<

 

 

 

 

allTEIL C

Elektro- und Solarfluggeräte

2015 (A)


In Weiterführung der Zuordnung nach Größe, beginnt auch die Übersicht dieses Jahres mit den kleinen Drohnen, die immer mehr zu allgemein gebräuchlichen Gegenständen werden.

Mir liegt dazu so viel Material vor, daß diese Fülle stark reduziert und auch inhaltlich anders aufgestellt werden muß. Ich beginne daher mit allgemeinen Themen wie Sicherheit, Unfälle und illegale Einsätze – bevor es dann mit enger definierten Einsatzbereichen sowie den aktuellen technischen Entwicklungen weitergeht, die ebenfalls thematisch gebündelt werden. Kontextbezogen sind teilweise auch schon Informationen von 2016 mit eingearbeitet.

Im Einzelnem handelt es sich um die folgenden Bereiche:

Sicherheits- und Abwehrmaßnahmen

Zwischenfälle und Konflikte

Schmuggel

Unfall- und Katastrophenhilfe

Lebensrettung

Umweltschutz und Wiederaufforstung

Tier- und Waldschutz

Landwirtschaft

Industrie und Bauwesen

Internet-Drohnen

Neue Entwicklungen und Technologien

             Kamera-Drohnen

             Consumer-Drohnen

             Kunst und Design

             Neue Einsatzbereiche

             Technologische Entwicklungen

Firmenauswahl

Transport- und Lieferdrohnen

Drohnen-Rennen

Manntragende Fluggeräte



Laut der Venture-Capital-Gesellschaft KPCB sollen im laufenden Jahr 2015 weltweit 4,3 Mio. Drohnen über den Ladentisch gehen, angefangen vom Spielzeug bis hin zu hochgerüsteten High-Tech-Geräten. Und falls es verwundert, daß die überwiegende Zahl der Umsetzungen in den USA stattfinden, so liegt dies zum Teil daran, daß die dortigen Entwicklungen besser dokumentiert und breiter veröffentlicht werden, als beispielsweise in Europa. Doch wie immer gibt es auch hier einige Ausnahmen, wie wir im Zuge der Jahresübersicht feststellen werden.

 


Das erste relevante Thema sind die Sicherheits- und Abwehrmaßnahmen in Verbindung mit Drohnen.


Wie sehr Drohnen Sicherheitsbehörden in Aufregung versetzen, zeigt sich im Laufe dieses Jahres gleich mehrfach. Bereits im Januar kreist ein ,Flugobjekt unbekannter Herkunft’ kurzzeitig über dem französischen Präsidentenpalast in Paris, zudem werden Drohnen auch nahe der Atomwaffenbasis Île Longue der französischen Streitkräfte gesichtet. Schon im Herbst 2014 hatte es 17 bemerkte Drohnenflüge über Atomkraftwerken gegeben, deren Urheber bisher nicht ausfindig gemacht werden konnten. Ich hatte darüber berichtet (s.o.).

Ende Februar entdeckt die Pariser Polizei fünf Drohnen, die strategisch sensible Bereiche im Zentrum der Stadt überfliegen, obwohl der Luftraum von Paris wie auch allen anderen französischen Ballungsräumen für Drohnen eigentlich gesperrt ist. Während der Nacht Drohnen steigen zu lassen, ist sogar in ganz Frankreich untersagt, wobei Verstöße mit bis zu einem Jahr Gefängnis und 75.000 € Strafe geahndet werden können.

Zwei Tage später nimmt die Polizei kurzzeitig drei Journalisten des katarischen Fake-News- Senders Al-Jazeera in Gewahrsam, die über einem Park am Stadtrand von Paris eine Drohne fliegen ließen, um eine Reportage über eben jene mysteriösen Drohnenflüge zu drehen. Die Geldstrafe von 1.000 €, zu welcher der verantwortliche britische Journalist im März verurteilt wird, fällt im Verhältnis glimpflich aus, da keine Verbindung zu der Serie von Drohnenüberflügen besteht. Das Fluggerät wird aber trotzdem beschlagnahmt.

Fast zeitgleich werden weitere Flugkörper über dem Osten der französischen Hauptstadt gesichtet, wobei es der Polizei zum ersten Mal gelingt, eine Drohne von der Porte de Montreuil bis zur Porte de Vincennes zu verfolgen, wo die Piloten des Fluggeräts jedoch entkommen können. Im März werden im Norden der Stadt zudem vier Journalisten des Bayerischen Rundfunks vorübergehend festgenommen, weil sie ebenfalls ohne offizielle Genehmigung mit einer Drohne unterwegs waren.


Auch auf dem Grundstück des Weißen Hauses in Washington wird im Januar eine kleine Drohne entdeckt, obwohl das Fliegen von Drohnen über Washingtons Machtzentren aus Sicherheitsgründen verboten ist. Der Verantwortliche meldet sich aber schnell: Es ist ein Regierungsangestellter der National Geospatial Intelligence Agency, der offenbar zu viel getrunken und die privat geliehene Drohne versehentlich hatte abstürzen lassen. Um solche Vorkommnisse zu verhindern, trainiert der Secret Service inzwischen das Abfangen der Geräte. Die Ideen reichen vom Störsender bis zum Fangnetz (s.u.).

GoPro-Drohne von DJI

DJI-Drohne mit GoPro-Kamera


Der Zwischenfall führt auch bei dem chinesischen Hersteller des Geräts DJI umgehend zu Konsequenzen. So wird die beliebte Serie Phantom 2 mit einem Update ausgestattet, das eine Reihe von Flugverbotszonen für das GPS-lokalisierte Fluggerät enthält. Dazu gehört z.B. ein Umkreis von 25 km um den Innenbereich von Washington – sowie Tabuzonen um 10.000 Flughäfen.

Im November wird bekannt, daß DJI noch vor Ende des Jahres ein System namens Geospatial Environment Online (GEO) einführen will, zunächst in Nordamerika und Europa, das auf Basis von Standortdaten der US-Firma AirMap Drohnenpiloten darüber informieren soll, wo Überflüge gerade verboten sind. Neben statische Flugverbotszonen, zu denen Gefängnisse, Kraftwerke und andere sensible Zonen zählen, fließen auch aktuelle Informationen in das System ein, wie z.B. Waldbrände und Großereignisse. Nach der Installation verhindert die neue Software selbständig Starts und Flüge in und über gesperrten Gebieten.

An dieser Stelle sei ein exemplarischer Blick auf das 2006 von Frank Wang Tao gegründete chinesische Unternehmen Dajiang Innovation Technology Co. (DJI) erlaubt, das auf einen Wert von 10 Mrd. $ veranschlagt wird, als es im Mai diesen Jahres damit beginnt, in großem Stil Wagniskapital einzusammeln. An den Gesprächen sind mehrere Investoren aus dem Silicon Valley beteiligt.

Die Firma hatte erst im Mai eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, bei der sie 75 Mio. $ von Accel Partners bekommt, welche das Unternehmen noch mit ungefähr 8 Mrd. $ bewerteten.

Laut inoffiziellen Zahlen soll DJI im Jahr 2013 rund 400.000 Einheiten verkauft haben – viele davon vom damals neu eingeführten Modell Phantom. Der damit gemachte Gewinn von etwa 130 Mio. $ soll sich mittlerweile verfielfacht haben. Kein Wunder, schließlich deckt die Firma nach Angaben von Frost & Sullivan einen Anteil von 70% des Konsumenten-Drohnenmarktes ab. Nach einem Umsatz von 500 Mio. $ im Jahr 2014 ist DJI nun auf dem besten Weg, 2015 mehr als eine Milliarde US-Dollar umzusetzen.

Dazu beitragen wird das im Juni auf den Markt gebrachte Quadrokopter-Modell DJI Matrice 100, das speziell auf Entwickler und Ingenieure ausgerichtet ist, die sich mehr Freiheiten beim Aufbau eines DJI-Quadrokopters wünschen. DJI verspricht für die 3.299 $ teure Drohne bei einer Nutzlast von 1 kg eine Flugzeit von rund 20 Minuten – die sich mit einem zweiten Akku verdoppeln läßt.

Noch interessanter dürfte das neue DJI Guidance sein – das erste frei im Handel erhältliche Anti-Kollisionssystem für Drohnen- und Multikopter-Plattformen, dessen Preis mit 999 $ beziffert wird.

Übrigens eröffnet die Firma im Dezember 2015 ihr erstes eigenes Verkaufsgeschäft, ein überaus passendes, futuristisches Gebäude in Shenzen, das in den Blogs als ,der reine Drohnen-Himmel’ beschrieben wird.

Im Januar 2016 startet dann die öffentliche Beta-Version des Geofencing-Systems GEO von DJI, das die Fluggeräte der Firma daran hindert, in einen gesperrten Luftraum zu fliegen. Die neue dynamischere und facettenreiche Lösung bietet z.B. die Möglichkeit für Rettungsdienste, eine vorübergehende Flugverbotszone zu bestimmen, wenn zum Beispiel ein Waldbrand ausbricht, um diesen ungestört bekämpfen zu können. Berechtigte Piloten können sich einige, aber nicht alle beschränkten Lufträume freischalten lassen.

Da mancherorts Angriffe mit Drohnen auf Fußballstadien befürchtet werden, sperrt DJI Meldungen vom Juni zufolge Flüge über EM-Spielstätten . Zudem sollen alle europäischen Stadien, die ein Fassungsvermögen von mehr als 25.000 Zuschauern haben, auf die Sperrliste gesetzt werden.


Etwas mysteriös beginnt auch ein Vorfall im April, bei dem eine Drohne im Zentrum von Tokio auf dem Dach des Amtssitzes von Japans Ministerpräsident Shinzo Abe landet. Drohnen dürfen in Japan ohne Einschränkung bis in 250 m Höhe geflogen werden. Einem Regierungssprecher zufolge habe man an dem Flugobjekt winzige, für Menschen ungefährliche Spuren radioaktiver Strahlung gefunden – neben einer Kamera, einer Plastikflasche mit unbekanntem Inhalt und offenbar einer Art Leuchtsignal. Es wird vermutet, daß es sich um eine Protestaktion von AKW-Gegnern handelt.

