Ltd.
Im selben Monat wird ein weiterer Plan veröffentlicht: Ebenfalls von der Investec Bank (Australia) Ltd. finanziert will das östlich von Perth gelegene Merredin Shire Council eine Windfarm errichten, die sogar 160.000 Haushalte versorgen kann. Die Collgar Windfarm soll 600 Mio. US$ kosten und in Kooperation mit der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) und der Windlab Systems Pty Ltd. umgesetzt werden.
Die 127 Windkraftanlagen der Collgar Windfarm, die 25 km südöstlich von Merredin entstehen wird, werden bis zu 900.000 MWh pro Jahr erzeugen. Als Bauzeit werden 18 Monate veranschlagt.

Wie im Oktober 2008 verlautet, sollen in Australien aber auch schon bestehende Windparks erweitert werden. Die Stadtverwaltung von Albany beschließt beispielsweise, die Verve Energy Windfarm in Westaustralien mit einer Investition von 26,7 Mio. US$ auszubauen. Dabei werden zusätzlich zu den bereits im Einsatz befindlichen 12 Windrotoren weitere 6 Stück neu errichtet. Diese werden 2010 den Betrieb aufnehmen, womit der Windpark etwa 80 % des städtischen Strombedarfs decken kann.
Das hier abgebildete Foto eines Windparks in Südwest-Australien stammt übrigens vom Lektor dieser Seiten, meinem auf den Salomonen wohnenden Freund, dem Fotografen Richard Majchrzak.
Im Dezember 2008 unterzeichnet der spanische Windkraftanlagen-Hersteller Union Fenosa einen Vertrag über mehr als 1,9 Mrd. US$, bei dem es um die Errichtung von fünf Windparks in Victoria sowie zwei in New South Wales geht. Geplant sind in der ersten Stufe 130 MW bei Ryan Corner (68 Anlagen) und 60 MW in Hawkesdale (31 Anlagen), beide in der Nähe von Moyne Shire im Westen Victorias, sowie 92 MW in Crookwell (46 Anlagen) in New South Wales. Diese drei Farmen können insgesamt 186.000 Haushalte versorgen.
Die zweite Stufe umfaßt dann Windfarmen, für die derzeit noch passende Standorte in Tarrone, Berrybank und Darlington gesucht werden. Das letzte der sieben Projekte soll anschließend in Paling Yards, ebenfalls in New South Wales, realisiert werden. Die Finanzierung wird von der staatlichen Organisation Austrade übernommen. Mit diesen Projekten, die 2013 abgeschlossen sein sollen, werden sich Australiens Windenergiekapazitäten von derzeit 824 MW (Stand: Ende 2008) um weitere 850 MW mehr als verdoppeln.
Nicht vergessen werden darf an dieser Stelle das Aufwindkraftwerk, das für Mildura geplant wird (s.d.).

Im März 2004 wird bekannt, daß auf der Insel Bahrain das erste Hochhaus mit drei integrierten Windturbinen gebaut werden soll. Das Bahrain World Trade Center wird aus zwei Türmen von jeweils 240 m Höhe bestehen, zwischen denen in 60, 98 und 136 m Höhe drei 225 kW Rotoren von jeweils 29 m Durchmesser als Brückenkonstruktion angebracht sind. Man rechnet damit, das dadurch etwa 11 – 15 % des Energieverbrauchs des Gebäudes gedeckt werden kann.
Tatsächlich erfolgt die Installation der Turbinen der dänischen Firma Norwin bereits im März 2007 - zunächst zu Versuchszwecken, während die endgültige Integration dann im März 2008 erfolgt.
Inzwischen ist das Bauwerk fertig und gilt als eines der ersten weltweit, bei denen die Windkraft in die Architektur integriert ist – wenngleich mehr zu ästhetischen Zwecken. Über weitere Entwicklungen auf diesem Sektor berichte ich in einem eigenständigen Kapitel Windenergie und Architektur.

Bereits 1841 erhält der Belgier Nollet ein Patent für einen Windgenerator.
1996 patentiert Georges Gual in Belgien einen Senkrechtachser, der stark an ein liegendes Wasserrad erinnert. Er besteht aus einem feststehenden Stator, dessen Schaufeln den Wind ausrichten, und dem sich drehenden Rotor im Inneren des Stators.

