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Elektro- und Solarschiffe (IV) 2010 - 2011

2010


Auch in diesem Jahr gehen mehr und mehr Schiffbauer dazu über, ihre Boote mit Hybridmotoren auszustatten – wobei es sich hierbei zumeist um kleinere Elektromotor-Antriebe handelt, die in erster Linie dazu dienen sollen bei Hafenfahrten reine Luft zu hinterlassen. Ich werde diese im weiteren Verlauf nicht mehr einzeln aufführen, sondern mich mehr auf reine Solar- bzw. Elektroboote sowie besonders innovative Konzepte konzentrieren.

Zuerst jedoch die aktuellen Neuigkeiten über das Solarwave Projekt:

Nach einem erfolgreichen Stapellauf im Bonner Hafen Mitte Dezember 2009 startet der Solarkatamaran Solarwave am 13.1.2010 zu einer mehrtägigen Jungfernfahrt. Die erste, 102 km lange Teilstrecke von Königswinter nach Düsseldorf wird in 8 h zurückgelegt, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 13 km/h. Zieht man die Niedrigwasser-Strömung des Rheins von ca. 4 – 5 km/h ab, bleiben etwa 8 – 9 km/h, die das Boot aus eigener Kraft zurücklegt – wobei mit einer Leistung von nur 2 kW gefahren wird.

Solarwave Stapellauf

Solarwave Stapellauf

Am 26.01. findet dann unter großer Pressebeteiligung die Schiffstaufe der Solarwave statt, Taufpate ist der deutsche Fußballfunktionär Reiner Calmund. Am 10.3. werden die Testfahrten abgeschlossen und nach der Installation aller Solarpanele und anderer Einrichtungen startet das Solarboot am 7.4. im Mondorfer Hafen bei Bonn zur ersten energieautarken Weltumrundung. Am 15.4. trifft es in Frankfurt ein, am 26. läuft es in der Nähe von Aschaffenburg auf eine nicht gekennzeichnete Gribbe auf (vom Ufer aus senkrecht zum Flußverlauf in den Fluß hineinreichende Steinschüttung), wobei es ein Leck gibt, wird drei Tage später in Schweinfurt aus dem Wasser gehoben und repariert und schwimmt Anfang Mai weiter.

Von Passau geht es über Linz weiter nach Wien, doch dann treten an den (Import-)Propellern Probleme auf, die einen weiteren ‚Landgang’ erforderlich machen. Die neuen Propeller der Firma Kirschbaum sind von Hand nachbearbeitete Qualitätsprodukte. Außerdem wird unter jedem Rumpf ein Kiel angebaut, der dem Propeller und dem Ruder Schutz vor Treibholz und Grundberührung geben soll. Am 9.6. geht es weiter in Richtung Belgrad, wo die Solarwave im sogenannten Schiffsfriedhof von Turnu Severin fast von Frachtern zerdrückt wird, als sich ein ca. 80 m langer Leichter aus einem ankernden Schubverband löst.

Über Rumänien geht es weiter, bis das Solarboot Anfang August das Donau-Delta erreicht. Nach einem 2-wöchigen Heimaturlaub in Österreich starten Heike und Michael wieder und kommen über Bulgarien am 18.9. im Marmara-Meer an. Ende des Monats geht es dann weiter in die Ägäis.

Währenddessen startet im Oktober die schnelle PlanetSolar ihre solare Weltumrundung (s.u.), welche die Solarwave überholen wird – der Ansporn, die ersten zu sein, ist damit hinfällig. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: PlanetSolar will die Umrundung in kürzest möglicher Zeit zurücklegen, während es das Ziel von Solarwave ist, möglichst viele Menschen direkt und unmittelbar zu erreichen und von der Machbarkeit solarer Energieversorgung zu überzeugen. Das Team beschließt daher, das nächste Jahr im Mittelmeer zu verbringen und weiter wie bisher Promotionsfahrten mit Gästen zu unternehmen.

Am 21.10 wird die Solarwave in Tholos auf der griechischen Insel Chios aus dem Wasser gehoben und befindet sich im Winterlager. Auf der Homepage des Projektes ist die Fahrt detailliert dokumentiert, und auch die Daten zur Performance dieses tollen Solarkatamarans sind ein MUSS für jedes Solarbootprojekt.


Doch nun los mit der Jahresübersicht 2010:

Das utopistische Designbüro Vincent Callebaut Architects, das ich schon mehrfach in den Kapiteln über Solar- und Windarchitektur erwähnt habe, stellt Anfang des Jahres das Konzept eines zu 100 % autonomen Gartenschiffes namens Physalia vor. Gedacht ist, auf den europäischen Flüssen zu navigieren und dabei soviel erneuerbare Energie zu ernten, daß sogar ein Überschuß erzielt wird.

Physalia Grafik

Physalia (Grafik)

Das Dach der Physalia besteht aus einer doppelten pneumatischen Membran, die mit flexiblen Solarzellen ausgestattet ist. Unter dem Rumpf gibt es Wasserkraft-Turbinen, welche die Strömungsenergie des Flusses in Strom umwandeln.

Die Strukturoberfläche besteht aus mit Aluminium verkleidetem Stahl. Darauf kommt dann eine Schicht aus TiO2, die mit UV-Strahlen reagiert und das Wasser reinigt. Darüber hinaus existiert in der Doppelhülle des amphibischen Gartens ein hydraulisches Netzwerk, welches das Fluß-Wasser filtert und im Gründach biologisch reinigt.

Die Sanyo Electric Co. Ltd., die Mitsui O.S.K. Lines Ltd. und Mitsubishi Heavy Industries Ltd. wollen gemeinsam ein hybrides Autotransportschiff entwickeln, wird Mitte Januar 2010 gemeldet. Das Projekt eines ‚Hybrid Car Carrier using Natural Energy’ wird vom japanischen Ministerium für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus gefördert. PV-Zellen bis 200 kW und Li-Io-Batterien bis 3 MWh sollen den CO2-Ausstoß des Frachters signifikant senken. In See stechen soll das Schiffe im Laufe des Jahres 2012.

Auf der weltgrößten Wassersportmesse boot 2010 in Düsseldorf wird im Januar ein Faltboot mit Sonnenenergie-gespeistem Motor vorgestellt, und die slowenische Werft Seaway präsentiert ein umweltschonendes Modell namens Greenline 33 Hybrid Solar, das mit Solarzellen auf dem Dach ausgestattet ist. Die ausgesprochen leise 10 m lange und nur 4,5 t schwere Motoryacht kann im reinen Elektrobetrieb bis zu fünfeinhalb Knoten (~ 10 km/h) schnell fahren. Bei drei Knoten dauert es gute fünf Stunden, bis sich die Lithium-Polymer-Akkus entleert haben. Der Preis soll ab 126.800 € betragen, die Solarmatte auf dem Dach gibt es für 10.000 € Aufpreis.

Nachdem er sich bereits mit Luftschiffen, Flugzeugen und Raumschiffen beschäftigt, wendet sich  Virgin-Chef Richard Branson einem neuen Spielzeug zu. Es handelt sich um Jetboot-ähnliches Gefährt mit offenem Cockpit, Heck- und Seitenflügeln, das mit seinen Insassen bis zu 40 m tief abtauchen kann. Die 4.6m lange, 3,0 m breite und 1,2 m hohe Necker Nymph nimmt Ende Februar ihre Tauchfahrten auf. Im Ruhezustand ankert das Mini-U-Boot auf dem Deck der gerade in Dienst gestellten Necker Belle, einem 32 m langen Luxus-Katamaran, der für das Hotelunternehmen Virgin Limited Edition in der Karibik, und ab Sommer im Mittelmeer kreuzt. An Bord wird Sonnen- und Windenergie genutzt.

Das ultraleichte Flügel-U-Boot hat zwei Schalensitze für Passagiere, die den Sitz des Piloten flankieren, wobei alle drei mit Taucherausrüstung ausgestattet sind. ‚Windschutzscheiben’ schützen vor dem Strömungsdruck, der während der 2-stündigen Fahrten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 11 km/h entsteht. Entwickelt wurde das Nymphchen von Hawkes Ocean Technologies in San Francisco (die auch das Tiefsee-Tauchboot Deep Flight Challenger des 2007 verstorbenen Milliardärs Steve Fossett gebaut haben, s.o.).

Necker Nymph

Necker Nymph

Buchen kann man das 750 kg schwere Tauchboot inkl. Chauffeur nur in Kombination mit der Necker Belle, was mit rund 110.000 $ pro Woche zu Buche schlägt, oder mit einem Aufenthalt auf Bransons Privatinsel Necker Island (53.000 $ pro Nacht für bis zu 28 Personen), wo es dann allerdings noch einmal 25.000 $ pro Woche kostet. Der Preis des Prototyps soll 650.000 $ (andere Quellen: 670.000 $) betragen.

Etwas günstiger sind dagegen vermutlich die elektrisch betriebenen U-Boote der 2005 gegründeten dänischen Firma U-Boat Worx B.V. aus Breda, da diese bereits in Kleinserie gefertigt werden. Die als äußerst solide geltenden Boote (sie sind vom Germanischen Lloyd zertifiziert) gibt es in zwei Baureihen. Die C-Quester gibt es für 2 oder 3 Personen, sie erreichen eine Tiefe bis 100 m, sind mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet und verfügen über ein Luftrecyclingsystem. Das Modell C-Quester-3 kann im Notfall mehr als 96 Stunden unter Wasser bleiben. Im Normalfall dauern die Tauchfahrten allerdings nur 8 Stunden. Charakteristisch ist die halbkugelförmige Acrylkuppel mit zwei sich überkreuzenden Schutzreifen aus Edelstahl, die den Passagieren eine 360° Rundumsicht erlaubt, sowie ebene Glasplatten an der Unterseite.

Tauchboote der Reihe C-Explorer, die es für 1, 2 oder 3 Personen gibt, können sogar bis in eine Tiefe von 1.000 m vorstoßen. Optional gibt es eine Vielzahl an Zubehör wie Roboterarme, Unterwasser-Navigationssysteme, HD-Video-Kameras oder ferngesteuerte Fahrzeug (ROVs), die aus dem Inneren des U-Boots gesteuert werden können. Der C-Explorer 1 ist mit einer 10 kWh Li-Io-Batterie ausgestattet und kostet 280.000 €, während die größeren Modelle, deren Preise noch nicht bekannt sind, 40 kWh an Bord haben.

Mit dem Bau einer Version für 5 Personen und eine Tauchtiefe von 100 m wird im Dezember 2010 begonnen. Wie seine kleineren Geschwister wird der C-Explorer 5 von einer 42 kWh Li-Io-Batterie versorgt, um die vier 1,3 kW Motoren anzutreiben (zwei für die horizontale, und zwei für die vertikale Bewegung). An der Oberfläche wird eine Geschwindigkeit von 4, unter Wasser eine von 2,5 Knoten erreicht. Die Maße des U-Boots betragen 510 x 360 x 220 cm, es wiegt 6,5 t und hat eine Zuladung von 550 kg. Als Zielpreis werden 840.000 € genannt.