Und tatsächlich stellt sich nur wenige Tage später in der Präfektur Fukui, 350 km westlich der Hauptstadt Tokio, ein Mann der Polizei, der angibt, mit der Aktion gegen die Atomkraft demonstrieren zu wollen. Vor seiner Festnahme schrieb der Aktivist in seinem Internet-Blog, daß an der Drohne eine Flasche mit radioaktivem Sand aus Fukushima befestigt sei. Demnach war die Drohne schon Anfang April auf der Ministerpräsidenten-Residenz gelandet, d.h. zwei Wochen bevor sie entdeckt wurde.

Jedenfalls werden schon einen Monat später in Tokio Drohnen aus öffentlichen Parks verbannt.


Gegenmaßnahmen lassen aber auch woanders nicht lange auf sich warten. Schon im Januar wird berichtet, daß das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit dem Hessischen Landeskriminalamt (HLKA) seit letztem Jahr ein System zur diskreten Verfolgung von Fahrzeugen aus der Luft erprobt, bei dem mit hochauflösender Kameratechnik und einer eigens entwickelten Bildverarbeitungs-Software große Menschenmengen sowie ,terroristische Aktivitäten’ überwacht werden  können. Ziel ist, das konventionelle Ausspähen mittels Hubschraubern zu ergänzen, die zu laut und bei der Täterverfolgung auffällig sind.

Bei dem Projekt ,Echtzeitfähige verdeckte Fahrzeugverfolgung zur polizeilichen Observation’ (das seltsamerweise CHICAGO genannt wird) werden die Systeme an verschiedenen Fluggeräten getestet, darunter auch dem DLR-Motorsegler Antares (s. 2009) sowie einer Drohne vom Typ AscTec Falcon 8. Beworben wird die Technik vor allem zur Nutzung in Verkehrsleitzentralen, um den der Verkehrsfluß aus der Luft zu überwachen und bei höherer Dichte von Fahrzeugen Staus frühzeitig zu erkennen.


Doch Sicherheit kann auch ganz anders verstanden werden: Im April 2015 wird in den Blogs die Idee von Jackie Wu und Ritwik Ummalaneni vorgestellt, ehemalige Studenten des Robotics-Programms an der Northwestern University, die einen kleinen Quadrokopter in der Heimsicherheit einsetzen wollen. Mit ihrem Start-Up Eight Six Ninety-One Technologies möchten sie ein System vermarkten, bei dem die Überwachungskamera einer kleinen Drohne über eine Internetverbindung und das Heim-WLAN mittels einer Smartphone-App gesteuert werden kann.

Rook

Rook

Die App zeigt die Kamera-Sicht auf dem Bildschirm an, und der fernsteuernde Pilot kann die Drohne von Raum zu Raum schicken um zu überprüfen, daß zu Hause alles in Ordnung ist. So zumindest die Idee.

Die nun gestartete Kickstarter-Kampagne, bei der die Smartcam-Drohne namens Jackie nebst Android/iOS App ab 199 $ angeboten wird (erwarteter Preis im Einzelhandel: 249 $), wird im April abgebrochen, da absehbar ist, daß die gewünschten 40.000 $ nicht zusammenkommen werden – im Gegensatz zu einer Indiegogo-Kampagne im Folgejahr, als Wu zusammen mit einem neuen Team im Februar ein weiterentwickeltes und wesentlich besser designtes Konzept unter dem Titel Rook anbietet. Wobei die Minidrohne für Erstbesteller nur noch 129 $ kosten soll (später: 179 $).

Diesmal werden bis Anfang April 2016 mit 57.340 $ sogar 250 % des erhofften Betrags von 20.000 $ erreicht. Die Auslieferung durch das inzwischen Eighty Nine Robotics LLC betitelte Unternehmen soll Anfang 2017 beginnen.


Im November 2016 berichten die Blogs über einen weiteren Ansatz, Drohnen als mobile Überwachungskameras für Privathäuser einzusetzen. Das Start-Up Sunflower Labs Inc. von Alex Pachikov und Chris Eheim mit Büros im kalifornischen Palo Alto und in Zürich, Schweiz, entwickelt ein Sicherheitssystem, das auf smarten Solarlichtern und einer fliegenden Drohne basiert.

Herzstück sind dabei die Lampen, die auf dem Grundstück verteilt und mit über 20 Sensoren ausgestattet sind, um verdächtige Bewegungen auf dem Gelände aufzuspüren und den Hausbesitzer sofort zu benachrichtigen. Ist dieser nicht selbst vor Ort, kann er auf die Dienste der fliegenden Drohne zurückgreifen, um die Situation genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Quadrokopter nutzt dabei einen fortschrittlichen Autopiloten und fliegt mit Hilfe der Daten der Solarlampen direkt zu der verdächtigen Stelle, wobei ein Infrarotlicht dafür sorgt, daß Einbrecher auch nachts nicht unentdeckt bleiben. Die autarken Solarlampen kosten pro Stück 159 $, während die Drohne mit 799 $ zu Buche schlägt. Das Unternehmen plant allerdings, auch eine Mietfunktion zu etablieren.

Die Idee scheint bei den Investoren gut anzukommen, denn das Unternehmen aus der Schweiz konnte zuletzt rund 2,1 Mio. $ an Kapital von General Catalyst, einer der Top Venture Capital Firmen im Silicon Valley, und Nori Matsuda, einem Angel-Investor und CEO von Sourcenext, einsammeln. Nun ist geplant, das Sunflower Home Awareness System Ende 2017 auf den Markt zu bringen.


Bereits im Juni 2015 wird aus China berichtet, daß bei der vermutlich größte Massenprüfung der Welt, bei der sich gut zehn Millionen Chinesen um Zulassungen zu den Universitäten des Landes bemühen, erstmals eine Drohne eingesetzt wird, um das Mogeln auf Hightech-Niveau zu unterbinden. Verbreitet sind beispielsweise kabellose Mini-Kopfhörer, um sich die richtigen Antworten während der Prüfung per Funk ins Ohr einflüstern zu lassen.

Während etliche Hochschulen ihr Gelände während der dreitägigen Prüfungsphase gegen Mobilfunksignale abschirmen und andere Kameras einsetzen oder die Taschen der Prüflinge am Eingang durchleuchteten, kommt in der Provinz Henan nun eine Drohne zum Einsatz, um Funksignale aufzuspüren. Die umgerechnet mehr als 16.000 € teure Drohne kann bis zu 500 m hoch aufsteigen und Signale aus der ganzen Stadt empfangen.  


Und auch eine neue Geschäftsidee kommt nun breiter in die Presse: Drohnen, die Drohnen abwehren. Zum einen wäre hierbei die mit 12 Kameras ausgestattete Rapere Intercept Drone zu nennen, von der es bislang aber nur einen Prototyp gibt. Ihr Funktionsprinzip ist einfach: Durch Knopfdruck gestartet, sucht sie den Himmel ab und kann automatisch andere Drohnen erkennen, wobei sie angeblich schneller und wendiger ist als die bislang auf dem Markt angebotenen kleinen Drohnen. Um dies zu erreichen, wird das Gewicht stark reduziert, was aber auch auf Kosten der Flugzeit geht, die daher nur zwei Minuten beträgt.

Das Bekämpfen anderer Drohnen geschieht, indem die Rapere eine spezielle Schnur auf diese abläßt, die sich in den Rotoren verfängt und die ,feindliche’ Drohne so zum Absturz bringt. Bislang können damit aber nur Drohnen mit Rotoren wie Quadrokopter bekämpft werden, da die Jagddrohne noch nicht schnell genug ist, um auch Drohnen mit Flügeln anzugreifen.

Billig werde die Drohne nicht, sagen die Entwickler, da sie kein Spielzeug werden und keine Möglichkeit darstellen soll, legitime Verwendungen von Drohnen zu stören. Als potentielle Kunden werden Prominente gesehen, die Einblicke mit Drohnen in ihre Privatsphäre verhindern möchten, sowie Sicherheitsfirmen oder Veranstalter von Massenereignissen.

Unklar ist bisher, was die Rapere macht, wenn sie ebenfalls einer Antidrohnen-Drohne begegnet oder wenn Drohnen zukünftig auf angreifende Drohnen ebenfalls automatisch reagieren. Ebenso ist noch unklar, ob der Einsatz von Rapere legal sein kann, denn immerhin würde sie zur Sachbeschädigung führen und könnte auch, falls die bekämpfte Drohne beim Absturz etwas beschädigt oder gar einen Menschen verletzt, größere Schäden verursachen.

Inzwischen ist aber weder von dem Konzept, noch von den (ungenannten) Initiatoren etwas Neues zu hören. Erfolgreiche Umsetzungen folgen etwas weiter unten.


Weniger problematisch ist das Drohnenwarnsystem DroneTracker, das die im Februar 2014 von Ingo Seebach und Jörg Lamprecht gegründete Firma Dedrone GmbH aus Kassel entwickelt hat. Das Unternehmen sieht großes Mißbrauchspotential für Drohnen, die sensible Industriebereiche ausspionieren, Drogen oder Waffen in Gefängnisse schmuggeln und schlimmstenfalls sogar Sprengkörper abwerfen können (Lamprecht hattte übrigens 2010 die Drohnenfirma Aibotix mitgegründet, s.d.).

Das neue Warnsystem scheint weitgehend dem 2013 vorgestellten Drone Shield System zu ähneln (s.d.), denn auch in diesem Fall handelt sich um ein Gerät, das anhand einer permanent upgedateten Drohnendatenbank sowie visuellen und akustischen Sensoren sich nähernde Flugobjekte in einem Umfeld von 100 m entdeckt. Sobald ein solches Objekt im überwachten Luftraum identifiziert wird, löst das System einen Alarm aus, via eMail oder auf die Handy-App.

Im April 2015 liefert Dedrone erste DroneTracker an renommierte Kunden aus der Automobilindustrie, JVAs und Alarmanlagenerrichter zum Testen. Gleichzeitig erhält das Unternehmen unter der Führung des Venture Capital-Investors Target Partners 2,7 Mio. € Wachstumsfinanzierung, mit denen im Oktober die Serienproduktion gestartet werden kann.