Das Unternehmen Gual Industrie in Rivesaltes beginnt ab 1999 mit der Vermarktung des StatoEolien, von dem behauptet wird, daß er sogar während eines Hurrikans schadlos weiterarbeiten würde.
Im September 2008 gewinnt das deutsche Unternehmen Nordex seinen ersten Auftrag aus Belgien. In den beiden Folgejahren wird die Firma 22 Großturbinen der Baureihe N100/2500 an Air Energy liefern, den größten Windparkentwickler in Belgien. Errichtet werden die für das Binnenland optimierte Anlagen hauptsächlich in verschiedenen Projekten in Wallonien, wo moderate Windgeschwindigkeiten zwischen 6 und 7 m/s herrschen.
Der Auftragswert beträgt rund 73 Mio. €, daneben schließen Nordex und Air Energy auch Premium-Serviceverträge über eine Laufzeit von jeweils zehn Jahren ab.
Unter dem Label ‚Eolice’ stellt das belgische Unternehmen TM Industry SPRL in Villers-le-Bouillet kleinere Anlagen zwischen 0,5 kW und 20 kW her. In dieser Größe und auf einem 18 m hohen Mast kostet eine Windkraftanlage rund 40.000 €.
Nachdem 2006 die Pläne der spanischen Firma Preneal zur Errichtung eines Windparks in der Nähe der Stadt Dobrich aufgrund des Verbots durch die Stadtverwaltung nicht realisiert werden konnten, meldet die Presse Mitte 2007, daß nun das deutsche Energieunternehmen WPD 38,2 Mio. € in das 32,5 MW Projekt investieren will. Da ich keine weiteren Informationen darüber gefunden habe nehme ich auch diesmal an, daß es nicht verwirklicht wurde.
Das griechische Unternehmen Alpha Grissin Infotech (das 2007 gemeinsam mit der Deutschen Bank die auf Erneuerbare Energie spezialisierte Deutsche Aeolia gegründet hat) informiert im Mai 2008 darüber, daß man bereits Ende des Jahres mit dem Bau eines 400 MW Windparks in Bulgarien starten wird, der rund 440 Mio. € kosten soll.
Im August 2008 beginnt Bulgariens erster Windpark damit, seinen Strom ins Netz einzuspeisen. Errichtet wird der 35 MW Park an der Schwarzmeerküste von der Kaliakra Wind Power AD (KWP), wobei das japanische Unternehmen Mitsubishi Heavy Industries, Ltd. (MHI) die Koordination übernimmt und sich gemeinsam mit der bulgarischen Firma inos Ltd. auch an dem Betrieb beteiligt.
Die Windkraftwerke leisten jeweils 1 MW und sind von MHI in Nagasaki und Yokohama hergestellt worden.