C-Explorer 5 Grafik

C-Explorer 5 (Grafik)

Ende Februar 2010 wird in der HDW-Werft das nach Angaben von PlanetSolar größte Solarboot der Welt enthüllt. Insgesamt hat es 14 Monate gedauert, bis das Boot fertiggestellt war. Die Initiatoren hatten sich im September 2009 für hocheffiziente Solarzellen von SunPower entschieden, die als einzige Antriebsquelle des 31m langen und 15 m breiten Boots dienen. Die ca. 38.000 schwarzen Solarzellen haben einen Wirkungsgrad von mindestens 22 % und sollen 104,3 kW Solarstrom liefern. Um den vollen Sonneneintrag zu erreichen gibt es solar verkleidete Klappen, die am Heck und mittschiffs die Fläche auf gut 500 m2 vergrößern. Die knapp 12 t schweren Batterien können bis zu 1,3 MWh Solarenergie speichern. Damit kann die geplante Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 15 km/h drei Tage lang aufrechterhalten werden, auch wenn die Sonne längere Zeit hinter Wolken verschwindet.

Am 1. April wird das Doppelrumpf-Boot auf den Namen Tûranor getauft und mit Hilfe eines Krans zu Wasser gelassen (Tûrano stammt aus der Tolkien-Saga Herr der Ringe und bedeutet ‚Stärke der Sonne’). Angetrieben wird es von vier Elektromotoren, die insgesamt eine Leistung von 176 Kilowatt (239 PS) aufweisen. Bis September folgen dann verschiedene Versuchsfahrten. Im April 2011 soll die PlanetSolar Tûranor dann auf ihre 140-tägige Reise um die Welt aufbrechen.

Die 2-Mann Crew – nebst bis zu 50 Passagieren – werden auf ihrer mehr als 40.000 km langen Fahrt den Atlantik, den Panama-Kanal, den Pazifik und den Indischen Ozean überqueren und schließlich durch den Suezkanal wieder ins Mittelmeer zurückkommen. Der Bau des Trimarans im Knierim Yacht Club in Kiel hat bislang 18 Mio. € gekostet, die primär von dem Erbe des Wella-Imperiums Immo Ströher stammen.

Anfang August verläßt das Solarschiff seinen Kieler Heimathafen um zu einer ersten Testfahrt in das 2.000 Seemeilen entfernte Barcelona aufzubrechen. Die Ergebnisse sind zu gut, daß der Start auf Ende September 2010 vorgezogen wird (s.u.).

Von der Technischen Universität München wird im März 2010 ein Unterwasser-Roboter namens Snookie vorgestellt, der sich in dunklem Gewässer mit einer Art künstlichem Seitenlinienorgan orientieren kann, das dem von Fischen nachempfunden ist.

Vorbild ist der in Höhlen lebende, blinde mexikanische Höhlenfisch Astyanax. Der etwa 80 cm lange Roboterfisch besteht aus Plexiglas und Aluminium und hat einem Durchmesser von 30 cm. Sechs Propellergondeln an der Außenseite sorgen für die Fortbewegung und Positionierung.

Auf der Abu Dhabi Yacht Show im März 2010 stellt Abra Marine das vollelektrische Sofa Boat vor, das als 3,5 m große schwimmende ‚Spaßplattform’ beworben wird.

Sofa Boat

Sofa Boat

Die Batterieladung des etwas seltsam aussehenden Wassergefährts reicht für 12 h Fahrzeit. Der Spaß hat allerdings seinen Preis: in der Grundversion werden 16.064 $ fällig. Der Hersteller arbeitet bereits an einer solarbetriebenen Version mit einer Zellenfläche von 7 m2 und 1 kW Leistung.

Lustiger ist da schon das Konzept des Designers Kwan Ken Yong. Sein Sea Scooter ist ein kompaktes, leichtes und ergonomisches Konzept für Fahrten auf dem Wasser, das ein Surf-und Skate-Erlebnis auch auf wellenlosen Meeresoberflächen mit einer hohen Sicherheit verbindet. Der Entwurf besitzt einen kompakten, aber leistungsstarken Motor, der den Scooter schnell genug antreiben kann, um das Gefühl des Surfens zu bekommen.

Durch seine Herstellung aus leichten Verbundwerkstoffen und mit einem umklappbaren Griff versehen ist der Scooter sehr benutzerfreundlich und leicht zu tragen. Wegen seiner kompakten Form und Größe helfen Stabilisierungsflossen, daß der Fahrer schnell ins Gleichgewicht kommt, während der Propeller verkleidet ist, um Verletzungen zu vermeiden.

An der Oberfläche und unter Wasser Spaß haben kann man (ohne Tauchglocke) mit dem elektrisch betriebenen Body Board Sea Scooter der Firma Design Icon aus Kowloon, Hong Kong, den es bislang allerdings erst als Entwurf gibt.

Body Board Sea Scooter

Body Board Sea Scooter

Das Gerät soll mit drei ummantelten Propellern betrieben werden, und an der Oberseite sind seitlich zwei Reihen Solarzellen integriert, welche die Reichweite des 12 V Akkus um bis zu 30 % erweitern. Man kann auch bis zu 30 m weit in die Tiefe vorstoßen. Weitere technische Details oder Informationen über den geplanten Preis sind bislang noch nicht zu erfahren.

Die kanadische Firma Infinyte Marine Inc. in Kelowna, British Columbia, stellt eine neue Bootsreihe vor, von denen besonders das vollelektrische Infinyte i4 interessant ist. Das offene 5-Personen Boot ist 4,3 m lang und 2 m breit, wiegt 223 kg und läßt sich per Joystick steuern. Die 24 V Batterien versorgen zwei 2 PS Elektromotoren, die das Boot auf eine Höchstgeschwindigkeit von acht Knoten beschleunigen können. Je nach Geschwindigkeit und anderen Bedingungen beträgt die Fahrzeit 10 h. Als Preis des Elektroboots gibt das Unternehmen 12.999 $ an.

Auf dem Reißbrett befindet sich das für 10 – 12 Personen ausgelegte Modell Infinyte i8, das bis zu 32 km/h schnell werden soll. Neben einem Solarzellendach wird das 1.364 kg schwere, 7,62 m lange und 2,60 m breite Boot mit einem Biodiesel-Generator als Range Extender ausgestattet.

Wesentlich größer sind die Entwürfe von Richard Sauter und seinem Sauter Carbon Offset Design, dessen primäres Ziel es ist, die Emission des Schiffsverkehrs um 50 – 100 % zu senken. Ich lerne sie im März 2010 aus den entsprechenden Blogs kennen und möchte aus der Fülle der Konzepte hier nur zwei erwähnen.

Die 78 m lange. 10 m breite und 450 t schwere Ark Angel LSV (Life Support Vessel) soll ein Kohlefaser/Kevlar Außenskelett mit auflaminierten Solarzellen von SunPower bekommen, das 100 kW leistet, ein SkySail-System (300 – 400 kW) , Windturbinen und eine 3 MWh Li-Io-Akkubank. Außerdem ist ein sogenanntes Motion-Damping-Technology (MDR) System mit ebenfalls ca. 1000 kW Leistung eingeplant, bei dem die Schwingungen über Lineargeneratoren in Strom umgewandelt werden. Dazu kommt ein 4 x 400 kW Daimler DD16 D/E Turbo Generator. Neben der 16-köpfigen Crew ist auf dem 50 Knoten schnellen Schiff noch Platz für 18 Gäste.

Black Magic Grafik

Black Magic (Grafik)

Die Black Magic wiederum ist ein 125 m langer Solarhybrider Frachter, der seine Energie von Sonne, Wind und Wellen bezieht. Charakteristisch für viele Sauter-Entwürfe sind drehbare Starrsegel (die sich bei einigen Schiffstypen auch umklappen lassen), die gleichzeitig partiell als Solarzellenfläche dienen. Bei dem Frachter soll die 200 kW PV-Fläche 2.000 m2 betragen. Der Strom wird wie üblich in Lithium-Ionen-Akkus zwischengespeichert. Andere Schiffsentwürfe tragen so malerische Namen wie Emax Excalibur, Formula Zero, Ocean Empire, Transcendence und Super Nova.

Ruben Andre Besteiro Constanço legt im Frühjahr 2010 an der Oslo School of Architecture and Design (AHO) eine Diplomarbeit unter dem Titel No Land in Sight vor (= kein Land in Sicht), die geniale Idee für ein seetüchtiges und nachhaltiges Hausboot, dessen zwei Insassen bis zu 3 Monate ohne Hilfe von außen um die Welt reisen können.

Die innovativen Komponenten sollen dabei alle Grundbedürfnisse autonom decken. Das Endergebnis ist ein gut 15 m langes Tragflächenboot, das von Meereslebewesen wie Mantas und Hammerhaie sowie Stealth-Fahrzeugen inspiriert ist.

Bei der Nutzung erneuerbarer Energien wird neben einem Zugdrachen und großen Solarzellen-Flächen auch eine kleine versenkbare Vertikalachsen-Windkraftanlage eingesetzt, deren Leistung die mechanische Dampfkompressions-Entsalzungsanlage betreibt, die wiederum das Trinkwasser produziert. Dieses wird auch zur Bewässerung des bordeigenen hydroponischen Gartens benötigt, der für genügend Frischgemüse sorgen, und dessen Reste kompostiert werden sollen.

Subeo Grafik

Subeo (Grafik)

Im April 2010 veröffentlichen die Blog den Entwurf von Allan George, der mit seinem Subeo eine Art moderner Tauchglocke für eine Person vorschlägt, mit der man bis in eine Tiefe von 5 m hinab kann. Die Absenkung erfolgt von einer Schwimmplattform aus, auf der sich auch die Sauerstoff-Flaschen befinden, mit deren Luft die 20-minütigen Taucheinsätze durchgeführt werden.

Die Schwimmplattform aus hexagonalen Elementen ist selbst mit verschiedenen Solardächern zum Stromgewinnung ausgestattet. Das Bewegen unter Wasser erlauben mehrere 180 W Elektromotoren, die von Li-Io-Batterien versorgt werden.

Das schweizerische Studio RAFAA Architecture & Designs in Zürich gewinnt mit seinem Hausboot The Last Resort einen ersten Designpreis der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land und erwartet auch eine Förderung, um bis Jahresende mit der Herstellung der schnittigen Objekte beginnen zu können. Außerdem gibt es noch den Red Dot Award 2010 für das Design.

Das für die Lausitzer Seenlandschaft geplante Hausboot ist 15 x 5 m groß und hat zwei Stockwerke. Im Dach integrierte Solar-Panele versorgen die beiden Elektropropeller, die das Hausboot fortbewegen.

Sehr ansprechend finde ich auch den Entwurf des finnischen Industrie- und Grafikdesigners Janne Leppänen.

ARKKI Grafik

ARKKI (Grafik)

Motiviert von der Gefahr steigender Meeresspiegel stellt er im April 2010 sein Hausboot ARKKI (Arche) vor. Das Konzept umfaßt einen Rumpf aus Zement, der mit Kunststoff-Fasern verstärkt wird, wodurch das Boot stabil und steif genug ist, um auch die Wintersaison gut zu überstehen. Andere Teile des Bootes sind aus Naturfaser-Verbundwerkstoffen gefertigt.

Die ARKKI verfügt über einen großen offenen Raum von der Fläche eines Indoor-Basketballfeldes, wobei die Oberflächen des gewölbten Bootshauses mit Mehrschicht-Solarzellen abgedeckt sind, welche die im Boot benötigte Energie produzieren.

Die neueste Entwicklung aus dem Hause Rivers and Tides ist im April 2010 das schnelle Holz-Boot Shiver electro, das auch mit einem Hardtop sowie mit einem Gas-Generator zur Vergrößerung der Reichweite ausgerüstet werden kann. Der Rumpf des klassischen Bootes ist mit Mahagoniholz furniert und der Innenraum kann zusätzlich mit einigem Luxus ausgestattet werden.