Im Oktober kommt eine mit neuer Soft- und Hardware ausgestattete Version auf den Markt, die noch effizienter funktioniert. Unter anderem gehört nun eine industrielle HD-Kamera dazu, die bei einem Alarm Videos zur Beweissicherung speichert. Außerdem kann das System effizienter und einfacher in bestehende Sicherheitssysteme integriert werden. Im November wird  DroneTracker in einer täglichen Stückzahl von acht Exemplaren produziert und kommt mittlerweile u.a. in Gefängnissen und Stadien zum Einsatz.

Im Januar 2016 verlegt die Firma ihren Hauptsitz von Deutschland nach San Francisco, um von dort aus den nordamerikanischen Markt zu erobern. Der Schritt ist erfolgreich, denn schon im Mai investiert die amerikanische Venture-Capital-Gesellschaft Menlo Ventures 10 Mio. $ in Dedrone. Im Juli wird die Zusammenarbeit mit der Firma Airbus DS Electronics and Border Security bekannt gegeben, gefolgt von einer Partnerschaft mit der Konzernsparte Magenta Security der Deutschen Telekom AG im November, um den DroneTracker Kunden mit kritischen Infrastrukturen, Rechenzentren, Stadien und Behörden anzubieten.

Zwischenzeitlich wird der DroneTracker im September durch die Polizei von Nassau County eingesetzt, um das erste Duell der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton an der Hofstra-Universität in Hempstead vor unerwünschten Drohnen zu schützen.

Die Überwachungselektronik läßt sich aber auch nutzen, um die Steuersignale zu stören oder durch andere Signale überlagern, die das Fluggerät aus der Gefahrenzone lenken. Ein solches Gerät, das sich mit dem Dedrone-System kombinieren läßt, hat das Münchner Unternehmen Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG entwickelt und erstmals im Juni 2015 beim G7-Gipfel auf Schloß Elmau eingesetzt.

Im April 2016 genießt auch der damalige US-Präsident Barak Obama diesen Schutz, als er während der Hannover Messe in Hannover im Schloß Herrenhausen politische Gespräche führt. In das modulare Dedrone-System können aber auch Sensoren anderer Hersteller eingebunden werden, wie z.B. Radare von Airbus, Robin Radar oder Mikrofonarrays von Squarehead Technology.

Im August 2016 erscheint eine Pressemeldungen im Rahmen der Kooperation mit Airbus zum Verkauf der Abwehrsystemen für kleine Drohnen. Nach Angaben der Unternehmen sei die gemeinsame Plattform inzwischen umfangreich getestet worden und soll nun ab Ende des Jahres lieferbar sein. Indem Airbus ein Radarsystem beisteuert, erhöht sich die bisherige Reichweite mit einen Radius von 1 km auf einem Umkreis bis zu 10 km. Die Plattform wird außerdem mit der im September letzten Jahres von Airbus vorgestellten SMART Responsive Jamming Technology zum Unterbrechen der Funkverbindung ergänzt. Benachbarte Frequenzbereiche sollen dabei nutzbar bleiben.

Im November 2016 wird bekannt, daß die Deutsche Telekom noch in diesem Jahr Behörden und Unternehmen das System zur Drohnen-Abwehr zum Kauf offerieren wird. Als Zielmarkt wird der Schutz von Orten wie Flughäfen, Sportstadien, Autoteststrecken oder von Großereignissen mit Prominenten genannt. Da die Telekom bei dem Projekt mit erfahrenen Firmen zusammenarbeiten will, werden diese zu einem Testlauf auf den Flugplatz in Tannheim südlich von Ulm eingeladen. Dazu gehören u.a. Dedrone, DroneShield, Squarehead Technology aus Norwegen, Rohde & Schwarz sowie Airbus DS Electronics and Border Security (EBS).

Der bislang jüngsten Meldung vom Januar 2017 zufolge sichert sich Dedrone die Unterstützung von fünf bekannten Gründern und Managern aus dem Silicon Valley und sammelt von diesen einen nicht näher bezifferten siebenstelligen Betrag ein.


Auf der Defence and Security Equipment International (DSEI) im September 2015 in London stellt die Firma Selex ES, Teil des italienischen Verteidigungsgiganten Finmeccanica, ein System vor, das Drohnen auf ganz ähnliche Weise aufspürt und blockiert. Auch das nach dreijähriger Entwicklungszeit präsentierte Falcon Shield besteht aus einer Sammlung von Sensoren und Software, die zusammenarbeiten um feindliche Drohnen zu finden, zu verfolgen und dann zu deaktivieren oder zu übernehmen.


Eine weitere Methode, Drohnen zu bekämpfen, ist die Schadsoftware Maldrone, welche von den Entwicklern um den Sicherheitsforscher Rahul Sasi aus Indien als die ,erste Hintertür zu Drohnen’ bezeichnet wird – denn letztlich sind diese nichts anderes als fliegende Computer. Ist eine Drohne bzw. ihre Flugsteuerung erst einmal infiziert, kann der Angreifer damit alles tun, was er will. Er kann sie umleiten oder einfach abstürzen lassen.

Eine solche Software könnte aber auch gegen Lieferdrohnen angewendet werden, um Pakete zu stehlen, ebenso wie die (unfreiwillige) Umwandlung in eine Überwachungsdrohne kein Problem wäre. In einer Demo von Sasi wird eine Parrot AR übernommen (wie es schon Samy Kamkar im Jahr 2013 gelang, s.d.), es soll zukünftig jedoch auch eine ,Anwendung’ für die DJI Phantom geben. Bislang läßt sich die Infektion aber nur aus geringer Entfernung durchführen.

Interessanterweise zeigt im selben Monat auch Dongcheol Hong, Cheftechniker und Direktor der Sicherheitsfirma Seworks, auf der Code Blue Cybersecurity Konferenz in Tokio, wie eine Drohne entführt werden kann, wenn sie der von ihm entwickelten Malware HSDrone von einer Smartphone-App und einer anderen Drohne infiziert wird.


Im August dieses Jahres folgt die Meldung, daß der IT-Experte Michael Robinson auf der Sicherheitskonferenz Defcon eine Untersuchung über die Schwachstellen der Drohne Bebop des Herstellers Parrot präsentiert habe. Er berichtet ebenfalls über erfolgreiche Versuche, die Steuerung der Drohne während des Flugs zu übernehmen.

Dies gelingt, da diese per offenem WLAN-Netz mit dem Steuergerät verbunden ist. Mit Hilfe eines einfachen Deauthentication-Pakets kann aber die Verbindung zunächst getrennt und dann selbst übernommen werden. Und weil dabei auch der eingebaute Sicherheitsmechanismus umgangen wird, kehrt das Fluggerät nicht mehr automatisch an seinen Ausgangsort zurück, so wie es eigentlich geplant ist, sobald die Verbindung zum Steuergerät abreißt. Bei einem Deauth-Befehl stoppen stattdessen schlicht die Rotoren – bis die Drohne entweder abstürzt oder neue Befehle erhält.

Robinson berichtet zudem über eine weitere Sicherheitslücke: So ist es möglich, daß fremde Nutzer während des Flugs auf die Server der Drohne zugreifen und beispielsweise die aufgenommenen Bilder auslesen oder sogar löschen. Was man dann schon wieder zu den Abwehrmaßnahmen zählen kann.


Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die 2010 in Virginia von Robi Sen gegründete Firma Department 13 International Ltd. (D13), die modernste Software und Kommunikationssysteme für Kunden im öffentlichen und privaten Sektor entwickelt.

Die inzwischen in Columbia, Maryland, beheimatete Firma entwickelt auch eine kommerzielle Anti-Drohnen-Plattform, die neuartige Methoden verwendet, um den Benutzern zu ermöglichen, Drohnen automatisch zu erkennen und zu stoppen, umzulenken oder sicher landen zu lassen.

Das Anti-Drohnen-System mit dem passenden Namen Mesmer erkennt potentielle Bedrohungen durch das ,Erschnüffeln’ der WIFI- und GPS-Signale der Drohnen. Wird eine solche entdeckt, schießt der Computer des Systems Signale ab, die sich in die Drohne hacken und die Kontrolle übernehmen.


Da sich Menschen häufig über Drohnen aufregen, die über sie hinweg fliegen und ihre Privatsphäre stören, möglicherweise sogar mit Kameras, bietet die Webseite NoFlyZone.org von Ben Marcus neuerdings eine Lösung für dieses Problem. Hausbesitzer in den USA können ihr Grundstück auf der Webseite anmelden, das dann als Flugverbotszone registriert wird. Ein Beweis, daß es sich tatsächlich um das eigene Grundstück handelt, muß dabei nicht vorgelegt werden. Pro eMail-Adresse soll aber nur ein Grundstück registriert und gesperrt werden können. Innerhalb von 24 Stunden melden sich mehr als 10.000 Menschen an.

Die Macher der Seite arbeiten dabei mit den Drohnen-Herstellern zusammen, die sicherstellen sollen, daß Grundstücke, die auf noflyzone.org registriert sind, mit einer Art digitalem Zaun umgeben werden. Die Drohnen sollen dann so programmiert werden, daß sie vor dem Eintritt in solche geschützten Räume den Piloten informieren, der dann eine alternative Route wählen muß.

Die Umsetzung der Idee hängt natürlich davon ab, wie viele Hersteller sich tatsächlich an einem solchen freiwilligen Programm beteiligen. Bislang sollen sich die Firmen EHANG, Horizon Hobby, DroneDeploy, YUNEEC, HEXO+, PixiePath und RCFlyMaps zur Zusammenarbeit mit noflyzone.org bereit erklärt haben, nicht jedoch die beiden Schwergewichte der Branche, DJI und 3D Robotics.

Leider wird im Mai 2016 gemeldet, daß noflyzone.org nicht mehr existiert. Ben Marcus hatte etwa zur gleichen Zeit, als er die Initiative startete, gemeinsam mit Greg McNeal auch eine Firma namens AirMap gegründet, um Navigations-Apps und -Dienste für Drohnenpiloten, Benutzer und Hersteller zu entwickeln. Diese kann im April 15 Mio. $ Finanzmittel einwerben – worauf sich die Prioritäten wohl verschieben. Zudem hätten die meisten Drohnenhersteller nicht eingesehen, warum sie an einem Regulierungssystem ohne Rechtskraft teilnehmen sollten.