Im Dezember 2008 folgt die Unterzeichnung eines langfristigen Vertrages zwischen der nationalen bulgarischen Elektrizitätsgesellschaft und der amerikanischen AES Geo Energy (Tochter der AES Corp.) bei dem es um die Errichtung und den Betrieb einer 156 MW Windparks in Kavarna geht.
Die St. Nikolas Windfarm soll mit 52 Vestas-Turbinen bestückt werden. Von den Gesamtkosten in einer Höhe von 270 Mio. € werden 198 Mio. € durch ein Geberkonsortium unter der Federführung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung übernommen.
Ein weiteres Projekt am Schwarzen Meer wird gemeinsam mit dem österreichischen Energieversorger EVN angegangen.
Im Februar 2009 wird bekannt, daß nun auch der US-Konzern General Electric in Bulgarien investieren will. Geplant ist ein 500 MW Windpark nahe der Stadt Mirkovo, rund 60 km östlich von Sofia, dessen Kosten auf 800 Mo. € geschätzt werden.
Auch die schweizerische Energiefirma Alpiq will 80 Mio. € in einen 50 MW Windpark investieren, der nahe der Stadt Kazanluk in der Mitte Bulgariens errichtet werden soll.
Zu diesem Zeitpunkt erzielt das Land insgesamt 70 MW aus der Windkraft, was etwa 1 % des Gesamtstromverbrauchs entspricht.
Ende 2008 schließt das internationale Energieunternehmen Mainstream Renewable Power ein joint venture mit der Andes Energy im Wert von 1 Mrd. $. Die gemeinsame Tochter Andes Mainstream SA soll sich mittelfristig mit der Errichtung einer 400 MW Windfarm in Chile beschäftigen.
Schon 2010 in Betrieb gehen soll der 35 MW Laguna Verde Windpark in der Region Valparaiso.
China hat eine weit zurückreichende Geschichte bei der Ntzung von Windmühlen, so wurde z.B. die Wasserversorgung der Küstengegenden in Südost-China über eine lange Zeit hinweg fast ausschließlich mit Windkraft betrieben.
In der in Liaoyang, Provinz Liaoning, freigelegten Han Grabstätte fand man Wandgemälde, die den Gebrauch von Windmühlen in China seit der östlichen Han-Dynastie (25 - 220 n.Chr.) belegen, also seit rund 1700 Jahren.
Seit der Ming-Dynastie (1368 - 1644) benutzten die Chinesen Windmühlen, um Wasser zu pumpen und um industrielle und landwirtschaftliche Nebenprodukte zu erzeugen. Im Jahr 1959 gab es in der Jiangsu Provinz noch mehr als 200.000 arbeitende Windmühlen.
In der Mongolei herrschen so gute Windverhältnisse, daß es Mitte der 1980er Jahre schon über 10.000 kleine Windgeneratoren gibt, die den dortigen Hirtenvölkern Strom zu Beleuchtungszwecken und für den Rundfunkempfang liefern. Inzwischen sollte sich diese Zahl entsprechend erhöht haben.
1995 beschließt die chinesische Regierung ein Landesprogramm für Windkraft mit dem Ziel, 1.000 bis 2.000 MW Leistung zu erreichen. Neben der Errichtung von drei großen Windparks soll auch die einheimische Produktion großer Windkraftanlagen gefördert werden.
1997 beträgt der Zuwachs an installierter Leistung 67 MW.
1998 gründet deutsche Nordex AG das Joint-venture Xi’an Aero Engine Co. und stellt in Yingkou, in der östlichen Küstenprovinz Liaoning bis 2000 insgesamt 31 Windkraftanlagen vom Typ N 43 (60 m hoch) mit einer Leistung von je 600 kW sowie vier Anlagen vom Typ N 60 (1.300 kW) auf. Damit erreicht der Windpark eine Gesamtleistung von rund 24 MW.
Nach einer Lücke in der Chronologie geht es mit dem Jahr 2006 weiter, als während der im Juni sattfindenden Wind Power Asia Exhibition das Konzept eines riesigen Maglev-Senkrechtachsers mit 1 GW Leistung vorgestellt wird. (s.d.).
China gibt 2006 auch bekannt, daß es bis 2020 mindestens 30.000 MW Windkraftkapazität installieren will.

Folgerichtig erlebt das Land schon 2007 einen enormen Boom der Windenergie. Bis zum Jahresende werden rund 6.000 MW an Leistung installiert, was einem Zuwachs um 3.400 MW entspricht. Das Plansoll der Regierung für 2010 hatte eigentlich nur 5.000 MW geheißen, wird später aber auf 8.000 MW erhöht. Doch auch dieses Ziel wird aller Voraussicht nach übererfüllt.
Die Branche rechnet im September 2007 damit, daß China in drei bis fünf Jahren zum größten Markt für Windenergie werden könnte – oder noch schneller, wenn die Reform der staatlichen Unterstützungen gelingt. Im November meldet die Presse, daß vermutlich zum Jahresende die 5.000 MW Grenze überschritten wird, womit sich die installierte Leistung in diesem Jahr fast verdoppelt hat. Das Planziel wird damit bereits drei Jahre vor der Zeit erreicht.
In einem auf der Shanghai Windenergiemesse Mitte Oktober 2007 vorgestellten Bericht heißt es, daß je nach Verbesserung des Förderrahmens bis 2010 zwischen 10.000 MW und 15.000 MW erreicht werden könnten. Damit wird vermutlich auch das bisherige langfristige Ziel von 30.000 MW bis 2020 weit übertroffen.
Mitte 2008 berichtet die chinesische Tochterfirma des deutsch-indischen Windanlagenbauers Repower von einem Auftrag über 24 Stück 2 MW Anlagen, die im Sommer 2009 an der Küste der an Hongkong angrenzenden südchinesischen Provinz Guangdong errichtet werden sollen, im Auftrag des Immobilien- und Energiekonzerns Baolihua New Energy Co. Ltd. aus Guangzhou.
Die chinesische Repower-Tochter Repower North (China) Co. Ltd. wurde 2006 von der Repower Systems AG, dem chinesischen Stahl- und Maschinenbauunternehmen North Heavy Industrie Corporation und dem Projektentwickler Honiton Energy Ltd. in Baotou in der Inneren Mongolei gegründet. Ab Mai 2008 werden in Baotou Turbinen des besonders für hohe Windgeschwindigkeiten ausgelegten Typs ‚MM82’ gefertigt. Eine spezielle ‚Cold Climate Version’ für Temperaturen bis - 40º C wird für den Einsatz in der Inneren Mongolei entwickelt. Ab 2009 sollen jährlich 200 Anlagen produziert werden.
Für einen späteren Zeitpunkt ist der Bau eines 100 MW Onshore- sowie eines 1.250 MW Offshore-Windpark in Lufeng, einer Küstenstadt in Guangdong, geplant.
In einem Artikel auf RenewableEnergyWorld.com werden im Juli 2008 einige Hintergrundinformationen genannt, wie z.B. die gesetzliche Vorschrift, daß bei Windkraftanlagen mindestens 70 % der Komponenten im Land selbst hergestellt sein müssen. Nicht zuletzt durch diesen Anschub wird erwartet, daß China bereits 2009 zum weltgrößten Hersteller für Windturbinen wird. Von den gegenwärtig 40 Produzenten sind 17 staatliche Unternehmen, 12 sind private chinesische Firmen, und 11 sind joint ventures oder befinden sich in ausländischem Besitz.
Bisher haben die größten in der Volksrepublik gefertigten Anlagen eine Leistung von 1,5 MW.