Bei ersten Tests mit einem 35 kW Antrieb werden bereits über 40 km/h erzielt, mit dem geplanten wassergekühlten synchronen Oswald 50 kW Motor dürften es über 50 km/h werden. Eine ebenfalls wassergekühlte Steuerungseinheit kontrolliert die Stromzufuhr der fünf Lithium-Polymer-Akkus, die auf 23 kWh Speicherkapazität ausgelegt sind.

Unter den zu diesem Zeitpunkt neu erscheinenden Designs und Konzepten ist an erster Stelle die rein elektrische CUT Green Yacht des deutschen Designers Christian Peetz zu nennen. Das scharfkantige Gefährt mit zwei Rümpfen ist 20 m lang, soll aus Bambus-Sperrholz gebaut werden und Platz für 8 Menschen bieten. Zwei Hochleistungs-Elektromotoren werden (vermutlich nicht nur) von Solarzellen auf dem Vorderdeck der Elektroyacht versorgt, wobei diese lamellenartig angeordnet sind und möglicherweise über eine einachsige Sonnennachführung verfügen.

Die Industriedesigner Rami Tareef und Milos Ristin aus der Schweiz liefern mit ihrem Flachboot Float einen fast perfekten Gegenentwurf. Das spartanisch wirkende Solarboot mit zwei 2 kW Motoren hat ein leichtes, transparentes Dach, auf dem sich 5 m2 Solarzellen befinden, die 1 kW liefern sollen. Das Boot wiegt 1,2 t, hat die Maße 3,9 x 3,2 x 3,2 m und erlaubt eine Zuladung bis zu 500 kg. Es kann bis zu 6 Personen mit einer Geschwindigkeit von 7 – 10 km/h transportieren.

Float Grafik

Float (Grafik)

Das Konzept ist Teil der Bemühungen, den Einsatz von grüner Energie im maritimen Bereich zu steigern und den Bedürfnissen der Aktivitäten auf dem Zürichsee entgegenzukommen – im Rahmen des energiepolitischen Modells ‚Die 2000-Watt-Gesellschaft’, das während des Novatlantis-Programms an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) entwickelt wurde.

An einem ‚grünen’ Jet-Ski arbeitet derweil die in Columbus, Ohio, beheimatete Silveira Customs des Ehepaars Rodrigo and Kristen Silveira, die bereits diverse Personal Water Craft (PWC) Geräte auf dem Markt haben. Der aus Karbonfasern gefertigte Green Samba soll rein elektrisch betrieben und etwa 105 km/h schnell übers Wasser jagen können – als Testversion bereits Ende 2010. Die Bordbatterien mit einer reichweite von bis zu 3 h speisen zwei Elektropropeller, die das relativ leise ‚Wassermotorrad’ antreiben.

Das Entwicklungsteam spricht allerdings auch von einer neuen Antriebssystem-Technologie, die ursprünglich für militärische Anwendungen entwickelt und bislang noch nicht in Wasserfahrzeuge verwendet wurde. Man habe bereits die exklusive Lizenz zur Nutzung der Technologie bei Wasserfahrzeugen erworben. Diese Antriebseinheiten haben einen integrierten Elektromotor. Jede hat nur ein bewegtes Teil an der Innenwand der Schubeinheit, wodurch es zu einem Direktantrieb wird, der viele Verluste eliminiert und das System extrem effizient macht.

Bereits 2011 will man mit 500 Green Sambas auf den Markt kommen. Preise sollen erst im Herbst dieses Jahres genannt werden. Die bereits verfügbaren Modelle mit Benzinantrieb variieren zwischen 17.000 $ und 29.000 $.

Electronemo

Electronemo

Im Mai 2010 nimmt das erste Solarboot der Tschechischen Republik seinen Betrieb in Prag auf. Initiator der Electronemo ist Jan Hamza, Chef der Tourengesellschaft European Water Transport. Der Name bezieht sich natürlich auf den innovativen Kapitän Nemo, Held des berühmten Jules Verne Abenteuers.

Das 10,2 m lange und 3,2 m breite Elektroboot kann im vollverglasten Innenraum 30 Passagiere aufnehmen. Auf dem Dach sind drei große Solarpanele angebracht, welche 2,2 kW an die Batterien liefern. Damit wird eine Fahrzeit von 10 h erreicht – sogar im Dunklen. Die Konstruktion hat rund 150.000 $ gekostet, die ohne jede öffentliche Förderung zusammen kamen.

Ende Mai läuft auch die SOLARIS,  das erste Solarboot des Green Life e.V. an seinem zukünftigen Liegeplatz im Traditionshafen der Hafencity Hamburg ein. Es handelt sich um einen SunCat 23 Solarkatamaran der SolarWaterWorld AG (s.o.). Auf dem Boot kann man mehr über Hamburgs Nachhaltigkeit und über Europas Klimahauptstadt 2011 erfahren. Und natürlich Hafenrundfahrten machen. Die ,SolarTours’ dauern in der Regel 45 Minuten. 

Der junge Designer Alistair Callender aus Chichester in West Sussex ist der Schöpfer der solarbetriebenen und energetisch autarken Superyacht Soliloquy, deren Zielkunden umweltbewußte Milliardäre sind. Er zeigt seine Entwürfe auf den aktuellen Yacht-Shows in Monaco und Abu Dhabi.

Soliloquy Grafik

Soliloquy (Grafik)

Die 58 m lange und äußerst luxuriöse Hybridyacht ist vollständig von Solarzellen umhüllt, ist mit einem Windlader ausgestatten und besitzt außerdem drei 17 m hohe Starrsegel, die ebenfalls als 600 m2 große Solarpanele dienen – was zusammengenommen eine Fahrtgeschwindigkeit von 8 – 10 Knoten erlaubt. Die Segel stammen von der Firma Solar Sailor Holdings, die in Sydney und Hong Kong bereits Solarfähren mit ähnlichen Segeln betreiben (s.o.). Die Segel selbst sollen die Luxusyacht, deren Preis auf 40 Mio. £ beziffert wird, mit einer Geschwindigkeit bis 40 Knoten über das Wasser jagen lassen. Callender gewinnt mit seiner Soliloquy den Innovation & Design Award 2010 der Publikationshauses Condé Nast International NetUK Ltd.

Über einen interessanten Roboterfisch, der am polytechnischen Institut der Universität von New York entwickelt wurde, wird erstmals im Juni 2010 berichtet. Im Video ist zu sehen, wie er einen Fischschwarm anführt, der ihm bereitwillig quer durch den Pool folgt. Der Kunstfisch verwendet ionische Polymere, die seine Schwanflosse in Reaktion auf elektrische Stimulation schwellen und schrumpfen lassen und dadurch eine langsame, aber leise und lebensechte Bewegung simulieren.

Einem praktischen Einsatz steht noch die begrenzte Reichweite entgegen, weshalb die Entwickler hoffen, künftig kleine Wasservibrationen von Wellen und Strömungen zur Stromerzeugung nutzen zu können und den Akkus damit eine Laufzeit von mehreren Tagen zu ermöglichen.

Die Forscher um Maurizio Porfiri glauben, daß ihr Roboter-Fisch seinen Job in Zukunft auch auf hoher See erledigen könnte, z.B. um Fische aus Gefahrenzonen zu evakuieren, wie im Fall der von BP verursachten Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die elektrischen Weedoo Doppelrumpf-Boote der US-Firma Greenboat Scientific aus Wellington, Florida, hinweisen, die dort seit 2005 hergestellt werden – ursprünglich als Alternative zu den lauten und Abgase emittierenden Airboats. Bei uns sind letztere als propellergetriebene Sumpfboote bekannt, mit denen man sich vor allem in Sümpfen und flachen Gewässern gut fortbewegen kann.

WeeDoo Öl-Sammler

WeeDoo Öl-Sammler

Bei der inzwischen entwickelten WeeDoo 300 W Serie handelt es sich beispielsweise um batteriebetriebene, 1 m breite Auto-Extraktoren zum kontinuierlichen Abernten von Wasserpflanzen, die aus Fiberglas, Aluminium und Hartschaum bestehen, um leicht transportabel zu sein. Andere Modelle sind kleine Schwimmbagger, die ebenfalls von einer 24 V Batterie gespeist werden, welche schnell auswechselbar ist.

Mitte 2010 bekommt das Unternehmen viel Presse, als es eine spezielle Modifikation vorstellt, mit der die mit Öl bedeckten Gräser und Pflanzen aus den sumpfigen Feuchtgebieten an der Golfküste entfernt werden können.

Eine wirkliche Neuigkeit bildet die U-010 Undersea Yacht der Industriedesigner Marina Colombo und Sebastiano Vida, die im Juni 2010 in den Fachblogs vorgestellt wird.

Die schnittige und schlanke dieselelektrische Hybridyacht, die auch als U-Boot benutzt werden kann, ist 66,5 m lang, verfügt über ein riesiges Sonnendeck und eine luxuriöse Innenausstattung auf einer Nutzfläche von über 700 m2. Leider handelt es sich um ein bislang nicht verwirklichtes Konzept.

Tauchende U-010 Grafik

Tauchende U-010 (Grafik)

Im Juli 2010 stellt Aequus Boats aus dem französischen Fouras das solarelektrische Aequus 7.0 vor, das Platz für 7 Personen bietet und mit Blei/Säure-Batterien ausgestattet ist, die eine Fahrzeit von bis zu 8 h ermöglichen, selbst ohne die zusätzliche Energie aus dem Solardach des Bootes. Angetrieben wird das Boot von einem bürstenlosen 4 kW Synchron-Elektromotor, der es bis auf 7 Konten (13 km/h) beschleunigen kann. Als Preis werden gute 70.000 $ angegeben.

Das Konzept eines weiteren Hybrid-Solarkatamarans mit dem etwas seltsam klingenden Namen Marvin the Martian stammt von der griechischen Designerin Maria Malindretou-Vika aus Thessaloniki.

Das 15 m lange Boot besteht weitestgehend aus weißer Glasfaser und ist mit 35 m2 Solarzellen-Panelen ausgestattet. Während der rein elektrische Antrieb eine Höchstgeschwindigkeit von 5 Knoten erlaubt, kann das Boot bei Zuschaltung eines Dieselantriebs bis 9 Knoten schnell werden. Ich bin wirklich gespannt, ob dieses Konzept verwirklicht wird.

Bereits zum 3. Mal findet in diesem Sommer ein Solarbootwettbewerb in Friesland statt, der Sinneboatrace Fryslân. Dessen Geschichte hatte 2004 begonnen, als verschiedene Pioniere einen entsprechenden Vorschlag erarbeiten, der dann zu dem ersten Wettbewerb 2006 führt, mit 24 Teilnehmern und dem Energieunternehmen Nuon als Hauptsponsor. Für die Initiative gibt es daraufhin den Innovative Teamplayer energy transition 2007 Preis. Beim zweiten Mal 2008 machen schon 30 Teilnehmer mit, und als Belohnung vergibt Eurosolar dem Rennen den Europäischen Solarpreis 2008.

Sinneboatrace Fryslân 2010

Sinneboatrace Fryslân
(2010)

Der niederländische Wettbewerb 2010 trägt nun einen neuen Namen, dem des aktuellen Hauptsponsors: DONG Energy Frisian Solar Challenge. Weitere Sponsoren sind die Unternehmen Sharp und Sun Factory. Diesmal nehmen 43 Teams an dem inoffiziellen Weltcup für Solarboote teil. Das Rennen verläuft in fünf Etappen über eine Strecke von 220 km entlang elf berühmter friesischer Städte. Bei der ersten Etappe ist das Solarboot des Private Energie Teams das schnellste: es fährt die 44 km in 2 Stunden 15 Minuten und 45 Sekunden.