Interceptor MPI 200

Interceptor MPI 200


Eine andere Methode, Drohen aufzuhalten, über die in diesem Monat in den Blogs berichtet wird, nutzt die Abfang-Drohne des vermutlich neu gegründeten französischen Unternehmens M.A.L.O.U. Tech (Mission Aérienne Légère à Organisation Unique), das zur Telekommunikationsfirma Groupe Assmann gehört. Sobald eine unerwünschte Drohne im Anflug ist, setzt sich das mit einem 12 m2 großen Netz ausgestattete Fluggerät in Bewegung, um die andere Drohne einzufangen.

Die Jäger-Drohne namens Interceptor MPI 200, die damit für den Schutz von Atomkraftwerken gut gerüstet ist, ist größer und mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von über 100 km/h auch schneller als alle handelsüblichen Drohnen bis zu 6 kg Gewicht. Sie kann Gefahren selbständig erkennen und das Einfangen geschieht binnen Sekunden und ohne Kompromisse.

Die in Vitry-sur-Seine beheimatete Firma bietet daneben noch eine Erkennungsdrohne MP 200 an, die zur Überwachung gedacht ist und geleitet oder vollständig autonom, allein oder im fliegenden Geschwader Eindringlinge entdeckt.

Und für 1.500 € wird auch ein bodengestützter Werfer namens Ground Interceptor in Größe einer Taschenlampe angeboten, der das Fangnetz mittels CO2-Patronen bis zu 25 m weit schleudern kann. Der Fangnetz-Werfer, der in Europa auch unter dem Namen NetGun vermarktet wird, scheint eigentlich ein Produkt aus den USA zu sein, wo er von The NetGun Store angeboten wird. Es ist besonders bei Tierschutzvereinen beliebt, die damit verschiedene Tierarten schonend und ohne Betäubungsmittel einfangen.

Der Preis der Netzpistole liegt Ende 2016 je nach Anbieter zwischen 950 € und 1.200 €, als offizielle Importeur und Servicecenter für Europa tritt die Schweizer Firma Koller Engineering GmbH aus Zwillikon bei Zürich auf.


Ende des Jahres berichtet die Presse, daß sich auch die Polizei von Tokio für den Kampf gegen illegale Drohnenflüge rüstet, nachdem Anfang Dezember 2015 in Japan ein Gesetz in Kraft getreten ist, nach welchem Drohnen mit einem Gewicht über 200 g registriert werden müssen, wenn sie in der Nähe von Flugplätzen, höher als 150 m oder über dicht bevölkerten Orten geflogen werden.

Bei Verstößen soll eine neu gebildete Einheit die ferngelenkten Flugkörper künftig mit eigenen Netz-Abfangdrohnen vom Himmel holen, die auf einem von der Polizei veröffentlichten Video fast genauso aussehen wie das vorstehende Modell von M.A.L.O.U. Allerdings werden die Maße des Netzes, das unter dem relativ großen Multikopter hängt und in der Luft ausgerollt werden kann, mit 2 x 3 m angegeben.

Doch erst einmal erhält die Polizei nur eine der mit einer Kamera ausgestatteten, ferngesteuerbaren Drohne, da sich die Methode noch bewähren muß.

Drone Catcher

Drone Catcher


Im Januar 2016 erscheint ein weiteres Video. Diesmal stammt es von der Michigan Technological University (MTU), wo Prof. Mo Rastgaar im Rahmen des Projekts Robotic Falconry zusammen mit Kollegen den Prototyp eines recht großen und leistungsstarken Hexacopters konstruiert hat, der über ein Fangnetz im Flugkörper verfügt, das herausgeschossen werden kann um andere Drohnen einzusammeln.

Wird eine illegal fliegende Drohne aufgespürt, nähert sich der Drone Catcher auf 12 m und feuert dann gezielt das Fangnetz ab. Ist das Opfer gefangen, kann der auf einem DJI Phantom-Quadkopter basierende Jäger seine Beute zu dem am Boden wartenden Team tragen.

Die Abwehrdrohne kann vom Boden aus gesteuert werden – ist aber auch in der Lage autonom zu fliegen und die anvisierten Drohnen in Eigenregie einzufangen. Ein Patent, das den intelligenten Algorithmus ebenso wie den Netz-Schuß-Mechanismus samt Flugnetz schützen soll, hat die MTU bereits angemeldet.


Doch das ist noch nicht alles. Bereits im März wird in den Blogs eine Art Bazooka der im Juli 2015 gegründeten Firma OpenWorks Engineering Ltd. aus dem britischen Riding Mill vorgestellt, die vom Boden aus abgefeuert wird und Drohnen ebenfalls mit einem Netz vom Himmel holt – dabei aber beträchtlich stärker als das obige Gerät von M.A.L.O.U.

Die rund 10 kg schwere und 130 cm lange SkyWall 100 ist ein Netzwerfer, der mit einem intelligenten Laser-Zielsystem ausgestattet ist, das die Drohne erfaßt und dem Träger beim Zielen und Abfeuern des Netzes hilft. Basierend auf der Entfernung und Flugrichtung der Drohne errechnet der integrierte Computer den exakten Feuerzeitpunkt und den Zielvektor.

Die Mega-Bazooka feuert mit Hilfe von Preßluft ein 760 h schweres und ebenfalls intelligentes Anti-Drohnen-Projektil (SP40) ab, das in etwas mehr als einer Sekunde bis zu 100 m weit fliegt und kurz vor Erreichen der Drohne vollautomatisch ein 8 m2 großes Netz freigibt, welches sich in den Rotoren verfängt und die Drohne vom Himmel holt. Ein Fallschirm sorgt dann dafür, daß sie anschließend unbeschadet zu Boden gleitet. Das Nachladen eines neuen Projektils soll etwa acht Sekunden dauern.

Für den Privatgebrauch ist die SkyWall 100 aber nicht gedacht, sondern soll wichtige Events und Gebäude schützen. Die Firma nennt als bislang einzige Referenz den Einsatz mehrerer ihrer Systeme während des Abschiedsbesuchs vom Präsident Obama in Berlin im November 2016 – just zu dem Zeitpunkt, als die Vorproduktion der Anti-Drohnen-Waffe beginnt.

OpenWorks Engineering plant zudem noch zwei weitere Modelle. Die SkyWall 200 ist auf einem Stativ montiert, kann stationär aufgestellt werden und soll eine deutlich höhere Reichweite besitzen, während die SkyWall 300 mit nochmal verbesserter Reichweite wie ein Geschützturm permanent aufgebaut wird und als Einzelkomponente in ein automatisches System von mehreren Werfern integriert werden kann. Zur Preisen gibt es keine Angaben, die SkyWall 100 kommt aber tatsächlich noch vor Ende des Jahres offiziell auf den Markt.


Im April 2015 wird erstmals etwas über die am Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) in Südkorea entwickelten Abfang-Drohnen berichtet, die gegen vermutete Spionagedrohnen aus Nordkorea eingesetzt werden sollen. Auch in diesem Fall sollen die autonomen Jäger mit Netzen arbeiten.

Nachdem man anfänglich mit nur einer Drohne gearbeitet hatte, sind die KAIST-Forscher inzwischen zu einem Drohnen-Schwarm übergegangen. Zum Abfangen sollen Drohnen auch als Begleitschutz programmiert werden. Ursprünglich wollte man mehrere Drohnen mit einem großen Netz zum Abfangen konstruieren, doch wegen Wind und der für die Formation schwierigen Positionsbestimmung durch GPS man sich später für kleine Netze entschieden.

Im vorliegenden Fall sind die Netze magnetisch an der Drohne befestigt. Verfängt sich eine feindliche Drohne darin, wird der Magnetismus aufgehoben und die gefangene Drohne stürzt zu Boden. Und auch der Ansatz, Netze aus Kanonen zu feuern, wird in Südkorea verfolgt.

Netz-Landesystem der LUNA-Drohne

Netz-Landesystem
der LUNA-Drohne


Zur Abrundung sei noch noch kurz ein Beispiel für den gegenteiligen Einsatz von Netzen erwähnt. Dabei handelt es sich um die erstmals im März 2000 von der Bundeswehr im Rahmen der KFOR-Mission im Kosovo eingesetzte Aufklärungsdrohne LUNA (Luftgestützte Unbemannte Nahaufklärungs-Ausstattung), die von der oberbayerischen Firma EMT Ingenieurgesellschaft Dipl.-Ing. Hartmut Euer mbH hergestellt wird. 2007 beträgt der Brutto-Stückpreis rund 275.000 €.

Das knapp 40 kg schwere Fluggerät startet mit Hilfe eines Katapultes, besitzt als Antrieb einen Zweizylinder-Zweitakt-Einspritzmotor, und übermittelt die durch Aufklärung in einem Umkreis von 100 km gewonnenen Informationen per Funk an seine Bodenkontrollstation. Dort wird die Flugroute vor dem Start programmiert, kann aber auch während des Flugkurses geändert werden. Die Flugdauer beträgt je nach Nutzlast und Einsatzprofil 6 – 8 Stunden, und die Landung erfolgt an einem Fallschirm - oder mittels autonomem Landeanflug und Netzlandung in dem abgebildeten mobilen Netz-Landesystem (weshalb die Sache hier auch vorgestellt wird).

Im Jahr 2013 wird übrigens bekannt, daß eine LUNA-Drohne im August 2004 in Afghanistan fast eine Katastrophe verursacht hätte, als sie ein Passagierflugzeug der dortigen Fluggesellschaft Ariana, das sich im Landeanflug befindet, nur um wenige Meter verfehlt. Die Drohne gerät dann in die Wirbelschleppe des Airbus A300 und stürzt über der afghanischen Hauptstadt Kabul ab.

Die Videoaufnahmen der Drohnenkamera und der Unfalluntersuchungsbericht werden von der Bundeswehr als geheim klassifiziert, doch Aufnahmen des Zwischenfalls tauchen schon im Dezember 2010 bei YouTube auf. Überhaupt scheint LUNA nicht besonders stabil zu sein, denn mit Stand vom Mai 2013 sind nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums bereits 52 Exemplare der Drohnen abgestürzt, alleine 40 davon zwischen 2004 und 2012 in Afghanistan. Mitte 2013 verfügt die Bundeswehr wieder über 96 Stück der kleinen Spionagedrohnen.