In einer Mitte 2008 veröffentlichten Studie der Organisation Climate Group wird berichtet, daß China, gemessen an der installierten Leistung erneuerbarer Energie, mit eine Kapazität von 152 GW inzwischen weltweit an der Spitze liegt. Dazu tragen insbesondere die Wasser- und die Windkraft bei. Während das Land bei Wasserkraftanlagen führend ist, belegt es bei der Windkraft den fünften Platz.
Die sich im Besitz der indischen Tanti Familie befindliche Suzlon Energy gibt im September 2008 bekannt, daß man im Laufe der kommenden fünf Jahre 3.500 MW an neuen Windenergiekapazitäten herstellen will, die insbesondere in China selbst sowie in Indien installiert werden sollen. Die Gesamtkosten dieser Initiative des Tochterunternehmens Suzlon Green Power werden auf rund 5 Mrd. $ geschätzt.
China Power wiederum plant in der Inneren Mongolei 6 – 20 kleine Windfarmen von jeweils 50 MW, die 2010 oder 2011 ans Netz gehen sollen. Laut der chinesischen Akademie für Meteorologische Dienste betrage das Windkraft-Potential in dieser Region über 100 GW.
Im Oktober 2008 werden weitere Projekte angekündigt. Die China Huaneng Group wird 735 Mio. $ in eine 500 MW Windfarm investieren, die 2010 fertig sein soll, während das National Energy Board sogar von einer 1,9 GW Windfarm spricht, die in der Region Damaoqi errichtet werden soll.
BP Alternative Energy geht im November 2008 eine Partnerschaft mit dem chinesischen Windturbinen-Hersteller Goldwind Science & Technology Co. ein, bei der es um die Errichtung von drei Windfarmen mit jeweils 49,5 MW geht – bei Bayan Obo in der Inneren Mongolei. Das Projekt soll schon im Februar 2009 abgeschlossen werden.
Ebenfalls im November 2008 erhält die dänische Vestas Wind Systems Aufträge für zwei chinesische Windkraftprojekte. Dabei handelt es sich um 100 Stk. ,V52’ mit 850 kW Leistung die Suniteyou Windfarmen III und IV nahe der Stadt Xilinguole. Auslieferungstermin ist das dritte Quartal 2009.
Im Laufe Olympiajahr 2008 meldet das Land einen Zuwachs der installierten Leistung von insgesamt über 6.000 MW.