An dieser Stelle soll auch auf einen weiteren, allerdings wesentlich kleineren Solarbootwettbewerb hingewiesen werden – mit ferngesteuerten Solar-Modellbooten. 20 Teams von 2 bis 6 technikbegeisterten Schülerinnen und Schülern ab der 9. Klasse werden in einer Vorauswahl bestimmt und zur Realisierung ihrer Entwürfe mit Solarmodulen, Fernsteuerungen sowie einen Materialzuschuß unterstützt.

Der Solarboot-Wettbewerb der Papenburger Meyer Werft wird erstmals 2008 ausgeschrieben und ist ein großer Erfolg. Im September lassen die 20 Teams ihre Boote im Hafenbecken der Meyer Werft zu Wasser und treten gegeneinander an. In der Kategorie Technik gewinnt das Team Elitenoobs vom Gymnasium am Treckfahrtstief in Emden, während als schönstes Solarboot die Black Pearl vom Team der Haupt- und Realschule Esterwegen prämiert wird.

Auch im Juni 2009 bekommen technikbegeisterte Schüler ab der 9. Klasse wieder die Möglichkeit, ihre kreativen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Wiederum 20 Gruppen nehmen mit jeweils einem Modell-Solarboot an dem Rennen teil. Vor der Kulisse der Celebrity Equinox gewinnt diesmal das Team Speed-pod X von der Schule Wybelsum in der Kategorie Technik, während in der Kategorie Design das Solarboot Jan treck an vom Team der Realschule Lathen prämiert wird.

Delta Yacht Grafik

Delta Yacht (Grafik)

Der dritte Solarboot-Wettbewerb mit diesmal nur 19 teilnehmenden Teams findet im Juni 2011 statt. Dabei kann das Team Eagles der Schule Wybelsum den Titel aus dem Jahr 2009 verteidigen. In der Kategorie Design gewinnt das Solarboot mycket snabb racing bat vom Team der Realschule Lathen.

Neue Designs, die zu dieser Zeit in die Presse kommen, sind Adam Voorhees 66 m lange Super-Hybridyacht Ra, die durch ihre aufklappbaren Bordwände und einem Pool ein wenig der oben präsentierten Ikkar ähnelt aber wesentlich schnittiger wirkt, sowie die strömungstechnisch optimierte Delta Yacht des italienischen Designstudenten Liviu Tudoran mit Glasboden und Solardach.

Für 2 Mio. $ gibt es ein 3 t schweres Privat-U-Boot zu kaufen, das man sogar im Internet bestellen kann, und zwar bei dem US-Versand Hammacher.

Das 2-Personen Tauchgerät erreicht eine Tiefe bis zu 330 m und kann bei einer Fahrtgeschwindigkeit von 3 Knoten bis zu 6 h lange Tauchgänge durchführen. Es wird nicht erwähnt, wie schnell das 320 x 260 x 190 cm große Boot tauchen, bzw. wieder auftauchen kann. An Bord befinden sich zwei Batteriebänke mit 24 V und 120 V, welche die vier 3 PS Propeller antreiben. Die Acryl-Kuppel erlaubt eine Rundumsicht, und starke Halogenlampen sorgen dafür, daß man in der Dunkelheit auch etwas sieht.

Bladefish Tauchscooter

Bladefish Tauchscooter

Wer jedoch nicht so solvent ist und auch nicht so tief hinunter will, kann statt dessen bequeme Tauchgänge mit dem Bladefish Tauchscooter unternehmen, dessen Propellerantrieb je nach Ausführung Geschwindigkeiten von bis zu 6 km/h zuläßt. Die Tauchhilfen haben Abmessungen von 38 x 38 cm und sind 16 cm tief. Geliefert werden sie mitsamt Ladegerät, Lithium-Ionen-Akku und Transporttasche.

Die Ausführungen reichen vom Bladefish 1000 für 349 €, der eine Betriebszeit von 40 Minuten ermöglicht, bis zu 3,6 km/h erreicht und bis zu 20 m Tauchtiefe geeignet ist, über den Bladefish 3000, der sich für eine Tauchtiefe von bis zu 30 m eignet und 4,8 km/h schnell ist (549 €), bis zu dem schnellsten und größten Gerät dieser Reihe, dem Bladefish 5000, der bis zu einer Tiefe von 50 m geeignet ist, eine Betriebszeit von 2 h aufweist und 799 € kostet.

Im August 2010 gibt es wieder einmal ein ganz besonderes Solaryacht-Design zu bewundern, das diesmal vom Studio Novague Ltd. kommt. Die vermutlich auch Novague bezeichnete elektrisch angetriebene Yacht besitzt zwei Solarpanele auf beiden Seiten des Bootes, die sich aus dem Rumpf ausfahren und entfalten lassen, was natürlich nur bei langsamer Fahrt oder im Stand machbar ist. Über die genaueren technischen Details haben sich die Designer bislang anscheinend keine Gedanken gemacht.

2008 baut die Foss Maritime Co. in Rainier, Oregon, den weltweit ersten Hybrid-Schlepper für die Mutterfirma Foss Maritime, und das Carolyn Dorothy genannte Kraftpaket bekommt im selben Jahr den Clean Air Excellence Award der EPA, noch bevor es 2009 in Betrieb genommen wird.

Mitte 2010 erhält das Unternehmen vom California Air Resources Board (CARB) einen Zuschuß von 1 Mio. $, um nach den bislang gemachten guten Erfahrungen einen zweiten energieeffizienten Hybrid-Schlepper für den Einsatz in der San Pedro Bay umzubauen und mit der Technologie von Aspin Kemp & Associates auszustatten. Dabei handelt es sich um einen herkömmlichen Dolphin-Schlepper, der auf der Foss-Werft in Rainier mit E-Motor-Generatoren, Batterien und Kontrollsystemen nachgerüstet wird und dann Campbell Foss heißen wird.

Das neue Projekt ist Resultat einer Partnerschaft zwischen Foss, dem Hafen von Long Beach und dem Hafen von Los Angeles. Foss Maritime glaubt, daß die Hybrid-Schlepper pro Jahr 100.000 Liter Kraftstoff einsparen können.

Das Charterunternehmen Le Boat, Teil des TUI-Konzerns, gibt im August 2010 bekannt, daß man zur nächsten Saison auf Binnengewässern in Frankreich, Deutschland und Italien insgesamt 50 Hybrid-Hausboote in Dienst stellen will, wobei diese Flotte in den Folgejahren noch erweitert werden soll. Entwicklung und Bau übernimmt der französische Bénétéau-Konzern, einer der größten Serienyacht-Hersteller der Welt. Weitere Partner sind das bereits erwähnte slowenische Unternehmen Seaway (s.o.), der Motorenbauer Volkswagen Marine sowie ZF Friedrichshafen als Lieferant sogenannter Pod-Antriebe.

Le Boat 1500

Le Boat 1500

Für den Hybridantrieb des fast 15 m langen und 4,65 m breiten Hausboots Le Boat 1500 werden Pod-Antrieb und Elektromotor mit einem 1,9 Liter Vierzylinder-Turbodiesel mit 55 kW/75 PS von Volkswagen Marine kombiniert. Die installierten Lithium-Eisen-Magnesium-Phosphat-Akkus der amerikanischen Firma Valence Technology werden von sechs großen Solarpanelen mit Sonnenenergie gespeist.

Die Charteryachten erreichen eine Höchstgeschwindigkeit nicht über 12 km/h und werden über Joystick und Pod-Antrieb gesteuert, bei dem  die Schraube an einer drehbaren Gondel unter dem Rumpf sitzt und kein Ruderblatt benötigt, was Drehungen auf der Stelle oder seitliches Bewegen stark vereinfacht. Dem Unternehmen zufolge werden die neuen Boote die geräumigsten und luxuriösesten der gesamten Flotte aus momentan mehr als 1.000 Booten sein. Vorgesehen sind Versionen mit zwei, drei oder vier Kabinen mit jeweils eigenem Bad, einzeln regelbarer Klimaanlage und Flachbildschirm. Dazu ist das schwimmende Feriendomizil mit einer Designerküche, Gasherd, Ofen und großem Kühlschrank, einem Sonnendeck mit faltbarem Bimini, Gasgrill und Außendusche ausgestattet.

Ebenfalls im August 2010 unternimmt die erste Solaryacht Chinas in Xiamen, in der südöstlichen Provinz Fujian, ihre Jungfernfahrt. Das 11 m lange Boot der Xiamen Yihong Yacht Industrial Co. Ltd. und einer ungenannten italienischen Yachtfirma heißt Yihong - Sea Stella und besitzt einen Benzin/Elektro-Hybridantrieb, der von Solarpanelen auf dem Dach versorgt wird.

Auf der 24. SMM (shipbuilding, machinery & marine technology), der Weltleitmesse der Schiffbauindustrie in Hamburg im September 2010 wird im Rahmen eines internationalen Umweltgipfels der maritimen Industrie erstmals (!) die Entwicklung von ‚grünen’ Schiffen und eine umweltfreundliche Schifffahrt diskutiert. Zum Auftakt der Messe erklärt das Bundesministeriums für Forschung und Technologie, daß mit dem künftigen Forschungsprogramm ‚Schifffahrt und Meerestechnik für das 21. Jahrhundert’ knapp 70 Mio. € in alternative Energien und umweltfreundliche Technologien beim Schiffbau investiert werden soll.

Einige Aussagen des Gipfels möchte ich hier notieren: Bob Bishop vom Ship Management in Glasgow plädierte beispielsweise für das Super-Öko-Schiff der Zukunft mit null Emissionen und null Unfällen, während Kai Levander vom SeaKey Naval Architecture aus Turku in Finnland Windparks auf Schiffdecks oder PV-Zellen im Schiffsrumpf als wirtschaftlich unrentabel beurteilt. Energie könne dagegen leicht über geringere Fahrtgeschwindigkeiten und größere Propeller gespart werden. Naoki Ueda, Schiffsdesigner beim Mitsubishi-Konzern in Tokio, kritisiert wiederum, daß es seit 1960 kaum Innovationen im Grundkonzept des Schiffes mehr gegeben habe. Eine Aussage, die mich etwas verwundert, nachdem ich diese überaus variantenreiche Präsentation zusammengestellt habe, die Sie hier gerade lesen... und die Herr Ueda vermutlich nicht kennt, weil sich noch immer keine Seite dazu berufen fühlt, das Buch der Synergie in andere Sprachen zu übersetzen.

Im September 2010 werden weitere neue Designs publiziert, wie die 75 m lange Hybrid-Superyacht Solar der britischen Design-Firma Astheimer Ltd. aus Warwick, deren Aluminium-Exoskelett mit integrierten, formbaren und transparenten Photovoltaik-Panelen versehen ist, oder die elegante Tritone 80 des italienischen Designstudios Pama Design, eine 24,5 m lange Glasfaser-Yacht, die ein 7 kW Solarsystem besitzt. Eine weitere Konzeptyacht von Pama ist die gut 21 m lange Altair 70, die mit hochfahrbaren 5 kW Solarpanelen ausgestattet ist.

Am 27. September sticht die ausschließlich von Solarenergie angetriebene MS Tûranor PlanetSolar von Monaco aus in See, um in den kommenden Monaten die Erde zu umrunden. Das Schiff ist nahezu komplett von Photovoltaik-Zellen bedeckt, die eine Leistung von 93,5 kW produzieren. Durch die Erweiterung der Solarfläche ist die Ästhetik des Schiffes m.E. leider kaputt gegangen.