Eine weitere Methode für sichere Drohnenlandungen im Fall von Problemen, hat der junge Videofilmer und Drohnen-Enthusiast Michael A. Pick aus Nashville entwickelt und zum Patent angemeldet. Um sein System zu vermarkten, hatte Pick 2014 gemeinsam mit Steve Smith das Start-Up SkyFallX gegründet.

Sein in nur drei Monaten konzipierter, konstruierter und getesteter SmartChutes, der im April 2015 in den Blogs erscheint, ist ein automatisch funktionierendes Fallschirm-System für Konsumenten-Drohnen, wie es als manuell betriebenes System oder für größere kommerzielle Multikopter bereits existiert.

Wenn der Flugsensor des SmartChutes-Systems anzeigt, daß sich das Flugzeug im freien Fall befindet oder um mehr als 90° gekippt ist, wird der etwa 90 cm durchmessende Fallschirm automatisch und innerhalb von 350 Millisekunden durch eine Feder aus seiner Hülse ausgestoßen. Eine Fallschirmlandung läßt sich aber auch manuell ausführen, indem man die Drohne einfach abschaltet und fallen läßt. SmartChutes läuft mit einem eigenen Akku, so daß es auch dann noch funktioniert, wenn der der Drohnen-Akku tot ist.

Um das Geld zu beschaffen, seinen großen Prototyp zu verkleinern und auch leichter zu machen, startet Pick eine Kickstarter-Kampagne, bei welcher der den SmartChutes zu einem Preis ab 130 $ anbietet. Die mit 25.000 $ geplante Finanzierung dieses Projekts schlägt jedoch fehl, als bis Ende Mai 51 Unterstützer nur 18.067 $ aufbringen. Das Start-Up scheint sich davon aber nicht abhalten zu lassen, die Entwicklung weiterzuführen und in Produktion zu gehen. Auf der Homepage von SkyFallX werden Ende 2016 jedenfalls verschieden Kits und Systeme angeboten – die allerdings schon alle ausverkauft sind.

Snap Drohne

Snap


Daß es noch andere Methoden gibt, einen Crash mehr oder minder unbeschadet zu überstehen, beweist die Snap Drohne der Firma Vantage Robotics von Tobin Fisher und Joe van Niekerk, die im September 2015 in den Fachblogs vorgestellt wird.

Der kleine, rund 500 g wiegende Quadrokopter mit kardanisch stabilisiertem (Gimbal) 4K-Kamerapaket und microSD-Karte kann mit seinem 2.500 mAh Li-Poly-Akku pro Ladung 20 Minuten in der Luft bleiben. Die Steuerung der Drohne erfolgt über ein iOS- oder Android-Gerät mit einer Wi-Fi-Reichweite von 150 m, sie kann vorprogrammierte Manöver autonom ausführen, ihre maximale Geschwindigkeit liegt bei 15 m/s, die Flughöhe bei maximal 5.000 m. Weitere Merkmale sind eine GPS-unterstützte Navigation, eine Return-Home-Funktion und ein Ultraschall-Bodensensor.

Das Besondere an der Snap sind allerdings die Rotoren, die mittels einfacher Magnethalterungen mit dem Rumpf verbunden sind. Dadurch läßt sich die Drohne zum Transport zerlegen – doch auch bei Stößen lösen sich die geschützten Rotoren ab, was eine dauerhafte Beschädigung verhindern soll. Nach Vorbestellungen zum reduzierten Preis von 895 $ soll der offizielle Verkaufspreis später bei 1.295 $ liegen und die Auslieferung im Frühjahr 2016 erfolgen.


Doch nicht immer sind sanfte Landungen das Ziel - insbesondere nicht im Fall von Abwehrmaßnahmen. Über eine Laserwaffe aus China, die kleine Drohnen binnen fünf Sekunden nach ihrer Ortung und über eine Entfernung von bis zu 2 km vom Himmel holen kann, hatte ich bereits im November 2014 berichtet (s.d.). Und auch die U.S. Navy hat letztes Jahr eine Laserabwehr auf See vorgestellt.

Es ist daher sinnvoll, eine zusammenfassende Übersicht des aktuellen Stands an dieser ,Front’ zu geben, um die weiteren Entwicklungen auch richtig einordnen zu können.


Der möglicherweise weltweit erste tatsächliche Einsatz ist der im November 1973 erfolgreich verlaufene Versuch des US-Militärs, einen Laser einzusetzen, um eine Drohne aus dem Himmel zu schießen. Das Laserprogramm war Teil des Project Delta, einer Initiative der ARPA (heute: DARPA) zur Entwicklung von Waffenlasern. Insgesamt gab es im Laufe des Projekts 14 Drohnenntests, bei denen die damals ersten offensiven Laserwaffen dazu verwendet werden, um auf der Kirtland Air Force Base in New Mexico ferngesteuerte Objekte abzuschießen.

Das Militär wollte Laser als Waffen nutzen, von dem Moment an, als er erfunden wurde. Als ein wichtiger Wendepunkt gilt dabei die Kuba-Krise vom Oktober 1963, nach der das US-Militär die Sowjets waffentechnologisch unbedingt überrunden wollen und als die passende Antwort Laser ins Auge fassen.

Präsident J. F. Kennedy hievt Project Defender, ein ballistisches Raketenabwehrprogramm, auf die höchste nationale Prioritätskategorie. Dies trägt dazu bei, daß auch der Laserforschung erhöhte Bedeutung zugemessen wird und die Mittel bereitwilliger fließen, in der Hoffnung, Laser als Anti-Raketen-Waffen zu entwickeln, um für zukünftige Konfrontationen besser vorbereitet zu sein.

Im Jahr 1968 beginnt ARPA die Arbeit an einem Projekt namens Eighth Card, das sich in den 1970er Jahren zum o.g. Projekt Delta weiterentwickelt. Der Name des Programms wurde von der Poker-Variante Seven Card Stud inspiriert, bei der jeder Spieler bis zu sieben Karten erhält. Die ,achte Karte’ in dieser Schlacht des Kalten Krieges wären dann Laserwaffen, die im Falle eines Atomkrieges gegen die Sowjetunion eingesetzt werden sollten. Das ultimative Ziel war es, Flugzeuge der U.S. Air Force mit diesen Lasern auszustatten.

Bis dahin müssen sich die Akteure aber mit einen auf dem Boden montierten Laser bescheiden – mit dem Eighth Card dann im November 1973 in New Mexico Geschichte macht, als eine Northrop MQM-33B Drohne erfolgreich während des Fluges abgeschossen wird.

Mitte der 1970er Jahre kommen weitere Zweige des Militärs dazu, da schließlich auch die Armee und die Marine das große Potential der Laser-Waffen erkennen, die nun nicht mehr auf Experimente der ARPA, der Luftwaffe und ihren privaten Auftragnehmern beschränkt bleiben. Im Sommer 1976 setzt die beispielsweise die U.S. Army einen Entladungslaser der Firma AVCO Corp. ein, um auf dem Militärstützpunkt in Redstone Arsenal, Alabama, langsam fliegende (480 km/h), 4,60 m lange Starrfügel-Drohnen von Beech Aircraft sowie Hubschrauberdrohnen zu deaktivieren.

Die U.S. Navy ist dagegen erst im März 1978 erfolgreich, als es ihr gelingt, in der Nähe von San Juan Capistrano in Kalifornien mit einem eigenen Lasersystem eine TOW-Panzerabwehrrakete abzuschießen. Dabei kommen ein von TRW gebauter 400 kW Deuteriumflourid-Hochenergie-Chemie-Laser sowie ein Präzisions-Tracker der Hughes Aircraft Co. zum Einsatz.


Heute sind Laserwaffen Teil eines wachsenden Feldes, das als gerichtete Energiewaffen bekannt ist. Das US-Militär räumt ein, daß es sowohl im Irak als auch in Afghanistan Laserwaffen eingesetzt habe. Zu diesen gehört beispielsweise das ZEUS-HMMWV Laser Ordnance Neutralization System (ZEUS o. ZEUS-HLONS) zur Kampfmittelbeseitigung in Kriegsgebieten, ein auf einem gepanzerten HMMWV montierter 10 kW Feststofflaser mit einer maximalen Reichweite von 300 m. Dieser erhitzt die Metallhülle der zu zerstörenden Munition, was zu einer langsamen Verbrennung des Sprengstoffes führt und eine relativ schwache Explosion zur Folge hat.

Das System wird 2003 auf die Bagram Air Base in Afghanistan zur Beseitigung von Blindgängern und Altmunition eingesetzt und 2005 in den Irak verlegt (inzwischen ist es möglicherweise in Syrien zugange).

MATRIX-Test

MATRIX-Test


Als 2009 die Air Force und die Firma Boeing mit ihrem Mobile Active Targeting Resource for Integrated eXperiments (MATRIX) Laser insgesamt fünf Drohnen in verschiedenen Entfernungen abschießen, wird die Sache als eine unglaubliche Neuentwicklung behandelt.

Wie wir gesehen haben, ist es tatsächlich aber Höhepunkt einer jahrzehntelangen Forschung (mehr über Boeing s.u.).


Ebenso gefeiert wird im Jahr 2010 der erfolgreiche Abschuß einer Drohne vom Himmel gefeiert, der diesmal durch einen Laser der U.S. Navy erfolgt.

Die Marine testet ihr Laser Weapons System (LaWS) bereits seit ein paar Jahren – eine Sechs-Laser-Kanone, die durch den Phalanx Block 1B gesteuert wird, der die Ziele mit elektro-optischen Systemen sowie Messung der Reichweite mit Hochfrequenz-Sensoren identifiziert und verfolgt, worauf das LaWS die Energie seiner sechs Strahlen auf einen Punkt konzentriert, bis das Flugzeug zerstört ist.

Eines der Hauptvorteile von Laser-Waffensystemen ist, daß ihr Einsatz kaum etwas kostet. Schätzungen der Navy beziffern den einzelnen Laserschuß auf etwa 1 $.