Die Nutzung der Windenergie zu Elektrizitätszwecken beginnt in Dänemark um 1890, und schon 1908 gibt es diverse Anlagen mit Leistungen zwischen 5 und 25 kW.
Der Meteorologe und Rektor der Volkshochschule von Askov, Paul la Cour (1846 - 1908), verfügt über einen eigenen, kleinen Windkanal für seine Experimente. Als Windkraftpionier entdeckt er die ersten aerodynamischen Gesetze, z.B. daß schnellaufende Anlagen mit wenigen Rotorblättern für die Stromerzeugung effizienter sind. 1891 erhält er die Genehmigung zum Bau der ersten Windkraftanlage auf dem Schulgelände von Askov. Unter seiner Leitung entsteht zur Jahrhundertwende eine Versuchswindmühle, in welche die dänische Regierung hohe Geldsummen investiert.
La Cour beschäftigt sich aber auch mit der Speicherung von Energie und benutzt den Strom seiner Windkraftanlagen, um mittels Elektrolyse Wasserstoff für das Gaslicht seiner Volkshochschule zu erzeugen, was dazu führt, daß er die Fenster der Schulgebäude mehrere Male auswechseln muß, da der Wasserstoff geringe Mengen von Sauerstoff enthält und wiederholt verpufft - sprich explodiert. 1903 gründet er die Gesellschaft der Wind-Elektriker (Dansk Vindelektricitetsselskab, DVES) als Plattform für die Unterstützung der ländlichen Elektrifizierung.

Ebenfalls um 1900 konstruiert der Däne Christian Störensen einen kegelförmigen Windmotor mit Windflügeln aus dünnem Weißblech, die einen um 50% höheren Wirkungsgrad besitzen, als die bis dahin bekannten flachen Flügel. Dieser Rotor wurde vor einigen Jahren von der Firma ASEA mit Erfolg nachgebaut.
1918 sind in Dänemark ca. 120 WEA mit Leistungsaufnahmen zwischen 10 kW und 35 kW im Einsatz, die zusammen rund 3 MW erwirtschaften. Zumeist sind es umgebaute Windmühlen.
Der Ingenieur Johannes Juul ist einer der ersten Schüler von Poul la Cour. Er nimmt ab 1904 an dessen Kursen für Windkraft-Elektroingenieure teil. 1957 wird Juul dann ebenfalls zum Pionier, als er für die Elektrizitätsgesellschaft SEAS in Vester Egesborg an der Küste von Gedser die weltweit erste Windkraftanlage (200 kW) zur Wechselstromerzeugung errichtet, mit deren Konstruktion er 1955 begonnen hat.
Gedser ist ein Gebiet mit sehr starkem Wind, und befindet sich an der Südspitze der Insel Falster in Dänemark. Der Betonturm der Anlage wird auch nach 50 Jahren noch immer genutzt, inzwischen trägt er jedoch die Gondel einer modernen dänischen Windkraftanlage.

Juuls dreiblättriger Luvläufer mit elektromechanischer Windnachführung und Asynchrongenerator ist richtungsweisend für die späteren Anlagen. Der Rotor ist außerdem stallgeregelt (Regelung durch Strömungsabriß), und Juul erfindet auch die aerodynamische Blattspitzenbremse, welche bei zu hoher Drehzahl durch die Fliehkraft automatisch betätigt wird. Seine Windkraftanlage, für eine lange Zeit die größte der Welt, ist extrem zuverlässig. Sie läuft 11 Jahre lang ohne Wartung.
Im Jahr 1975 wird die Anlage auf Wunsch der NASA generalüberholt, da sie für Messungen im Rahmen des amerikanischen Windenergie-Programms benötigt wird. Nachdem die Maschine einige Jahre für Messungen gelaufen ist, wird sie demontiert. Gondel und Rotor können im Elektrizitätsmuseum im dänischen Bjerringbro besichtigt werden.

Während des 2. Weltkriegs errichtet die dänische Firma F. L. Smidth (heute eine Maschinenbaufirma für die Zementindustrie) eine Anzahl von zwei- und dreiblättrigen Windkraftanlagen, die Gleichstrom erzeugen. Die 1942 auf der Insel Bogø gebaute dreiblättrige Anlage ist Teil eines kombinierten Wind-Diesel-Systems, welches die Energieversorgung der Insel gewährleistet. Im Jahr 1951 wird der Gleichstromgenerator durch einen Asynchrongenerator (Wechselstrom) mit 35 kW ersetzt. Damit wird die Bogø-Anlage zur zweiten Windkraftanlage überhaupt, die Wechselstrom erzeugt.