Das Solarschiff fährt Richtung Westen und wird die Häfen Miami, Cancún (eventuell San Francisco), Sydney, Singapur und Abu Dhabi anlaufen. Miami wird am 28.11. erreicht.

Für die Weltumrundung sind mindestens acht Monate eingeplant, je nach Wetterlage kann die Reise aber auch deutlich länger dauern, wird bekannt gegeben. Auf der Website des Projekts werden die regelmäßigen Einträge ins Bordbuch veröffentlicht, die vom Fortgang der Reise berichten. Zum Zeitpunkt des Updates dieses Kapitels Mitte Juli 2011 ist das Schiff auf dem Weg von Australien zu den Philippinen, während die Mannschaft das offizielle Guinness Weltrekord-Zertifikat für die schnellste Atlantiküberquerung in einem Solarboot erhält.

Im Oktober 2010 wird über verschiedene neue Schwimm- und Tauchroboter berichtet. Diese lassen sich im Allgemeinen in zwei Gruppen unterteilen: Propeller-betriebene Geräte, die zwar schnell fahren und viele Instrumente mit sich führen können, dadurch aber auf Betriebszeiten von nur wenigen Tagen beschränkt sind, und Gleiter, die zwar langsam sind aber dafür monatelang im Meer unterwegs bleiben können.

Ingenieure des Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) kombinieren das Beste aus diesen beiden Ansätzen zu einem neuen autonomen Langstrecken-U-Boot (long-range autonomous underwater vehicles, LRAUV) namens Tethys, das sowohl Hunderte von Kilometern 3,6 km/h schnell überbrücken, als auch wochenlang im Wasser dümpeln kann. Der neue Roboter wird nun in der Monterey Bay getestet.

Fraunhofer-Robot

Fraunhofer-Robot

Forscher von vier Fraunhofer-Instituten arbeiten derweil gemeinsam mit Kollegen des Anwendungszentrums Systemtechnik AST Ilmenau daran, eine neue Generation von kleinen, robusten und billigen autonomen Unterwasserrobotern zu entwickeln. Diese sollen sich im trüben Hafenwasser genauso gut orientieren können wie in klaren Bergstauseen und für Arbeiten am Grund der Tiefsee ebenso geeignet sein wie für die Inspektion der Betonsockel, auf denen Offshore-Windkraftanlagen montiert werden.

Ein 2 m langer, torpedoartiger Prototyp soll noch in diesem Jahr seine Jungfernfahrt im neuen Tauchbecken in Ilmenau machen. Die leistungsstarken und zugleich leichten Lithiumbatterien, die das AUV mit Energie versorgen, sind mit Silikon ummantelt. Im Herbst 2011 soll der autonome Tauchroboter dann erstmals vom Forschungsschiff Poseidon aus in See stechen, wobei mehrere Tauchgänge in bis zu 6.000 m Tiefe geplant sind.

Mehr wie ein Reisekoffer, dem ein paar Paddel gewachsen sind, sieht der Tauchroboter AQUA aus, der bereits vor einigen Jahren von einem Team der kanadischen Universitäten York, McGill und Dalhousie entwickelt wurde um insbesondere in engen und/oder gefährlichen Bereichen wie Schiffswracks Daten zu sammeln. Es besitzt an jeder Seite 3 ‚Flossen’ um sich voranzubewegen (und soll damit sogar an Land kriechen können). Nun wird er mit einer Unterwasser-Fernsteuerung ausgestattet, die auf visuellen Befehlen beruht. Details über die elektrische Energieversorgung des mechanischen ‚Sechsbeiners’ habe ich nicht finden können.

Solar AUV

Solar AUV

Ein sehr interessanter Tauchroboter ist auch der Solar AUV (SAUV II), den die Falmouth Scientific Inc. (FSI) aus Cataumet, Massachusetts, gemeinsam mit dem Autonomous Undersea Systems Institute (AUSI) und der Firma Technology Systems Inc. (TSI) entwickelt hat. Das solarbetriebene Schwimmgerät kann bei einer Geschwindigkeit von bis zu 2 Knoten in Tiefen bis  zu 500 m operieren und seine 2 kWh Lithium-Ionen-Akkus anschließend an der Oberfläche wieder aufladen, wenn genügend Sonneneinstrahlung für die 1 m2 große Solarzellenfläche zur Verfügung steht. Dabei können dann auch die gesammelten Daten über einen Satellitenlink versandt werden.

Das 2,3 x 1,1 x 0,5 m große System und (an der Luft) 200 kg schwere wird als flexible Multi-Mission-Plattform angeboten, die es dem Endbenutzer erlaubt die Nutzlast selbst zu konfigurieren. Bereits im Januar dieses Jahres hatte FSI einen solaren Roboter an die Universität Tokio geliefert, der zur Überwachung der tektonischen Plattenbewegung eingesetzt werden soll.

Ein weiterer Roboter wird im Dezember 2010 vorgestellt. Das Spider Optics System der Firma Hawkes Remotes Inc. aus Point Richmond, Kalifornien, löst das Problem kabelgesteuerter Tauchroboter durch eine Technik, bei der sich ein gepanzertes, nur wenige Millimeter dünnes und starkes Glasfaser-Kabel aus dem Inneren des Gefährts abwickelt. Der Spider wird durch einen 18 kWh Akku betrieben.

Zu diesem Zeitpunkt wird die 11. Auflage des erstmals 1997 erschienenen Buches Build Your Own Underwater Robot von Vickie Jensen und Harry Bohm aus Vancouver, British Columbia, vorbereitet. Es enthält Anleitungen für den Bau von zwei ROVs - den recht einfachen SeaPerch (Tauchtiefe bis 3 m) und den weiter fortgeschrittenen SeaFox (bis 10 m). Beide U-Boote sollen mit Materialien aus dem Baumarkt für weniger als 100 $ gebaut werden können.

Titel des Buches Build Your Own Underwater Robot

Titel des Buches

Nun, Ende 2010, legen die Autoren nach: Gemeinsam mit Steven W. Moore wird ein 770-seitiger und 3 kg schwerer Wälzer unter dem Titel Underwater Robotics: Science, Design & Fabrication veröffentlicht, in Zusammenarbeit mit dem US-weiten Meeres-Bildungsprogramms des Marine Advanced Technology Education Center (MATE), das seit 2002 jährliche ROV-Entwurf- und Bau-Wettbewerbe für Schüler und Studenten durchführt (International ROV Competition).

An dieser Stelle möchte ich aber auch auf das Autonomous Undersea Vehicle Applcations Center (AUVAC) in Lee, New Hampshire, verweisen, auf dessen Homepage die diversen Interessenten verknüpft und die entsprechenden Informationen aus Wissenschaft, Privatwirtschaft und staatlichen Organisationen publiziert werden. Denn hinter all den vielen hier präsentierten neuen und innovativen Systemen gibt es schon seit Jahren einen ganzen Wirtschaftszweig, der sich mit diesen Technologien beschäftigt.

Eines der größten Industrieunternehmen beispielsweise, das elektrische betriebene Remotely Operated Vehicles (ROV) für die Offshore- Öl- und Gasindustrie sowie für militärische Einsatzbereiche wie der Minensuche herstellt, ist die 1986 gegründete Saab Seaeye Ltd., eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Saab Underwater Systems AB. Das Sortiment erstreckt sich von dem portablen und vielseitigen Modell Seaeye Falcon, bis zum hochprofessionellen Arbeitsgerät Seaeye Jaguar. Am bekanntesten sind die militärischen Reihen Double Eagle und Sea Owl. Bis Ende 2010 hat die Firma schon über 500 Stück seiner unterschiedlichsten ROVs verkauft.

Das Projekt um das Solarschiff Sonnenschein, das im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin Schülern Lehrstunden in Sachen Nachhaltigkeit geben soll, geht auf eine Ideen von Uwe Graumann vom Biosphärenreservat und Wolfram Appel, Ingenieur für Solare Antriebstechnik in Berlin, zurück. Fast zeitgleich entwickelten beide Ende 2006 die Idee eines effizienten, solarbetriebenen Schulschiffes. Nach langer Vorbereitung steht Anfang 2009 das Konzept des Schiffes fest, das im Werbellinsee stationiert werden soll, und im  Laufe des Jahres kommt auch ein Teil der benötigten Gelder zusammen – aus dem Konjunkturpaket II. Ein nicht geringer Teil der Kosten muß jedoch über Sponsoren eingeworben werden. Als Projektträger fungiert der Verein Kulturlandschaft Uckermark (KLU), und Felix Fliege vom Schiffbauinstitut der TU Berlin leistete wesentliche Planungsarbeit. Das Schiff soll aus recyceltem Aluminium als Katamaran mit widerstandsoptimierten Schwimmkörpern gebaut, und bei einer Länge von ca. 17 m und einer Breite von etwa 5 m von zwei Elektromotoren mit je ca. 7 kW Nennleistung angetrieben werden. Auf das Dach soll ein 8 kW Solargenerator kommen, während die Batterie dafür sorgt, Fahrzeiten bis zu 8 Stunden zu erreichen. Jetzt, Ende 2010, befindet sich das Projekt endlich am Beginn der Bauphase. 

Am 3. Dezember 2010 wird im Hamburger Hafen die weltweit erste in Serie produzierte Solaryacht der Berliner SolarWaterWorld AG getauft, die pünktlich per Containerschiff aus Taiwan angeliefert worden war. Die 14 m lange Yacht der Baureihe SunCat 46, die nun UHURA heißt, vereint zukunftsweisende, umweltfreundliche Technik, Luxus und elegantes Design. In Erinnerung an die Figur Lieutenant Uhura aus der Fernsehserie Raumschiff Enterprise Ende der 1960er Jahre – eine farbige Frau in leitender Position! – soll auch die neue Luxus-Solaryacht den Geist des Fortschritts symbolisieren.

Die Yacht, die außer Sonnenenergie keinen Treibstoff braucht, wird in Zusammenarbeit mit dem renommierten Yachtbauer Horizon in Taiwan gefertigt, Pläne, Technik und Know-how stammen aus Berlin. Ab Saisonbeginn 2011 wird die UHURA im Peenetal als exklusives Angebot des gleichnamigen Hotels Am Peenetal auf den Gewässern in Mecklenburg-Vorpommern zu chartern sein.

GS4 Grafik

GS4 (Grafik)

Das erst im Frühjahr gegründete Start-Up Garda Solar mit Sitz in Rovereto bei Trento stellt Ende 2010 ein mit Sonnenenergie betriebenes Freizeitboot vor, das durch seine weichen runden Formen hervorsticht.

Das 350 kg schwere und knapp 4 m lange Solarboot GS4 gilt als unsinkbar und kann vier Personen bis maximal 400 kg Gesamtgewicht transportieren. Die auf 400 W Spitzenleistung ausgelegte PV-Dachanlage versorgt einen 5 kWh Akku und einen 1.000 W starken Elektromotor. Gesteuert wird mit einen Joystick, und die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 4 Knoten.

Angeboten wird das neue und sehr bequem aussehende Boot als E-light für den Einsatz in Küstennähe sowie als E-xclusive Version für größere Fahrten. Es gibt eine rein elektrische Ausgabe ohne Solardach, und für 2012 ist eine weitere Hybridversion geplant. Das Styling der Boote oblag dem Designerstudio Schickler-Tagliapietra in Mailand.