LaWS auf der USS Ponce

LaWS auf der USS Ponce

Im Dezember 2014 stellt die Navy ausgerechnet im Arabischen Golf vor der Küste des Iran ein 30 kW Schiffs-Lasersystem vor, das in der Lage ist, Ziele wie Boote oder Flugzeuge mit einer hohen Punktgenauigkeit zu zerstören. Das Prototyp-Gerät einer fortgeschrittenen Version des LaWS ist auf der USS Ponce montiert.

Die Gesamtkosten für die Installation des Systems auf dem Ponce, einschließlich seines separaten Stromerzeugungssystems, den Kühlsystemen und der Kontrollstation, hätten 40 Mio. $ betragen. Im Zorn ist der Laser noch nicht abgefeuert worden, was auch nur sinnvoll ist, denn gemäß dem Protokoll IV der Genfer Konvention, das 1995 hinzugefügt wurde, ist der Einsatz von Laserwaffen gegen den Menschen verboten.


Neben den vorstehend genannten Institutionen und Firmen verfolgen auch die DARPA und die U.S. Air Force eigene Pläne zur Entwicklung von Elektro-Laser-Waffen.

Die Forschungsbehörde des Pentagon vergibt hierzu an die Firma General Atomics Aeronautical Systems Inc. (GA-ASI)  – dem Hersteller der tödlichen Predator-Drohnen – einen Vertrag in Höhe von 40 Mio. $ für die, wie man hofft, letzte Phase einer jahrzehntelangen Anstrengung, die bislang 120 Mio. $  verschlungen hat. Dabei geht es um die Entwicklung und Herstellung von Lasermodulen, die als Dauerstrichlaser (continuous-wave laser, cw-laser) 150 kW Leistung erzeugen.

Nachdem die Fertigung der ca. 750 kg schweren Module das High Energy Liquid Laser Area Defense System (HELLADS) im Jahr 2012 abgeschlossen ist, die zehnmal kleiner und leichter als aktuelle Laser ähnlicher Leistung sind, gibt das Militär im Januar 2013 bekannt, daß es die flüssigkeitsgekühlten Festkörperlaser noch in diesem Jahr in Bombern und Kampfjets installieren wird. Mit den Tests soll 2014 begonnen werden – was sich dann aber bis zum Mai 2015 verzögert.

GA-ASI stellt zu diesem Zeitpunkt auch einen Gen 3 High Energy Laser (HEL) vor, mit dem zunächst die Predator-C-Drohne Avenger, aber auch Fahrzeuge und Schiffe ausgerüstet werden sollen. Die Laserwaffe kann einen 50 kW oder 75 kW Strahl erzeugen, wobei durch eine Bündelung von mehreren Modulen auch entsprechend höhere Leistungen bis 300 kW erreicht werden können. Das Unternehmen hofft, die mit dem Laser ausgestatteten Avenger-Drohnen ab 2017 verkaufen zu können.


Gemeinsam mit Lockheed Martin führt die DARPA zudem Tests mit einem weiteren ,Selbstverteidigungslaser’ durch, der unter dem Namen Aero-Adaptive/Aero-Optic Beam Control bekannt wird. Nach umfangreichen Windkanal-Versuchen soll als nächstes ein verkleinertes Modell in einem realen Flugzeug installiert werden.


Ganz aktuell ist eine Meldung vom Juni 2015, der zufolge auch das Rüstungsunternehmen MBDA Deutschland GmbH einen Laser hergestellt habe, der dem Abschuß von Drohnen dienen soll – wobei es sich aber primär um die militärischen Ausführungen handelt.

Mit der Laser Effect genannten Waffe gelingt es der MBDA eine fliegende Drohne aus 2,5 km Entfernung auszuschalten. Nach anderen Quellen erwischt das Gerät eine Mini-Drohne in drei Sekunden, die jedoch nur gute 500 m weit weg ist. Das Unternehmen plant nun, die Reichweite innerhalb von fünf Jahren auf 5 km zu erhöhen.

Technisch gesehen besteht die Waffe aus vier 10 kW Lasern, die durch einen Spiegel zu einem Strahl zusammengefaßt werden, der von einem optischen Sensor automatisch zu einem Ziel geführt wird. Die Firma betont, daß der Laser trotzdem klein genug ist, um in ein Fahrzeug geladen werden. Einsetzen will MBDA den Laser im kommenden Jahr auf dem G7-Gipfel in Japan. Und auch für die Olympischen Sommerspiele 2020 Tokio besteht erhöhte Nachfrage nach Sicherheit.


Im Juli 2015 berichten die Medien, daß auch die Bundeswehr spätestens seit 2013 an Laserwaffen forscht – und dafür bislang 80 Mio. € investiert hätte, mehr oder weniger in heimlicher Mission und ohne Zustimmung des Bundestags. Noch im letzten Herbst distanzierte sich die Bundesregierung von der Vermutung, daß sich das Verteidigungsministerium auch mit der Entwicklung von Laserwaffen beschäftigen würde. Was – wieder einmal – eine Lüge war.


Im August folgt der Bericht über eine Weiterentwicklung der Firma Boeing, die im Rahmen eines 36 Mio. $ Vertrags ab 2008 daran arbeitet, für die U.S. Army ein mobiles Laserwaffensystem zu bauen. Schon im August jenes Jahres meldete das Unternehmen den ersten Testschuß mit einer realen Strahlenkanone, als Boeings Advanced Tactical Laser – ein modifiziertes C-130H Flugzeug – auf der Kirtland Air Force Base in New Mexico mit seinem hochenergetischen chemischen Laser auf ein Bodenziel feuert.

Laser Avenger

Laser Avenger

Im Dezember 2009 schießt eine weitere Strahlenwaffe auf fliegende Ziele. Diesmal ist es der auf einen Humvee montierte Laser Avenger von Boeing, der in White Sands ein unbemanntes Luftfahrzeug neutralisiert. Die Waffe war schon 2007 erfolgreich gegen feststehende Ziele eingesetzt worden, und dies, obwohl ihre Laserleistung nur 1 kW beträgt.

Bereits 2009 kann Boeing einen 105 kW Laser vorführen, der einen beträchtlichen Fortschritt darstellt, denn als das Militär im Jahr 2003 sein Joint High Power Solid State Laser (JHPSSL) Programm startete, konnten diese Laser kaum mehr als 10 kW kohärentes Licht erzeugen.

Der neue Boeing-Laser ist aber groß, empfindlich und erfordert riesige Kühlaggregate und Generatoren, weshalb die Army 2010 die Robust Electric Laser Initiative (RELI) startet, um den Laser so weit zu verkleinern, daß er auf einen LKW paßt (s.u.). Im Juni 2011 wird dann die erste Version des mobilen Trägers gezeigt, ein achträdriger, 19 Tonnen schwerer Lastwagen, dem allerdings noch etwas Entscheidendes fehlt: der Laser selbst.

Die eigentlichen Strahlenkanone wird nämlich unter einem völlig separaten Programm gebaut, das erst in weiteren fünf Jahren abgeschlossen sein wird. Die Integration des Lasers in den Lkw könnte dann nochmals ein oder zwei Jahre dauern, sodaß mit einer funktionierenden Laserkanone nicht vor 2017 zu rechnen ist. Dabei rechneten die National Academies schon 2008 damit, daß es zusätzliche 100 Mio. $ kosten wird, bis die Laser bereit für das Schlachtfeld sind.

Mitte 2014 zeigt Boeing auf der Eglin Air Force Base in Florida seinen High Energy Laser Mobile Demonstrator (HEL MD) und belegt eindrucksvoll, wie man mit der Laserkanone Drohnen und 60 mm Mörsergranaten im Flug sprengt – und dies sogar bei Wind und Nebel, was als wesentlicher Schritt zum Nachweis der Anwendbarkeit für die Marine betrachtet wird.

Der HEL MD verwendet ein Teleskop und eine Infrarot-basierte Kamera mit breitem Sichtfeld, um Ziele zu lokalisieren und zu markieren, sowie einen 10 kW Laser, um während der Vorführung mehr als 150 Ziele zu zerstören. Die Bank aus Lithium-Ionen-Batterien, die den Laser mit Strom versorgen, wird von einem 60 kW Dieselgenerator nachgeladen. Als nächster Schritt ist die Steigerung der Laserkanonenenergie auf den ,taktisch signifikanten Leistungspegel’ von 50 kW oder 60 kW geplant.

Die Laserkanone wird aber voraussichtlich erst in mehreren Jahren gegen eintreffende Raketen, Artillerie- und Mörsergranaten sowie UAV-Drohnen im Einsatz sein.

Nun, im August 2015, testet Boeing in einem Industriepark in Albuquerque, New Mexico, sein Compact Laser Weapon System öffentlich für die Medien. Der Präzisions-Laser, der speziell entwickelt wurde, um unbemannte Flugzeuge und Drohnen abzuschießen, ist eine viel kleinere und deutlich mobilere Version des HEL MD. Das kompakte System ist klein genug, um in vier Kofferboxen zu passen, und kann von einem Paar Soldaten oder Technikern in wenigen Minuten zusammengebaut werden.

Der Laser sieht aus wie eine übergroße Kamera, die auf einem Stativ steht – und die bei voller Leistung innerhalb von zwei Sekunden Löcher in das Komposit-Gehäuse einer stationären Drohne brennen kann. Dabei ist das System mehr Skalpell als Vorschlaghammer. Sein Laser, und vor allem die kardanische Steuerung, machen es präzise genug, um auf verschiedene Teile eines UAV zu zielen. Damit gelingt es, z.B. nur das Heck zu treffen, damit die Drohne weitgehend intakt abstürzt und untersucht werden kann. Ebenso kann man das Fluggerät komplett zerstören, falls der Verdacht besteht, daß es Sprengstoff trägt.

Einen Preis für das Systems, das in ein oder zwei Jahren auf den Markt kommen soll, nennt Boeing bislang nicht. Das langlebige und wartungsarme Gerät (der Kardanring ist das einzige bewegliche Teil) verursacht kaum laufende Kosten, da es keine traditionelle Munition gibt. Die einzig notwendige Elektrizität kann von jeder 220 V Steckdose, von einem Generator oder einem Akku kommen, wofür Boeing auch gleich mehrere Batterielösungen anbietet.