1972 wird auf einem Treffen von Erfindern, Technikern und Fabrikanten konstatiert, daß für eine vernünftige Weiterentwicklung das Kapital fehle. Daraufhin wird gesammelt – und es kommen rund 10 Milliarden Dänische Kronen zusammen (!). 1973 wird damit begonnen, Windkraftanlagen nach einfachen, aber praktischen und wartungsfreundlichen Gesichtspunkten zu bauen (und zu exportieren!).
Während des NOAH ,Miljø-Ø-Lejr’ Sommercamps 1975 am Rugård Strand bei Grenå bauen die Teilnehmer eine 300 W Windturbine. Sie hat Holzflügel und betreibt den Kühlschrank des Camps, bei dem auch ein Solarofen mit 121 Spiegeln und ein thermischer Solarkollektor zum Einsatz kommen. Zu den Aktivisten der ersten Stunde gehört auch Erik Grove-Nielsen, dessen Homepage neben anderen Highlights auch eine vollständige und sehr persönliche Präsentation der Entwicklung in Dänemark bietet. Er selbst wird durch die Herstellung moderner Rotorblätter bekannt, später leitet er ein Materialprüfungs-Institut für Rotorblätter. Mehrere der hier veröffentlichten Fotos entstammen seinem Fundus.

Ab 1976 errichten Freiwillige der Alternativschule in Tvind die wohl berühmteste Windmühle des Landes. Das 2 MW Windkraftwerk, versehen mit einem 3-Blatt-Rotor von 54 m Durchmesser, und aufgesetzt auf einen ebenfalls 54 m hohen Turm (mit Fahrstuhl), wird am 12.05.1978 nach zweieinhalb Jahren Bauzeit mit viel Begeisterung fertiggestellt. Kosten tut das Ganze über eine Million Mark - andere Nennungen sprechen allerdings von nur 160.000 DM, vermutlich nach Abzug der Eigenleistung der dänischen Bürgerinitiative.
Je nach Windgeschwindigkeit sollen die drei jeweils 5 t wiegenden Rotorblätter dem Wind zwischen 100 kW und 2 MW abzapfen, insgesamt etwa 4 Mio. kWh pro Jahr. Doch obwohl es am Standort der Anlage in Nordjütland, in der Nähe von Ulfborg an der dänischen Westküste, einen ‚guten Wind’ gibt, produziert die Anlage zwischen Frühjahr und Herbst 1978 nur 5.700 kWh. Statt also, wie geplant, 3/4 der erzeugten Leistung an das Öffentliche Netz abzugeben, sicht sich die Tvind-Schule gezwungen, für ihren Eigenbedarf während der genannten Zeit noch 181.000 kWh zuzukaufen. Trotz der erfolgten NASA-Hilfe durch Beratung und Know-how scheint das Projekt ein Fehlschlag zu sein und schon knapp ein Jahr nach Inbetriebnahme zeigen sich die ersten schwerwiegenden Mängel.

Die ‚Tvind-Skolerne’ versucht, die müde Windmühle an die Regierung zu verkaufen - allerdings vergeblich.
Der Gründer Mogens Amdi Petersen verschwindet 1979 ‚spurlos’, um das verschachtelte Finanzimperium mit einem geschätzten Jahresumsatz von 120 Mio. DM (Stand 1996) von einem unbekannten Ort aus zu leiten. Ebenfalls 1996 streicht die dänische Regierung den inzwischen 31 freien Tvind-Schulen wegen Betrugs und Mißbrauchs von Steuergeldern alle Zuschüsse (zuletzt etwa 25 Mio. DM pro Jahr). Aus dem Vorzeigeprojekt der Alternativszene war eine ‚Geld-Melkmaschine’ geworden, zu der u.a. auch die Secondhand-Kette Humana gehört.
1977 werden in Dänemark zwei Versuchsanlagen ‚NIBE A’ und ,NIBE B’ mit jeweils 630 kW errichtet. Sie dienen zum Vergleich unterschiedlicher Anlagenkonzepte.

Ende der 1970er Jahre beginnt das dänische Unternehmen VESTAS mit dem Bau von Windenergieanlagen.
Von Anfang an setzen die Dänen auf Kleinanlagen von 60 bis 100 kW Leistung. Zwischen 1973 und 1986 werden die Windprogramme mit rund 250 Mio. DM gefördert. Ein wesentliches Merkmal dieses Landes ist, daß 99 % der Energiewirtschaft genossenschaftlich organisiert ist. Rund 90 Versorgungsunternehmen arbeiten sogar als ‚non-profit-Firmen’ (!). Außerdem finanziert der Staat ‚Volkscenter für unerschöpfliche Energie’ – mit jeweils 15 Mitarbeitern und einem Jahresetat von 1 Mio. DM kann dort sehr effektive Arbeit geleistet werden.
Lokal werden alleine 1982 von privaten Haushalten 150 Anlagen gekauft, und Anfang 1983 sind in Dänemark bereits etwa 1.000 Anlagen installiert. Es gibt dafür 30%ige Zuschüsse. Im Jahre 1984 beträgt die Jahresproduktion der inzwischen fünf kommerziellen Hersteller des Landes schon über 3.000 Anlagen, die fast zur Gänze in die USA exportiert werden. Der Umsatz dieses Jahres beträgt rund 540 Mio. DM.
Auf einer 800 m langen Mole an der Spitze der Jütländischen Halbinsel Mols entsteht 1986 der erste (fast) Offshore-Windpark der Welt. Insgesamt 16 Anlagen mit je 55 kW speisen zusammen 880 kW in das Versorgungsnetz des 4.000-Einwohner-Ortes Ebeltoft ein. Die Kosten des von der Regierung geförderten Projektes betragen 21 Mio. DK, es wird mit einer Amortisationszeit von 5 – 6 Jahren gerechnet. Ebenfalls 1986 entsteht der Windpark Odesund mit 52 Anlagen.