Arcadia 85

Arcadia 85

Mit der Vermarktung des zu 100 % in Italien gefertigten Bootes soll Anfang 2011 begonnen werden, und das Unternehmen hofft auf Verkäufe von zunächst 30 und längerfristig 60 Exemplaren im Jahr. Als Preise werden 10.500 € für das Modell Electric Light mit 20 km Reichweite, bzw. 15.000 € für das Modell Solar Light mit 30 km Reichweite genannt.

2010 läuft auch die Superyacht Arcadia 85 vom Stapel, die für eine wöchentliche Charter von 49.000 € bis zu acht Passagiere im ‚grünen’ Luxus schwelgen läßt.

Man kann das 25,9 m (85 Fuß) lange und bis zu 18 Knoten schnelle Boot, das seriell ein halbtransparentes Solardach besitzt, aber auch kaufen. Einen Elektroantrieb gibt es allerdings nur optional. In Vorbereitung sind ferner eine Arcadia 115 und eine Arcadia 135 Version.

2011


Das Jahr 2011 beginnt mit der Präsentation einer weiteren Super-Yacht des britischen Designers Richard Sauter, der uns oben bereits begegnet ist. Die 44 m lange Yacht heißt Ocean Empire LSV (life support vessel), ist mit einem 350 kW Daimler Turbo Compound DD16 BueTec Motor ausgestattet und wird dazu mit Hilfe von Solar-, Wind- und Wellenenergie betrieben.

Die Yacht besitzt zwei hydroponische Farmen von zusammen 30 m2 sowie Einrichtungen zur Angelfischerei. Die wichtigste Energiequelle ist daher die Sonne, die den hydroponischen Anlagen Licht spendet und mittels 400 m2 SunPower-Solarzellen 70 kW Strom produziert. Der Wind wird mit einem automatisierten, 80 m2 großen Skysail-Drachen aufgefangen (ca. 200 kW) und kann das Schiff auf eine Geschwindigkeit von bis zu 18 Knoten beschleunigen. Außerdem wird mit dieser Energie das 16 t schwere GM ESS2 Batteriesystem des Boots aufgeladen. Um die Energie der Wellen einzufangen wird ein besonderes Dämpfungsystem namens Motion-Damping-Technology (MDR) genutzt (ca. 50 kW).

Auf der Ocean Empire LSV ist Platz für zehn Gäste und acht Crew-Mitglieder, der Preis beginnt ab 17 Mio. $ und die Bauzeit bis zur Lieferung dauert etwa 18 Monate.

WaveJet-Board

WaveJet-Board

Im Januar 2011 gibt die Firma WaveJet Technologies in Santee, Kalifornien, bekannt, daß sie den ersten batteriebetriebenen, miniaturisierten Wasserstrahl-Antrieb für Surfboards entwickelt hat, der nun in der Walden WaveJet Serie eingesetzt werden. Die im Board integrierten Batterien reichen 30 min. lang und können es bis auf knapp 20 km/h beschleunigen, was immerhin zwei bis drei Mal schneller ist, als mit den Armen zu paddeln. Der Preis für das Board beträgt 4.500 $.

Im Februar 2010 folgt unter dem schon anderweitig genutzten Namen Float ein Solarkatamaran, der allerdings ein völlig anderes und wesentlich ansprechender wirkendes Design hat. Der Entwurf von Jeffrey Greger aus dem kalifornischen San Jose und seinem Partner, dem Designstudenten Timo Bücker von der Hochschule Darmstadt, läßt sich am besten als solar betriebene schwimmende Hängematte für vier Personen zum Relaxen auf ruhigen Gewässern beschreiben.

Die geringe Anzahl der Einzelelemente ermöglicht einen einfachen Auf- und Abbau. Das zusammenlegbare und sehr leichte Solarboot kann auf dem Dach eines Autos transportiert werden, wobei die Schwimmkörper als Dachbox dienen. Es hat ein Solar-Panel nebst schattenspendenden Lamellen auf der Oberseite und besitzt einen von Lithium-Ionen-Akkus angetriebenen Elektromotor. Weitere Features sind ein Stauraum, eingebaute Lautsprecher, LED-Rückleuchten und ähnliches. Steuerung und Entertainment erfolgen über ein drahtloses Control-Panel.

Eine Art Schiff mit Unterwasseraussicht ist das EGO compact semi-submarine, ein kleines Tauchboot, das Platz für zwei Personen bietet und erstmals im Februar 2011 auf der Miami Boat Show gezeigt wird. Hersteller ist die südkoreanische Firma Raonhaje. Im Gegensatz zu einem echten U-Boot kann EGO allerdings nicht vollständig unter Wasser verschwinden – doch es ist nur ein kleiner Teil davon zu sehen, wenn es im Wasser liegt. Die beiden Auftriebskörper befinden sich oberhalb der Wasserlinie, während der Pilot und sein Passagier in der Kapsel sitzen, die vorn und an den Seiten große Acrylglasfenster besitzt.

EGO

EGO

Der Antrieb des 387 x 327 x 270 cm großen und 3,5 t schweren Aussichtsbootes erfolgt mit Hilfe von 2 x 2 kW Elektromotoren und ausrichtbaren Schraubantrieben, wobei die maximale Geschwindigkeit bei 5 Knoten liegt. Die maximale Zuladung beträgt 300 kg, und die Ladezeit der nicht näher spezifizierten zwölf 8 V Akkus beträgt zwischen 6 und 10 h. Das Elektroboot soll in 7 verschiedenen Farben im Oktober 2011 auf den Markt kommen. Ein Preis wird noch nicht genannt. Inzwischen wird auch an einer 4-Personen-Version gearbeitet.

Die japanische Firma Eco Marine Power Co. Ltd. (EMP) veröffentlicht ein neues Konzept, bei dem neben der Kraft der Sonne auch die des Windes genutzt werden soll. Die (wortwörtlichen) Solarsegel sind starr und werden an beiden Längsseiten des Schiffes angebracht und fangen aufgrund ihrer Größe nicht nur die Sonnenstrahlung sondern auch den Wind ein, der so mit für den Vortrieb des Schiffes sorgt. Eine Automatik richtet das System ja nach Wind und Wetter immer optimal aus und sorgt so für eine ebenfalls optimale Energieausbeute. Die Technik ist so konzipiert, daß auch bestehende Fracht- und Tankschiffe nachrüstbar sind.

Das Aquarius Wind and Solar Power System soll Anfang 2012 als Prototyp zur Verfügung stehen und dann getestet werden. Ein Jahr später will man mit der kommerziellen Produktion beginnen. Außerdem arbeitet das Unternehmen an den Designs verschiedener Solarfähren für 50 bzw. 150 Personen, die unter den Namen Eco Solar Ferry Medaka und Solar HMP Ferry Tonbo laufen.

Ein weiteres ‚knubbeliges’ Design ist das 5,5 m lange Elektro-Freizeitboot SeaJet Capsule des italienischen Bootsbauers Pierpaolo Lazzarini, das Anfang März 2011 in den Fachblogs auftaucht. Es wird zwar nicht vollständig mit der Sonnenenergie aus den Photovoltaik-Modulen auf der Oberseite betrieben, aber dafür wird mit diesem Strom auch die Stromversorgung der Klimatisierung, eines Entertainment-Centers und eines Ladegeräts gewährleistet. Die photochromen Gläser der Kabine sollen wiederum eine zu starke Sonneneinstrahlung verhindern.

SeaJet Capsule Grafik

SeaJet Capsule (Grafik)

Eine ganz besondere Note gewinnt das Konzept dadurch, daß es optional einen Street Jet genannten Untersatz für das Boot gibt – der tatsächlich fahrbar ist. Eine kleinere Version für 4 Personen, allerdings bislang nur mit Standard-Antrieb, gibt es unter den Namen MiniJet Capsule.

Das Konzept eines technologisch aufgerüsteten klassischen Hausboots mit Doppelrumpf und Rundum-Verglasung namens Helios stammt von der französischen Firma Perspective Design aus Saint Avé, die seit 2010 übrigens auch technisch sehr interessante Tragflächen-Sailboards anbietet. Das rein elektrisch betriebene Hausboot für 4 Personen ist für Seen und Flüsse gedacht, ist 16 m lang und knapp 5 m breit und besitzt neben einem 71 m2 großen Solardach auch eine Regenwassersammel- und -aufbereitungsanlage. Das 11,5 t schwere Wassergefährt erreicht mit seinem 70 kW Motor eine Reisegeschwindigkeit von 8 Knoten bei 12 Knoten Spitze. Im Portfolio des Unternehmens findet man auch das Design eines kleinen, 6,4 m langen solar betriebenen Trimarans, der mit Solardach und Lithium-Polymer-Batterien eine Reichweite von 6 h hat und eine Höchstgeschwindigkeit von über 15 Knoten erreicht.

Zwei Hausboote mit sehr ansprechendem Design werden im März 2011 von der Berliner Firma Nautilus-Hausboote präsentiert. Die 12 x 5,27 m (eingeklappt 4,27 m) große Variante 1 bietet zwei feste Schlafkabinen mit Bädern, eine Küche, einen Kaminofen im Wohnbereich und eine Fußbodenheizung im gesamten unteren Bereich u.a. Es gibt zwei Terrassen nebst Cabriodach und die Integration einer Solar- und Windanlage ist in Planung (auf den veröffentlichten Fotos ist das abgerundete Solarpanel schon zu sehen).

Die mit 13 x 10 m (reduzierbar auf 8 m) etwas größere Variante 2 hat auf zwei Etagen Wohnflächen von 45 m2 bzw. 35 m2 – nebst zwei Terrassen von 50 m2 (unten) und ca. 20 m2 (oben). Als Dachausstieg dient die Lichtkuppel. Im Schlafraum gibt es eine Wellnessbadewanne, und die Bäder sind gefliest. Auch bei diesem Hausboot ist eine Solaranlage integriert. Optional können eine Kleinkläranlage, eine Windanlage, eine Dach- und Terrassenheizung oder ein Gründach angeboten werden.

Eco Slim Grafik

Eco Slim (Grafik)

Ein recht hübscher Solar-Katamaran, der im März 2011 erstmals zu Wasser gelassen wird, ist der Eco Slim der spanischen Schiffswerft Drassanes Dalmau aus Arenys de Mar bei Barcelona. Das Design des 24 m langen und 10,5 m breiten Bootes stammt von einem Team der Universitat Politècnica de Catalunya (UPC-Barcelona Tech), das Antriebssystem wird von einer Gruppe des Institute of Energy Technology (INTE) um Jordi Llorca entwickelt.

Das Schiff, das zu diesem Zeitpunkt als größter ‚grüner’ Katamaran Europas gilt, kann bis zu 150 Passagiere an Bord nehmen. Durch neue Bauweisen aus der Karosserieherstellung und eine widerstandsarme Formgebung ist es gelungen, ein besonders leichtes Schiff zu entwickeln, das auch mit weniger starken Motoren gute Fahrt machen kann.

Die eingesetzten zwei Elektromotoren sind an eine Reihe von 90 Bleibatterien angeschlossen, die ihren Strom wiederum aus einer großen Dach-Solaranlage aus 40 Panelen mit monokristallinen Solarzellen, zwei Windkraftanlagen und einem Diesel-Generator beziehen. Dadurch ist das Boot in der Lage, bei einer Geschwindigkeit von 6 – 7 Knoten etwa vier Stunden lang zu navigieren. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 12 Knoten. Alternativ können die Batterien in anderthalb Stunden wieder aufgeladen werden. Um autonom arbeiten zu können, werden sowohl die elektronische Steuerung als auch die Navigationsgeräte von einer eigenen Blei/Säure-Batterie und einer 2 kW Wasserstoff-Brennstoffzelle betrieben.