In diesem Zusammenhang soll noch erwähnt werden, daß sich auch die Firmen Lockheed Martin, Raytheon, Northrop Grumman und General Atomics mit der Entwicklung von Laserwaffen beschäftigen. Raytheon hatte beispielsweise schon im Juni 2006 bei einer Machbarkeits-Demonstration am Sandia National Laboratory mit einem Bündel kommerziell gekaufter 20 kW Faser-Laser Mörsergranaten zur Explosion gebracht.

Im Juli 2010 berichtet die Fachpresse, daß das US-Verteidigungsministerium im Rahmen der o.g. Robust Electric Laser Initiative (RELI) der U.S. Army im Vormonat langfristige Verträge mit den Militärunternehmen Lockheed-Martin (im Umfang von 14,7 Mio. $) und Raytheon (9,1 Mio. $) geschlossen habe, um ein 100 kW Waffen-Lasersystem zu entwickeln – mit einem geschätzten Fertigstellungstermin im Dezember 2016. Die Idee hinter RELI ist, einen 25 kW Laser zu produzieren, der dann auf 100 kW Leistung hochskaliert und verwendet werden kann, um feindliche Flugkörper aller Art abzuschießen.

Raytheon hatte schon 2008 den Prototyp eines Laser Air Defense System (LADS) gezeigt, das ein 50 kW Faserlaser-Bündel verwendet, um seine Ziele zu zerstören. Zu Beginn des darauf folgenden Jahres wird der Laser Centurion Demonstrator vorgestellt, der entworfen wurde, um feindliche Mörsergranaten zu Explosion zu bringen, bevor sie die Truppen und Basen treffen können.

Da Faserlaser aber nur eine Option sind, um Waffenklassen-Hochleistungslaser herzustellen, basiert Raytheons neuer Ansatz auf einer Planarwellenleiter-Technologie (planar waveguide, PWG), mit der sich Laser der 100 kW Klasse herstellen lassen sollten, die nur 30 – 40 cm lang sind. Es wird erwartet, daß diese Arbeiten im Juni 2017 abgeschlossen werden.

Die im Rahmen des Projekts ebenfalls beauftragte Firma Northrop Grumman (8,7 Mio. $) plant wiederum, eine besondere Strahlkombinationstechnik zu verwenden, die auf einem zweidimensionalen, diffraktiven optischen Element basiert, um eine Laserleistung von 25 kW zu erreichen.

Raytheon

Phaser

Themenbezogen und chronologisch vorweggenommen ist eine Meldung vom November 2016, nach der die U.S. Army eine weitere von Raytheon entwickelte Waffe prüft, die als Phaser bezeichnet wird und neben Drohnen – sogar im Schwarm – praktisch alles elektronische mit einem Streich der 120-cm-Schüssel deaktivieren kann. Das Phänomen ähnelt dem, das durch einen elektromagnetischen Puls (EMP) erzielt wird.

Die Tests des Phaser im Fort Sill, Oklahoma, hatten schon im Jahr 2013 begonnen, wurden aber erst vor kurzem freigegeben. Bestimmte Details, wie die maximale Leistung der Waffe, sind noch immer geheim.

Zum Hintergrund: Der Luftverteidigungszweig der Armee, der seit Jahrzehnten wegen der überwältigenden Luftüberlegenheit Amerikas nicht viel zu tun hatte, ist nun wieder gefordert, um eine neue Bedrohung zu bekämpfen, vor allem angesichts der Angriffe des sogenannten ,Islamischen Staates’. Die Luftverteidiger testen die gerichtete Phaser-Energiewaffe, um insbesondere feindliche Drohnen abzuschießen.

Der Phaser ist ein hochleistungsfähiger Mikrowellenstrahl-Sender, der oben auf einem 20-Fuß-Container gesetzt wird. Begleitende Radarsysteme erkennen und verfolgen das Ziel und übergeben die Zieldaten an den von einem Dieselgenerator angetriebenen Phaser. Worauf dieser einen Mikrowellenenergie-Stoß in Richtung der ankommenden Drohnen lenkt, welcher die Steuerungssysteme brät, ihre Motoren stoppt und sie aus der Luft fallen läßt. Und wo ein Laser jede Drohne in einem Schwarm einzeln abschießen müßte, könnte der Phaser mit einem einzigen Schuß einem ganzen Schwarm den Garaus machen.

Die Versuche wurden gegen Drohnen der Modelle Flanker und Tempest durchgeführt, zwei kommerziell erhältliche Starrflügler. Tempest kann beispielsweise mit Geschwindigkeiten von mehr als 110 km/h bis rund 4 kg Nutzlast transportieren und wäre – als die ,Cruise Missile des armen Mannes’ – für gewöhnliche Schützen sehr schwer zu treffen.

HEL von Rheinmetall

HEL von Rheinmetall


Auf der Defence and Security Equipment International (DSEI) im September 2015 stellt auch Rheinmetall Defence ein unabhängig entwickeltes Laser-System vor, an dem seit mindestens fünf Jahren gearbeitet wird. Den Funktionsbeweis der High Energy Laser (HEL)-Effektoren hatte das Systemhaus Mitte Oktober 2013 bei einer Hochenergielaser-Live-Demonstration auf dem firmeneigenen Erprobungszentrum geliefert, als erstmals in Europa Laserwaffen mobil zum Einsatz kommen.

Dabei werden u.a. Innerhalb von fünf Sekunden fünf 82-mm-Mörsergranate aus 1.000 m Entfernung zerstört, mehrfach kurz hintereinander per Luftdruck verschossene Stahlkugeln mit 82 mm Durchmesser getroffen, sowie eine VTUAV-Aufklärungsdrohne durch Zerstörung ihrer Optronik neutralisiert.Die Wirkreichweite des ursprünglichen HEL-Technologiedemonstrators war zwischenzeitlich um 1.000 m auf aktuell 3.000 m gesteigert worden.

Höhepunkt der Demonstration ist der erfolgreiche Abschuß dreier kurz hintereinander ins Zielgebiet einfliegender UAVs mit Düsenantrieb, die einen Angriff simulierten. Die Presse beschreibt es eindrucksvoll: „Die Drohne explodiert mit lautem Knall. Glühende Trümmer sinken im Rheinmetall-Erprobungszentrum Ochsenboden in der Schweiz zu Boden. Die lautlose Waffe, die das unbemannte Luftfahrzeug abschoß, ist ein Hochenergielaser mit einer Leistung von 30 kW.“

Meldungen vom Februar 2016 zufolge hat Rheinmetall den Einsatz der Laserwaffe nun auch auf einem Kriegsschiff der Bundesmarine getestet, wobei der 10 kW Laser vom Schiff aus UAVs und Kleinstfahrzeuge verfolgte. Von einer tatsächlichen Zerstörung der erfaßten Ziele ist in der Mitteilung aber nicht die Rede, die Erprobung beinhaltete offensichtlich nur das Tracking, also das Erfassen und Verfolgen der Ziele.


Ein besonderer Einsatzbereich dieser Waffen sind die sogenannten luftgestützten Laser (Airborne Laser, ABL), was nicht anderes heißt, als daß sie auf Flugzeugen installiert sind, um Ziele in der Luft und am Boden anzugreifen.

Airborne Laser

Airborne Laser

Die U.S. Air Force beschäftigt sich schon seit den 1970er Jahren mit Konzepten für eine luftgestützte Laserwaffe und montiert im Rahmen des Programms Airborne Laser Laboratory (ALL) einen Laser an Bord eines umgebauten Tankflugzeugs KC-135A Stratotanker. Der erste Versuch im Juni 1981, damit eine Luft-Luft-Rakete abzuschießen, scheitert zwar, doch bis Mitte der 1980er Jahre gelingt es, fünf AIM-9 Sidewinder Luft-Luft-Raketen sowie eine BQM-34A Ziel-Drohne der Navy aus kurzer Distanz zu zerstören oder wenigstens abzulenken.

Nachdem der US-Verteidigungshaushalt 1994 erstmals Mittel zur Entwicklung eines derartigen Systems bereitstellt, arbeitet die Luftwaffe ab 1998 gezielt an der Umsetzung des Projekts, das nun pragmatisch Airborne Laser (ABL) genannt wird. Im Jahr 2000 wird eine neue Boeing 747-400F beschafft, in welche die Lasertechnik die Ende 2002 eingebaut wird. Im Flug wird der aus sechs Modulen bestehende chemische Sauerstoff-Iod-Laser erstmals im März 2007 abgefeuert.

Das Programm, das im Netz ausführlich dokumentiert ist, wird aus Kostengründen Anfang 2012 beendet. Bis dahin soll das zwölfjährige Projekt 3,8 Mrd. $ verschlungen haben.


Zu den weiteren Drohnen-Abwehrmaßnahmen, die in diesem Jahr bekannt werden, gehört ein besonders cleveres System der o.e. KAIST-Forscher, das im August 2015 in den Blogs vorgestellt wird. Dabei handelt es sich um eine einfache Methode, Drohnen vom Himmel zu holen, indem deren Bord-Gyroskope mit Schall gestört werden.

Hierbei nutzen sie das Resonanz-Phänomen, das jeder kennt, der schon einmal mit dem angefeuchteten Finger um den Rand eines Weinglases gefahren ist, bis dieses anfing, einen Ton zu erzeugen. Nun stellt sich heraus, daß der gleiche Ansatz verwendet werden kann, um eine Drohne mitten im Flug zu deaktivieren. Dies wird möglich, da viele Elektronikgeräte so ausgelegt sind, daß sie bei hohen Frequenzen weit über dem Bereich des menschlichen Gehörs schwingen, um sicherzustellen, daß übliche Geräusche ihren Betrieb nicht beeinflussen.

Die Forscher entdecken, daß viele Drohnen tatsächlich billigere Gyroskope verwenden, die in Resonanz treten, wenn sie einem bestimmten Klang ausgesetzt sind. Fängt ein Gyroskop aber an zu schwingen und zu vibrieren, verliert es seine Fähigkeit, die Balance zu halten und bringt die Drohne schnell zum Absturz. Um die Resonanz zu induzieren, müssen die auftreffenden Schallwellen allerdings laut und intensiv sein. Bei den Tests gelingt dies, indem ein Lautsprecher direkt auf das Drohnengehäuse gerichtet wird.