1986 erwirtschaftet die Branche mit 8.200 Beschäftigten bereits 400 Mio. DM Gewinn, hauptsächlich durch den Export in über 60 Länder. Inzwischen werden über 7.000 Anlagen jährlich hergestellt, zumeist robuste Dreiflügler mit ca. 60 kW Leistung. Der Marktführer Vestas in Jütländ verschifft täglich Anlagen mit einer Gesamtleistung von 5.000 kW in alle Welt. Als der Windboom in Kalifornien Ende des Jahres allerdings plötzlich endet, geraten sogar die großen Hersteller wie Vestas und Nordtank in Schwierigkeiten. Die kleineren Firmen wie Aerostar oder Kuriant verschwinden völlig vom Markt.
Den staatlichen Plänen von 1986 zufolge sollen sich bis zum Jahre 2000 jedoch schon rund 60.000 kleine Rotoren drehen – und bis 2050 soll der gesamte dänische Energiebedarf durch erneuerbare Primärenergieträger wie Wind und Sonne gedeckt werden.
1987 erwirbt Vestas Deutschland 5.000 qm in Husum, um dort in einem neuen Werk 75 kW Anlagen in Lizenz herzustellen. Außerdem wird ein 200 kW System weiterentwickelt, das zu 70 % aus deutschen Zulieferungen besteht. Auf deutscher Seite sperren sich das BMFT und die KfA Jülich gegen diese Pläne, Zuschüsse werden verweigert.
1988 wird ein Küstenprojekt mit 45 MW geplant, das bis 1990 ans Netz gehen soll. Die Kosten hierfür werden mit etwa 400 Mio. DK berechnet. Für erste Tests werden zwei Anlagen mit jeweils 1 MW errichtet. Vestas stellt 1990 die erste 500 kW Anlage vor, die bald darauf in Serie hergestellt wird.
Ebenfalls ab 1988 betreibt ein dänisches Elektrizitätsunternehmen bei Tjæreborg eine 2 MW Forschungsanlage ‚ELSAM’, die bis 2001 im Einsatz ist. Das Foto stammt von Flemming Hagensen.

Im Windpark Vindeby vor der Ostseeinsel Lolland produzieren ab 1991 elf Pilotanlagen mit jeweils 450 kW Strom – ein erster richtiger Offshore-Windpark, allerdings noch zu Versuchszwecken.
1995 entsteht ein Windenergiepark mit 42 Anlagen mit je 600 kW auf Jütland. Die damals als größte maritime Windfarm geltende Anlage befindet sich im Niedrigwasser des Riffs vor der jütländischen Insel Tunoe Knob.
Ende 1997 verfügt Dänemark über 5.000 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.116 MW. Sie haben einen Anteil von 6,5 % an der dänischen Stromversorgung. Bis 2008 sind fünf neue Windparks mit insgesamt 500 Windrädern der 1,5 MW-Klasse geplant, wodurch dieser Anteil auf 15 % gesteigert werden soll. Die Kosten werden etwa 2,3 Mrd. DM betragen. Und bis 2030 sollen sogar Windkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 5,5 GW installiert werden, davon 4 GW Offshore. Vier Standorte in der Ostsee und einer in der Nordsee sind bereits fest eingeplant. Dänemark will bis 2040 aus der Windkraft 40 % seiner Elektrizität beziehen. 2001 liegt der Wert nach Zahlen der Esa noch bei 13 %.