Drassanes Dalmau konstruiert die Hülle des Eco Slim Katamarans mit Hilfe der Marineingenieure von Isonaval, finanzielle Förderung kommt vom Centre for Industrial Technological Development (CDTI) des spanischen Ministeriums für Wissenschaft und Innovation.

Pathfinder Grafik

Pathfinder (Grafik)

Sehr seltsam mutet dagegen an, was ebenfalls im März 2011 in der Presse erscheint, denn U-Boote mit Rädern oder Raupen sieht man nun wirklich nicht allzu häufig. Doch um genau dieses handelt es sich bei dem Konzept Pathfinder, einem 10 – 15 m langen elektrisch betriebenen Unterseeboot, das sich am Meeresboden über so gut wie jedes Terrain fortbewegen kann. Das Design stammt von Phil Pauley, der kleine Modelle mit diversen Rad- oder Raupenkombinationen angefertigt hat, und der davon träumt, mit diesen Gefährten auf 2 – 4 Wochen lange Tauchfahrten bis in eine Tiefe von 4.000 m gehen zu können.

Ich konnte allerdings nicht nachvollziehen, was der Sinn einer solchen Konstruktion ist, denn durch das Wasser zu schwimmen sollte allemal weniger energieaufwendig sein, als über Terrain zu fahren. Der Wasserwiderstand bleibt so oder so der gleiche.

Schon viel durchdachter präsentiert sich das ebenfalls elektrisch betriebene Freizeit-Boot Platypus der oben genannten französischen Firma Perspective Design. Platypus bedeutet Schnabeltier und war 1874 schon einmal der Name das ersten U-Boots Neuseelands. Es sollte damals in Flüssen nach Gold baggern, wurde aber aufgegeben nachdem bei einem verheerenden Test im Hafen von Otago die Mannschaft so schwer pumpen mußte, daß sie fast alle ertrunken wären.

Das neu entworfene und bereits patentierte Gefährt soll zwei Personen wie auf einem Wassermotorrad mit 10 – 12 Knoten über oder mit 3 – 4 Knoten 1,5 m tief unter Wasser voranbringen. Das Umschalteten geschieht, indem die zwischen den beiden Schwimmern befindliche Sitzbank durch elektrische Gelenkarme abgesenkt wird. Der Platypus hat die Form eines Katamarans und wird von zwei Elektromotoren angetrieben, deren Lithium-Polymer-Akkus eine Betriebsdauer von bis zu acht Stunden erlauben. Im Unterwasser-Modus tragen Pilot und Passagier Atemmasken, die über Schläuche von einem Kompressor mit Luft versorgt werden, der in den Schwimmern integriert ist. Der Luftschlauch ist auf 15 m ausziehbar und erlaubt damit bei Halts auch tiefere Abstecher.

Das Gefährt benötigt keine Lizenz, produziert keine Abgase, ist völlig geräuschlos und bietet viel Stauraum und eine stabile Plattform für viele Anwendungen: Tauchen, Fotografie, Vogelbeobachtung, Öko-Tourismus usw.

Der Platypus ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Gründer des französischen Innovations-Thinktank l’idéothèque, François-Alexandre Bertrand, und dem renommierten Schiffbauingenieur Philippe Roulin, der sich seit vielen Jahren erfolgreich im Bereich des  Rennyacht- und Superyacht-Designs betätigt. Neben der Starrflügel-Yacht  BMW Oracle USA 17, Gewinner des America Cups 2010, ist er auch für das 50 Knoten schnelle experimentelle Segel-Tragflächenboot Hydroptère (s.u. Segelschiffe) und für den phantastischen Trimaran Lagoon verantwortlich, der in dem 1995 erschienenen post-apokalyptischen Film ‚WaterWorld’ von Kevin Costner verwendet wurde. Die Firma Perspective Design gründet Roulin 2008.

Das Unternehmen bereitet nun eine professionelle Version des Platypus vor, die als perfekte Arbeitsplattform zur Reinigung von Schiffsrümpfen dienen soll – ohne die Notwendigkeit teurer Tauchausrüstungen bzw. der Trockenlegung des Schiffes –, oder als kostengünstige Plattform für die Erhaltung und Reinigung von Küstengebieten. L’ideotheque prüft derweil eine Reihe von Sonderausstattungen für den Platypus, darunter ein GPS, Beleuchtung für Nachtfahrten, einen On-Board-Computer und ein Notfall-Hebesystem. Außerdem wird nach technischen und finanziellen Partnern gesucht, um die Konzeption abschließen, einen Prototyp zu bauen und anschließend in die Serienproduktion zu gehen.

AquaSub

AquaSub

Vom technischen Aufbau her erinnert das System ein wenig an das 1-Personen U-Boot AquaSub, das es im Juli 1978 sogar auf die Titelseite des US-Magazins Mechanics Illustrated schaffte (wie ich im Rahmen der Recherchen zu diesem Update herausfand). Dieses ist 2,85 m lang, für Fahrten in Schnorcheltiefe gedacht und mit einer geschlossenen Kabine versehen – aber dafür kann man es selber bauen! Benötigt werden zwei 6 V Golf-Cart-Batterien, zwei 12 V Motoren, ein Stahlrohr-Rahmen u.a.m. Das Absenken der Kabine erfolgt mittels Gelenken, an denen die beiden seitlichen Schwimmer befestigt sind – wodurch das Gefährt im Oberflächenmodus wie ein Trimaran aussieht.

Das moderne Design eines derartigen Wassergefährts, das knapp unter der Oberfläche schwimmt und weiten Ausblick auf die Meereslandschaft gewährt, stammt von Gert-Jan van Breugel, dessen solar betriebener Reef Explorer für vier Personen gedacht ist. Das markante Design integriert eine transparente Hülle mit zwei Schwimmern an Auslegern. Diese Schwimmer sind auf der Oberseite mit Solarzellen belegt, und auch die Propeller sind hier installiert. Ich hatte ihn Ende 2007 schon einmal gezeigt.

Der ganze Körper besteht aus leichtem, robustem und langlebigem Polyethylen, während die transparente Hülle aus Polycarbonat besteht. Als Antrieb dienen zwei leise laufende12 V Elektromotoren. Vier zyklenfeste Batterien speichern genügend Strom, um Fahrzeiten von 6 h zu erlauben.

Überhaupt scheint die Unterwasserwelt immer mehr Interesse (und Interessenten) zu finden. Nachdem sich Richard Branson 2010 mit dem oben beschriebenen Jet-U-Boot Necker Nymph beschäftigt hat, sind seine Ziele in diesem Jahr ambitionierter. Statt nur 40 m tief abzutauchen will er nun in einem Ein-Mann-Tauchboot die tiefsten Orte der Weltmeere besuchen. Gemeinsam mir dem amerikanischen Abenteurer Chris Welsh wird Anfang April 2011 ein Spezial-U-Boot vorgestellt, das im Laufe dieses und des nächsten Jahres fünfmal auf Tauchgang gehen soll und die jeweils tiefsten Stellen im Atlantik, Pazifik, Indischen, Arktischen und Antarktischen Ozean besuchen wird.

Necker Nymph Grafik

Necker Nymph (Grafik)

Das Mini-U-Boot DeepFlight Super Falcon #0001 der eigens gegründeten Firma Virgin Oceanic bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 106 m pro Minute abwärts, wo es dank seiner Spezialflügel dann über dem Meeresboden gleiten bzw. fliegen kann. Entwickelt wird das Tauchschiff von dem U-Boot-Designer Graham Hawkes. Anscheinend handelt es sich um jenes bereits erwähnte Boot, das ursprünglich der amerikanische Milliardär und Abenteurer Steve Fossett in Auftrag gegeben hatte (s.o.).

Interessanterweise geht ein ebenfalls Super Falcon genanntes U-Boot der Hawkes Ocean Technologies – ohne jeden Bezug zu Virgin – Mitte April auf Tauchfahrt im Golf von Aqaba. In Zusammenarbeit mit der Royal Films Commission des Haschemitischen Königreichs Jordanien, um 5 Tage lang wissenschaftliche Untersuchungen in einer Tiefe über 90 m durchführen. Anschließend sollen 10 Tage lang Tauchausflüge mit VIPs folgen. Es handelt sich um ein geflügeltes Tauchboot der 4. Generation, die von Hawkes entworfen und gebaut wurden.

Das erste dieser 2-sitzigen U-Boote, die Super Hawk, wurde von Tom Perkins für einen Preis von 1,2 Mio. $ in Auftrag gegeben und bereits 2008 zu Wasser gelassen. Das 1.820 kg schwere Unterwasserfahrzeug ist auf Perkins Superyacht Maltese Falcon stationiert, kann bis 305 m tief tauchen und wird von zwei 48 V Lithium-Phosphat-Batterien mit Strom für seine 6-stündigen Tauchfahrten versorgt. Die lebenserhaltenden Systeme decken einen Zeitraum von maximal 24 h ab.

Zu den neuen Solarbootdesigns vom April 2011 gehört auch die etwas kühl wirkende Vienna Falcon, eine solarelektrische Schnellfähre für den Personentransport, die von dem Designteam Stefan Wagner, Niklas Wagner und Lukas Pressler der Universität für angewandte Kunst Wien stammt. Neben der Sonnenenergie soll das mit Schwarzglas verkleidete Schiff auch die Wellen energetisch nutzten. Die Designer schreiben selbst dazu: „Durch die Mehrfachnutzung von alternativen Energiequellen (Kite-Antrieb, Glassolarbausteine und Wellengeneratoren) wird ein ausreichendes Energiekontingent für maximale Mobilität der Fähre erreicht. Das autarke Energiesystem sorgt für mehr Unabhängigkeit und bessere Preisgestaltung für Passagiere. Zusätzlich wird durch den Einsatz von ein-/ausfahrbaren Tragflächen ein dauerhafter Fährenbetrieb ermöglicht.

Das Timing ist gut, denn Mitte des Monats wird am Wörthersee, erstmalig in Österreich (!), ein Solarschiff für die gewerbliche Personenschifffahrt öffentlich vorgestellt. Die Schweizer Schiffbaufirma Grove Boats bringt einen Aquabus 1050 Aquarel nach Velden, um Interessenten das ganz besondere Fahrgefühl bei Elektrobooten zu vermitteln. Den für 24 Personen zugelassenen Aquabus habe ich schon in der Jahresübersicht 2000 ausführlich beschrieben (s.d.).

Ebenfalls Pioniere sind vier Studenten aus den USA und Spanien, die ein knapp 2,5 m langes autonomes Boot entwickelt haben, das völlig selbständig den Atlantik überqueren soll. Die über 4.800 km lange Strecke von Rhode Island bis nach Spanien wird der Scout mit einem GPS-System und mit Hilfe von Mikro-Controllern finden. Darüber hinaus gibt es einen digitalen Kompaß für die Navigation und das Tracking-System. Die solar versorgte Batterie kann das Boot, dessen Rumpf aus Kohlefasern mit einer Kevlar-Beschichtung besteht, mit einer vollen Ladung bis zu 25 Stunden lang antreiben.