Da dies in einer Notsituation, in der Polizei- und Feuerwehrpersonal versuchen, den Himmel frei zu machen, kaum machbar ist, überlegen die Wissenschaftler, ob es nicht auch möglich wäre, eine Drohne mit Schallwellen aus der Ferne zum Absturz zu bringen. Ein Flugobjekt, das bis zu 40 m entfernt ist, sollte sich mit ungefähr 140 deaktivieren lassen.

Eine derartige Abwehrmaßnahme ist nicht unmöglich – Militär- und Strafverfolgungsbehörden verfügen bereits über nicht-tödliche akustische Waffen, wie z.B. das sogenannte Long Range Acoustic Device (LRAD) des US-Streitkräfte, eine Schallkanone, die Ziele in einer Entfernung von bis zu 9 km erreichen kann.X5034aa

DroneDefender

DroneDefender


Statt Schall, lassen sich aber auch andere Wellen nutzen, wie die amerikanische Forschungsgesellschaft Battelle im Oktober meldet. Mit einer DroneDefender genannten Waffe, die wie ein Strahlengewehr aussieht und starke elektromagnetische Störsignale verwendet, um ihr Ziel zu erreichen, sollen Drohnen künftig vom Himmel geholt werden können, ohne sie zu beschädigen.

Die Störungswellen, deren Reichweite mit 400 m angegeben wird, sollen die Verbindung der Drohne zu ihrer Fernsteuerung blockieren, worauf die Fluggeräte in der Regel nach einem festen Muster reagieren: Manche fliegen zu ihrem Startpunkt zurück, andere landen an Ort und Stelle und einige fallen einfach herunter.

Die ersten der rund 5 kg schweren DroneDefender, die mit einer Akkuladung fünf Stunden lang betrieben werden können, sollen Anfang kommenden Jahres ausgeliefert werden. Bestellungen werden nur von Behörden angenommen, ein Preis wird noch nicht genannt.

Im Februar 2017 wird bekannt, daß die bei Mossul stationierten US-Bodentruppen mit dem Antidrohnen-Gewehr ausgerüstet wurden, nachdem der sogenannte ,Islamische Staat’ mit Beginn des Jahres zunehmend Drohnen zum Abwurf von Bomben einsetzt. Außerdem erteilt das Pentagon einen Auftrag über 15,6 Mio. $, um dafür 21 nicht näher beschriebene, tragbare Luftabwehrsysteme der israelischen Rüstungsfirma ELTA zu kaufen.

Möglicherweise handelt es sich um das Drohnenabwehrsystem Drone Guard, das mit Radar und elektrooptischen Sensoren kleine Drohnen bis auf eine Entfernung von 20 km entdecken und identifizieren soll. Zudem verfügt es – integriert oder als separat einsetzbar – über ein Jamming-System für elektronische Angriffe, das auch zur Abwehr von Schwärmen geeignet sein soll. Es ist seit letztem Jahr auf dem Markt.


Ebenfalls im Oktober wird auf der Jahrestagung der Association of the United States Army (AUSA 2015) ein Cybergewehr vorgestellt, das von Hauptmann Brent Chapman vom Army Cyber Institute (ACI) in West Point  konstruiert worden ist, um Quadrokopter abzuschießen. Dabei ist der Name ein wenig irreführend, da es sich nicht wirklich um ein Gewehr handelt – sondern um eine Kombination aus einem Raspberry Pi (einem Einplatinencomputer) und einer Wi-Fi-Antenne, welche eine bekannte Sicherheitslücke bei Parrot-Drohnen nutzt, denen der Befehl über einen offenen Telnet Port gesendet werden kann, den Motor auszuschalten.

Die Gewehr-Form sei nur deshalb gewählt worden, um es für Militärs leichter machen, die taktische Anwendung von Cyber-Waffen zu verstehen. Dabei ist das Gerät nicht auf Drohnen beschränkt, sondern kann auch Lichter ausschalten oder die Türen eines kleinen Bunkers öffnen – zumindest innerhalb einer Ausstellungshalle. Die Teile des Cybergewehrs kosten gerade einmal 150 $.


Im gleichen Monat Oktober wird ein mobiles und selbstfeuerndes Abwehrsystem präsentiert, das Drohnen ebenfalls mittels starker und gezielter Radiowellen zum Absturz bringt, indem diese die Steuerungseinheit des Fluggeräts stören. Das Anti-UAV Defence System (AUDS) ist zwar beträchtlich größer als das vorstehende DroneDefender-Gewehr, dafür hat sein gerichtete 4 W Strahl aber eine Reichweite von bis zu 2 km, bei Minidrohnen sogar noch mehr. Entdecken kann es Drohnen aus einer Entfernung von 8 km.

Der gesamte Prozeß dauert 8 – 15 Sekunden und bietet verschiedene Neutralisierungsoptionen, die das vorübergehende Einfrieren der Drohne beinhalten, so daß der Pilot denkt, sie hätte einen technischen Ausfall, das Initiieren einer erzwungenen Landung oder das Sperren des Geräts, bis die Batterie leer ist und es zu Boden stürzt.

Gebaut wird das Abwehrsystem von insgesamt drei britischen Unternehmen, die jeweils eine Technologie zur Verfügung stellen: Blighter Surveillance Systems liefert den Radar, der elektromagnetische Felder und Veränderungen in der Luft erkennt; Chess Dynamics die Tag- und Nachtsichtkameras mit Infrarot-Erkennung; und Enterprise Control Systems Ltd. die Radiowellen-Kanone selbst.

Das Verteidigungs-System, dessen Preis  bei 1,2 Mio. $ liegt, ist zudem in der Lage, optische Störsignale zu versenden und somit die Sicht der Drohnen-Kamera zu stören.

Im Mai 2016 meldet die Fachpresse, daß das AUDS, dessen Reichweite inzwischen mit bis zu 10 km angegeben wird, nun seitens der Federal Aviation Administration (FAA) auf ausgewählten Flughäfen getestet werden soll. Die Entwickler haben zwischenzeitlich mehr als 400 Stunden lang Versuche durchgeführt und glauben, daß die Technologie bereit ist, das Problem der Flughafenbetreiber mit Drohnen zu lösen.

Das System kann auch dazu beitragen, unverantwortliche Piloten aufzuspüren, indem es den Behörden Beweise wie Videomaterial oder Radarspuren zur Verfügung stellt. Der FAA zufolge gehen zur Zeit monatlich mehr als 100 Berichte über Drohnensichtungen in der Nähe von Flughäfen und Flugzeugen ein.


Neben dem AUDS gibt es ähnliche Systeme auch von andereen Herstellern. Die deutsche Firma Elektroniksystem- und Logistik-GmbH (ESG) aus Fürstenfeldbruck beispielsweise, die seit fünfzig Jahren sicherheitsrelevante Elektronik- und IT-Systeme für Militär, Behörden und Unternehmen entwickelt, integriert und betreibt, bietet ab Anfang 2015 auch Lösungen zur Erkennung und Abwehr von Drohnen an. Im Mittelpunkt steht dabei die Integration elektronischer Detektions-, Verifikations- und Abwehrsysteme, die auf der Technik des deutschen Rüstungskonzerns Diehl Defence und der niederländischen Firma ROBIN Radar Systems basieren.

Nach Demonstration der Lösung im Frühjahr vor Repräsentanten der Sicherheitskräfte sowie der Bundeswehr, kommt das System im Juli in die Presse, als es der Militärzuliefer ESG erfolgreich zum Schutz des G7-Gipfels einsetzt. Es soll sich auch während des Besuchs des damaligen US-Präsidenten Obama auf der Hannover Messe im Juni 2016 bewähren. Als Führungs- und Lagedarstellungsmittel wird übrigens das ebenfalls von der ESG entwickelte System TARANIS verwendet.

Im Februar 2017 wird das bislang namenlose, modulares Drohnenabwehrsystem erstmals einem internationalen Fachpublikum in Form einer Live-Demonstration präsentiert. Im Sommer soll dann ein Perster rototyp auf den Markt gebracht werden.

Anti-Drohnen-Munition

Drohnen-Munition


Mehr für den Privatgebrauch, wesentlich preiswerter und in erster Line für die USA gedacht, sind die Shotgun-Patronen der Munitionsfirma Snake River aus Boise, Idaho, die im August 2015 in den Handel kommen.

Die explizit als Drohnen-Munition vermarkteten Produkte, speziell angefertigte Schrotflintenpatronen vom Kaliber 12 Gauge, sind entworfen worden, um unerwünschte Fluggeräte aus dem Himmel zu sprengen.

Der gegenwärtigen Rechtslage nach ist das Beschädigen eines fliegende Roboters ein Verbrechen. Zudem ist eine Drohne in den Augen des Gesetzes ein vollwertiges Flugzeug, was bedeutet, daß das Abschießen einer Drohne genauso betrachtet wird wie der Versuch, eine 747 zu beschädigen. In den USA kann dies mit Gefängnis bis zu 20 Jahren und/oder einer Geldbuße von bis zu 1 Mio. $ geahndet werden.

In realita sind die Delinquenten bisher weitaus glimpflicher davon gekommen: Im Juni 2015 muß ein Brett McBay in Modesto, Kalifornien, eine Strafe in Höhe von 850 $ bezahlen, weil er den Selbstbau-Hexakopter seines Nachbarn abgeschossen hatte, den er für ein CIA-Überwachungsgerät hielt. Und schon im September 2014 war Russell J. Percenti aus Lower Township, New Jersey, verhaftet worden, nachdem er die Drohne eines Nachbars ,erschossen’ hatte. Welche Strafe in diesem Fall fällig wurde, ist nicht bekannt.

Vermutlich ganz ungestraft wird die 65-Jährige Jennifer Youngman aus Virgina davonkommen, die im September 2016 mit ihrer Schrotflinte eine Drohne abknallt, die über ihr Grundstück fliegt. Hinter dem Drohneneinsatz vermutete sie Paparazzi, da ihr Nachbar der Hollywood-Schauspieler Robert Duvall ist. Doch ganz ohne  Schaden geht es auch für sie nicht aus: Die Einzelteile der Drohne, die über den kompletten Rasen verteilt sind, bescheren ihrem Traktor zwei platte Reifen.

 

Weiter mit den Elektro- und Solarfluggeräten...