Im Jahr 2000 wird rund dreieinhalb Kilometer vor dem Kopenhagener Hafen der Middelgrunden-Windpark errichtet – ironischerweise auf einem Riff, das vorher als Halde für Hafenschlamm und kontaminierten Müll genutzt wurde. Die 3.400 m lange Reihe, die sich schön in das Hafenbild integriert, ist zu diesem Zeitpunkt einer der größten Offshore-Windparks der Welt. Sogar auf Satellitenfotos ist der Bogen mit den 20 gigantischen 2 MW Windrädern zu erkennen. Ihre Rotoren haben jeweils einen Durchmesser von 76 m, und ihre Naben liegen 64 m über dem Wasser. Mit einer Jahresleistung von 89.000 MWh deckt der Windpark allerdings gerade 3 % des Energiebedarfs von Kopenhagen mit seinen 1,1 Millionen Einwohnern.
2002 geht Horns Rev ein 160 MW Offshore-Park mit 80 Stück der 2 MW Anlagen von Vestas ans Netz, es ist (wiederum) der größte Offshore-WEA-Park seiner Zeit. Es gibt allerdings technische Probleme.
Der Offshore-Windpark Rødsand I geht 2003 in Betrieb. Im Auftrag von E.on und dem dänischen Staatskonzern Dong Energy errichtet bilden die 72 Siemens-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 165,6 MW den aktuell größten dänischen Offshore-Windpark (mehr darüber in dem entsprechenden Kapitel).
Daß es in Dänemark auch etwas kleiner geht, belegt im April 2007 das dänische Designhaus Demakersvan aus Rotterdam. Die aus Segeltuch, Edelstahl und Holz gefertigte Lampe namens light wind ist für den Außeneinsatz gedacht und wird – nomen est omen – vom Wind angetrieben. Sie ist 2,4 m hoch, und der Rotor hat einen Durchmesser von 2,15 m.

Nach einer Lücke in der Chronologie (die hoffentlich mit Hilfe der Leser gelegentlich geschlossen werden kann) geht es Ende 2008 weiter.
Im Oktober 2008 gibt Vestas Aufträge über mehr als 314 MW bekannt. Die Windenergieanlagen sollen in Spanien (18 Stk. ,V90’ mit 3 MW und 25 Stk. ,V90’ mit 1,8 MW; Region Terra Alta in der katalanischen Provinz Tarragona), der Türkei (5 Stk. ,V90’ mit 3 MW; Ayyıldız-Projekt in der Provinz Balıkesir), China (100 Stk. ,V52’ mit 850 kW; für die Suniteyou Windfarmen III und IV nahe der Stadt Xilinguole) und Italien (5 Stk. ,V90’ mit 3 MW, 20 Stk. ,V90’ mit 2 MW sowie 26 Stk. ,V90’ mit 1,8 MW; davon 62 MW in der Region Apulia und 40 MW in der Region Molise) installiert werden. Die Lieferungen sollen 2009 erfolgen.
Die in Kopenhagen beheimatete Vestas hat inzwischen mehr als 35.000 Windkraftwerke ausgeliefert, die weltweit im Einsatz sind.
Ebenfalls im Oktober 2008 bilden 63 dänische Landwirte gemeinsam mit der Nuon-Tochter WEOM das Windenergie-Konsortium De Zuidlob, um eine Windfarm mit einer Leistung von mindestens 108 MW zu errichten. Es sind alle Landwirte aus De Zuidlob, dem südlichsten Teil der Verwaltungsregion Zeewolde. Der in drei Ausbaustufen geplante Park mit 12 Windturbinen von jeweils 3 bzw. 4,5 MW wird bei Projektabschluß im Jahr 2012 einer der größten Windparks in Dänemark sein. Teil der Vereinbarung ist auch die über 10 Jahre garantierte Stromabnahme durch Nuon.
Neben Projekthilfen gegenüber Staaten der sogenannten 3. Welt, wie z.B. Syrien, wo die DDR eine kleine Sonnen- und Windenergie-Versuchstation mit je 2 kW Leistung errichtet, ist mir aus diesem Land nur der Selbstbau eines Bauern bekannt, der bei Windstärke 2 bis 4 in der Lage sei, damit seinen Traktor anzutreiben. Wie, wurde allerdings nicht mitgeteilt.
Kurz vor der Wende wird in der Nähe von Rostock eine Windmessung durchgeführt und die Errichtung der ersten modernen Windenergieanlage der DDR geplant – die sogar noch fast von Honecker selbst eingeweiht wird. Der Kaufpreis wird in Naturalien abgewickelt (Holz gegen WEA).
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