Scout im Bau

Scout (im Bau)

Damit der Scout irgendwann im Sommer gestartet werden kann, braucht das Team noch Beratung durch Ingenieure und Seeleute sowie weitere Geldmittel über die bislang benötigten 2.500 $ hinaus. Das Geld beschaffen sich die Vier dann über die äußerst innovative und begrüßenswerte Kickstarter-Seite: Innerhalb von nur 6 Wochen kommen mit 3.424 $ sogar 136 % der angefragten Fördermittel zusammen.

Anmerkung: Ein autonome Segelboot namens Pinta, das andere Studenten 2010 gestartet hatten, schaffte es nur 400 Meilen weit über den Atlantik, dann ging seine Position verloren und schließlich sendete es auch keine Signale mehr. Über weiterführende Projekte dieser Art berichte ich unter Segelschiffe.

Zu den im Mai 2011 veröffentlichten Entwürfen mit besonderem Charakter gehört das retro-futuristische Pontonboot Ponto der Designstudentin am Politecnico di Milano, Yulya Besplemennova, die zuvor Industrie-Design am Moskauer Institut für Elektronische Technologien studiert hat.

Das Elektro-Diesel Hybrid-Boot, das durch seine kurvenreiche Glasfassade und seinen verkleideten, umweltfreundlichen Schaufelrad-Antrieb auffällt, ist gezielt für Öko-Touren auf Gewässern innerhalb von Nationalparks entwickelt worden. Kurze Ausflüge können mit 10 – 15 sitzenden Passagieren durchgeführt werden, für längere Touren bis zu 7 Tagen gibt es Betten für 5 Personen. Die maximale Fahrgeschwindigkeit beträgt 30 km/h.

Nach vier harten Wochen voller Umbauten und Neuerungen wird die Solarwave Mitte Mai 2011 wieder zu Wasser gelassen. Anschließend geht es nach Mykonos – inzwischen mitsamt Bordhund Tinka –, über verschiedene Inseln nach Athen und weiter im Ionischen Meer herum.

Es gibt immer mehr Hersteller, die auch Elektroboote in ihre Produktionspalette aufnehmen. In Vertretung dieser möchte ich die Bootsbaufirma Gastl Boote in Berg am Starnberger See nennen, die eine ganze Reihe exklusiver Elektroboote herstellt, zum Beispiel die Elektroyacht Laguna 760. Das 7,60 m lange, 2,30 m breite und ab 1,2 t schwere Boot bietet höchste Maßstäbe in allen Bereichen und wird mit unterschiedlichen Motorleistungen angeboten (8/25/40/60 kW). Passend zu den Antrieben stehen preiswerte AGM Bleibatterien oder hochleistungsfähige Lithium-Polymer-Akkus zum Einbau zur Verfügung. Das für 8 Personen zugelassene Boot, dessen Rumpf in Zusammenarbeit mit dem Institut für Schiffbautechnik Wien entwickelt wurde, erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 42 km/h. In der Ausführung mit einem 10 kW Elektromotor kostet das Boot ab 67.000 €. Im Mai 2011 wird über eine neue und mit 100 kW wesentlich stärkere Version berichtet.

Hornblower Hybrid Grafik

Hornblower Hybrid (Grafik)

Etwa zu diesem Zeitpunkt steht auch das neue Projekt des Betreibers Statue Cruises und der Firma Hornblower kurz vor dem Abschluß: Eine Hybrid-Fähre für 600 Personen, welche die Freiheitsstatue und die Einwandererinsel Ellis Island anfährt. Die 1.400 PS starke New York Hornblower Hybrid wird die weltweit erste Fähre sein, die mit Wasserstoff, Solar- und Windenergie läuft. Das Schiff, das auf den Derecktor Werften umgerüstet wird, bekommt eine  32 kW PEM-Brennstoffzelle der kanadischen Firma Hydrogrenics, die Wasserstoff in Strom umwandelt, 20 kW PV-Panele von SunPower, zwei 5 kW Helix-Windräder, 192 Absorbed Glass Mat (AGM) Batterien von Odyssey, sowie zwei Scania Tier 2 Diesel-Motoren, die den Restbedarf an Energie decken.

Beim nächsten Update werde ich sicherlich schon über den erfolgreichen Einsatz dieser neuen Hybrid-Fähre berichten können.

Im Juni 2011 bekommt das o.e. ‚Recycling-Schiff’ Plastiki Konkurrenz aus Taiwan: Das 7 m lange Polli-Boat (auch Polli-o-neer genannt) besteht ebenfalls in der Hauptsache aus Kunststoff-Flaschen und -Werbebannern (als Segel) sowie anderen Abfall- bzw. Reststoffen. Vom National Geographic Channel gesponsert wird der Prototyp als Teil eines Wettbewerbs für umweltfreundliche Schiffe gebaut.

Der Trimaran der auch sonst sehr innovativen Miniwiz Sustainable Energy Private Ltd. von Arthur Huang hat auch einen kleinen Elektromotor, der von 6 flexiblen 72 W Solarpanelen gespeist wird. Tragendes Kernelement sind jedoch die von Miniwiz entwickelten ‚Ziegel’ aus recycelten und mit PET verstärkten Plastikflaschen (Polli-Bricks), die Schwimmer bestehen aus 760 (o. 804?) Stück dieser Plastikziegel. Das Boot will nun an Taiwans Küsten entlang fahren – als pädagogisches Instrument.

MSV Explorer auf SP-02

MSV Explorer auf SP-02

Die auf der Isle of Wight beheimatete Firma GRP Laminates stellt zur gleichen Zeit ihr neuestes Produkt vor, den MSV Explorer des britischen Erfinders Chris Garner. Er ähnelt dem EGO Tauchboot, das im Februar vorgestellt wurde (s.o.), allerdings konnte ich noch keine technischen Details darüber finden, außer der Betriebszeit des von Batterien versorgten Wasserstrahlantriebs von ca. 7,5 Stunden.

Besonders interessant ist aber das Gesamtkonzept, denn die 2-Personen Halbtaucherplattform kommt mit einem eigenen 13 m langen und 12 Personen Platz bietenden Katamaran SP-02, mit dem sie schnell und sicher transportiert und am gewünschten Ort zu Wasser gelassen wird. Der MSV Explorer kann entweder durch einen Cockpit-Joystick oder über eine Fernbedienung vom Katamaran aus gesteuert werden. Zielmärkte sind Meeres-Hotels und Ressorts, Unterwasservermessungs-Unternehmen, Meeresforscher sowie Film- und Fernsehproduzenten.

Besondere Presse bekommt diese Entwicklung, da sie im Juni den Seawork International 2011 Preis für Innovation gewinnt.

Cal Craven aus dem Industrie-Designstudio Curvecreative in Dublin stellt im Juli 2011 unter dem Namen City Aquatic Transport (C.A.T.) das Konzept eines innerstädtischen Transportsystems vor, das helfen soll Straßenstaus zu vermeiden, indem es die Kanäle und Wasserstraßen nutzt. Das System ist so konzipiert, daß es sehr einfach zu bedienen ist. Die kleinen Elektroboote mit Rundumsicht für 4 Personen können im Voraus gebucht oder Online bestellt werden, und man kann sie manuell oder automatisch steuern lassen.

Botel Grafik

Botel (Grafik)

Gleich für länger auf dem Wasser bleiben könnte man in schwimmenden Hotel-Einzelzimmern, sollte das für die Adria entwickelte Konzept Botel des serbischen Architekten Ivan Filipovic realisiert werden. Es besteht aus einer zentralen Basis mit Lobby, Rezeption, Bar, Restaurant usw., die in einer sicheren Bucht vor Anker geht, während die 22 mobilen Räume oder Kabinen nach Lust und Laune herumfahren können.

Jede Kabine verfügt über Photovoltaik-Module und nutzt natürlich Elektromotoren, um leise und umweltfreundlich herumzukommen – daher wird das Konzept auch in diesem Kapitel präsentiert. Über ein GPS-Gerät kann die Position der schwimmenden Räume verfolgt werden und ein einfacher Befehl bringt das Zimmer wieder sicher zum Andocken an des ‚Mutterschiff’ zurück, wobei die Kabinen aber auch ferngesteuert werden können.

Im Juli 2011 wird in der spanischen nordöstlichen Provinz Zamora ein elektrisch angetriebener Katamaran in Betrieb genommen, mit dem Touristenfahrten und Studienreisen auf dem Sanabria See durchgeführt werden. Die 19 m lange und 6 m breite Helios Cousteau wird komplett von Solarenergie und Wind betrieben und bietet Platz für 80 Personen. Sie verfügt über 20 semi-transparente Sonnenkollektoren und vier kleine Windlader, die den gesamten Energiebedarf decken.

Da der Katamaran außerdem Teil des großen europäischen Netzwerks zur Observation der aquatischen Artenvielfalt ist, hat das Boot auch Unterwasser-Kameras die den Besuchern helfen die reiche Unterwasserwelt zu sehen.

Drei junge japanische Designer, Yu Hiraoka, Yuta Moriwake und Takumi Amiya stellen im Juli 2011 das Konzept eines Ballena Eco Sea Bus für die Inselbewohner und Touristen der Region Setouch vor.

Ballena Grafik

Ballena (Grafik)

Hier wurden als wichtigstes Transportmittel bislang Fähren benutzt, doch nach der Eröffnung der Shimanami Kaido See-Straße 1999, die mit 10 langen Brücken eine ununterbrochene Durchfahrt über die Inseln in Japans Binnenmeer Seto Nai-kai erlaubt, wechselten die meisten Fahrer von den Fähren auf diese Straße. Nachlassender Bedarf, eine ermäßigte Maut sowie die steigenden Ölpreise führten zur Schließung mehrerer Fährgesellschaften – was zu einem großen Problem für Studenten und ältere Menschen wurde, die keine Autos haben und auf Fähren angewiesen sind, um auf das Festland zu gelangen.

Als Lösung bietet das Setouchi Eco Boat Design Project einen elektrisch betriebenen Wasserbus als neues Transportmittel für diese Menschen an. Der Entwurf beinhaltet auf dem Dach montierte Sonnenkollektoren und Li-Ion-Batterien. Die maximale Tragfähigkeit des 12,5 x 4,9 x 5,3 großen Bootes beträgt 60 Passagiere, und das Styling ist von den Formen der Wale inspiriert, die als Symbole der Region gelten.

Ebenfalls im Juli 2011 feiert das auf den Juraseen kursierende Solarschiff Capitaine Soleil 10-jähriges Jubiläum. Mit 33 m Länge und 12 m Breite war der Katamaran 2001 das damals weltgrößte Solarschiff und schaffte es sogar in das Buch der Rekorde. Das 115 t schwere Schiff für 150 Personen hat eine Solarzellenfläche von 180 m2 und ausreichend Batterien, um über den Elektro-Antrieb mit einer Motorleistung von 2 x 81 kW mehr als 100 km weit fahren zu können.

Verwirklicht wurde der Großraumkatamaran MobiCat damals von einigen innovativen Sponsoren und vom Bundesamt für Energie. Heute ist das Schiff in die Flotte der Bielersee Schifffahrt (BSG) eingegliedert, die es hauptsächlich für Spezialfahrten nützt. Im Jubiläumsjahr 2011 fährt der Solarkatamaran nun sogar im Liniendienst, damit noch mehr Menschen in den Genuß einer lautlosen Kreuzfahrt kommen können.


Empfehlenswerte weiterführende Portale zum Thema der Solar- und Elektroboote sind die Seiten des Solarschiff-Netzwerks und der electric boat associaction.


Nach den Elektroschiffen wenden wir uns nun der dritten Dimension zu und schauen uns an, wie die Entwicklung auf dem Sektor der Elektro- und Solarflugzeuge verlaufen ist.


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